Facharztprüfungsfragen

Assistenzarzt kann nicht nur lustig, sondern auch ernst. Mir ist aufgefallen, dass es zwar Prüfungsprotokolle fürs StEx / Hammerexamen gibt, aber eigentlich so gut wie nichts, um für den Facharzt zu trainieren. Es gibt z.B. für die Innere 2 Bücher aus 2 verschiedenen Verlagen, die aber teils kritisch rezenziert werden mit sachlichen Einwänden bzgl. Aktualität und Inhalt der Antwortkommentare. Auch ich fand Fehler im Detail.

Deswegen stelle ich hier die Frage: Was seid ihr in der Facharztprüfung gefragt worden?

Ich will keine Antworten erläutert haben, das kann sich jeder selbst raussuchen.  Was ich mir wünsche bzw. unter welcher Vorstellung ich diese Rubrik erstellt habe: Schreibt einfach Eure FA-Bezeichnung, das Bundesland und die Fragen, an die ihr euch entsinnen könnt, damit die jüngeren so wie ich mal eine Vorstellung bekommen, was da so gefragt wird. Wenn ihr wollt / euch traut auch gerne das Jahr (wg. der Aktualität und Relevanz mancher Themen). Ich will kein Buch draus machen, im Gegenteil, ich habe die Vorstellung (ich könnt ja fast schon sagen im Sinne der Newcomer Piratenpartei), dass eine Informationsfreiheit auch für sowas eintritt. Als Studenten hatten wir die Fachschaften, die sowas gesammelt haben und allen frei zugänglich machten. (ja, und auch so nette Leute von M.., die einen damit köderten und einen anschließend monatelang wegen irgendwelcher Versicherungspolicen anriefen).  Wen haben wir als Assistenz- und Fachärzte? Niemanden außer uns. Und das Internet. Vielleicht könnt man da was draus machen. Ohne Eintrittsgeld, Versicherungsvertretern oder sowas. Weder Fachgesellschaften, ÄKs, Gewerkschaft noch irgendwer sonst sammelt sowas, zumindest nicht hier in dieser Region, ich wüsst nur die Verlage, die da Interesse dran haben, um einen Haufen schicker Bücher zu drucken, die quasi eine Absatzgarantie haben.

 Naja, die Idee ist schön, mal gucken, was draus wird.

Beispiel was ich meine:

“FA Innere (alte WBO), SH: …Fragen…”

6 Antworten

23 10 2011
Assistenzarzt sammelt Facharztprüfungsfragen « Medizynicus Arzt Blog

[...] Assistenzarzt-Blog: Facharztprüfungsfragen Weitersagen:Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. [...]

23 10 2011
Assistenzarzt

Es müssen nicht nur Internisten-Prüfungsfragen sein, hier gucken nicht nur Internisten rein, gerne auch jede andere FA-Richtung, das Ziel ist letztlich das gleiche.

24 10 2011
Urodoc

FA Urologie 2011:
Fragen:
ein Haufen Ultraschallbilder der Niere (Zysten, Harnstau, Tumor, Steine)
High flow Priapismus: Therapie
Differentialdiagnose und Vorgehen Makrohämaturie
(nicht- muskelinvasiver Blasentumor, muskelinvasiver Blasentumor, Stein, hämorrhagische Zystitis, Fistel Harnleiter- A. iliaca interna (mit Anioigramm)
junge Frau mit rez. Harnwegsinfekten (Abklärung inklusive AUG, MCU, Lösung war ein refluxives Hohlsystem bei einer Doppelniere mit Ureter duplex)
Vorgehen bei akutem Skrotalschmerz (im Zweifel freilegen)

an mehr erinnere ich mich nicht, die Idee der Fragensammlung finde ich super.

28 10 2011
OnkoDoc

FA-Prüfung Innere Medizin 2010 (alte WBO, SH)
1. Fall: junge somnolente Patientin mit Dyspnoe. DIagnose: Erstmanifestation einer diabetischen Ketoazidose. Praktisches Vorgehen/Intensivmanagement (detailliert), DD metabolische Azidose (Anionenlücke)
2. Fall: DD Synkope eines alten Patienten. EKG mit AV-Block 3. Grades, Schrittmacherindikation, welcher Schrittmacher?
3. Fall: Pat. mit Angina abdominalis, Mesenterialinfarkt, praktisches Vorgehen.
4. Fall: junger Mann mit länger bestehender B-Symptomatik und Exanthem (Foto). V.a. Vaskulitis. Diagnostisches Vorgehen. Antikörper?, Diagnose: SLE. Klinische Verschlechterung mit progredienter Dyspnoe, Rö-Tx und CT-Tx, pulmonale Hämorrhagie.

14 12 2011
peejot

FA-Prüfung Innere Medizin, WBO 2005, Hessen:
In Klammern die Fragen der Prüfer, dazwischen meine Antworten / gewünschte Antworten:

1. Fallbeispiel:
(50+ jähriger Mann, Raucher, sonst keine Erkrankungen, jetzt Abgeschlagenheit, Fieber bis 39°C, Müdigkeit, kommt eigentlich nur zum Gesundheitscheck.)
Anamnese, Untersuchungen: C9, Rö-Thorax, körperliche Untersuchung; wahrscheinlichste Diagnosen: Pneumonie, Harnwegsinfekt, dann Hautinfekt.
(Kein Hinweis Harnwegsinfekt, Pneumonie, Leukozytose (29.000), Linksverschiebung, Milz etwas vergrößert, Lymphknotenschwellung)
Nun ja, ggf. Einweisung, Abklärung bzgl. Hämatoonkologischer Erkrankungen, Knochenmarkspunktion.
(Knochenmark: Blasten. Welche Erkrankung)
A äh, ich meine CML.
(Therapie?)
Allogene Knochenmarktransplantation, je nach Alter und Vorerkrankungen.
(Welche Phasen?)
Beginn, Plateauphase, Akuter Blastenschub.
(Therapie?)
Äh? Wollte Tyrokinasehemmer hören, habe ich aber nicht gesagt.

2. Erkrankungsbashing:
(Nennen sie mir die extraintestinalen Manifestationen der CED:)
Nun: Gelenkbeschwerden / Arthritis, hier besonders Seronegative Spondilartthritiden mit HLA-B27-Assoziation. Typisch: Ehe große Gelenke / Achsenskelett, eher wechselnd vor allem bei M. Crohn. Augenbeteiligung: Iritis, Uveitis. Indirekte Folgeerkrankungen: Kachexie, Mangeldermatosen, Mangelerscheinungen; Erythema nodosum, wollte dann auch Erythema gangrosum, habe ich aber nicht genannt.
(Wie sieht ein Erythema nodosum aus?)
Ungefähr so groß, blau, lila, am Schienbein, schmerzhaft.
(Dann haben Sie schon welche gesehen?)
Ja, zwei oder dreimal.
Dann: Manifestationen nicht direkt im Darm, aber noch intestinal: Aphten im Mund, Gallensteine, primär sklerosierende Cholangitis.
(Wie diagnostizieren Sie das?)
Oh, ERC (ohne P, wenn möglich): typische perlschnurartige Veränderung.

3. Fallbeispiel:
(Es kommt ein Mann, 50+, Raucher, zu Ihnen mit plötzlicher Blässe und Schmerzen am Bein?).
Oh, kenne ich den Patienten, hat er vielleicht Vorhofflimmern?
(… (keine Antwort))
Nun, so wie Sie das beschreiben: arterielle Embolie, ich taste nach Fußpulsen, schaue ob das Bein kalt ist.
(Wie finden Sie denn heraus, ob er Vorhofflimmern hat?)
? EKG?
(Sie tasten den Puls!)
Oh, dass habe ich doch beim Bein schon gemacht; egal.
(Ursache?)
Vorhofflimmern? DD pAVK, dann hätte er die Beschwerden schon vorher gehabt.
(Stadieneinteilung?)
Stadieneinteilung? Nun: akut, chirurgisch / radiologisch, ab dafür. Keine großartige Diagnostik. Die pAVK wird nach Gehstrecke eingeteilt, allerdings ohne groß Evidenz für die Prognose. Alternativ: RR-Index Arm/Bein. Doppler.
(Wie sichern sie die Diagnose?):
Ultraschall, wenn vor Ort am besten mit Farbdopplerkodierung. Alternativ: klinisch, ggf. mit Doppler (ohne Bild, diese kleinen Stifte, die es zu Beginn meiner Ausbildung gab). In einem Haus der Zentral- oder Maximalversorgung: CT, MRT, DSA, Vorteil: Intervention schneller möglich.
(Therapie?):
Nun: interventionell radiologisch, ggf. mit Lysekatheter, alternativ operativ offen, in einem (sehr) verschneiten Kreiskrankenhaus ohne Zugriff auf genannte Möglichkeiten auch: systemische Lyse.
(Wo kommt der Thrombus her?)
? Das hatten wir doch schon: Vorhofflimmern. Linker Vorhof, genauer, linkes Vorhofohr.
(Wie sichern sie die Diagnose / wie schauen sie ins Vorhofohr?)
Ich nehme meine geliebte TEE-Sonde und schaue mir im mittleren Ösophagusdrittel bei 60°…
(Schon gut: Wo emboliesieren Patienten noch hin?):
Klassich: Schlaganfall, über 20% der Schlaganfälle sind kardioembolisch. Seltener: Milz, Nieren…
(Wo noch?)
?
(Naja, sagt Ihnen Mesenterialischämie was?)
Oh, ja, klar, aber dann eher bei älteren Patienten; bei 50jährigen eher ungewöhnlich.
(Was ist der falsche Frieden?)
Patient hat Zeichen massive Beschwerden, dann eine 4 bis 8 stündige “Pause” nach abgelaufener Nekrose, und danach erneute Beschwerden mit Peritonitis nach Durchbruch der Nekrose. Die Kunst ist es, denn chirurgischen Kollegen trotzdem dazu zu bringen, den Bauch vorher zu öffnen.

4. Krankheitenbashing:
(Sagt Ihnen das Pentagramm der Hochdruckliga etwas?)
Ja. Fünf Standardmedikamente bei arteriellen Hypertonie: Diuretika, hier vor allem Thiazide / Kombipräparate. ß-Blocker. ACE-Hemmer. Sartane. Und Calciumantagonisten von Nifedipintyp, wobei Nifedipin eher durch langwirksame Ca-Antagonisten wie Amlodipin ersetzt worden ist.
(Sind alle gleichwertig?)
Theoretisch schon, aber man sollte sich den Patienten anschauen; Herzinsuffizient? KHK? ß-Blocker, ACE-Hemmer. Jung, männlich? Keinen ß-Blocker!
(Was würden Sie mir geben?)
ACE-Hemmer, a.e. Ramipril als Leitliniensubstanz.
(Wenn ich aber Olmetec haben will?)
Würde ich Ihnen trotzdem zum ACE-Hemmer raten, aber Ihnen Olmetec verschreiben, wenn Sie dies unbedingt wollen.
(Warum eher ein ACE-Hemmer?)
Etwas ungünstigeres Nebenwirkungsprofil, vor allem bradykininvermittelter Reizhusten, dafür bessere Nephroprotektion, bessere Wirkung bei Herzinsuffizienz und KHK. Auf CHARM und ELITE verwiesen.
(Aber Sartane sind auch nephroprotektiv!)
Ja.
(Warum dann also kein Sartan?)
Der einzige Grund, jemandem Olmetec primär aufzuschreiben ist sein Versichertenstatus, weil teurer, ohne wesentlichen Benefit.
(Hm, nun, äh.)

Alles in allem nicht soooo schlimm, allerdings bin ich bei der CML etwas ins Schleudern gekommen. Und ich hoffe, ich war nicht ganz so patzig, wie sich das hier in der Retrospektive anhört.

6 01 2012
medbrain2001

FA Prüfung 2010 Brandenburg, alte WBO

Einsprechthema GIB mit Fragen seitens der Prüfer zum Thema Refluxösophagitis

1. Fall: Pat. mit Angina pectoris – Vorgehen, Medikamente (u.a. Aggrastat); hiervon ausgehend UAW von PPI (bis zu Haarausfall); PPI u. Clopidogrel ?

2. Autoimmunerkrankungen, Einteilungen u. Therapie (Infliximab mit UAW)

Sehr faires, kollegiales Gespräch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s




Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 46 other followers