Nachdem hier im Blog schon öfter in den Kommentaren die Frage kam, was man Ärzten als kleine Aufmerksamkeit schenken könnte, wenn man es will, versuche ich mich mal. Die anderen Docs können ja noch ergänzen (bitte dieses Mal nur ernstgemeinte Vorschläge).
Schokolade in jeder Form – häufig, kommt an
Kaffee in jeder Form – häufig, kommt auch an
Teekollektionen (z.B. Wintertraum und Heiße Liebe oder wie die alle heißen) – selten, interessant und was schönes
Negerküsse, oder politisch korrekt Schaumküsse – lecker, schnell weg und so ein Riesenkarton aus dem Factory outlet von Dickmacher schadet auch nicht, da legen wir uns rein und schlemmen
Eis – abgepackt, toll! (sofern es aus dem Kiosk stammt und nicht aus der hintersten Kühltruhe aus der Garage und von vor 3 Jahren ist)
Kuchen – zum auftauen ok, vom Bäcker ok. Selbstgemacht – nur ohne verderbliche Dinge wie Sahne. Medizinisches Personal ist sehr pingelig und abergläubisch. Von der Frau mit z.B. „Salmonellensepsis“ würde niemand einen Kuchen essen, nur höflich annehmen und danke sagen.
Handwerksprodukte – jeder tut, was er kann, ich habe ein Souvenier im Regal stehen, auf das ich stolz bin, weils jemand angefertigt hat für jeden ein kleines Teil. Viel Arbeit, sehr persönlich.
Buch mit persönlicher Widmung – was besonderes. Hab ich noch keins abbekommen, schnappt sich meist eine der älteren Schwestern, die ihr Anrecht fühlen
Grad vor kurzem wars, da hats jemand den Ärzten gewidmet, gelesen hab ichs, weiß auch wo es jetzt liegt… jedenfalls nicht im Arztzimmer.
Bilder und Fotografien – für die Gestaltung der kompletten Station – teurer Spaß, aber einen Mäzäen (schreibt man das so?) hab ich erlebt, der sowas verfügte vor seinem Tod. Sicherlich was ganz seltenes.
Sekt - wir dürfen offiziell gar keinen Alkohol trinken. So bleibt das dann für den privaten Gebrauch oder für Karneval, Betriebsausflug, Silvester oder ähnliches.
Pfannkuchen / Berliner zum 11.11. – der totale Hammer, wenn sie ohne Senf sind
Weihnachtsplätzchen – es gelten gelockerte Kuchenregeln
Glücksbambus – geht nur fürs Arztzimmer und nur für Leute, die aussehen als hätten sie einen grünen Daumen. Ich habe mal einen Glücksbambus gerettet, der einer Kollegin geschenkt wurde. Zum Glück hatte die nie Haustiere… Pflanzen können ja nicht schreien. Ich würd mich über sowas riesig freuen.
Blumen – auch was schönes, macht den Alltag mal bunter.
Präsentkörbe – wenn man das Gefühl hat, sich riesig bedanken zu müssen, sicher keine schlechte Wahl
Ein Händeschütteln, an die Brust der alten Dame gezogen werden und ein Küsschen auf die Wange gedrückt zu bekommen, sicherlich gewöhnungsbedürftig für Ärzte mit einem gewissen Distanzbedürfnis wie mich. Aber unvergessen! Genau wie die Umarmung und die Tränen des Glücks von einer anderen. Oder der Besuch von jemandem nach einer Reha, wenn man sie fast nicht wiedererkennt und sie nochmal Danke sagen. Sowas ist unbezahlbar, denn das lässt einen als Arzt wieder fühlen, warum man kämpft, warum man nachts um 3.00 um jedes mmHg fightet oder die EKKL mit der eigenen Hand reindrückt oder stundenlang redet, tröstet, aufbaut, Schmerzen nimmt, zum durchhalten anfeuert, in diverse Hintern tritt, um Motivation zu schaffen und die Sonne nach dem Regen zeigt. Da begreift man, dass diese kleinen Dinge, die man täglich macht, für jemand anderen etwas riesiges bewegen können. Ja, in den Momenten macht der Job wieder Spaß und man pfeift auf DRG, Verwaltung, Zickenkriege, Egomanen usw.
Übrigens noch ein Tip: Wenn man den Schwestern ein Geschenk gibt mit den Worten „fürs ganze Team“ oder für meine liebgewonnenen älteren Patienten im Osten „fürs ganze Kollektiv“, ist es auf etlichen Stationen zu 99% so, dass das im Schwesternaufenthaltsraum landet und man als Arzt fragen muss, ob man sich mal ein Stück von was auch immer nehmen darf – und nur eins kriegt, wenn beim Abzählen was für „die Ärzte“ übrig ist. Ärzte gehören bei manchen Stationen für die Schwestern / Pfleger eben nicht zum Team / Kollektiv. Seltsam, oder? Leider wahr… Dabei ist es völlig egal, ob dem Geschenk eine Karte beiliegt, in der man sich bei den Ärzten bedankt und beim Rest der Abteilung oder nur bei den Ärzten oder ob man eins für Ärzte und eines für Schwestern macht - sofern man das für die Ärzte einer Schwester / Pfleger in die Hand drückt, kippen die Besitzstandsverhältnisse zugunsten des Pflegepersonals. Ich kenne auch Stationen wo es anders ist, aber da ist man auch Team und nicht „die Schwestern“ und „die Ärzte“. Also wer es wirklich direkt an die Ärzte geben will, klopft einfach mal kurz am Arztzimmer oder drückt es dem PJ-Studenten in die Hand. Als Patient weiß man eben nie, wo Team ist und wo es „die Schwestern“ und „die Ärzte“ gibt. Ich weiß, dafür werden mich jetzt einige steinigen wollen, aber es ist tatsächlich auf manchen Stationen so und von denen gibts leider nicht so wenige. Darum schätzt man ja die Team-Stationen so sehr…
Neueste Kommentare