Was macht ein Assistenzarzt in der Freizeit?

26 08 2007

Welche Freizeit?

Arbeitszeit letzte Woche 63 Stunden.

Ansonsten:

Versuche zu lesen, die immer daran scheitern, dass ich nach ca 1 Seite einschlafe.

Fotografieren, was immer daran scheitert, dass das schöne Wetter an den Tagen ist, wenn ich Dienst habe – danach richten sich inzwischen auch einige Angestellte in der Klinik mit ihren Ausflugsplanungen. Wenn ich frei habe, dann regnets, stürmts oder sowas.

Schlafen, möglichst viel und möglichst lange, denn meine durchschnittliche Schlafdauer in der Woche beträgt 6,5 Stunden und das ist mir zuwenig. Ich lebe in einem ständigen Jetlag. Durch das lange Arbeiten kommt man nach der Arbeit nicht so schnell runter, computert, sieht fern, versucht sich körperlich abzureagieren. Mal abgesehen dass Tätigkeiten wie Einkaufen, Termine erledigen etc. auch noch anfallen. Dadurch kann man nicht auf Schlag um neun abends in die Heia und ist dementsprechend später dran mit einschlafen. Am nächsten Morgen nehme ich mir vor, eher ins Bett zu gehen, was aber wieder an geschildertem Problem scheitert. Am Wochenende – sofern ich keinen Dienst habe – schlafe ich meine 12  bis 13 Stunden am Stück durch. Wenn die Nachbarn nicht wieder Krach machen. Die Dienste sind auch so ein Jetlag – Grund. Arbeiten bis um 4.00 Uhr früh ohne Pause. Abendbrot um 22.00 oder 23.00 nachdem man 8 oder 9 Stunden ohne Essen full power rackern musste. Man schläft 2 oder 3 Stunden, mit Glück auch 4. Dann weiterarbeiten. Visite machen. Offiziell ist um 8.00 Schluss. Haha. Ich bin häufig bis 10.00 da. Um 12.00 falle ich nach Heimweg und Frühstück wie ein Schluck Wasser ins Bett, nach 5 Stunden werde ich meist wach – Hunger. Also aufstehen, was nur mit Gewalt geht. Da stelle ich mir immer die Frage, was im Menschen die größere Kraft hat: Der Drang nach Schlaf oder nach Essen? Man holt dann nach, was man im Dienst nicht essen konnte, völlig unphysiologisch, sofern der Magen es zulässt. Und fällt dann halbtot ins Bett so gegen 22.00. Am nächsten Morgen ist man nicht in der Lage zu sagen, welchen Wochentag man hat oder wie spät es ist.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass so ein Dauer-Jetlag gesund ist. Es ist mit den Diensten, als wenn man erst nach Westen fliegt und gleich wieder zurück. Falls es einen Arbeitsmediziner oder – physiologen gibt, der Interesse hat, daran zu forschen, stelle ich mich gerne zur Verfügung.

PS: Für alle die denken, dass 24h-Dienste mit dem Marburger-Bund-Tarif-Vertrag vorbei waren… nix is. Der Tarifvertrag hat eine Klausel, die es weiter gestattet. Ein Grund mehr, ins Ausland zu gehen.

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3 responses

5 09 2007
medbrain2001

Ja ja, die 24 h Dienste. Aber das Gefühl, am Sonntag 24 h da gewesen zu sein (im Sinne von physisch anwesend) und davon nur für 3 h bezahlt zu werden, das ist erst gut (kam mit dem neuen Modell)! Oder unter der Woche…da sind es 1,5 oder 2 Stunden.

Ernsthaft: bei uns gibt es nur am Wochenende 24 h Dienste, die Arbeit ist aber die gleiche geblieben. Ob ich unter der Woche erst gegen mittag anfange und am nächsten morgen halbwegs pünktlich das Haus verlasse, oder nicht, meine Arbeit muß getan sein – und meist halt auch von mir. Dafür hat man uns dann das Gehalt gekürzt, weil wir ja weniger Stunden anwesend sind. Supergut, ne?!

5 09 2007
Assistenzarzt

Ja, so in etwa komme ich mir jedes Mal bei meiner Dienstabrechnung vor. Ich arbeite 24 h mit einer Auslastung von über 90% (Stufe III) und werde dann dafür mit Stundenabzug „bestraft“, weil ich am nächsten Tag laut Gesetz meine Arbeit einstellen und meinen Freizeitausgleich machen muss – zu meinem Schutz. Deswegen bin ich die 8 Arbeitsstunden des Folgetags ja nicht da und kriege sie demzufolge abgezogen. Auf dem Papier und dem Konto. Damit die Klinik keinen Ärger mit dem Amt für Arbeitsschutz und der eigenen Haftpflichtversicherung kriegt.
Ich versteh das immer nicht – ich arbeite 24 h meist ohne größere Pausen (Pausenzeiten addieren sich zusammen und man schläft dann ja mal 2-3h). Also habe ich die Arbeitszeit für 3 Tage gearbeitet. Bereitschaftszeit ist Arbeitszeit – laut EU-Gerichtshof. Wieso zieht man mir dann den einen Tag ab? Dass muss ich nich verstehen, oder?

5 09 2007
medbrain2001

Jepp – genauso geht es mir auch. Verstehen werde ich das nie.

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