Suchbegriffe auf dem Weg zu meinem Blog

13 10 2007

WordPress ermöglicht es, eine Reihe von Statistiken zu erfahren. Ich wußte vorher gar nicht, dass ich es als solche Bereicherung meines Lebens empfinden würde. 🙂

Die schönsten Suchbegriffe, mit denen man auf mein Blog gekommen ist, aus dieser Woche:

„Meine Nachbarn sind asozial“ – Ich finde, das wäre ein echtes Talkshow-Thema

„Mädchen „nasse Jeans““ – kann mir irgendjemand erläutern, wonach der Sucher damit suchte?

 „wieviel kriegt Assistenzarzt?“  – Wenn man mich fragt zu wenig für die durchschnittlich 50-70 Stunden pro Woche und die Verantwortung, mit der man sich stets mit einem Bein im Knast fühlt und den Druck, der von oben auf das Fußvolk ausgeübt wird mittels Dienstplänen etc.

Zur weiteren Beantwortung:

Tariftabellen gibts beim Marburger Bund :

für die Unikliniken: http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/tdl/tdl-026.php

für die städtischen Krankenhäuser:  http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/vka/vka_30.php

Wobei 1. zu beachten ist, dass man für den Osten noch was abziehen muss (Es lebe gleiche Arbeit für ungleiches Geld…) und 2. die Klinikketten eigene Tarifeverträge haben.

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4 responses

15 07 2009
Pia

Hi! Also 50 bis 70 Stunden finde ich ganz schön mutig! Es sind eher 46, mit Bereitschaftsdienste miteinberechnet! Und das Gehalt ist ebenfalls überdurchschnittlich hoch.

Siehe hier z.B.:

http://www.ecqmed.de/frames/karriere/987.pdf

16 07 2009
Assistenzarzt

Hmmm… mal rechnen… eine Beispiel-Woche aus dem letzten Vierteljahr: Montag 10 h, Dienstag 9 h, Mittwoch 9 h, Donnerstag 10 h, Freitag 10 h, Samstag 24 h – Dienst macht zusammen 72 h, falls ich mich jetzt beim Kopfrechnen nicht vertan habe.
Weitere Beispiel-Woche:
Montag 24 h-Dienst, nach Dienst noch 3 h geblieben am Dienstag, Mittwoch 9 h, Donnerstag 10 h, Freitag 24 h Dienst, nach Dienst 2 Stunden länger gearbeitet macht zusammen 72 h.
Das sind normale Wochen für mich. Klar, alle paar Wochen habe ich auch mal 46 h dabei ohne Dienste. Bei unseren Chirurgen ist es noch schlimmer.

17 07 2009
Pia

Das finde ich persönlich schon viel. Und es ist sicherlich auch so, dass man in vielen Krankenhäusern Dienste machen muss. Aber so weit ich weiß werden diese auch vergütet. D.h. als Assistenzarzt im ersten Jahr kann man schon mit etwa 5-6 Dienste im Monat zu über 60.000 € Gehalt kommen. Überstunden sollen auch nach den neuen MB-Tarifverträge vergütet werden und ich kenne zumindest eine Person bei der es auch so ist (k.A. wie es i.A. zugeht mit der Einhaltung).

Andere Berufsanfänger, z.B. Ingenieure bleiben auch lange an der Uni und haben dann auch teilweise 50-60Std/Wochen mit 41.000 Grundgehalt. Manchmal werden Überstunden bezahlt, manchmal als Freizeit abgegolten, manchmal gibt es dafür nichts.

18 07 2009
Assistenzarzt

So, ich hab mal die aktuelle Tabelle des Marburger Bund – VKA-Tarifvertrages rausgesucht, damit wir das hier mal auf reelle Zahlen stellen (VKA weil derzeit wohl mit der beste Tarifabschluss).
Für jeden übrigens frei nachzulesen unter http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/vka/tarifrunde2008/009.php

Arzt ab dem 1. Jahr (=Berufsanfänger) monatliches Grundgehalt von 3.662,66 € brutto bei 40h offizieller Wochenarbeitszeit laut Tarifvertrag, entspricht einem Jahresgrundgehalt von 43951,92 € brutto.

Anmerkung: Auf ein Grundgehalt von 60000 € brutto kommt frühestens der Facharzt im 4. Jahr seiner Facharzttätigkeit, dass heißt, man muss für so ein Grundgehalt bereits 10 Jahre Arzt gewesen sein.

Nun zu den anderen Punkten.
Ja ja, Dienste werden tatsächlich vergütet. Und jetzt kommt das Aber: von den Stunden nach Ende der regulären Arbeitszeit bis zum geplanten Ende des Dienstes werden die 8 h Arbeitszeit des Folgetages abgezogen, weil man da ja offiziell nicht da ist, weil man da laut Gesetz offiziell nicht mehr arbeiten darf, sofern man in der Bereitschaftsdienststufe III nach VKA ist, was die Regel ist, wenn man im Krankenhaus seine nächtliche Unterhaltung sucht. Außerdem arbeiten die Kliniken zur Streckung des Zeitraumes „Bereitschaftsdienst“ auch mit verlagerten Arbeitszeiten oder verlängerten Arbeitszeiten, so dass ein Dienstkonstrukt z.B. ist: 8 h normal arbeiten, 2-4 h verlängerte Arbeitszeit und danach erst Bereitschaftsdienst. Dabei wird es so gemacht, dass die verlängerte / verlagerte Arbeitszeit ausgeglichen wird offiziell (was inoffiziell vielleicht in 20% der Fälle erfolgt, weil die Genehmigung von freien Nachmittagen oftmals erst nach Ende der regulären Dienstzeit erfolgt… gerade in den operativen Fächern). Dadurch reduziert sich die Zahl der bezahlten Bereitschaftsdienststunden. Günstig für den Arbeitgeber: weniger zahlen und das mit dem Zeitausgleich machen wir irgendwann schon, ganz bestimmt *auf die Schulter klopf*… Bei der Bezahlung der Bereitschaftsdienststunden wird die Wichtung so gelegt: 1 Bereitsschaftsdienststunde in Stufe III wird zu 90% bezahlt, aber eine Stunde die man am Folgetag nach Hause gehen darf / kann / muss laut Gesetz wird zu 100% abgezogen, weil das ja reguläre Arbeitszeit wäre. Die Zeit, die wir nach den Diensten länger bleiben, kriegen wir in keinster Weise bezahlt. Weil wenn wir die tatsächlich abrechnen, dann bekommt die Klinik Ärger mit dem Amt für Arbeitsschutz, was dann schwarz auf weiß Gesetzesverstöße dokumentiert bekommt. Deswegen können wir diese Zeiten auf Klopapier schreiben und runterspülen. Und es ist nicht unerheblich, was dabei zusammenkommt. Wenn man Glück hat, kriegt man es inoffiziell mal ausgeglichen, weil der Chef nett ist. Gibt aber genügend Kliniken wo sowas nicht gemacht wird.

Für ne Überstundenvergütung muss man die Überstunden erstmal irgendwo hinschreiben können und die meisten von uns würden dabei aufs Geld pfeifen und lieber den Zeitausgleich nehmen. Denn irgendwann (so ab dem 2. – 3. Jahr) begreift man, dass es etwas gibt, das mehr wert ist als Geld: Zeit, die man nicht in der Klinik ist.

Nehmen wir mal 6 Dienste im Monat bei einem Anfänger. Nach dem Modell meiner derzeitigen und vorherigen Klinik wären das an Dienstvergütung bei z.B. einem Freitag und einem Sonntags-Dienst: (ich hab schonmal gerechnet, Details gibts nicht wegen Anonymität) 55,5 bezahlte Dienststunden zu 90% (von tatsächlich geleistet 105, wobei der Rest eben abgezogen oder als verlagerte Arbeitszeit gerechnet wird) sind 1113,86 €. Macht zusammen 4776,54 € brutto im Monat, 57318,54 € brutto pro Jahr für ne 50-80 Stunden-Woche bei 6 Diensten pro Monat, unbezahlten / unaufgeschrieben Überstunden und immer noch nach dem Dienst bleiben für 2-5 Stunden, wahlweise auch den ganzen Tag in manchen Kliniken, Fortbildungen, die von der Arbeitszeit abgezogen werden, 3 offiziellen Fortbildungstagen pro Jahr, und keinen Arbeitgeberanteil zu Fortbildungskosten. Vom dem Brutto-Jahresgehalt kannst du dann auch nochmal 0,5% für den zwangsweisen Kammerbeitrag abziehen und 3% für Zwangsmitgliedschaft in VBL oder ZMV, wobei die meisten Ärzte ihre Mindestzeit von 5 Jahren dort nie erfüllen werden, dass heißt später keinen Pfennig davon sehen werden.

Ich hab neulich bei Pro7 gesehen, wieviel ein Bäckermeister verdient mit 44 Stunden Arbeitszeit. Ich kam netto auf einen Unterschied von 2 Euro die Stunde. Ohne jetzt eine Wertung vornehmen zu wollen.
Der Bruder einer Kollegin ist als Ingenieur zu einem großen deutschen Konzern gegangen, der ging nicht mit 41000 € im Jahr nach Hause, das war schon ein wenig mehr. Zudem haben die ihm das halbe Studium finanziert, die Wohnung subventioniert und auch die Praktika bezahlt. Zudem Betriebskindergarten, Hilfe bei der Arbeitssuche für die Ehefrau… Zeig mir eine Klinik, die sich an den Kosten im Studium beteiligt, dir die Famulatur und PJ bezahlt und auch noch deine Wohnung subventioniert von nem Betriebskindergarten ganz zu schweigen…

Ich beschwere mich nicht über die Höhe des Gehalts, sondern darüber, dass diese Scheiß-Arbeitsbedingungen und die Verantwortung, die wir darunter bringen müssen nicht im richtigen Verhältnis dazu stehen. Ich wäre bereit weniger zu verdienen, wenn der Rest stimmen würde.

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