Meine Nachbarn, Deine Nachbarn – Die Blog-Soap, Folge Nr. keine Ahnung

18 07 2007

An das tägliche morgendliche Geschrei gewöhne ich mich langsam. Pünktlich um halb sieben geht das Gekeife los, sie (die Mutter) bölkt ihren Sohn (den gesunden) erstmal wegen Kleinigkeiten an. Nachdem das fröhliche Kind aus dem Singen und Plappern jeden morgen so arg herausgerissen wird, kann der Tag dann beginnen. Wäre ja auch zu schön, wenn nur einer gute Laune hätte da unten.

Neulich war mal wieder richtig was los. Es ging um ein gelbes T-Shirt. Geschrei, ich verstand jedes Wort was sie schrie, der Kleine weinte schon und auf einmal hörte ich wieder das Geräusch, als wenn etwas unsanft in einen Schrank flog. Dann begann sirenenartiges Geschrei des Jungen. Irgendwas musste ihm wehgetan haben. Hmmm… Was soll man sich dabei denken? Kann man sich was dabei denken? Hat überhaupt jemand da unten mal gedacht? Ich rief aus meinem Zimmer etwas zu einer weiteren Person in meiner Wohnung. Leider kamen meine Worte wegen des Geschreis nicht richtig an. Also wiederholte ich in Fußballplatzlautstärke „Ich habe gesagt, dass die von unten drunter wieder mal ihr Kind schlähägt…“ Die Rechnung ging auf. Wenn ich die so laut höre, dann mussten sie mich auch gehört haben in der Lautstärke. In Sekunden wurde es ruhiger. Dann kamen die ersten versöhnlichen Töne, der Kleine hörte auf zu weinen. Etwa zwei Wochen lang danach ging es friedlicher zu unter mir. Man riss sich zusammen, könnte man meinen.

Allerdings hat der Kleine jetzt entdeckt, dass er auch einen Willen hat und die Pseudo-Mutti sich zurückhält und jetzt kommt der Effekt, den jeder bei den Supernannies sehen kann: Aggression produziert Gegenaggression, auch mal zeitlich verlagert. Der Junge hat gemerkt, je aggressiver und bockiger er ist, um so schwieriger hat sie es, ihren Willen durchzusetzen. Es geht nur noch um Macht, dem anderen zu zeigen wer der stärkere ist. Der Junge merkt, dass er ungerecht behandelt wurde, er hat den Kampf angenommen und ist doch erst 4 Jahre alt. Von Liebe gegenüber dem Kind war vorher sowieso eher wenig zu spüren. Draußen reagiert es wie eine Marionette, wenn der Pseudo-Vater kommandiert – der hat wirklich einen Kasernenhofton am Leibe, da wackeln die Wände. „T. stell dich dahin.“ „T. bleib stehen.“ „T. sei still.“ und T. macht wie ihm geheißen. Bei dem Pseudo-Vater würd sich keiner was anderes trauen als auf Kommando zu reagieren. Vielleicht bringen sie ihm noch das Bellen und Apportieren bei.

Im Übrigen kommt täglich eine Fürsorgefrau vom Jugendamt für das behinderte Kind. Eigentlich müssten denen doch mal was auffallen, dass es in der Familie nicht stimmt. Die sehen nicht asozial aus, gepflegt, gutes Auto, neue Möbel… aber was nützt das Materielle, wenns auf der Emotionalen und menschlichen Ebene nicht stimmt.

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