“Supersize me!” zum zweiten

27 02 2008

Die besten Reportagen etc. bringt das Fernsehen erst, wenn der Großteil der deutschen Bevölkerung seelig in den Kissen schnarcht oder TV Total guckt. Ich hatte gestern das Vergnügen, mal gaaaanz lange aufbleiben zu dürfen ohne dabei arbeiten zu müssen bzw. am nächsten Tag früh raus zu müssen. Auf N3 lief “Supersize me” allerdings erst ab ca elf Uhr abends. Ich habe den Film bereits einmal gesehen, aber es hat mich gereizt, ihn noch einmal anzugucken. Meistens nimmt man beim zweiten Mal die Infos besser auf als beim ersten Mal. Für alle, die nicht wissen, worum es geht, eine kurze Schilderung. Der Autor Morgan Spurlock lebt normalerweise von dem Essen, was ihm seine Freundin kocht. Die ist Gesundheitsberaterin und Veganerin. Morgan selbst ist aber kein Veganer. Beide wohnen in New York und legen die meisten Wege zu Fuß zurück, so ca 7-8 km /d. Morgan beschließt den Gründen für ein immer fetteres Amerika auf die Spur zu kommen und führt einen Selbstversuch durch: einen Monat lang nur von McDonalds Menüs leben und sich nur soviel bewegen wie die meisten Amerikaner, häufig das Auto nutzen etc. Dreimal am Tag gibt es daher McIrgendwas - Menüs. Morgen bewegt sich nur noch ca 800 m am Tag und reist mit Flugzeug und Auto nach Illinois, Texas, L.A. etc., besucht Schulküchen, interviewt Menschen. Außerdem wird er regelmäßig von Ärzten gecheckt. Herausgekommen ist ein Film, der einem zeitweise die Haare zu Berge stehen lässt und bereits während des Films zu angeregten Diskussionen führt. Ich war zeitweise noch schockierter als beim ersten Ansehen des Films, zu dem es auch irgendwo in meinem Blog ein Posting geben müsste vor ca einem Jahr oder so. Aus meiner Sicht ist der Film Pflichtprogramm für alle Schulen und sollte in Wartezimmern von Krankenhäusern und Arztpraxen laufen!

Ein paar Facts gefällig?

Morgan Spurlock hat innerhalb dieses McMonats von 84 auf 95 kg zugenommen. Sein Cholesterinspiegel ist vom Normalbereich um ca 2/3 gestiegen. Seine Harnsäure-Werte sind massiv gestiegen. Das schlimmste war jedoch ein Anstieg seiner Leberwerte innerhalb von kurzer Zeit auf das Zehnfache, was einer akuten Hepatitis gleichkommt. Er war schlapp und erschöpft, müde, unausgeglichen, depressiv, litt an Schlafstörungen, entwickelte einen gelegentlichen Druck auf der Brust. Seine behandelnden Ärzte rieten ihm nach drei Wochen eindringlich dazu, das Experiment zu beenden, da sie ein akutes Leberversagen befürchteten bei den stark erhöhten Werten. Nach Ende der “McDiät” aß Morgan wieder das Essen seiner Freundin, die eine spezielle Diät für ihn entwickelt hatte. Nach ca 8 Wochen waren seine Leberwerte wieder im Normbereich. Er brauchte 5 Monate um wieder abzunehmen. 2 kg aber hat er bis heute mehr als vorher.

Morgan nahm statt seiner benötigten 2500 kcal mehr als das doppelte zu sich. Außerdem den mehrfachen Bedarf an Fett, Proteinen, Kohlenhydraten… Dafür allerdings kaum Vitamine. Das erschreckende war: selbst im Joghurt mit Früchten steckten in der mittleren Packung bereits soviel Kalorien wie im kleinen Eis. Auch die Salate kamen auf eine ordentliche Kalorienzahl - durch paniertes Fleisch und Dressing. Ernährungsexperten berichteten, dass es früher nur eine Größe Pommes, Cola etc. gegeben hat. Heute sind es 5, wobei die frühere Größe heute lediglich die “Kindergröße” ist. Erklär mir mal einer, wie man einen Liter Cola schaffen kann und das dreimal am Tag? Ich würde eingehen… Sie hatten einen Mann, der trank täglich 8 Liter Limonade, weil er dachte, das sei gesünder als Cola. Der muss ja permanent aufs Klo gelaufen sein, irgendwo muss das Volumen doch hin… Er war inzwischen Diabetiker und Hypertoniker, mal abgesehen von seiner Adipositas. Nach Ende der Dreharbeiten nahm McDonalds USA die Supersize Größen aus dem Programm und führten eine “GoActive” Größe ein - die Kindergröße wurde einfach umbenannt. Außerdem gab es nach Ende der Dreharbeiten einen Erlass, dass die Nahrungsmittelhersteller nicht mehr verklagt werden können wegen Adipositas, Diabetes etc. Der Film zeigt auch, wie stark die Lobby dort ist. Die Firmen finanzieren Bildungsprogramme u.a. zur Ernährung mit. Bock und Gärtner… jaja. Bei manchen Szenen fragte ich mich, ob ich es lustig fand oder tragisch: Schulkindern wurden Bilder gezeigt. Sie kannten Ronald McDonald aber nicht ihren Präsidenten.  Amerikaner sollten vor dem Weißen Haus einfach mal den Schwur auf die Nation aufsagen. Sie schafften es nicht. Aber den superlangen Werbeslogan für den BigMac, denn konnten sie problemlos. Die 15 Dicksten Städte der USA zählen 5 “Mitglieder” allein in Texas, dem dicksten Bundesstaat (hier wurde Morgan 5x gefragt, ob er ein Supersize Menu haben will, insgesamt aber nur 9x). Man rechnet übrigens damit, dass in 20 Jahren etwa 1/3 der US-Amerikaner Diabetes haben könnte. Die höchste McDonalds-Dichte weist übrigens Manhattan auf. Ich hab die Anzahl der Filialen vergessen, aber rein rechnerisch war es glaube ich alle 100 m. Aber New York zählt lustigerweise nicht zu den dicksten Städten.

Also ich kann nur jedem empfehlen, sich den Film einmal anzusehen. Ich verteufel das FastFood nicht, aber es sollte sich jeder überlegen, wie oft er solche Läden besucht und sich im klaren drüber sein, wie stark die Lobby und der Einfluss auf “seriöse” Informationsgeber tatsächlich ist. Ein Salatblatt auf dem Burger macht halt noch keine Vitaminbombe draus. Letztlich ist es Eure Gesundheit, über die ihr selbst entscheidet. Ich denke, alle paar Wochen schadet es nicht. Aber mehrmals die Woche… das geht nicht gut.
Um das Experiment zu wiederholen bzw. zu überprüfen, haben die Schweden eine kleine Studie aufgelegt. Bei landarzt.wordpress.com ist ein schöner Beitrag dazu drin:

http://landarzt.wordpress.com/2008/02/14/schon-4-wochen-zu-viel-essen-schadet-der-leber/

Die Probanden brauchten aber zum Glück nur 2 x täglich ein McMenü essen. Letztlich steht am Ende das gleiche Ergebnis: Gewicht stieg an, Leberwerte auch. Damit wären die bösen Stimmen seitens der FastFood-Hersteller wohl widerlegt, die Morgan Spurlock vorgeworfen hatten, er würde betrügen.

http://gut.bmj.com/cgi/content/abstract/gut.2007.131797v1?maxtoshow=&HITS=10&hits=10&RESULTFORMAT=&author1=Stergios+Kechagias&andorexactfulltext=and&searchid=1&FIRSTINDEX=0&sortspec=relevance&resourcetype=HWCIT

Achso… da war noch was… in Bochum hat jetzt die zweite Filiale einer amerikanischen FastFood-Kette aufgemacht: Hooters. Zur Bedeutung des Namens siehe Wikipedia. Das Konzept zielt aber nicht auf Kinder und Jugendliche ab wie bei McDonalds sondern auf Männer. Zusätzlich zum eigentlich nebensächlichen Essen gibt es eine rein weibliche Kellner-Besetzung in hautengen viel zu kleinen Klamotten, die zu dümmlichen Lieder noch dümmlicher tanzen müssen. Bsp: Ententanz zu dem Text “I don’t wanna be a chicken, I don’t wanna be a duck, I just wanna be a Hooters Girl…” Sex sells… die Mädels müssen ein Casting machen, ob sie denn auch geeignet sind, sich auf das amerikanische Niveau herunterzulassen. Dazu sind eigens amerikanische Hooters-Girls eingeflogen worden, die den deutschen Kellnerinnen die dümmlichen Tänze, das aufgesetzte amerikanische Dauergrinsen und die kreischende Stimmlage amerikanischer Ex-Teenies wie Paris Hilton beibringen sollten. Mal ehrlich: Haben wir das noch gebraucht? Die Mädels, die im Fernsehen gezeigt wurden, fanden das ganze befremdlich und ziemlich niveaulos, aber was sollten sie machen, sie brauchen das Geld. Für 6 Euro Stundenlohn halbnackt Cheerleader spielen und sich von fetten sabbernden Kerlen anglotzen lassen… Dann doch lieber als Clown im Ronald McDonald-Kostüm… Die Kellnerin degradiert zur singenden Sex-Hupfdohle. Aber die Ami-Girls findens klasse… Hauptsache hübsch und ordentlich Silikon… Seltsames Frauenbild in dieser ach so freien Nation… Ich weiß jetzt auch, warum die Amis soviel Glücklichmacher-Pillchen in sich reinwerfen. Anders kann man so nen Quatsch doch nicht ertragen. Was Wikipedia dazu noch erwähnt: In Hamburg klappte es mit der Eröffnung gleich gar nicht, in Wien hat man inzwischen wieder dicht gemacht. Hmmm, Wal Mart gings ja auch nicht besser.





Nachbarn auf dem Höhepunkt

25 02 2008

Wieder mal ist es soweit und euch Lesern droht ein neuer Teil der Blog Soap “Meine Nachbarn -Deine Nachbarn”.

Zu den Dingen, die mich nun wirklich gar nicht interessieren, gehören die sexuellen Neigungen meiner terroristisch veranlagten Nachbarn mit dem prä-ADHS-Kind unter uns. Dummerweise korrelieren meine Zeiten mit extremem Schlafbedürfnis und deren Zeiten für hormonelle Dysbalancen miteinander, soll heißen: Wenn Assistenzarzt hundemüde ist und in die Heia will zum schnarchen, dann kriegen die unter Assistenzarzt wohnenden Nachbarn regelmäßig Bock aufeinander und das lautstark. Ich hoffe nur, die verhüten, denn noch so ein Nachkomme wie der bereits existierende, kann die Nachbarschaft nicht vertragen. Und die Kindergärtnerinnen bestimmt auch nicht. Ich kanns ja noch verstehen, wenn ich durch die vom Vermieter stets als ach “so dicke Wände mit total super Schalldämmung” angepriesenen Mauern das Gequietsche des Schlafmobiliars höre. Aber diese super tolle Schalldämmung ist von den Leih-Handwerkern  der - vom Vermieter stets bevorzugt genommenen sauteuren - Firma  leider falsch gelegt worden. Die habens geschafft und die Schalldämmung irgendwie mit der Wand verbunden!! Sowohl über uns als auch unter uns, wo die Wohnungen nach unserem Einzug saniert worden waren. Vorher war das nie so laut, da habe ich nicht mal wahrgenommen, dass wir Nachbarn haben… Ok, das Gequietsche ertrage ich noch. Aber dann kommen laute Töne hinzu, die mich an eine kalbende Kuh erinnern. Und an einen brünftigen Elefantenbullen. Das wird nur unterbrochen von den lallenden Stimmen der beiden Menschen unter mir, die bedauerlicherweise im alkoholisierten Zustand recht undeutlich reden. Im Übrigen fiel mir heute auf, dass die immer trinken und lallen, wenn sie vö… sich dem Vermehrungstrieb hingeben. Können die sich gegenseitig dabei nur im Suff alkoholisiert ertragen? Das Dumme ist, wenn man besoffen ist, dauert ja alles länger, also ich meine alles… bis die so fertig sind mit dem was sie da tun und endlich Ruhe herrscht im Haus… Die müssen ja nicht arbeiten am nächsten Tag, die bringen ja nur das Kind den halben Tag zum Kindergarten, damit sie sich in Ruhe streiten können. Zur Arbeit fuhr der morgens nur so drei oder vier Wochen, dann hatte sich das auch erledigt. Da hat man eben Zeit mitten in der Nacht, wenn alle anderen schlafen und damit schon fertig sind…

Wie ja schon einige Blogeinträge erkennen ließen, krieselte es in der letzten Zeit der noch jungen Ehe häufiger mal. Sie kann angeblich nicht kochen, er kriegt seinen Hintern nicht mal hoch um mit dem Kind zu spielen, dafür schreit er um so besser, wenn er in Rage ist, etc…. Was tut man, wenns in der Ehe krieselt? Partnertherapie. Wenn man dafür zu blöd ist nichts übrig hat, guckt man Fernsehen und macht das, was auf den Viertprogrammen zwischen Dauerwerbesendung und Supergewinnspiel geraten wird: Man peppt sein Sexualleben auf. Niemand solle glauben, in MeckPomm lebt man hinter dem Mond. Nein, wir haben etliche Shops und auch bei uns kennt man Onlineversand. Leider kennen das auch meine Nachbarn. So wurde ich letzte Nacht Zeuge, wovon ich nie Zeuge werden wollte… Allein die Vorstellung der beiden alkoholseligen Schreihälse mit Schlagkraft bei dieser Tätigkeit sorgt bei mir für soviel Ekel, dass ich überlege, als Nonne ins Kloster zu gehen.

Assistenzarzt liegt im Bett und schlummert sanft. In der Wohnung unten drunter war nach längerem abendlichen Alkohol konsumieren endlich nichts mehr zu hören. Bis es an der Heizung klapperte.

Lallende SIE: Kicher, kicher, lossss mach schoooon.

Klappernde Heizung.

ER: unverständliches Lallen.

Heizung klappert lauter.

SIE: Lllllossss, mach siee sssuuu.

Klappern an der Heizung, helles Schnippgeräusch.

ER: Höhöhö.

SIE: Kicher, kicher. Uuuuhhh, isss binnnn gefesssselt… Dasss macht mich schaaarf…

ER: Höhöhö

Assistenzarzt: Nee, was soll der Quatsch jetzt schon wieder. Verdammte Nachbarn. Die machen doch jetzt nicht etwa das, wovon ich denke, dass sich mich damit noch mehr nerven werden als sonst?

Doch.

SIE: Uuhhhh, isss binnn gefessselt… bitte mach misssss lossss….

Assistenzarzt genervt: Ja, was denn nun, fesseln oder losmachen? Wie kommen die jetzt auf Handschellen, verdammt? Warum machen die das nicht eher?

ER: unverständliches Lallen.

Rütteln an der Heizung. Jetzt hört man die Handschellen schön klappern.

Assistenzarzt noch genervter: Na das kann ja dauern, so voll wie der ist, wird das doch nichts. Wieso nehmen die nicht einfach was aus Stoff? Das macht nicht so nen Lärm. Hee, es is mitten in der Nahacht!

Es klappert weiter. Sie lallt unverständlich, er lallt unverständlich. Minuten mit Gerüttel, Geklapper und Lallen vergehen.

SIE: Ooooohhh…

Die Heizung wackelt jetzt rhythmisch und klappert extrem laut. Leider ist der Heizkörper in Assistenzarzts Zimmer mit dem in der Wohnung unten drunter durch ein Rohr verbunden, was durch den Fußboden kommt. Der Putz rieselt inzwischen und auch die Heizung in Assistenzarzts Zimmer beginnt zu wackeln.

Assistenzarzt: Was würde wohl passieren, wenn man jetzt eine Autobatterie an das Heizungsrohr anschließt?

SIE: Ohoohoooo. Kicher. Isss binn gefesselt… mach miss los… oooooohhh.

Assistenzarzt reichts: Wo kommt die kalbende Kuh auf einmal her so mitten in der Nacht?

ER: Rülppsss… lall… oooohhh….

Assistenzarzt sucht nach etwas zum an die Heizung werfen: Und da is auch schon wieder der brünftige Elefantenbulle. Is ja wie im Zoo hier.

Die Heizung wackelt, die Handschellen klappern. Es wird verbal ruhiger. Man hört nur noch das Geschurre und Geschleife und Gerüttel der Handschellen an der Heizung.

SIE schreit: Jetzzzz mach mich endlich losss du Idiot.

ER brüllt: Jahaa… Was glaubs du wasss isss hiieer mahach? *lall*

15 Minuten später herrscht endlich Ruhe. Die Pille und Kondome sind so eine segensreiche Erfindung, naja, bei denen hats halt nur 2 x versagt. Einmal davon brüllte heute morgen wie am Spieß weil ihm irgendwas nicht passte. Die Zahnbürste? Ich habs nicht verstanden…





Vor dem Rückruf Hirn einschalten - Telefonabzocke

25 02 2008

Da sah Assistenzarzt nichtsahnend auf sein Handy und dachte “Oh, wer hat denn da versucht mich anzurufen?” Frankfurt / Main Vorwahl. Da kenn ich gar keinen… also mal ins Internet und recherchiert. Dem Drang eines einfachen Rückrufs widerstanden. Zum Glück. Denn unter der Nummer 069 / 661021657 verbirgt sich schlichtweg eine ausländische Abzocker-Firma, die einen in Gespräche verwickelt und 0900 er-Nummern anwählen lässt. Woher hab ihr betrügerischen *zensiert* meine Handy-Nr? Die gebe ich nie jemandem raus, nichtmal meinem Arbeitgeber (aus gutem Grund :-) ). Grundsätzlich lässt sich wohl sagen, dass alle Nummern die mit 069 / 661021… beginnen dazuzurechnen sind.

Hier mal der Link, wo ich die Info her habe:

http://www.tutsi.de/069661021650%20Abzocke%20%C3%BCber%2009001000425

 und hier der Weg zur Bundesnetzagentur, da kann man sich auch beschweren:

 da muss man sich mal durchklicken, ist nicht ganz so übersichtlich.

Also merke: Bei Nummern, die man nicht kennt, erstmal nicht rangehen sondern warten ob es wichtig war - denn dann findet man eine Info auf der Mailbox. Meistens jedenfalls. Und wenn man eine Nummer auf dem Display findet, die einem nichts sagt, entweder total ignorieren als sei nie was gewesen oder mal googeln…





Wie macht man sich einen Ärztemangel?

24 02 2008

Diese Frage bräuchte ein Buch, um sie ausreichend zu beantworten. So viel Zeit haben wir aber nicht. Daher hier nur mal ein Beispiel, wie es funktioniert.

Man nehme schlechte Vergütungen für niedergelassene Ärzte, teure Therapien nach Leitlinien, eine immer älter werdende Bevölkerung mit immer mehr Krankheiten und fertig ist schon mal der Grundteig für den Ärztemangel.

In einem mittelgroßen Ort hat eine neue Augenarztpraxis aufgemacht. Die Leute standen 3 Stunden vor Praxisöffnung in Dreierreihen auf der Straße an, um überhaupt einen Termin zu kriegen. Warum? Nein, es handelt sich nicht um einen namhaften hochdotierten Spezialisten. Nein, wir sind auch nicht in Afrika. Nein, auch nicht in einem Ort wo nur Augenkranke und Blinde leben.

Es handelt sich um Aschersleben in Sachsen-Anhalt. Dort gibt es keinen Augenarzt mehr, der Kassenpatienten behandelt. Nur eine Praxis, die aus wirtschaftlichen Gründen (um nicht pleite zu gehen!) nur noch Privatpatienten rannehmen oder Kassenpatienten die zuzahlen. Und liebe Leute: Das ist nur der Anfang. So wird es sich von Fachrichtung zu Fachrichtung bewegen und vom Osten auch in den Westen kommen (dort halt nur etwas später). Irgendwann haben wir dann Verhältnisse wie in Entwicklungsländern: Die Leute zahlen teure KV-Gebühren, kriegen aber keine Leistungen sondern müssen selbst zahlen und stehen vor den Praxen wenn ein neuer Arzt in die Stadt kommt. Afrika lässt grüßen?

Hier mal zwei Links zum Thema “Augenarzt in Aschersleben” aus Tageszeitung und Med. Tribune:

http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/sachsen_anhalt/?em_cnt=730532&sid=9d7441b22a8ac6cdf32ee5e10a2ddc49

http://www.medical-tribune.de/patienten/news/22114/

Besonders krass finde ich, dass der Kollege nach begleichen aller Rechnungen nur noch etwa 1000,- Euro übrig hat für sich selbst und seine Sprechstundenhilfen auf 400,- Euro -Basis anstellen muss, weil er ihnen nicht mehr bezahlen kann. Da fragt man sich, wofür er das Risiko auf sich nimmt, in Privatinsolvenz gehen zu müssen, wenn er mit der Praxis pleite geht? Und wieso er trotz sparsamen wirtschaftens nur so wenig Geld übrig behält, wenn die Terminbücher innerhalb kurzer Zeit über 6 Monate ausgebucht waren? An mangelnden Patienten liegt das weiß Gott nicht, denn er arbeitet ohne Pause durch, um überhaupt alle Patienten drannehmen zu können. Eher an der Vergütung pro Leistung. Was mal wieder zeigt, dass in unserem Gesundheitssystem irgendwas nicht stimmt, liebe Ulla Schmidt.





Zahn um Zahn

19 02 2008

Morgens halb sieben irgendwo in Deutschland in der Wohnung unten drunter.

“…du… nicht immer… sei still!” Die Akustik der Wände lässt zu wünschen übrig. Was soll wer nicht immer? Heee, ich will was mitkriegen!

“Jetzt mach endlich! … Zähneputzen…” Aha.

“Nun nimm endlich die Zahnbürste oder muss ich das wieder erst machen?” Oh gott, das arme Kind… so wie sie drauf ist, fallen Zahnbürsten heute morgen unter Waffenschein.

“Gut, dann gehst du eben so in den Kindergarten und die anderen lachen dich alle aus.” So hätte die Supernanny das aber nicht gesagt, oder?

15 Minuten später. Eine Kinderlache imitiert das Lachen eines Trickfilmfieslings täuschend echt. “Hast du das eben gemacht? … du …. wehe… nochmal…” Boah, diese Akustik ist grauenvoll. Sekunden später lacht der dazugehörende Vater in der gleichen Weise. Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum. Sie schimpft. “Du kannst auch mal was sagen! Du hilfst ja sowieso nie!” Ein Jahr Feldbeobachtung bei meinen Nachbarn zeigen, dass wenige Monate ausreichen, einen 1,15 m großen Zombie zu erschaffen, der inzwischen auch aggressiv gegenüber unbeteiligten Erwachsenen ist, wenn er die Wohnung mit seinen Erzeugern verlässt ”Was fragst du denn so blöd?” “Guck nicht so doof”… Man, was werden dem seine Lehrer sich freuen, wenn der erstmal in die Schule kommt…





Gefundene Fragen

14 02 2008

Und mal wieder habe ich die Ehre, einige Suchanfragen die auf dieses Blog führten, herauszufischen:

“rezept assistenzarzt” - Tja, wenns Assistenzärzte auf Rezept gäbe… also dann würde ich mir einen 1,90m großen, gut gebauten Assistenzarzt, humorvoll und bodenständig, aber nicht diesen Metro-Sex-Man-Beckham-Verschnitt, verschreiben lassen. Man braucht ja hin und wieder was fürs Auge.

“was macht ein arzt” - das frage ich mich manchmal auch… zunehmend Schwesterntätigkeiten, denn die weigern sich zunehmend bestimmte Dinge zu tun wie i.v.-Sachen aufziehen etc. “Das ist keine pflegerische Tätigkeit.” Nun ja, wenns nur noch um pflegerische Tätigkeiten ginge, könnten die Kliniken einen Haufen Geld sparen und Pflegerinnen einstellen, die weniger als die Gruppe 7 nach TVÖD kriegen… oder halt einfach mal die Stellenbeschreibung anpassen und eine Neugruppierung vornehmen. 

“famulanten gesucht apotheke berlin” - Gegenfrage: Nennt sich das Praktikum in der Apotheke auch Famulatur?

“gomer injektion” - Die Gomer Injektion. Ein bislang geheimgehaltenes Präparat, dass von einer noch geheimeren Stelle entwickelt wurde, um aus Gegnern durch einmaliges Applizieren einen Gomer zu machen.

“flurbetten krankenhäuser” - Ja, willkommen in der heutigen Zeit. Für ein Flurbett braucht man keinen Einzelzimmervertrag abzuschließen, auch wenn man der einzige Patient ist, der auf dem Flur steht. Manchmal befindet man sich jedoch in guter Gesellschaft und es stehen noch mehr auf dem Flur rum. Allabendlich findet ein Dankesgebet der Flurpatienten an die Gesundheitsministerin statt, der wir die Rückkehr dieser Zustände zu verdanken haben. Ulla, die du bist in Berlin, geheiligt sei dein Name, dein Wille geschehe…





Valentinstag

14 02 2008

Heute ist wieder ein ganz besonderer Tag. Für alle Blumenhändler, Schoko-Herzen-Produzenten, Kitsch-Hersteller, Kinos, Cafes, Kneipen, Restaurants,… Achso und für die Verliebten.

Es soll im 3. Jahrhundert einen Mönch in Ternia (heutiges Italien) namens Valentin gegeben haben. Der hatte ein Herz für alle Verliebten. Gewährte ihnen Unterschlupf, gab ihnen Blumen, Hoffnung, Zuversicht. Er traute junge Paare christlich - in einer Zeit der Christenverfolgung im römischen Reich. Das war so ungesund für ihn, dass man ihn an einem 14. Februar hinrichtete. Ca 100 Jahre später begann man in Rom den Valentinstag feierlich zu begehen. Andererseits gab es schon vorher einen Tag, an dem den Frauen Blumen geschenkt wurden zu Ehren der Göttin Juno. Im Mittelalter beging man den Tag vor allem in Westeuropa. Es gab sogar die Legende, dass der junge Mann, den ein Mädchen an diesem Tag als erstes erblickte, ihr Bräutigam werden würde. Naja, ob das immer so gut war? :-) Zu einer besonderen Blüte bringt es der Valentinstag in den USA. Im Land, in dem der Steigerung keine Grenzen gesetzt sind und maximal eigentlich noch viel zu wenig ist, kommt es vom Prinzip inzwischen auch gar nicht mehr auf die Geste an, einem geliebten Menschen eine Freude zu machen, sondern nur darauf, wer wieviel Valentinskarten erhält. Gerade in der U21 - Generation wird es zu einem Wettbewerb. Je mehr Karten man hat, desto beliebter ist man. Nun ja, eine neue Blüte der Oberflächlichkeit.

Die Welle des Valentinstag-Schenkens ist inzwischen auch nach Deutschland übergeschwappt. Wer der Blumen- und Geschenkeindustrie eine gewisse PR-Strategie dafür unterstellt, mag wohl recht haben. Dank etlicher amerikanischer Fernsehserien und gezielter TV-Werbung wird selbst dem größten Valentins-Muffel schon Tage vorher genug Berieselung in Augen und Ohren gedrückt, dass sich selbst so jemand kaum dem ganzen entziehen kann. Die Message lautet ähnlich wie vor Weihnachten “Du musst schenken, wenn du sie magst, du musst schenken.” Das ist wie Hypnose oder Gehirnwäsche. Also rennen Tage vor dem V-Day hilflose Männer in die überaus rosa dekorierten Läden mit Herzchen-Dosen, Herzchen-Anhängern, Herzchen-Servietten,… und versuchen ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, in dem sie Schmuck, Parfüm oder Herzchenschokolade kaufen, und sich am Ende im Blumenladen fast um die letzten Holland-Tulpen prügeln. Am V-Day selbst wird die Angebetete damit überrascht und Mann erhofft sich, seiner Pflicht und Schuldigkeit genüge getan zu haben. Und genau das ist der Punkt: Sobald SIE mitbekommt, dass er das Ganze zwecks Pflichterfüllung getan hat, kippt die Stimmung. Nix is mehr mit genüsslich auf dem Bärenfell vor dem Kamin räkeln…

Aber zum Glück gibts da noch die Paare, die gar nichts davon halten, sich dem Kommerz und dem American - way-of-Valentins-Life am Valentinstag hinzugeben. Sympathisch, oder? Die schenken sich auch so mal Blumen oder Schokolade oder gehen romantisch irgendwo hin … und räkeln sich auch ohne teures Valentinstagsgeschenk-Gedöns genüsslich vor dem Kaminfeuer auf dem Bärenfell. Und zu meinem Glück gibts noch tausende andere, die das rosa Zeugs in den Läden mit tütü und Rüschchen und Herzchen überall schon gar nicht mehr sehen können. Das ist wie Prinzessin Lillyfee für Erwachsene.

Versteht mich nicht falsch. Ich find den Valentinstag an sich nicht verkehrt. Für Frauen ist es die Garantie, dass ihr Mann ihnen wenigstens an einem weiteren Tag außer dem Hochzeitstag sagt, dass er sie liebt. Und für frisch Verliebte bietet er soviele Möglichkeiten, sich Dinge zu sagen, die man sonst sich wohl noch nicht gesagt hätte, weil der passende Moment fehlte (aber nun durch den Valentinstag is ja einer da). Was ich aber absolut nicht leiden kann, ist dieser kommerzielle Hype der darum gemacht wird. So langsam verkommt jeder Feiertag oder Ehrentag (Valentin, Mutter, Frauen, Kinder, Herren…tag) zu einer Verkaufszahlenschlacht mit Disneyland-Charakter, schriller, bunter, knuffiger, kitschiger, … Wenns nach dem Einzelhandel ginge, müsste man glatt noch 3 Tage dazu erfinden. Wo bleibt denn da der eigentliche Sinn und Charakter eines solchen Tages?

Also liebe Liebenden, Verliebten und heimlich Verliebten, machts Euch heute nett und pfeift auf teure Geschenke. Schenkt Euch einfach selbst. Kommt mal pünktlich nach Hause und macht spontan einfach was schönes mit Eurer / Eurem Liebsten. 

PS: Und falls es wider erwarten doch jemanden gibt, der mir Valentinsgrüße schicken will, dann nur zu, aber wehe es sind rosa Herzchen dabei…





Homo sapiens tratschensis

12 02 2008

Ich habe eine Entdeckung gemacht. Sie wird mir eines Tages den Nobelpreis einbringen. Worüber viele Evolutionsbiologen bisher nie nachgedacht haben: Es gibt nicht nur den Homo sapiens sapiens, der auf diesem Planeten sein Unwesen treibt. Ich hatte da so eine Theorie und ich bin dabei nach Beweisen zu suchen. Ich denke es gibt 2 Species, die sich parallel nebeneinander fortentwickeln. Das eine ist der Homo sapiens sapiens und das andere ist ER. Er ist der Homo sapiens tratschensis. Die Evolution hat vor einigen tausenden Jahren eine neue Gabel in den Stammbaum der Primaten eingefügt. Nein, wir sind wirklich nicht allein. Und ER lebt mitten unter uns. Exemplare dieser Species erkennt der Homo sapiens sapiens unbewußt an der Art der Kommunikation. Im Gegensatz zum H.s. sapiens sucht der H.s. tratschensis gezielt den Moment der Unbeobachtetheit. Er redet gerne mit Artgenossen über andere, meist H.s. sapiens. Dabei nimmt er es mit dem Wahrheitsgehalt nicht so genau. Wichtig ist nicht, was er redet, sondern dass er redet. Dies sichert das Finden eines Fortpflanzungspartners innerhalb der eigenen Species und trägt damit im Sinne der Evolution zum Erhalt der Art bei. Selten kommt es zur Kreuzung zwischen sapiens und tratschensis. Die Nachkömmlinge sind selten in der Lage sich weiter fortzupflanzen, denn aufgrund ihres wechselvollen Verhaltens fällt ihnen die Wahl zwischen sapiens und tratschensis - Partner schwer und letztlich werden sie Rockstar und sterben an einer Überdosis Btm-pflichtiger Substanzen. Der H.s. tratschensis gleicht in seinem Körperbau äußerlich dem H.s. sapiens, jedoch in der genauen Analyse der intracerebralen Anatomie zeigt sich, dass hier mehr als eine Schraube an einem anderen Platz ist. Das Ernährungsverhalten gleich auf den ersten Blick auch dem des Homo sapiens sapiens, was jedoch nicht gleich so offensichtlich ist: Das über andere reden sichert dem Homo sapiens tratschensis nicht nur einen passenden Partner für die Fortpflanzung sondern nährt den H.s. tratschensis auch zum Teil. Je hungriger der H.s. tratschensis ist, um so länger und ausgedehnter und aggressiver ist das reden über andere. Wie oben schon erwähnt, geschieht das Erkennen der beiden Arten untereinander auf einer unbewußten Ebene. Man kann sogar annehmen, dass sich der H.s. sapiens und der H.s. tratschensis der Existenz der anderen Species nicht bewußt sind, denn sie leben in Kolonien und Stämmen über alle Kontinente verteilt, wobei es hier zu einer relativ gleichmäßigen Vermischung kommt. Die Symbiose beider Species trägt zum Überleben bei, denn bei der Nahrungsbeschaffung, Kindererziehung und Verteidigung wirken beide Species zusammen. Es gibt Theoretiker, die bezweifeln, dass sich die Trennung bereits vollständig vollzogen hat. Ich bin aber der Ansicht, dass dem bereits so ist, denn wer bei der Fortpflanzung getrennte Wege geht, stammt eigentlich nicht mehr vom gleichen Affen ab. Was mir hierfür fehlt, sind natürlich eindeutige - und kostspielige - genetische Analysen, die meine Theorie beweisen. Natürlich wäre es an dieser Stelle spannend zu wissen, ob Ötzi ein H.s. sapiens oder ein tratschensis war, denn immerhin gelang es Paläoanthropologen und Genetikern zu beweisen, dass Ötzis Gene in vielen Regionen nördlich der Alpen verbreitet sind. Möglicherweise kann Ötzi gar zu einer Schlüsselfigur im Krimi um die beiden gerade entstandenen Species werden? 

Die weitere Evolution wird in den nächsten tausenden Jahren zeigen, wie weit sich die beiden Species voneinander entfernen werden und ob sich neue Unterarten entwickeln. Leider wird von mir in einigen tausend Jahren lediglich die Erfassung in der Nobel-Datenbank und ein oder zwei Standardwerke auf einem hyperdigitalen Speichermedium existieren…





Was macht eine Ärztin / ein Arzt so den lieben langen Tag?

7 02 2008

Morgens in hunderten deutscher Kliniken… die Dämmerung graut, den Kollegen grauts auch, und den PJlern erst. Man eh, schon wieder einer dieser normalen Tage. Was fängt man da als Ärztin /Arzt nur mit seiner Zeit an? Das Briefe schreiben, Patienten aufnehmen, Interventionen durchführen, Visite, Funktionsdiagnostik… all das kann einen doch so gar nicht auslasten, wenn die Kollegen schon mit dem meisten davon befasst sind… Wer viel Zeit hat, sucht sich Alternativen. 

Vor der Frühbesprechung: Über den Kollegen herziehen, der Dienst hatte, was der denn nun schon wieder alles falsch gemacht hätte.

In der Frühbesprechung: Tuscheln über die Schwangere. Ab und an mal zuhören, was gesagt wird.

Nach der Frühbesprechung: Herziehen über die kranke Kollegin “Na wo die denn schon wieder ist, krank natürlich.” Anfangen zu sabbern vor Begeisterung.

Vor der Visite: Weiteres Herziehen über die kranke Kollegin. Vergessen der eigenen seltsamen Dienstabrechnung bei der einige Dinge einfach nicht auftauchten. Beginn der üblen Nachrede über die Sekretärin. Der Schaum tritt vor.

In der Visite: Mobben einer nichtanwesenden Schwester. Die ist so schrecklich, so böse, so unfair, die sagt einfach mal die Wahrheit zwischendurch und lacht nicht über die Witze und macht schon gar nicht mit, wenn man über andere herzieht. Böse diese Schwester, böse, böse.

Nach der Visite: Fortsetzen des Herziehens über die Sekretärin.

Vor dem Mittag: Gerücht in die Welt setzen, einer der ehemaligen PJler sei schwul, das sehe man doch an den Haaren, dem Ohrring und wie er rumläuft. Eh und der duscht jeden Tag. Der muss einfach schwul sein. Vergessen, dass man selbigem beim Umziehen im Arztzimmer (ja, diese Zeiten sind noch längst nicht vorbei) immer in die wertvollsten Regionen starrte. (Andersrum gehts auch - Gerücht in die Welt setzen, dass die PJlerin mit dem Oberarzt… dieses Flittchen… also nee… und dabei vergessen, dass man ihr beim Umziehen im Arztzimmer JLo-Vergleichsnoten gegeben hat und die Hose enger wurde.)

Beim Mittag: Über die nicht anwesenden Kollegen tratschen. Anwesende über deren Meinung zu diversen Vorgesetzten aushorchen und sie zu Statements peitschen. Wer weiß, vielleicht kann man da noch mal was von gebrauchen. Naja, und wenn nicht, dann wird halt was erfunden. Das Leben kann so einfach sein.

Nach dem Mittag: Boah eh, erstmal ne Pause. Nachzählen der verbrauchten Wörter. 15000 darf man ja als Frau. Gott sei Dank, noch nicht alle benutzt. Dann kanns ja weitergehen.

Schichtwechsel bei den Schwestern: Man, wie gut dass die Frühschicht weg ist. Jetzt kann man erstmal ordentlich mit der Spätschicht auswerten, was die sich alles geleistet haben. Erneutes Herziehen über eine kranke Kollegin und die Schwangere, die überall Extrawürste gebraten kriegt und ja nur schwanger geworden ist, um keine Dienste mehr machen zu müssen. Während die Kollegen auf Station wie die Duracell-Häschen rackern, ist noch etwas Zeit beim 3. oder 4. Käffchen über die Sekretärin ein paar Sachen loszuwerden. Sabber tritt vor den Klatschbasenmund. Jetzt ist man kurz vor dem Gerüchte-Orgasmus. Wer hätte gedacht, dass das heute noch so ein schöner Tag wird. Uff, bei der Zigarette danach kann man sich dann gleich mal über die Kollegen der ITS informieren, denn das schöne is ja: Man trifft auch mal auf Gleichgesinnte.

3 Minuten nach Dienstschluss: Boah, war das heute ein anstrengender Tag. Soviel gearbeitet. Eh also wirklich. Überstunden sind heute nicht drin. Nee, das macht ihr mal alle fertig. Jetzt ist Feierabend. Und tschüss.

Und täglich grüßt das Murmeltier an jeder deutschen Klinik. Ein blökendes Schaf gibts immer.





Das Konsil

6 02 2008

Die offizielle Version entnehme man der Wikipedia-Enzyklopädie:

“Als Konsil (sächlich) bezeichnet man in der Medizin die patientenbezogene Beratung eines Arztes durch einen anderen ärztlichen Kollegen, meist einen Facharzt.”

Die Wahrheit ist in Wahrheit… nun ja, wie die Wahrheit nun mal ist.

Ein Konsil wird immer dann angefordert, wenn ein Arzt nicht weiter weiß. Also zum Beispiel wenn der Internist feststellt, er hat von Ohren nicht so viel Ahnung, dann holt er einen HNO-Arzt. Wenn der Gynäkologe feststellt, er hat von Dermatologie keinen Schimmer, holt er den Dermatologen. Wenn der Neurologe feststellt, er hat keine Ahnung vom Wasserlassen, holt er den Urologen.

Und wenn der Chirurg feststellt, der Patient hat irgendwas, aber man kann nicht reinschneiden, dann holt er… erstmal den Internisten… egal was es ist. Ähnlich wie der Tarzanschrei tönt es dann “Das ist nichts chirurgisches. Das ist für den Internisten.” Wie gesagt, egal was es ist. Hauptsache, da guckt erstmal ein Arzt rauf. Also jemand, der von Medizin mal was gehört hat. Wenn Tarzan dann geschrien hat, vergisst er in der Regel, seinen Schrei auch schriftlich zu fixieren. Blätter und Kulis gabs halt im Dschungel sonst nicht. Da hat Dschungelkönig Ross noch mit einem selbstgeschnitzten Bleistift auf Packpapier gekritzelt.

Das merkwürdige an Tarzanschreien ist, dass sie häufig erst dann ertönen, wenn schon Dienstschluss war und der konsiliarisch unterwegs-seiende Oberarzt das Haus gen Heimat verlassen hat. Die Erklärung dafür ist eigentlich ganz einfach. Da die Tarzans den ganzen Tag im OP von Skalpell zu Schere schwingen, gucken in der Regel die PJler die Patienten an, oder auch mal gar keiner. Wenn dann das erste mal jemand auf Station kommt, der von Medizin was gehört hat, nämlich der Anästhesist, dann fällt dem beim Prämed (= prämedizieren) auf, dass der Patient pfeift wie eine Dampflok, dicke Beine hat wie ein Nilpferd oder eine nicht existente Gerinnung hat. Logische Konsequenz: runter vom OP-Plan. Nächste logische Konsequenz: Da jemand weg ist, der von Medizin was versteht, muss ein anderer her, der das kann. Es folgt der Tarzanschrei. Also kommen tausende internistische Assistenten während eines Dienstes in den Genuss, chirurgische Patienten zu anamnestizieren und zu untersuchen, neben sich einen extrem verwunderten Chirurgen stehend, der staunt, was man so alles machen kann, wenn man zum Äußersten schreitet und Patientenkontakt sucht. Das mit dem Chirurgen der daneben steht, ist eher eine Seltenheit. Meistens steht der Chirurg im OP neben sich. Der internistische Assistenzarzt stellt dann eine Verdachtsdiagnose und fängt an, den Patienten zu behandeln und Diagnostik anzuordnen oder er sagt dem Chirurgen per Telefon (denn der steht ja meist im OP), welchen anderen Konsiliarius er denn bestellen soll. Das alles hält er in umfangreichen Aufzeichnungen auf einem DIN-a4 großen Stück Papier fest: Dem Konsilschein. Dieser wird dann des Nachts auf einen Schrein im chirurgischen Schwesternzimmer gelegt und die Gebote von den chirurgischen Schwestern umgesetzt. Kommt Tarzan dann zurück in den Dschungel, dann hat Jane schon alles erledigt.

Wer dann am nächsten Morgen heimlich einen chirurgischen Morgenkreis belauscht, wird feststellen, dass Tarzan heldenhaft die Lianen geschwungen hat und den Diagnoseschatz gefunden hat. Vom internistischen Dorftrottel ist dann nicht mehr die Rede.

Anders rum gehts auch. Tarzan kommt ins Dorf der Internisten. Dort fragen die Chirurgen erstmal “Wer hat denn den Konsilschein ausgefüllt?” Ich suche immer noch nach der Antwort, warum das denn relevant ist. Wenn sie dann beim Patienten waren, gibt es zwei Varianten. Variante 1 “Das ist nichts chirurgisches.”. Variante 2 “Das muss ich erstmal mit dem Oberarzt besprechen. Ich melde mich.” “Wann?” “Sie werden von mir hören.” In der Regel schreiben sie auch einen Text auf. Dieser wird von den internistischen Schwestern nicht auf einen Schrein gelegt sondern in die Ablage. Kommt der Internist vorbei, wird erstmal gemeinsam versucht, die Hiroglyphen zu entziffern. Manchmal kommen da auch Übersetzer aus Ägypten oder Archäologen zum Einsatz. Bei Variante 2 obliegt es einem internistischen Assistenten in den nächsten Tagen, dem Pilgerweg zu folgen, um an den heiligen Ort der Chirurgen zu gelangen und den zu finden, der die Botschaft verkündet. Andere Fachrichtungen sind da anders. Konsil durchführen, aufschreiben, drei nette Worte sagen und Tschüss. Einfach, pragmatisch, effizient.

Aber es gibt auch nette Chirurgen. Wirklich. Ich kenne sogar einige davon. Die sind nicht wie Tarzan. Naja, nur manchmal. Aber die haben tatsächlich schonmal was von Medizin gehört, erkennen ein Lungenödem und wissen wie man ein EKG richtig rum hält. Aber ich glaube, ich habe einfach nur Glück, dass ich nette Chirurgen kenne. Und manchmal freue ich mich sogar, wenn man mit diesen netten ein wenig herumschäkern kann im Dienst, auch wenn der Tarzan in jedem von ihnen steckt.