Nase zu und durch – Gerüche in der Bahn

13 08 2007

Es ist Sommer, zumindest nennt sich der August Sommermonat. Bei 24 Grad und schwülwarmer Luft ist Straßenbahnfahren eine olfaktorische Herausforderung. Hunde kann ich noch mit Müh und Not ertragen.

Aber wo sich das bei mir aufhört: Parfüm. Parfüm von älteren Frauen mit grauen Haaren und Hinterhof-Friseur-Einheits-Frisur. Sie können noch so schick gekleidet sein, wenn es riecht wie in einem chinesischen Wanderpuff, dann möchte ich aussteigen. Schwere Düfte lösen bei mir eine Überproduktion von Histaminen aus, was zu einer Schleimhautschwellung der Nasenhaupt- und -nebenhöhlen führt und letztlich auch zu Kopfschmerzen. Mal abgesehen von emotionalen Assoziationen. Ich wünsche mir dann immer einen Eimer Wasser, den ich über diese Leute auskippen könnte, um die Duftmoleküle zu binden und aus der Luft zu fischen. Geht das überhaupt?

Da halte ich es noch eher aus, wenn jemand nach Schweiß stinkt. Kommt er von der Arbeit, weiß man, er hat gearbeitet.

Sieht er nicht so aus, dann liegts daran, dass er wasserscheu ist oder die Seife so teuer geworden. Vorsicht, bei letzteren Leuten hört die Sparsamkeit auf, wenn sie am Douglas vorbeikommen und dann wird Schweiß – ihr ahnt es schon – von Parfüm übertüncht. Bäh.

Knoblauch geht noch so, wenn man selbst welchen gegessen hat, merkt mans ja nicht mal 🙂 Naja, wenn nicht, is halt Pech, sollte man mal wieder beim Italiener essen.

Schnaps und sozial derangierte Männer… kommt gleich nach Parfüm. Wenn die Schnapsflasche schon aus der Hand kippt und der Herr nach allem riecht / stinkt, was sonst das Klo runterfließt, dann krieg ich auch Ekel. Ich frage mich immer, wie kriegt man mit, ob so jemand vorher auf dem Platz gesessen hat, auf den man sich selbst setzt? Die sind ja auch nicht immer parasitologisch clean.

Stellen wir also die Top 5 der olfaktorischen Tiefs in der Bahn auf:

1. Parfüm von grauhaarigen alten Damen Marke Chinesischer Wanderpuff

2. Parfüm von jungen Mädels, die endlich mal Muttis oder Omas Flasche gefunden haben

3. Männer die in After Shave gebadet haben, dass einem die Augen tränen

4. Schnaps + Piesche + ich-wills-gar-nicht-wissen-was-da-noch-auf-dem-Sitz-bleibt

5. Ungewaschener Hund

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4 responses

22 04 2008
Martina T.-Z.

Vermutlich könnten Sie unter einer “ Chemikaliensensibilität “ leiden, die Patienten reagieren meist auf Parfüm und Duftstoffe – vor allem in eingeatmeter Form. Symptome können sowohl die Atmungsorgane als auch das Nervensytem betreffen. Kopfschmerzen, Schwindelig, Sehstörungen, Übelkeit, Unruhe, Depressionen, Augenjucken, Hautbrennen, etc. können auftreten, die Symptome sind bei jedem Patienten ganz unterschiedlich. Meist können auch andere Gerüche nicht vertragen werden, wie z.B. Farb-, Lack-, Asphalt-, Autoabgas-, Koch-, Abfallgerüche. Je nach Empfindlichkeit.

Die Multiple Chemikalienunverträglichkeit fällt unter die Hauptkategorie S00-T99 „Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen“ dem Diagnoseschlüssel T78.4 („sonstige Allergien und Unverträglichkeiten“) und ist eine organische Erkrankung. Jede anderslautende Behauptung entspricht nicht dem internationalem wissenschaftlichem Stand und fällt deshalb in die Kategorie „persönliche Meinung“ – nur ma so als Vorwarnung weil es Leute gibt die Behaupten dass es die Erkrankung nicht als organische Erkrankung gebe!

Als Arzt mit Dufstoffallergie könnte man z.B. auswandern. Im Ausland gilt die Chemikaliensensibilität als Behinderung und fällt seit 1993 in den USA unter strengem Diskriminierungsschutz. In den USA und Kanada gibt es bereits viele Krankenhäuser, Schulen und Universitäten die Duftstoffe wie Parfüm, Deo, After Shave, Weichspüler, etc. verbieten. Nun soll in Schweden ebenfalls die Vernunft zum Wohle der Gesundheit eintreten und ein Dufstoffverbot herrschen.
http://www.csn-deutschland.de/blog/2008/03/24/schwedische-behoerden-verbieten-duftstoffe-in-krankenhaeusern/

Beste Grüße.

22 04 2008
Martina T.-Z.

Die Liste des Diagnoseschlüßels mit den Unterkategorien der dazugehörigen Allergien und Unverträglichkeiten:

http://www.med-kolleg.de/icd/M/18239.htm

22 04 2008
Martina T.-Z.

Nun muss ich noch mal stören 😉 Chemikaliensensibilität ist nicht mit herkömmlichen Alelrgietest’s nachweisbar! Hierbei schlägt am besten der LTT (LymphozytenTransformationsTest) und der Basophile-Granulozyten-Test an. Was jedoch auch von Patient zu Patient unterschiedlich ist.

Neuste wissenschaftliche Studien ergaben dass eine Beteiligung verschiedener Varianten der Cytochrom-P450-Enzyme eine wichtige Rolle spielen; falls den Patienten wichtige Enzyme zur Entgiftung fehlen/eingeschränkt funktionieren liegt somit der Ursprung der Chemikaliensensibilität also hier und nicht in einer typischen allergischen Symptomatik (GSTT1, GSTM1, PON1, NAT2, etc).
Eine neue Studie (2007) die in Zusammenarbeit mit der „Universität Bremen, Abteilung Humangenetik und Genetische Beratungsstelle“ sowie dem „Kinderkrankenhaus Hannover, Abteilung Hematologie und Onkologie“ entstand, zeigt eindeutige Hinweise hierzu dass anscheinend die Entgiftungs-Enzyme eine größere Rolle spielen als eine Abwehrreaktion: http://www.ehjournal.net/content/6/1/6

Mehr fällt mir zum Thema im Moment nicht mehr ein, Ciao 😉

30 09 2008
Clarissa

Ich bin selber an MCS (multiple chemical sensitivity) erkrankt und kann gar keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen.
Ich habe mir letztens die Mühe gemacht mal Duftstoff-freie Produkte auf zu-listen die MCS-Kranke aber natürlich auch „Normalos“ benutzen können die auf Duft (Gestank) verzichten müssen oder wollen. Es geht auch ohne „Gestank“

http://bagross.gmxhome.de/duftfrei/produktliste

Mit besten Grüßen für eine Welt die nicht zum Himmel stinkt.
Clarissa

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