Aus dem Leitartikel des stellvertretenden Präsidenten der Bundesärztekammer im Ärzteblatt MV „Facharztstandard – Nicht nur eine Formalie, sondern zwingend notwendig!“

5 09 2007

Ärzteblatt Mecklenburg – Vorpommern 9/2007, S. 304, Leitartikel von Dr. med. A. Crusius, Präsident der Landesärztekammer Mecklenburg-Vorpommern und stellv. Präsident der Bundesärztekammer

Facharztstandard – nicht nur eine Formalie,

sondern zwingend notwendig!

Link: http://www.aek-mv.de/editor/aerzteblatt/upload/abaktuell.pdf

Häufig wird der ärztliche Bereitschaftsdienst nachts und am Wochenende ausschließlich mit Assistenzärzten, die häufig am Beginn ihrer Facharztweiterbildung stehen, besetzt. Diese Kolleginnen und Kollegen sind teilweise sogar angewiesen, fachübergreifend die Patienten mehrerer verschiedener Fachrichtungen zu versorgen. Fachärzte stehen oft nur im Rufdienst, aus dem heraus sie die Behandlung vielfach erst nach einer Zeitdifferenz von mehr als 20 Minuten übernehmen können, zur Verfügung.“

„Nach der Rechtsprechung führt eine personelle Unterversorgung, die den erreichbaren medizinischen Standard einer sorgfältigen und optimalen Behandlung des Patienten gefährdet, bei einer Realisierung dieser Gefahr zu einer Haftung des Krankenhausträgers. Der Krankenhausträger trägt die Letztverantwortung für die Krankenhausorganisation. Er hat dementsprechend für Organisationsmängel einzustehen und haftet für das sogenannte Organisationsverschulden.“

Der Patient hat in qualitativer Hinsicht aus der Übernahme der Behandlung durch das Krankenhaus vertraglich einen Anspruch auf ärztliche Betreuung entsprechend dem Facharztstandard. Der Facharztstandard hängt nicht allein von der formellen Ernennung zum Facharzt ab, sondern davon, daß der Arzt die Behandlung theoretisch wie praktisch so beherrscht, wie es von einem Facharzt des entsprechenden Fachgebietes erwartet werden muß.“

„Welcher Arzt ist nun in der Lage, den fachärztlichen Standard zu leisten? Sicherlich der Arzt mit abgeschlossener Weiterbildung und abgelegter Facharztprüfung in seinem Gebiet. Kann aber auch die Versorgung durch einen Arzt ohne einschlägige Facharztbezeichnung ausreichen? Der Berufsanfänger hat nicht die Kenntnisse und Fähigkeiten, dem Facharztstandard zu entsprechen.“

„Mit der zum Teil vertretenen Auffassung, daß auch Berufsanfänger und Fachgebietsfremde ausreichend abgesichert sind, wenn ein Facharzt im Hintergrund- oder Rufdienst zur Verfügung steht, kann die Ärztekammer nicht konform gehen. Diese Form der Dienstgestaltung beinhaltet nach unserer Auffassung weiterhin das nicht unerhebliche Risiko, daß der Assistenzarzt zum Beginn seiner Weiterbildung oder der fachfremde Arzt – aufgrund der mangelnden  theoretischen Kenntnisse und insbesondere auch praktischen Erfahrungen – nicht oder nicht rechtzeitig die Ernsthaftigkeit der Situation und die sich hierdurch ergebende Notwendigkeit erkennt, den in Rufbereitschaft befindlichen Kollegen hinzuzurufen.“

„Darüber hinaus ist der oben erwähnte verspätete Beginn einer Behandlung durch den erst Hinzuzurufenden sowohl aus medizinischer als auch aus rechtlicher Sicht nicht vertretbar.“

„Festzuhalten bleibt nach allem, daß sowohl der fachübergreifende Bereitschaftsdienst als auch der Bereitschaftsdienst allein durch Berufsanfänger […] durch die Ärztekammer grundsätzlich abgelehnt wird.“

(Hervorhebungen von mir)
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6 09 2007
medbrain2001

Da hat doch die Ärztekammer etwas wahres von sich gegeben – es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Ich erinnere mich noch gut, als ich nach 5 Wochen meinen ersten Dienst in einem kleinen Haus begonnen habe. Ebenso gut wie an das Gemaule, als ich den Facharzt das letzte Mal hinzugerufen habe (und das war letzte Woche).

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