Abenteuerurlaub in Leipzig (2)

3 10 2007

Da standen wir nun im strömenden Regen, nein im stundenlangen Wolkenbruch auf einem einsamen Rastplatz auf der A9 im nördlichen Teil Sachsen-Anhalts. Die Scheiben beschlugen, das Wasser tropfte von allem – dem Auto, den Jacken, der Nase… Meine Schuhe meldeten den Eintritt von H2O ins Innere und die drohende Passage in die Socken. Nach 45 min rollte ein Abschleppwagen auf den Parkplatz. Kurzer Check: „Tja, da hamse Pech, die is janz leer, wa?!“ Zündschlüssel umgedreht. Nix, nicht mal ein Zucken. Aus dem Auto raus, für Minuten dem Aufladen beigewohnt. Jack Wolfskin Jacken und die Regenhüllen der Rucksäcke sind wirklich wasserdicht. Meine Schuhe nicht. Meine Socken meldeten die Passage von H2O bis zu meinem Stratum corneum. Es quietschte beim Gehen, aber das war nicht der Moment, in dem mich sowas rührte. Im Gegensatz zur durchgeweichten Jeans. Es war nass und kalt, fern der Heimat, hungrig, durstig und mit kaputtem Auto. So stiegen wir dann triefend nass in den Abschleppwagen. Der nette Fahrer unterhielt sich ein wenig, vornehmlich mit dem männlichen Teil der Reisegesellschaft. So erfuhren wir, dass er vor knapp 3 Wochen ebenfalls etwa an dieser Stelle einen anderen Nissan Primera gleichen Baujahrs abgeschleppt hat. Der Fahrer hatte ihm das gleiche berichtet wie wir und war dann mitten auf der Autobahn auf dem Randstreifen liegen geblieben, weil die Batterie so leer war, dass rein gar nichts mehr ging und letztlich auch der Motor ausging. Bei ihm wars die Lichtmaschine, die die Batterie aufgrund eines Defekts nicht mehr geladen hatte. Und ihm vorher so lustige Anzeigen mit leuchtenden Airbaglampen etc. beschert hatte, die keine Werkstatt zu deuten wusste. Aber das kenne man ja schon von den Nissan Primera Modellen. Es folgte die gleiche Geschichte der mangelhaften Generatoren, die man leider nur komplett auswechseln kann und nicht die fehlerhaften Teile. Interessant. Wieso kennt man im Berlin-Brandenburgischen dieses Nissan-Problem und in heimischen Gefilden nicht? Unser Nissan dürfte einer der letzten sein, die diese Kilometerzahl erreicht haben, es müssen tausende deutschlandweit damit aufgefallen sein, sogar in MV, aber hier oben schnallt man es einfach nicht? Oder fahren alle kaputten Nissans über die Landesgrenze um sich dort eine neue Lichtmaschine einbauen zu lassen? Fragen, die ich mir nie erträumt hätte.

Der Abschleppwagen rollte nordwärts. Zurück… ich will doch in die andere Richtung. Mir fiel ein, dass ich völlig vergessen hatte zu fragen, wo man uns jetzt überhaupt hinbringen wollte. Vom Prinzip war es auch egal. Entlang der Autobahn gab es etliche kleiner Nester, von denen ich nie zuvor gehört hatte.

Zwei Abfahrten weiter. Auf dem Hof angekommen stapften wir durch den immer noch strömenden Regen in das Büro. Unser armer Nissan wurde abgeladen und stand zwischen schrottreifen Autobahnwracks, die nicht ganz so viel Glück hatten. Die Diagnose war ja vom Prinzip schon gestellt, jetzt ging es an die Verhandlungen. Ja, man kann eine Lichtmaschine bestellen, sie wäre Montag da und könne dann auch eingebaut werden. Kostenpunkt 280 Euro etwa. Ok, wir erteilten den Auftrag. Hatten wir eine Wahl???

Nächste Frage: Mietwagen, denn irgendwie mussten wir weiter nach Leipzig. Hmmm… die A.T.U.-Garantie sieht keine Mietwagen vor, nur eine Zugfahrkarte nach Hause. Sehr witzig. Die männliche Fraktion der Reisegruppe ließ sich in lauter Verzweiflung zu einem Mietwagen der Firma überreden, der ADAC wirds schon erstatten. Preis? Das müssten wir hinterher sehen. Die Wahl stand zwischen einem alten Ford Fiesta, einem Opel Corsa und einem Renault Clio. Und das Gepäck…? Oh man… man riet uns zu dem Clio, der hätte den größten Kofferraum. Ich hatte keinen Bock mehr zu diskutieren. Eine Stunde später war der Mietwagen da. Völlig entnervt luden wir im immer noch stattfindenden Wolkenbruch das Gepäck um. Der Clio sah aus, als hätte er tagelang neben einem Golfplatz geparkt. Lauter Golfballgroße Beulen im Dach und der Motorhaube. Ein Trabi ist größer wenn man drin sitzt. Nasse Füße, nasse Jeans, von den Jacken lief das Wasser. Wo sollten wir die hinlegen? War auch egal. Nass waren wir eh. Was folgte war eine Unterwasserfahrt auf der A9 Richtung Leipzig. Von Unfallstelle zu Unfallstelle, Stau,… und das in einem sich merkwürdig fahrenden Kleinwagen mit Gepäck an jeder Stelle und in klitschnassen Sachen. Wenigstens das mobile Navigerät, das ich in der Jackentasche trug leistete exzellente Dienste. Ja, es war so klasse mit einem zerbeulten Clio voller Gepäck als begossene Pudel vor dem 4-Sterne-Hotel vorzufahren…

Das Einchecken ging kurz und schmerzlos. Im Zimmer angekommen hinterließ ich mit meinen Socken erstmal nasse Tapsen auf dem Teppich. Zwei Tage brauchten meine Schuhe zum Trocknen. Ich suchte die 4 Sterne… Das Mobiliar hatte schon bessere Zeiten gesehen. An der Decke hingen Spinnweben. Auf den Fußleisten lag dick Staub. Auf der Garderobe auch. Die Fernbedienung klebte, genau wie es die Knöpfe im Fahrstuhl auch taten. Und vor allem: Es fehlte das Stück Schokolade auf dem Kopfkissen!!! Das hätte ich an dem Abend wirklich gebraucht.

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One response

5 10 2007
F.

hatte auch schon ewig keine schokolade mehr auf den hotelkopfkissen. wurde vielleicht generell wegen zu hoher kosten abgeschafft.

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