Abenteuerurlaub in Leipzig (1)

2 10 2007

Ein Urlaub sollte es werden, entspannt, eine Fortbildung so nebenbei, ein wenig Luxus mit 4 Sternen… was es letztlich wurde, hmmm… ich will es mal Abenteuerurlaub nennen.

(an die Nissan Primera – Fahrer, die über eine Suchmaschine hierher kamen: Weiter runterscrollen…)

Da fuhren wir nun an einem Freitag los. Die Autobahn gen Süden. Der Wetterbericht bei Wetteronline hatte nicht gelogen – das Wetter war Schrott. Es regnete und regnete und… ja zwischendurch regnete es auch mal. Doch ich will nicht alles schlecht machen. Es gab sogar wenige Minuten, wo es mal nicht regnete. Da musste wohl jemand einen neuen Eimer Wasser holen, um ihn anschließend über uns auszukippen. Ist schonmal jemand freitags auf dem Berliner Ring gefahren? Nein? Na dann lass es mal lieber bleiben.

Während wir so auf der Autobahn schwammen, fiel uns auf, dass inzwischen nicht mehr nur unsere Airbag-Lampe leuchtete.

Blende:
Airbag-Lampen sollen nicht leuchten. Wenn sie es doch tun, stimmt irgendwas nicht. Steht so in der Betriebsanleitung. Wir waren deshalb auch schon in der Nissan-Vertragswerkstatt und bei A.T.U. – aber niemand fand einen Fehler. Das geht seit Monaten so. (Achja: „Der Airbag funktioniert auch, wenn die Lampe leuchtet, das Messgerät zeigt keine Fehler.“)

Ein kurzer Schwenk zurück vor 4 Wochen: Die Batterie war alle, was nach 6 Jahren nicht so sehr verwunderte. Kann halt mal passieren. Der ADAC-Engel gab uns eine neue und alles sollte gut werden. Der anschließende Check in der Werkstatt zeigte – wie immer – dass keine Fehler vorlagen. Woher die Lampe leuchtete? Keine Ahnung. Wieso die Batterie-Lampe ab und an leuchtet, obwohl die Batterie neu ist? Keine Ahnung. Ein Wackelkontakt? Das wirds wohl sein.

Kommen wir wieder zurück zu unserer Airbag-Kontroll-Leuchte. Sie leuchtete seit irgendwo nördlich von Berlin. Und ab der A9 dann auch die Batterielampe. Schon wieder dieser verdammte Wackelkontakt. Hmmm… Raststätte Fläming gehalten. Gegessen, weil völlig ausgehungert und entkräftet. Weitergefahren. Hmmm… Oh man, was für ein Regen, es wurde immer stärker. Das letzte Mal, als ich solchen Regen sah, stand hier oben vieles unter Wasser und manche Ortschaften waren regelrecht abgesoffen. Diese aktuellen Regenfälle führten im weiteren Verlauf dann zu Überschwemmungen in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen und zu Dammbrüchen im Harz und bei Hildesheim. Wir waren also quasi mittendrin. Die Autobahn schwamm, das Wasser konnte gar nicht so schnell ablaufen. Mehr als 100 kmh waren nicht mehr drin und selbst das war schon mutig. Es gab mehrere Unfälle mit Blechschäden. Wir hatten gerade Brandenburgisches Terrain verlassen und auf dem sachsen-anhaltinischen Abschnitt der A9 angekommen. Es war, als würde der liebe Gott seinen Swimmingpool über uns auskippen.

 Dann leuchteten ein paar weitere Lampen z.B. ABS. Hieß das etwa, dass unsere gesamte Sicherheitstechnik im Auto gerade out of order war? „Wieso gehen die Scheibenwischer auf einmal so langsam?“ Und das Licht wird auch immer schwächer. Jetzt leuchteten wirklich alle Lampen und das konnte nur noch eins heißen: VERDAMMT! Unsere gerade 4 Wochen alte Batterie war leer und zwar restlos. Dann merkten wir auch, dass wir nicht langsamer werden durften. Wir begriffen, dass es gerade eine ziemlich heikle Situation wurde. Stehenbleiben zwischen LKWs? Bremsweg, Aquaplaning… oh oh. Ich bin nicht in der Kirche, aber ich glaube, dass Oma und Opa immer bei uns sind und wohl auch in diesem Moment ihre Flügel ausbreiteten. Langsamer werden hieß, dass der Motor drohte auszugehen. Das Stottern begann auch sofort. Stehenbleiben bei diesen Straßenverhältnissen war extrem gefährlich. Es war zwar Tag, aber das Licht wie in der Dämmerung, die Sichtweite war teils keine 200m, der Regen extrem stark, die Autobahn stand teils 10 cm unter Wasser, der Verkehr auf 3 Spuren wie Stadtverkehr – dicht an dicht die LKWs aus Osteuropa. Die Scheinwerfer konnten wir unmöglich ausschalten. Die Scheibenwischer betätigten wir nur bei Bedarf, die Klima und der Lüfter wurden ausgeschaltet. Die Minuten dauerten ewig. Wir wollten nicht auf den Standstreifen, das war zu riskant. Wir hatten mehrere Unfälle passiert, bei denen die Leitplanken der letzte Halt gewesen waren. Egal was kam – Ausfahrt, Parkplatz, alles war uns recht. Und es kam endlich der Parkplatz Cobbelsdorf. Mit den letzten Batteriekräften retteten wir uns von der Autobahn runter. Ein Gelber ADAC-Engel war gerade dabei, jemand anderem zu helfen. Ein Zeichen?

Wohl kaum. Ich sprach ihn an, bekam nur eine kurze abwertende Antwort. Ich solle die Zentrale anrufen, er wüsste nicht, ob er uns gleich helfen kann. Kann sein, dass er erst woanders hin muss. Und überhaupt, das wäre ja total was neues, wenn Leute ihn so anquatschen. Eh sorry, kann ich was für das Wetter? Hätt ich mit Strapsen und tiefem Ausschnitt kommen sollen, damit er gewillter ist,  zu helfen? Man, ich bin froh, dass wir nicht irgendwo mitten auf der Straße stehengeblieben sind und die Bekanntschaft von polnischen Autoreifen im Lack machen mussten.

Wir kamen dann trotz Mitgliedschaft im ADAC nach der Abfuhr auf die Idee, die Mobilitätsgarantie von A.T.U. in Anspruch zu nehmen, schließlich war unser Nissan da zum Fehlersuchen und man fand ihn nicht. Die Diagnose war uns als Laien schon klar. Batterie leer. Wovon wohl? Blieb ja eigentlich nur die Lichtmaschine. Sch… dreck. Man versprach uns, in 45 min da zu sein und uns abzuholen. Plötzlich, oh Wunder, öffnete der Gelbe Engel unsere Autotür und fragte, ob wir denn nun noch seine Hilfe bräuchten. Da hatten wir aber schon einen Abschleppdienst von A.T.U. zugesagt bekommen. Nach kurzer Schilderung der „Beschwerden“ unseres geliebten Nissans, sagte er nur: „Das Problem ist bekannt, das ist bei fast allen Nissan Primera dieses Baujahres so. Wenn die so 50 000 bis 70 000 km runterhaben, ist die Lichtmaschine hinüber. Die haben damals Pech mit dem Hersteller der Generatoren gehabt. Bei dem Vorgängermodell von Ihrem auch. Und die Leute sehen zuerst, dass irgendeine Lampe leuchtet. Das hängt damit zusammen, dass die Betriebsspannung unter 12V sinkt und dann wird irgendwas abgeschaltet. Bei Ihnen wars der Airbag und dann das ABS. Und wenn die Leute dann in die Werkstatt fahren, funktionierts mal wieder und die Spannung is ok und keiner findet  nen Fehler. Und irgendwann passiert denen dann sowas wie Ihnen.“ Klasse. Unser hat 53000 km runter. Es passte alles und dem ADAC im Berliner Raum ist sowas bekannt. WARUM ZUM TEUFEL DENN NICHT DER NISSAN-VERTRAGSWERKSTATT????

Lieber Nissan-Konzern,

die Idee mit den billigen Generatoren war auf deutsch gesagt, ziemlich Schrott – im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn das Problem allgemein bekannt ist, warum kriegen die Kunden denn keine Einladung zur Überprüfung der Lichtmaschine und den Hinweis, bei Auftreten der klassischen Symptome und einer Kilometerzahl über 50000 km mal die Lichtmaschine wechseln zu lassen? Habt Ihr gedacht, ich bin scharf darauf, bei so einem Wetter meinen Arsch zwischen polnischen und lettischen Schrott-LKWs zu riskieren?
Seht endlich zu, dass ihr was auf die Beine gestellt kriegt, denn sonst könnt ihr das mit der Kundenbindung vergessen! Es is längst nicht mehr so, dass jemand der einmal eine Automarke kauft auch immer dabei bleibt.

Liebe Nissan-Vertragswerkstatt,

nicht nur, dass Ihr uns die Winterräder zu einem überteuerten Preis verkaufen wolltet und sowieso alles teurer macht als üblich, nein, Ihr habt auch noch dafür gesorgt, dass mein Urlaub derart bescheiden begann und ich rede nicht von den stärksten Regenfällen, die diese Gegend dort in diesem Jahr gesehen hat. Da unser Nissan Primera nicht der einzige ist, den ihr in der Betreuung habt… hattet?… gehe ich mal davon aus, dass sogar Euch der Fehler der Lichtmaschinen bekannt sein dürfte. Als wir wiederholt in diesem Jahr bei Euch auftauchten und die merkwürdigen Dinge berichteten, die sich in unserer Elektronik taten, da habt Ihr nicht mal 2 + 2 rechnen können? Hättet Ihr uns gesagt, dass es an der Lichtmaschine liegt, hätten wir sie austauschen lassen und sicherlich bei Euch. Ihr hättet sogar noch mehr Geld verdienen können. So hattet Ihr jetzt Pech. Mal ne Frage: Was wäre gewesen, wenn uns jemand ins Auto gebrettert wäre und unsere Airbags und ABS etc. bei immer mal wieder leuchtenden Lampen nicht funktioniert hätten? Kaputte Lichtmaschine, grenzwertige Batteriefülle, zu niedrige Netzspannung, fehlende Funktion der Elektronik… Ich kann Euch gar nicht sagen, was ich Euch in diesem Moment auf dem Parkplatz im strömenden Regen mit nassen Füßen und einem Auto, das keinen Mucks mehr sagte, am liebsten an den Kopf geworfen hätte, aber es wäre sicherlich aus grauem Beton und mindestens ein halbes Kilo schwer gewesen.

 Liebe anderen Nissan Primera-Fahrer,

ich hoffe, ihr könnt aus der Schilderung oben, einige Erkenntnisse ziehen, falls Ihr gerade die Suchworte Nissan Primera Airbag Lampe Fehlfunktion oder so eingegeben habt. Wenn bei Euch Lampen leuchten im Armaturenbrett, z.B. vom Airbag, ABS oder sonstwas und ihr euch / die Werkstatt sich das nicht erklären könnt und Euer Nissan Primera die Bezeichnung P11 in der Zulassung stehen hat oder aus den Baujahren von 2002 oder älter ist, mindestens 50000 km weg hat, dann überprüft euren Batteriestand und fahrt zu einer Werkstatt, die was von ihrem Handwerk versteht. Wie ich dem Nissanboard.de entnehmen konnte, ist es 2003 und 2004 bei einigen Nissanfahrern auch zu blinkenden Airbaglampen gekommen. Hier wurde dann aber in den geschilderten Fällen per Computer ein Fehler in dem Kabel für die linke Seite gefunden, was man dann auch tauschen lassen konnte. In unserem Falle leuchtete die Airbag-Lampe ohne zu blinken immer mal wieder für längere Zeit auf, manchmal bei jeder Fahrt, und die Werkstätten fanden bei wiederholten Checks nie einen Fehler. Möglicherweise ist es bei Euch wie in unserem Fall die Lichtmaschine. Ihr könnt lesen, was ein ADAC-Gelber-Engel dazu gesagt hat. Wir erfuhren außerdem, dass vor 3 Wochen an der selben Stelle ebenfalls ein Nissan Primera mit dem gleichen Problem und den gleichen vorhergehenden Merkwürdigkeiten liegen geblieben ist. Aber dazu  mehr in Teil 2 dieser wundervollen Geschichte eines Abenteuerurlaubs.

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2 responses

5 10 2007
F.

gruselig.

18 10 2016
Roland

Ich frag mich, warum für solche Fälle nicht eine zweite kleine Batterie vorgeschrieben ist, die wenigstens im Notfall die Warnblinkleuchten bedient. Oder kleine Akkus direkt in den Leuchten. Mir ist mal die komplette Elektrik ausgefallen, natürlich nachts, da war ich heilfroh, noch bis zu einer Straßenlaterne rollen zu können. Darauf, daß andere ein stehendes unbeleuchtetes Auto noch rechtzeitig erkennen, sollte man sich wirklich nicht verlassen müssen.
Aber lieber baut man elektrische Sitzverstellungen ein und anderes Zeugs.

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