Baby Boom - Ein paar neue Ärzteblogs

5 06 2008

Tja, der Storch kreiste wieder einmal über der Blogger-Welt und krimi0krimi hat die Neuankömmlinge zuerst gesehen. Tja, einige von denen gibts schon länger, aber sie haben sich bisher versteckt und deswegen hat Assistenzarzt sie gar nicht gesehen…

Willkommen heißen möchte ich daher in der Assistenzarzt-Blogroll die agilen Sprößlinge der Ärzteblogs:

EbM-Anwender - für alle Nicht-Mediziner: EbM is sowas zum Verrücktmachen von Ärzten mit viel Papierkram, unendlichen Diskussionen und relativ wenig verwertbarem Output, weil jeder sowieso anderer Meinung ist und die Studien eh fast alle von den Pharmas bezahlt werden… Aber wenn man an Evidence based Medicine glaubt, sucht man irgendwo in dem ganzen Wirrwarr nach dem Heiligen Gral… nur leider ohne Indiana Jones…

Dr Zehnle - eine unter ihrem Realnamen bloggende Fachärztin mit mehr fachlichem und patientenbezogenem Inhalt und nicht so viel Meckereien wie hier

Franz Engels - ein Facharzt bloggt unter seinem Realnamen und schreibt über Medizin und Gesundheitspolitik

Noch ein neuer Zahnarzt - aber vor dem braucht ihr keine Angst zu haben, der scheint ganz nett zu sein.

Ja, es ist schön zu sehen, dass wir uns vermehren, auch wenn es noch keinen Best Medical Blog Award wie in USA-Land gibt. Aber ehrlich: Wollen wir sowas wirklich? Bloggen ist doch kein Wettstreit, den man gewinnen muss. Es ist vielmehr die Möglichkeit zu tun was man will - Fachinfos rüberbringen, Frust loswerden, Gesundheitspolitik kritisch beäugen oder einfach nur mal über ein Thema schreiben, denn man ist ja nicht nur Arzt allein… nein, irgendwo steckt tatsächlich in jedem von uns noch ein kleines Stück Mensch…

Also willkommen in meiner Blogroll, mögen Euch viele Klicks beschieden sein wie den anderen “Blogbabys” auch.





Medizinlexikon - Das CorsaKauf-Syndrom

3 06 2008

Das CorsaKauf-Syndrom ist eine noch junge Krankheit, deren Erstbeschreibern es bisher noch nicht gelang, es in einschlägigen Journals zu publizieren.

Gehäuft tritt das CorsaKauf-Syndrom in der Generation der über 70 Jährigen auf. Hier betrifft es vor allem Männer, vornehmlich welche, die Hut tragen und aufgrund einer zunehmenden Sehschwäche starke Brillengläser benötigen. Die betroffenen Patienten sind dann vor allem im morgendlichen Berufsverkehr unterwegs, jedoch ohne erkennbare Notwendigkeit um diese frühe Uhrzeit irgendwo hin zu müssen. In der Regel fahren sie mit Geschwindigkeiten, die 20 kmh unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit liegen. Auf sanfte Hinweise anderer Verkehrsteilnehmer erfolgt keine adäquate Reaktion.

Häufig tritt gerade an großen Kreuzungen, Abzweigen und Autobahnkreuzen aufgrund der Reizüberflutung eine Desorientiertheit ein. Paradoxe Handlungen sind gehäuft die Folge, z.B. in der Geradeausspur warten, weil man links abbiegen will, aber sich nicht eingeordnet hat.  Parallelen zum Korsakow-Syndrom lassen sich in der verzerrten Wahrnehmung der Realität ziehen. So wird die eigentliche Geschwindigkeit als “mindestens 10 über erlaubt” wahrgenommen, objektiv jedoch wie o.g. 20 kmh unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Ähnliches lässt sich beim Einparken beobachten, so dass häufig 2 Lücken benötigt werden, wobei der Trennstreifen als Markierung für ”genau in die Mitte zwischen die zwei Reifen” genutzt wird. 

Patienten haben zum Teil Erinnerungslücken und füllen sie durch weiter entfernt zurückliegende Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis oder wahrgenommenen Informationen ohne eigentlichen Zusammenhang zur Situation aus. Dies führt häufig zu Dysharmonien mit dem Partner und Meinungsverschiedenheiten. Bsp: “Nein, ich bin an der letzten Kreuzung rechts abgebogen, da war doch der Minimal mit dem HB-Männchen davor. Und jetzt halt endlich den Mund, ich fahre immer und das schon seit über 50 Jahren.”

Rettungsdienstkräfte berichten über ein weiteres Symptom. So ist zu verzeichnen, dass gehäuft auch Patienten mit CorsaKauf-Syndrom in Situationen eines herannahenden RTWs zu ungewöhnlichen Reaktionen wie plötzlichem Bremsen, langsamen Weiterfahren ohne die Spur zu räumen oder schlichtweg Ignoranz des Licht-und Tonspiels des Einsatzfahrzeugs neigen. Die Gründe hierfür sind Forschungsgegenstand einer weiteren Gruppe aus dem Kreis der Erstbeschreiber. Ergebnisse werden aber erst in den nächsten Jahren erwartet.

Ein indirektes Zeichen für ein CorsaKauf-Syndrom ist der Wackeldackel auf der Hutablage, alternativ ein gehäkeltes Kissen. Hierauf sollte sich der diagnostizierende Arzt aber nicht verlassen.

Therapeutische Optionen lassen auch die Erstbeschreiber vermissen. Sie raten lediglich zu einem vorsichtigen Umgang und Vermeiden eines direkten Kontaktes im Straßenverkehr.

Die Erstbeschreiber möchten durch eine geplante Kampagne zur Rehabilitation der Betroffenen beitragen. Es sollte nicht mehr länger einfach nur von “Opa mit Hut und Opel Corsa” gesprochen werden sondern die Krankheit CorsaKauf-Syndrom auch als solche anerkannt werden. :-)





Bloggende Ärzte - Wir vermehren uns

16 05 2008

Liebe medizinische und rettungsdienstliche Blog-Gemeinde,

wir haben ein freudiges Ereignis zu feiern - Assistenzarzt hat zwei neue gefunden in den letzten Tagen (ja, man könnte fast meinen, ich entwickle einen Sammeltrieb für die Blogroll…), die auch den weißen Kittel als geheimes Zeichen der Zugehörigkeit tragen und sich Ärzte nennen und das beste : Sie bloggen. Noch nicht lange, erst seit diesem Jahr. So lasset sie uns ermutigen durch einige Links, denn die beiden scheinen ganz ok zu sein. Gut, das eine ist ein Chirurg, aber selbst ich als internistische Seele kann wirklich liebenswert gegenüber den Chirurgen sein. Get together in Blog-Peace. Hoffentlich nimmt mir der Kollege die Spezialrubrik nicht übel :-) Naja, vielleicht wissen Chirurgen ja eh die besten Chirurgenwitze… :-) Who knows…?!

Und an Pete Smith von der Ärztezeitung geht an dieser Stelle ein kleiner Gruß: Die beiden gabs schon vor diesem netten Artikel in der Ärztezeitung  über den ich stolperte und einen kleinen Schreib-Schluckauf bekam :-) Kleiner Scherz am Rande :-)

Also auf gehts in die neu entdeckten Gefilde zu

Doc Blog - Der Arzt mit dem weißen Kittel

und zu

Assistenzärztin wundert sich

Naja, ich bilde mir jetzt mal ein, da hat mein Blogname Pate gestanden?! Sag einfach ja… mein Ego brauchts, schließlich hab ich grad zu nem Chirurgen verlinkt ;-)





Ein Link für Max

5 05 2008

Über die Kommentare wurde ich auf die “aktion-max” aufmerksam. Kurz erzählt: Max ist ein Junge, der als Kleinkind eine Maserninfektion erlitten hat, weil er aufgrund von medizinischen Kontraindikationen noch nicht gegen Masern geimpft werden konnte. Angesteckt hat er sich bei einem älteren ungeimpften Kind, das an Masern erkrankt war, quasi ein “Masern-Spreader” war.

In meinem Beitrag “Masern - ein paar Fakten” habe ich die in der Literatur angegebene Zahl für die SSPE “1 von 500000 Masernerkrankten” zitiert. Max ist leider eines dieser Kinder, die es getroffen hat. In Anbetracht der Kommentare seiner Eltern in meinem Blog und nach dem lesen der Homepage erscheint mir das bloße Zitieren dieser Zahl in dem Beitrag als sehr buchhalterisch und mit wenig Empathie. Deshalb möchte ich auf das Schicksal von Max aufmerksam machen und der bloßen Zahl ein Gesicht verleihen. SSPE ist eine Erkrankung, die es tatsächlich gibt und die nicht aus dem Reich der Fabeln stammt, in die die Impfgegner sie gerne verweisen. Impfen macht Sinn, nicht Impfen zerstört Menschen und Familien. Jeder, der nach dem Besuch der Homepage von aktion-max noch darüber nachdenkt, OB er seine Kinder impfen lässt oder sich selbst, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen. Ja, ich bin für eine Impfpflicht für bestimmte Erkrankungen. Wenn jemand nach Brasilien oder Tansania in den Urlaub fährt, lässt er sich auch gegen Gelbfieber impfen, weil er weiß, dass er sonst nichtmal das Flughafengebäude von außen sieht, selbst wenn er nicht mal in die richtigen Gelbfiebergebiete reist. Warum muss man denn Monate, ja jahrelang Diskussionen über eine Impfung wie Masern führen?

Masern-Impfung JA! Ich lasse meine Kinder impfen und ich rate es allen Patienten für sich selbst und ihre Kinder oder Enkel.  

Lieber Max, ich wünsche Dir, dass die SSPE zum Stillstand kommt und die Wissenschaft bald einen Weg findet, auch diese Erkrankung in Schach zu halten oder gar zu heilen.

Liebe Blog-Gemeinde, wenn ihr euch meiner Meinung anschließen könnt, dann baut doch auch einfach einen Link für Max, damit vielleicht der ein oder andere schwankende Impfvater oder -mutter sich für eine MMR-Impfung entscheidet und wir irgendwann auf dem Level der Skandinavier oder USA sind, wo die Masern nahezu ausgerottet sind und Kleinkindern, die noch nicht geimpft werden können, eine Maserninfektion erspart bleibt.

PS: Vielleicht sollten alle diejenigen, die sich gegen die Masern-Impfung sperren, in einen gemeinnützigen Fond zu Erforschung von Masernfolgen einzahlen. Das Geld für die gesparte Impfung wäre gut angelegt.





Mich gibts noch

23 04 2008

Nachdem ich mich für eine kurze Weile ausgeklinkt habe, melde ich mich hiermit zurück. Mein Leben bzw. Teile davon erfuhren in den letzten Tagen / Wochen einige Umstrukturierungen, Anstriche, Wechsel und neue Horizonte. Nun ja, mal guckn. Die Farbe trocknet noch, die Strukturen finden sich, die Horizonte sind schon da.

@Hypnosekröte: Nee, nach Schweden bin ich dann doch noch nicht ausgewandert. :-)

So, und was sahen meine müden Augen heute in der Blogstatistik? (Es lohnt sich anscheinend wirklich da mal öfter reinzugucken.) Die Ärztezeitung stieß auf mich und einige andere Arztblogger. Vornehmlich die aus meiner Blogroll. Ich nehme mal an Mr. Pete Smith (huch, da will wohl auch der Schreiberling anonym bleiben und nicht nur die bloggenden Ärzte) stieß auf eine der Seiten und wohl auch auf den Artikel über bloggenden Ärzte aus Wissenswerkstatt. Backe, backe Kuchen und ein ähnlicher Artikel wie in Wissenwerkstatt neuer (?) Artikel zu einem eigentlich schon durchgekauten brandaktuellen (?) Thema ward geboren. Nein, ich will gar nicht gehässig sein. Was mich allerdings stört, dass dieses Blog ungefragt Inhalt eines Zeitschriftenbeitrags wird. Hallo, vielleicht will Assistenzarzt vorher gefragt werden (z.B. über Kommentarfunktion), ob dieses Blog in eine Ärztezeitschrift gezerrt werden soll? Denn letzteres war nicht meine Intention. Das ist ein Mecker-Frust-Abladen-Blog mit zeitweisen Aufheiterungen und kein Beitrag für diese Welt, der zur geistigen Vervollkommnung verhelfen soll. In dem Artikel wird auf die Blogs von Landarzt, Hypnosekröte und Medbrain verwiesen. Der Vollständigkeit halber hätte Mr. Smith z.B. auch Subfornikalorgan, Markus Fritz von Ärzte ohne Grenzen, Kinderdok, das Zahnarzt-Blog die PJ-Blogs bei Via medici und einige andere erwähnen sollen, denn die stehen auch in der Blogroll und sind durchaus lesenswert. Die umfangreichere Erwähnung hätte aber dem Beitrag seinen “Ach”-Effekt genommen und die Behauptung, dass nur wenige Ärzte bisher bloggen nicht so sehr untermauert. Lieber Mr. Smith, es werden mehr bloggende Ärzte! Das reicht doch bestimmt für den nächsten Beitrag mit ner tollen Schlagzeile so in 4 Wochen, oder? :-)





Masern - Ein paar Fakten

3 04 2008

Das Thema Masern ist im Moment wieder mal hochaktuell. Deshalb an dieser Stelle mal ein paar sachliche Fakten, quasi eine nicht-CME-zertifizierte Online-Fortbildung.

Das einzige Reservoir für das Masernvirus ist der Mensch. Das heißt, sie werden nur von Menschen auf Menschen übertragen, Pfiffi, Miezi oder Goldi kommen dafür nicht in Frage.

Wenn Masern-Erkrankungen auftreten, wird in der Regel geschaut, zu welchem Genotyp das Virus gehört. Auf diese Weise ist es möglich zwischen Wildvirus und Impfvirus zu unterscheiden. Seit 2000 sind fast alle Masernviren in Deutschland dem Genotyp D7 zuzuordnen, zuvor waren es C2 und D6.

Masern werden über Tröpfcheninfektion übertragen. In der Luft befindliche Mikrotröpfchen, die masernvirushaltiges Atemwegssekret enthalten, haben lange Zeit ansteckungsfähige Viren in sich. Masernviren sind hochansteckend. 98% der ungeimpften mit Kontakt zu Masernerkrankten werden vom Virus befallen. Das heißt, wenn 100 ungeimpfte Kinder in einem Kindergarten sind und ein Kind mit Masern wird von Masern-Mutti trotz Erkrankung hingebracht und hustet ein paar Mal dort, dann werden 98 der ungeimpften Kinder in diesem Kindergarten krank. Auch ohne Masernparty. Ja, das kann einem ein gewisses Gefühl von Macht verleihen, oder? Die Masernviren werden von den feinsten Aerosoltröpfchen in der Luft über die Schleimhäute beim Atmen aufgenommen (also Mund, Rachen, Bronchialwege) und auch über die Bindehäute der Augen.

In Ländern mit hohen Durchimpfungsraten wie USA und Skandinavien gibt es keine einheimischen Masern mehr, nur noch importierte Erkrankungen, z.B. aus Bayern oder sonstwo in Deutschland. Deswegen wird amerikanischen Touristen unbedingt dazu geraten sich und ihre Kinder mit einem kompletten Impfschutz zu versehen, bevor sie in unsere verseuchten Breiten einreisen. Besonders hoch ist die Masernrate in BAY, BW, NRW mit 30 Fällen / 100000 Einwohner, in den neuen BL dagegen nur 1 Fall / 100000 Einwohner. Die WHO möchte die Masern auch in Europa gerne bis 2010 ausgerottet haben, was aber die ungeimpften Masernkinder bzw. die in der Regel noch selbst geimpften Masern-Muttis wohl verhindern werden. Früher waren die Masern vorwiegend bei Kleinkindern aufgetreten, heute eher im Schulkindalter und bei Jugendlichen. Letzteres hat negative Konsequenzen für die Todesrate.

Das Masernvirus steht auf Zellen des Nervensystems und des Lymphsystems. Diese fällt es nach Eindringen in den Körper zuerst an. Nach dem Eindringen in den Körper über die Schleimhäute der Atemwege und der Augen, also der Infektion, folgt die Inkubationszeit von 8 - 10 Tagen. Inkubationszeit = Träger des Virus ohne Krankheitszeichen. Dann beginnt das katarrhalische Stadium. Heißt, es geht los wie bei einer Erkältung, nur schärfer. Plötzliches hohes Fieber (Minimum 38,5°C), gerne auch mit Fieberkrämpfen und Bindehautentzündung. Die Kinder schreien vor Schmerzen, weil sie extrem lichtempfindlich sind durch die Bindehautentzündung. Dabei dann natürlich auch Husten, trockener Husten, Heiserkeit, Entzündung der Luftröhre und Bronchialwege (Tracheobronchitis). Bei vielen Kindern finden sich innen an der Wangenschleimhäut weißliche Flecken in dieser Phase. Das Fieber geht dann nach 1-2 Tagen erstmal runter. Achtung: In dieser Phase sind die Kinder bereits ansteckend. Masern-Mutti geht dann mit Junior vielleicht noch in den Supermarkt oder bringt ihn noch in den Kindergarten mit ein paar Fieberzäpfchen zuvor. Dieses katarrhalische Stadium dauert 3-4 Tage. Am 3. bis 4. Tag schießt das Fieber wieder hoch und beginnt das Exanthem, also der Hautausschlag. In der Regel fängt das ganze retroaurikulär an = hinter den Ohren und breitet sich nach unten über den ganzen Körper aus. Auch in dieser Phase kommt es häufig zu Fieberkrämpfen. Die Kinder mögen nicht essen, kaum trinken, haben hohes Fieber, quälenden Husten.  Das Exanthem breitet sich nun aus in den nächsten Tagen. Das Kind hat immer noch hohes Fieber. Wenn es die unteren Extremitäten erreicht hat, dann sinkt auch das Fieber nach etwa 3-4 weiteren Tagen. Einige Stellen dieses Exanthems, also Hautausschlags, können auch unterbluten. Das kommt durch eine Störung der kleinsten Gefäße zustande. Etwa 1 von 1000 erkrankten Schulkinder bzw. Jugendlichen stirbt, meist infolge einer Hirnentzündung oder Lungenentzündung.

Bei Kindern, die eine angeborene Störung des Abwehrsystems haben, wie zB. Defekte im T-Zell-System oder die Immunsuppressiva nehmen, z.B. nach Transplantationen oder bei Autoimmunerkrankungen kann der Verlauf auch mal völlig untypisch sein.  Diese Kinder kriegen sehr häufig Lungenentzündungen und eine Enzephalitis (also Hirnentzündung). Daran können sie auch sterben.

Wenn Schwangere erkranken, sprich wenn die Kinder der Impfgegner selbst Kinder bekommen, dann besteht die Gefahr von Fehl- und Frühgeburten. Die Schwangeren bekommen auch sehr häufig Lungenentzündungen.

Eine Masernerkrankung führt fast immer zu einer vorübergehenden Abwehrschwäche von mindestens 6 Wochen. Das Immunsystem des Kindes ist also für mindestens 6 Wochen platt, egal ob nun Homöopathische Wässerchen oder nicht. Das beruht darauf, weil das Virus wie oben schon gesagt, scharf auf Zellen des Lymphsystems ist und sie schädigt. Kann man vielleicht vergleichen mit Leuten, die Immunsuppressiva nehmen müssen, Krebs oder HIV haben, denn die haben allesamt eine Abwehrschwäche. Die Kinder kriegen in der Folge häufig Erkrankungen durch Bakterien, weil der Körper durch das Maserngeschädigte Immunsystem nicht in der Lage ist, sich dagegen zu wehren. Dazu zählen Mittelohrentzündungen, Durchfallerkrankungen, Laryngotracheobronchitis (=Masern-Krupp), Lungenentzündungen (weil das Masernvirus zuvor die Zellen der Atemwegsschleimhaut geschädigt hat), … Bei einem Teil der Kinder hält diese Abwehrschwäche auch für längere Zeit an. Naja, bleibt Masern-Mutti halt mal länger zuhause und riskiert nebenbei ihren Job. Achso, naja, dass Junior so oft krank ist… Masern-Mutti pflegt ihn schon. Das festigt die Mutter-Kind-Beziehung.

Weitere Komplikationen gefällig?

Bei etwa 10% der Kinder (= eins von zehn erkrankten Kindern) treten Fieberkrämpfe auf. Die müssen dann nicht unbedingt mehr auf die Masernerkrankung beschränkt bleiben. 50% der Kinder mit einem komplikationslosen Verlauf haben anschließend EEG-Veränderungen, soll heißen dass sie potentiell gefährdet sind, Krampfanfälle zu bekommen. Dazu kann z.B. das nächste Fieber führen oder Stress etc. Bei den meisten gehen die EEG-Veränderungen wieder weg, bei einigen nicht. Die werden dann halt auch mal Epileptiker. Übrigens führt jeder Epileptische Anfall zu einer passageren Sauerstoffunterversorgung des Gehirns und kann damit zum Zelltod einiger Hirnzellen führen. Je häufiger die Anfälle, desto schlechter fürs Gehirn.

Bei 1 von 500 Schulkindern / Jugendlichen Erkrankten kommt es zu einer Enzephalitis, also Gehirnentzündung. Masern-Mutti kann also schon mal mit dem Abzählen beginnen. Bei Kleinkindern liegt die Rate etwas niedriger mit 1 / 10000. Die Erkrankten haben dann nach Abklingen der Akutsymptomatik der Masernerkrankung wieder Fieber, bekommen Übelkeit und Erbrechen, weiterhin eine Nackensteife, sind benommen, stehen neben sich und kriegen Krampfanfälle. Eines von 5 Kindern und Jugendlichen, die eine Masernenzephalitis bekommen, stirbt daran. Kapiert? Von 2500 masernerkrankten  Schulkindern oder Jugendlichen wird einer an einer Enzephalitis sterben. Die anderen haben in der Regel psychische Veränderungen, was aber nicht gleichzusetzen ist mit dem Erwerb einer inneren Reifung durch die Erkrankung. Es handelt sich dabei um Persönlichkeitsveränderungen, Lernschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten und kann bis zu einer geistigen Retardierung mit lebenslanger Betreuungsbedürftigkeit führen. Ein Teil der Kinder behält auch Lähmungen zurück. Ok, sie können dann immer noch in einer Behindertenwerkstatt arbeiten und sich einen schicken Rollstuhl aussuchen.

Außerdem gibt es da noch die subakute sklerosierende Panenzephalitis, die bei 1 von 500000 Erkrankten auftritt. Ok, jetzt mögen viele sagen, die Chance ist nicht so sonderlich hoch. Zum Glück kann ich da nur antworten, denn diese Spätkomplikation führt definitiv zum Tod. Diese Spätkomplikation tritt etwa 2 bis 8 Jahre nach der Masernerkrankung auf, insbesondere bei denen, die die Erkrankung im frühen Kindesalter durchgemacht haben. Es beginnt mit Verhaltensauffälligkeiten, führt über Muskelstörungen und Krampfanfälle letztlich zur Dezerebrationsstarre = Koma oder Wachkoma, Apalliker, wie auch immer man dazu sagen mag. Die Erkrankung führt wie gesagt immer zum Tod.

Tja, was kann man machen als Arzt? Wenig. Symptomatisch nennen wir das. Heißt, im Notfall kommen die Kinder ins Krankenhaus oder gar auf die Intensivstation zur Überwachung. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika gegeben. Man hat bereits versucht bei Kindern mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche (also T-Zell-Defekte, Autoimmunerkrankungen, Transplantationen, Krebs etc.) Ribavirin zu geben, aber darüber gibt es keine Studien und ein Beweis für die Wirksamkeit gibt es bisher noch nicht.

Ansteckungsfähig sind Masernerkrankte 4 Tage vor bis 4 Tage nach Auftreten des Exanthems, also des Hautausschlags.

Bei Kindern mit Immunschwäche, bei denen aus verschiedenen medizinischen Gründen keine Impfung erfolgen konnte, muss bei Kontakt zu Masern-Muttis Liebling innerhalb der ersten drei Tage nach Kontakt geimpft werden. Zusätzlich erhalten diese Kinder Immunglobuline. Dieses Verfahren ist durchaus mit Komplikationen wie allergischen Reaktionen verknüpft und wird nur im Notfall gemacht. Aber es ist eben selbst den vorsorglichsten Eltern nicht immer möglich, ihr Kind vor einem Masern-Spreader zu schützen. Bliebe das Auswandern nach Skandinavien oder USA mit besseren Impfraten…

Eltern der masernkranken Kinder haben nicht nur das Recht auf Selbstbestimmung bezüglich der Impfung. Sie haben auch die Pflicht, ihre Kinder dann zuhause zu isolieren, damit keine anderen angesteckt werden - z.B. Kinder unter 15 Monaten, immungeschwächte oder Kinder die medizinische Kontraindikationen für eine Lebendimpfung haben. Aus meiner Sicht ist jedes Mal, wenn ein ansteckungsfähiges Kind in die Öffentlichkeit kommt, also Bus, Bahn, Supermarkt, Kindergarten, Sparkasse etc… ein fahrlässiges Verhalten der Erziehungsberechtigten. Steckt sich ein anderes an z.B. weil Masern-Muttis Junior in den Kindergarten kommt und mit den kleinsten spielt obwohl krank, würde ich als Mutter glatt eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung erstatten. Es wäre interessant zu wissen, was dabei rauskommt, denn letztlich kriegen die Eltern der Erkrankten Auflagen vom Gesundheitsamt. Eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen ist erst ab dem 5 Tag nach dem Exanthem wieder möglich, bei Kontaktpersonen frühestens nach 14 Tagen. Heißt, dass alle anderen Kinder aus der Kindergartengruppe 14 Tage nicht in die Einrichtung dürfen sofern sie nicht geimpft sind. Da wird sich Masern-Muttis oder Masern-Papis Arbeitgeber aber freuen.

Jeder Arzt, der nur den Verdacht auf eine Masernerkrankung hat, ist verpflichtet dies dem Gesundheitsamt zu melden.

Fassen wir also zusammen: Von 1000 an Masern erkrankten Schulkindern und Jugendlichen stirbt 1 Kind, in der Regel an einer Enzephalitis oder Lungenentzündung. Von 500 Masernkranken Schulkindern und Jugendlichen kriegt 1 eine Enzephalitis. Eines von 5 Kindern mit einer Enzephalitis stirbt. Sofern die Kinder die Enzephalitis überleben, haben sie in der Regel psychiatrische oder neurologische Störungen zurückbehalten. Die Hälfte aller Kinder mit einem “Normalverlauf” der Masern, haben Veränderungen im EEG, aus denen sich eine Epilepsie entwickeln kann wenn andere Risikofaktoren hinzukommen. 10% der Kinder kriegen Fieberkrämpfe, die sich nicht auf die Masernerkrankung beschränken müssen. Bei einem von 500000 Masernerkrankten beginnt nach 2 bis 8 Jahren die SSPE, die immer zum Tod führt. Für mindestens 6 Wochen haben alle Masern-Kinder eine Schwäche des Immunsystems, die zu weiteren Folgeinfektionen aller Art führt, unter Umständen auch mit schweren Folgen wie Tod durch Lungenentzündung.

Es gibt eine Impfung ab dem 10. Lebensmonat, Lebendimpfung, Kombination mit Mumps und Röteln, neuerdings auch Windpocken, die nach zweimaliger Impfung zu einem 99% igen Schutz gegen alle Erkrankungen führt. Es ist empfohlen Kinder vor Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung zu impfen, da Masern-Muttis überall sind. Impfviren sind nicht auf gesunde Kontaktpersonen übertragbar. Eine Testung auf Antikörper vorher und nachher macht nach derzeitigen Erkenntnissen keinen Sinn. 50% der Eltern, die behaupten, ihr Kind habe die Masern bereits gehabt und brauchen nicht geimpft werden, lügen oder liegen falsch mit ihrer Aussage. Eine bereits durchgemachte Erkrankung oder bereits erfolgte Impfung führt bei Impfung nicht zu Schäden, da die Impfviren durch die vorhandenen Antikörper sofort neutralisiert werden. Und: Es zählen nur DOKUMENTIERTE Impfungen.

Quelle: “Infektionskrankheiten” von Suttorp, Mielke, Kiehl, Stück aus dem Georg-Thieme-Verlag und RKI-Homepage Seite zu Masern

Links:

Wikipedia

Robert-Koch-Institut (RKI)





Alt, aber gut

27 03 2008

Was sind zwei Chirurgen vor einem EKG? - Eine Doppelblindstudie.

EKG für Chirurgen:

Zacken nach oben - alles klar.

Zacken nach unten - Internisten fragen. Anschließend EKG umdrehen und zwar so, dass die Buchstaben und Zahlen in der Kopfzeile richtig rum sind.

Keine Zacken - gerade erst passiert: Anästhesisten holen.

Keine Zacken - schon länger da: Totenschein.
Ich sags ja: Alt, aber gut. :-)





Wie erklär ichs meinen Studenten?

27 03 2008

Das Ding mit den Chirurgen und Internisten… wie erklärt man das einem Ahnungslosen, also seinen Studenten?

 … 

“Also nochmal, Chirurgen wollen Helden sein. Sie schneiden in alles rein. Pragmatiker. Diagnostik schei… egal, Hauptsache schneiden. Eben Helden sein. Wie bei Grey’s Anatomy. Internisten sind eher die Denker, sie überlegen, sie wägen ab, die defensiven Typen. Nicht die Looser. Sie sind also die richtigen Ärzte.”

“Hä? Naja, letztlich überlassen doch die Internisten den Chirurgen immer zu entscheiden, wann sie wo reinschneiden. Das traut sich doch kein Internist zu entscheiden.”

“Dafür kann ich EKGs lesen.” *allgemeines kichern* ”Es ist auch nicht die Aufgabe des Internisten zu entscheiden, wann ein Chirurg irgendwo reinschneidet. Das muss der schon alleine machen, denn er ist ja derjenige, der schneidet. Irgendwas muss er ja auch noch selbst machen.”

“Du magst keine Chirurgen, oder?”

“Doch schon. Man kann sich manchmal über sie amüsieren. Naja, und sie haben schönere Hintern als die meisten Internisten. Nur das mit dem Reden… Also es gibt Dinge, die sollte man einfach nicht tun…”





Dr. Haus’ und seine Fälle

25 03 2008

Ab sofort können reale Dr. House-Docs richtig reale Fälle vorstellen, diskutieren oder ungelöste Fälle online beratschlagen, um auf neue Ideen zu kommen oder auch mal Beinahe-Crashs vorstellen, aus denen man lernen kann. Angeregt von diesem Blog und zahlreichen House-Fans unter Ärzten hat klinikdirekt mal was neues probiert. Ihr seid alle aufgefordert da mitzumachen - Famulanten, PJs, Docs, Retter,… Moderiert wird das ganze von einem Profi, einem echten (anonymen) Doc mit FA-Titel.

 http://www.klinikdirekt.de/blog/





Wie man Nasenspray sprayen tut

19 03 2008

oder so ähnlich…

Liebe Mitgeplagten,

für uns Heuschnupfen-Opfer gibts hier die richtige Anleitung, wie man einen Nasenspray benutzt.

http://www.medical-tribune.de/patienten/news/22208/

Auf die Idee, einen Patienten mit Nasenbluten zu fragen, ob er Nasenspray benutzt, bin ich noch nie gekommen. Ich stopfe immer nur Gelaspon* rein und das macht sogar oft Spaß, sofern Patient keinen Mundgeruch hat und vorsichtig ist, dass man sich als Helfer nicht einsaut.

PS an die Studis: Immer Blutdruck messen bei Nasenbluten und nach Blutverdünnern fragen.

* Ich hätte hier gerne den Link zum Hersteller gesetzt, aber dieses Intro läuft Endlosschleife bei denen und man kommt nicht weiter auf die Homepage.