Jede Lüge braucht…

27 08 2007

einen Mutigen, der sie zählt… klar, wo dieser Spruch herkommt: Vom BildBlog, einem meiner Lieblinge.

Der Spot mit Anke Engelke und Christoph Maria Herbst ist göttlich!!!

http://www.bildblog.de/2446/in-eigener-sache-der-bildblog-werbespot





Übersetzungsfehler bei Dr. House

27 08 2007

Wieder einmal gönnte ich mir am Wochenende ein paar Dr. House - Folgen auf DVD. Im übrigen habe ich damit meinen ehemaligen Kollegen angesteckt ohne es zu wissen. :-) An dieser Stelle herzliche Grüße, auch wenn du dich nie hierher verirren wirst.

Also Chase sagte “Doxyzylin” - richtig ist “Doxycyclin”. Der zweite “K”-Laut fehlte. Für geübte Ohren ein Grund so etwas wie ein Teaser-Gefühl im Gehörgang zu spüren.

Etwas später in der Folge kam noch so etwas. Hab ich aber vergessen, was das war.

Was mich außerdem wundert: Bei Dr. House sind intubierte Patienten öfter mal wach. Wer so wach ist, wie die im Film, toleriert keinen Tubus in seinem Hals. Der würgt, hustet, zieht ihn sich raus. Man sediert die Leute immer etwas weg, damit sie es tolerieren.

Außerdem störte mich, dass sich das Lungenödem als erstes an Hämoptysen manifestierte. Bevor die Leute dahin kommen, kriegen sie Luftnot und erzählen nicht so locker flockig freiweg mit jemandem. Also das war unrealistisch. Aber der Rest war ok. :-)





Impfen macht Sinn

27 08 2007

Ein Beispiel, warum Impfen Sinn macht - z.B. gegen Paramyxoviren - haben die Schweden herausgefunden. Mumps und Masern machen ein erhöhtes Risiko eine Schizophrenie zu entwickeln. Punkt. Vielleicht erklärt sich daher, dass es immer noch Leute gibt, die als Kinder diese Krankheiten durchmachten und heutzutage der Ansicht sind, das ein Kind das unbedingt braucht.

http://www.medical-tribune.de/patienten/news/20962/

Ich bin von je her ein Impfbewürworter. Ich habe in meiner bisher noch nicht so langen Karriere bereits mehrfach Schäden von Polio gesehen (inkl. Post-Polio-Syndrom), Meningitis-Folgen wo Erwachsene Schwerstbehindert waren weil sie als Kinder eine Meningitis hatten, Rötelnembryopathie, Epileptiker nach Masern, todunglückliche Paare  wo der Mann wegen einer Mumps-Orchitis in der Kindheit zeugungsunfähig ist, …

Ich glaube nicht daran, dass Kinder durch Erkrankungen reifen. Wenn sie nur reifen, wenn sie krank sind, haben die Eltern eindeutig die Zeit dazwischen verpasst. Das ist wie mit dem Zunehmen - man nimmt nicht zwischen Weihnachten und Neujahr zu sondern zwischen Neujahr und Weihnachten… Demzufolge müsste man ja sagen, dass die Supernanny-Problemfälle einfach nur mal die Masern, Mumps etc durchmachen sollten, damit sie reifer werden. Ob es das bringt? Wie dankbar ist wohl ein 35 jähriger, der feststellt, dass es seit 10 Jahren mit Kindern einfach nicht klappt und Mutti ihm dann erzählt, dass er mal eine Mumps-Orchitis hatte, die ihn zwar hat reifen lassen, aber ihn nie Vater eigener Kinder werden lässt? Wie reif geworden sind die Jugendlichen, deren Leber sich beginnt zirrhotisch umzubauen, weil Hepatitis B - Viren sich dort heimisch fühlen?

Ich hatte eine Menge Kinderkrankheiten und ich kann nicht behaupten, dass es mich reifer gemacht hat. Ich habe auch nicht weniger Allergien dadurch. Von den Windpocken behielt ich Narben, vom Mumps ne Weile eine Anfälligkeit für LKS in dem Bereich, von den Röteln Ausfall in der Schule, das Dreitagefieber brachte mich fast ins Krankenhaus, … alles in allem haben meine Kinderkrankheiten letztlich dazu geführt, dass meine Mutter viel zuhause bleiben musste mit mir und dadurch geringere Rentenansprüche hat. Na, wenn das nichts ist. Ich bin froh, dass mir die Masern, Diphtherie, Tetanus, Polio, Pertussis etc. erspart geblieben sind, weil es dagegen schon eine Impfung gab als ich noch Kind war.

Ich würde meine Kinder impfen lassen, weil ich daran glaube, dass gesunde Kinder besser reifen als kranke Kinder und weil ich daran glaube, dass man sich genauso um sein Kind kümmern sollte wenn es gesund ist und nicht nur während es krank in seinem Bettchen liegt.





Was macht ein Assistenzarzt in der Freizeit?

26 08 2007

Welche Freizeit?

Arbeitszeit letzte Woche 63 Stunden.

Ansonsten:

Versuche zu lesen, die immer daran scheitern, dass ich nach ca 1 Seite einschlafe.

Fotografieren, was immer daran scheitert, dass das schöne Wetter an den Tagen ist, wenn ich Dienst habe - danach richten sich inzwischen auch einige Angestellte in der Klinik mit ihren Ausflugsplanungen. Wenn ich frei habe, dann regnets, stürmts oder sowas.

Schlafen, möglichst viel und möglichst lange, denn meine durchschnittliche Schlafdauer in der Woche beträgt 6,5 Stunden und das ist mir zuwenig. Ich lebe in einem ständigen Jetlag. Durch das lange Arbeiten kommt man nach der Arbeit nicht so schnell runter, computert, sieht fern, versucht sich körperlich abzureagieren. Mal abgesehen dass Tätigkeiten wie Einkaufen, Termine erledigen etc. auch noch anfallen. Dadurch kann man nicht auf Schlag um neun abends in die Heia und ist dementsprechend später dran mit einschlafen. Am nächsten Morgen nehme ich mir vor, eher ins Bett zu gehen, was aber wieder an geschildertem Problem scheitert. Am Wochenende - sofern ich keinen Dienst habe - schlafe ich meine 12  bis 13 Stunden am Stück durch. Wenn die Nachbarn nicht wieder Krach machen. Die Dienste sind auch so ein Jetlag - Grund. Arbeiten bis um 4.00 Uhr früh ohne Pause. Abendbrot um 22.00 oder 23.00 nachdem man 8 oder 9 Stunden ohne Essen full power rackern musste. Man schläft 2 oder 3 Stunden, mit Glück auch 4. Dann weiterarbeiten. Visite machen. Offiziell ist um 8.00 Schluss. Haha. Ich bin häufig bis 10.00 da. Um 12.00 falle ich nach Heimweg und Frühstück wie ein Schluck Wasser ins Bett, nach 5 Stunden werde ich meist wach - Hunger. Also aufstehen, was nur mit Gewalt geht. Da stelle ich mir immer die Frage, was im Menschen die größere Kraft hat: Der Drang nach Schlaf oder nach Essen? Man holt dann nach, was man im Dienst nicht essen konnte, völlig unphysiologisch, sofern der Magen es zulässt. Und fällt dann halbtot ins Bett so gegen 22.00. Am nächsten Morgen ist man nicht in der Lage zu sagen, welchen Wochentag man hat oder wie spät es ist.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass so ein Dauer-Jetlag gesund ist. Es ist mit den Diensten, als wenn man erst nach Westen fliegt und gleich wieder zurück. Falls es einen Arbeitsmediziner oder - physiologen gibt, der Interesse hat, daran zu forschen, stelle ich mich gerne zur Verfügung.

PS: Für alle die denken, dass 24h-Dienste mit dem Marburger-Bund-Tarif-Vertrag vorbei waren… nix is. Der Tarifvertrag hat eine Klausel, die es weiter gestattet. Ein Grund mehr, ins Ausland zu gehen.





Und dann kommen die Geier

21 08 2007

Sie sieht die, wie sie kommen. Die kommen immer. Und immer kann sie es nicht glauben, wenn sie die sieht. Die Geschichten sind immer gleich.

Erst kommt eine einsame kranke Seele, die weiß, dass ihre Tage gezählt sind. Sie sieht, wie die Werte schlechter werden. Sie sieht, wie sie langsam Abschied nehmen. Nachbarn kommen und liebe Freunde, die durch Dick und Dünn begleitet haben. Menschen, die ehrliche Tränen vergießen, weil dort Zuneigung ist, Liebe, Vertrauen, ein Band zwischen ihnen ist.

Wenn diese Kranken kommen, sagen sie fast immer, dass sie alleine sind, dass es niemanden von der Familie gibt, der sich um sie kümmert, dass sie schon lange keinen Kontakt mehr hatten, dass andere jetzt ihre wirkliche Familie sind. Die Sätze sind immer die gleichen. Egal, es ist doch schön, wenn Menschen so zueinander halten.

Doch dann kommt der Punkt, da bekommen es welche aus der Familie, besser der Sippschaft mit. Nichten, Cousinen, Schwager, Onkel, Tanten, Schwiegerkinder, Ex-Partner der Geschwister… die Liste ist lang. Sie haben sich oft Jahrzehnte nicht gesehen. Doch das was passiert, ist immer das gleiche. Die kommen, aber nie allein. Immer im Clan. Das Rudel Wölfe.

Die Kranken sind manchmal schockiert, immer überfordert und gestresst. So viele da und doch ist sie inmitten dieser Menschen einsam, weil dort Kälte ist. Plötzlich entdecken die sowas wie ihre Liebe wieder, aber sie wissen alle, dass die Tage des Menschen dort im Bett gezählt sind. In der neu entdeckten Liebe werden die so ausufernd, dass Pflegepersonal und Ärzte häufig drangsaliert werden. Auskünfte? Laut Gesetz nur mit Zustimmung des Patienten. Die drohen postwendend mit Beschwerden, Klagen, … Die beginnen das Personal gegeneinander auszuspielen. Die gehen in der Rolle der Fürsorgenden plötzlich und unerwartet auf. Der Kranke liegt hilflos da.

Warum? - fragt sie sich. Die Antwort ist meist so einfach. Ein Haus, ein Sparkonto, Wertpapiere,… und alles gehört einer kranken Seele ohne Ehepartner oder Kinder. Sie hat aufgehört an das Gute im Menschen zu glauben. Vor Jahren schon. Und doch entsetzt sie das, was sie sieht immer wieder aufs neue.

Die fragen “Wann ist es soweit?” “Sie wird doch nicht mehr lange leben, oder?” “Aber er stirbt doch bald?” “Wie lange lebt sie denn noch?”, “Kann man das nicht leichter machen, dass es nicht so lange dauert? Ich meine, dass man es leichter macht für ihn, also verstehen Sie mich nicht falsch.” Die Sätze sind immer die gleichen. Aber jedes mal kommen neue hinzu. “Kann er jetzt noch ein Testament machen?” Die sind da, die Geier. Die spüren es. Und die kommen. Oft spüren die Kranken, warum die Sippschaft plötzlich kommt. Es muss schrecklich sein zu wissen, die kommen, um zu warten, dass es zu Ende ist und um sich dann das zu nehmen, was jemand ein Leben lang aufgebaut hat.

Sie dachte, sie hätte schon soviel gesehen und erlebt, wie böse und hinterhältig Menschen sein können. Dann kamen wieder welche von denen und besuchten jemanden. Jemanden, dem es schlecht ging, der nicht Herr seiner Sinne war, umnebelt, Halluzinationen, Verwirrtheit, kurz nicht geschäftsfähig. Sie ging und erklärte es denen. Wieder und immer wieder. Dann baten die heimlich einen fast neunzigjähigen Menschen mit den Worten hinaus, in Ruhe Testamentsangelegenheiten des anderen Kranken klären zu wollen. Zu klären mit jemanden, der Engel und Teufel sah, der nicht wußte, wo er war, welchen Tag wir hatten, der glaubte, Hörgeräte eingebaut bekommen zu haben von der NATO, damit er alles hören konnte, jemanden, dem man hohe Dosen Medikamente geben musste. Zwei Tage redeten die auf den Menschen ein. Die hielten ihm das Testament und Vollmachten unter die Nase. Die führten ihm die Hand, als eine Schwester durch Zufall das Zimmer betrat. Die wußten, dass diese Unterschrift nicht gültig ist. Die waren mehrfach aufgeklärt worden, dass derjenige nicht geschäftsfähig ist, dass das Amtsgericht angerufen worden war, um einen Betreuer zu bestellen. Die haben einen Anwalt zuhause, der das alles wissen müsste, von dem die Formblätter stammten. Die taten es trotzdem, vorsätzlich, im vollen Bewußtsein der Umstände. Derjenige, der im Nebel seine Hand geführt bekam, konnte sich Tage später nicht mehr erinnern, dass er was unterschrieben hatte. Sie ließen ihm keine Kopie da. Man rief den Richter an, der über die Betreuung entscheiden sollte. Es war ihm egal, als er die Geschichte hörte. Die Geier waren längst da und sie kreisen.

Sie stehen daneben und müssen zusehen, wie ein hilfloser Mensch betrogen wird, ausgenommen wie eine Weihnachtsgans, aber sie können nichts tun. Wo kein Kläger, da kein Beklagter.

 Warum gibt es keine Patientenanwälte, die kostenlos für solche Menschen deren Rechte vertreten bis sie wieder geschäftsfähig sind? Wenn jemand plötzlich geschäftsunfähig ist, krank und hilflos, dann hilft ihm niemand.

Menschen sind schlecht. Sie kennen keinen Respekt, keine Moral, keine Ethik. Gerechtigkeit und Rechtsempfinden sind zwei Dinge, die heute nicht mehr existent sind.





Fundstück der Woche: Pechvogel - Studie

21 08 2007

Tja, gibt es sie oder nicht, die echten Pechvögel? Das war den Niederländern eine Studie wert. Einer von 29 Leuten hat ein 50% höheres Unfallrisiko. Aha, ich bin also der eine von 29. Interessant zu wissen. Wieso eigentlich ich? Sprunggelenke, Zeh, Knie, Schulter, Rücken, Kopf, Daumen, kleiner Finger… weiß nicht, ob ich jetzt alles behalten habe. Medizin ist eine Erfahrungswissenschaft heißt es manchmal. Auf manche Erfahrungen hätte ich auch gut verzichten können. Naja, wir wollen ja nicht undankbar sein, es ist zum Glück alles glimpflich über die Bühne gegangen und das ist ja auch schon ne Menge wert, oder?

http://www.medical-tribune.de/patienten/news/20942/





Electra “Nie zuvor”

15 08 2007

Heute morgen lief im Radio Electra “Nie zuvor”. Wie lange habe ich den Song schon nicht gehört? Ewig. Aber ich konnte jedes Wort mitsingen. Das konnte ich auch schon mit 8 Jahren als kleines Ossi-Kind. Damals fand ich die Melodie toll. Jetzt wo ich älter… steinalt… uralt… ein Fossil von 20 + x Jahren bin (oder eher 30 - x Jahren), da stelle ich fest, dass die Melodie und der Text zusammen einfach richtig gut sind. Es passt. Und es ist eines der schönsten Liebeslieder geworden, die ich kenne. Wirklich. Ehrlich, direkt, ohne Schnörkel, aber es geht direkt ins Mark. So beim Lesen wirkt der Text vielleicht nicht spektakulär. Aber wer das Lied kennt, hat die Melodie im Ohr und versteht bestimmt, was ich meine. Da steckt Gefühl drin, Seele. Keine Ahnung, warum es geschrieben wurde. Vielleicht weil jemand zum Wehrdienst ging, ins Ausland, woanders hin zum Studieren, auf ein Schiff um um die Welt zu reisen…

Hier der Text:

Und der Abend ist gekommen,
wie ein großes sanftes Tier.
Hat die Trauer fortgenommen
und ich lieg’ ganz nah bei dir.
Morgen werden wir uns trennen,
für eine unbestimmte Zeit.
Und die letzten Stunden rennen
uns davon, so gnadenlos,
so gnadenlos, und ich mache mich bereit.

Nie, nie zuvor hab’ ich dir so sehr vertraut.
Nie, nie zuvor hab’ ich so auf dich gebaut.
Um die Zeit zu überstehen.

Und die Zeit, sie wird bezeugen,
dass wir zueinander stehen.
Und kein Zweifel soll mich beugen,
dass die Jahre schnell vergehen.
Dass die Münder sich berühren,
wenn ich wieder bei dir bin.
Dass wir noch die Wärme spüren,
die uns heut’ verloren scheint,
verloren scheint.
Darin hab’ ich meinen Sinn.

Nie, nie zuvor hab ich dir so sehr vertraut.
Nie, nie zuvor hab ich so auf dich gebaut.
Um die Zeit zu übersteh’n.





Dr. House und das Knochenmark

15 08 2007

Das interessante ist: gestern abend lief die Wiederholung einer Folge aus Staffel 1. Die mit der Meningitis-Epidemie und dem kranken 12jährigen Wasserspringer-Mädchen. Da wollte Foreman auch eine Knochenmarkspunktion / - aspiration machen und lustigerweise war hier die Übersetzung richtig.

Nebenbei fand ich die Feststellung, dass der Leichenkeller der Pathologie der einzig ruhige Ort in einem Krankenhaus ist, zwar etwas absurd, aber andererseits höchst logisch und nachvollziehbar. Allerdings würde mich der etwas strenge Geruch - selbst wenn gekühlt wird, riechts immer etwas seltsam - davon abhalten, dort länger zu verweilen.

Im Übrigen trifft die Darstellung der Schwestern in dieser Folge genau meine Erfahrungen.





Medikamente bei Dr. House

13 08 2007

Mich hat mal interessiert, was das für Medikamente sind, die bei Dr. House so eingesetzt werden. Es werden immer nur die Handelsnamen gesagt.

Z.B. Wenn dort ein Epileptischer Anfall ist oder Unruhezustände. Dann schreit gleich (meistens Chase) “2 mg Ativan!”. Ativan ist Lorazepam. In Deutschland am gängigsten als Tavor bekannt. Ein Benzodiazepin. In Deutschland wird zur Akuttherapie meistens Faustan (= Diazepam) 10 mg beim Krampfanfall gelehrt. Gängig, meistens ganz ok. Bei wiederholten Anfällen innerhalb von weniger als 4 Stunden sollte man dann umsteigen auf Rivotril. Liegt meist auf der ITS im Schrank. Ist nicht ganz so atemdepressiv bei wiederholter Anwendung und bringts auch ganz gut.





Nase zu und durch - Gerüche in der Bahn

13 08 2007

Es ist Sommer, zumindest nennt sich der August Sommermonat. Bei 24 Grad und schwülwarmer Luft ist Straßenbahnfahren eine olfaktorische Herausforderung. Hunde kann ich noch mit Müh und Not ertragen.

Aber wo sich das bei mir aufhört: Parfüm. Parfüm von älteren Frauen mit grauen Haaren und Hinterhof-Friseur-Einheits-Frisur. Sie können noch so schick gekleidet sein, wenn es riecht wie in einem chinesischen Wanderpuff, dann möchte ich aussteigen. Schwere Düfte lösen bei mir eine Überproduktion von Histaminen aus, was zu einer Schleimhautschwellung der Nasenhaupt- und -nebenhöhlen führt und letztlich auch zu Kopfschmerzen. Mal abgesehen von emotionalen Assoziationen. Ich wünsche mir dann immer einen Eimer Wasser, den ich über diese Leute auskippen könnte, um die Duftmoleküle zu binden und aus der Luft zu fischen. Geht das überhaupt?

Da halte ich es noch eher aus, wenn jemand nach Schweiß stinkt. Kommt er von der Arbeit, weiß man, er hat gearbeitet.

Sieht er nicht so aus, dann liegts daran, dass er wasserscheu ist oder die Seife so teuer geworden. Vorsicht, bei letzteren Leuten hört die Sparsamkeit auf, wenn sie am Douglas vorbeikommen und dann wird Schweiß - ihr ahnt es schon - von Parfüm übertüncht. Bäh.

Knoblauch geht noch so, wenn man selbst welchen gegessen hat, merkt mans ja nicht mal :-) Naja, wenn nicht, is halt Pech, sollte man mal wieder beim Italiener essen.

Schnaps und sozial derangierte Männer… kommt gleich nach Parfüm. Wenn die Schnapsflasche schon aus der Hand kippt und der Herr nach allem riecht / stinkt, was sonst das Klo runterfließt, dann krieg ich auch Ekel. Ich frage mich immer, wie kriegt man mit, ob so jemand vorher auf dem Platz gesessen hat, auf den man sich selbst setzt? Die sind ja auch nicht immer parasitologisch clean.

Stellen wir also die Top 5 der olfaktorischen Tiefs in der Bahn auf:

1. Parfüm von grauhaarigen alten Damen Marke Chinesischer Wanderpuff

2. Parfüm von jungen Mädels, die endlich mal Muttis oder Omas Flasche gefunden haben

3. Männer die in After Shave gebadet haben, dass einem die Augen tränen

4. Schnaps + Piesche + ich-wills-gar-nicht-wissen-was-da-noch-auf-dem-Sitz-bleibt

5. Ungewaschener Hund