Letzter Urlaubstag

14 10 2007

Was soll ich sagen? Ich habe heute meinen letzten Urlaubstag und meine Motivation für morgen ist gleich… -273°C

Üben wir uns in freien Assoziationen. Woran denken wir, wenn wir an den morgigen Tag denken?

Intrigen

Druck machen von oben

Stress

heimliche Kontrollen der Arbeit Untergebener

Wahrheitsverdrehungen um Ziele zu erreichen und andere auszuspielen

Zurückhalten von Informationen vor allem vor der Chefvisite

Therapieänderungen bei meinen Patienten ohne mir was davon zu sagen

Dienstpläne auf denen immer dieselben am Wochenende arbeiten und andere sehr sehr selten

Jeder von Ihnen ist austauschbar.

egal auf welche Leitlinie ich hinweise, wenn jemand es sich anders in den Kopf gesetzt hat, dann wird es so gemacht und wenns mal wieder falsch war, dann macht mans doch wie es in der Leitlinie steht

zu hohe Wochenarbeitszeit, die – weil nicht nur befristet vorkommend – dem Arbeitszeitgesetz widerspricht

Dienste, nach denen man nicht nach Hause darf bis es einem vom Vorgesetzten gestattet wird, obwohl man schon in der 25., 26., 27., 28. Stunde ist, was aber nirgends erscheint, weil es ja verboten ist

Wieso geht man da eigentlich noch jeden Tag hin?

Regelmäßiges Gehalt. Ziel die Facharztausbildung abzuschließen. Rechnungen, die bezahlt werden müssen.

Am glücklichsten ist ein Mediziner im Studium. Da ahnt man noch nichts von später und freut sich über den Studienplatz, die Semesterferien und jedes neue Semester und jede geschaffte Prüfung. Dann kommt man im PJ und es schwant einem, dass da mehr droht als nur die Medizin. Schließlich ist man Assistenzarzt…

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17 responses

15 10 2007
F

ich sage dir, such dir einen anderen job.

15 10 2007
Assistenzarzt

Tja, was tun, wenn man nix ordentliches gelernt hat…

16 10 2007
F.

schauspieler!

16 10 2007
Assistenzarzt

In einer Soap? GÄZSÄZ – Gute Ärztezeiten, schlechte Ärztezeiten… z.B. :
„Oh nein, geh nicht.“ [springt vor die Tür und wirft sich vor das Türschloss!“
„Doch, ich muss gehen!“ [greift an ihre Schultern]
„Nein, bleib und lass mich nicht allein zurück! Du darfst mich nicht allein lassen!“ [presst mühevoll Tränen hervor und greift sich ans Herz]
„Ich kann dort nur allein hingehen. Es gibt Dinge, die muss ein Mann eben tun und zwar allein.“ [will sie von der Tür wegzerren]
„Geh nicht…“ [sie haucht die Worte und sinkt zu Boden, die Hand immer noch auf der Brust liegend, ein spitzenverziertes Taschentuch an die Augenwinkel drückend] [Werbejingle – Ein Spot nur 25 sec] [erneute Einblendung der Szene an der Tür]
„Doch, ich geh jetzt, ich muss nämlich dringend aufs Klo und ich kann ja schlecht aus dem Fenster pinkeln.“ [drück die Tür auf und schiebt sie mit selbiger weg]

16 10 2007
F.

nicht sowas banales. großes kino. „ärzteliebe in afrika“ oder „der arztmörder“.

16 10 2007
Assistenzarzt

Wen krieg ich denn als Gegenpart?

„Der Arztmörder“ oder „Der Mörderische Arzt“?

„Ärzteliebe in Afrika“

– Wie sind da so die Plots?

16 10 2007
And the Oscar goes to… « Belanglose Alltäglichkeiten

[…] von Assistenzarzts neuen Berufswünschen ein kurzer Abriss ihrer neuen […]

17 10 2007
emergency_doc

Liebe A.,

freue mich, dass ich Deinen Blog per Zufall gefunden habe, denn ich weiß nun: „Ich bin nicht allein“ 🙂

Nach sieben Jahren Assi-Zeit i.d. Inneren (mit Ausflügen i.d. Gerichtsmedizin und Anästhesie) frage ich mich täglich, warum ich eigentlich hier noch erscheine. Nach monatelanger Arbeit ohne Urlaub oder Freiwochen ist meine Betriebstemperatur wirklich nicht weit von 0° Celvin entfernt. Drücke mich heute schon seit einer Stunde im Arztzimmer rum und suche verzweifelt nach dem letzten Restchen Motivation um meine Visite zu beginnen und auf meiner Mega-Hyper-Gomer-Station den letzten Anschein von Professionalität zu heucheln. Mit Schwestern, die leider nicht im Stande sind Medikamente anzusetzen bzw. Anordnungen auszuarbeiten
(ach so…das Cephalo sollte bei dem 30jährigen mit der Encephalitis NICHT abgesetzt werden ??? )

(Absoluter Running-Gag hier der öfter in verschiedenen Ausprägungen vorkommt: Nach sechs Tagen fragt mich eine Schwester während der Visite was das „eigentlich für ein seltsames Medikament sei“ das der Patient bekomme. Das Medikament würden sie nicht kennen. Auf meine Frage, was denn der Patient dann in den letzten sechs Tagen bekommen habe: „oh…kann ich nicht sagen…ich mach das Zimmer erst seit heute“. Mittlerweile -nach mehreren solchen Vorfällen- bin ich mir fast sicher, dass meine Schwestern ein grosses Glas mit weissen Pillen verwahren, auf dem „unbekanntes Medikament“ steht. Wenn sie nun etwas nicht lesen können oder nicht kennen, werden einfach Pillen daraus verteilt. Geniales System. Na wenn da mal Ulla von Wind bekommt ! Innovative Therapien zum Null-Tarif. Wow ! 🙂

„Ich mach das Zimmer/den Bereich/die Station erst seit heute“…. mein Lieblingssatz. Gut…ich kann verstehen, dass bei täglich zwei Stunden Übergabe nicht alle Patienten (immerhin gerade 10 !!!) bekannt sein müssen. Die Übergabezeit geht ja auch so schnell rum; bis der Kaffee aufgebrüht ist, der Kuchen angeschnitten, die Brezeln geschmiert, der neuste Tratsch ausgetauscht ist (NEIN….die hat wirklich….mit DEM ????….unglaublich) …. da geraten Nebensächlichkeiten wie Patienten oder Anordnungen oder offene Probleme schnell in Vergessenheit. Können wir ja alle verstehen, nicht ?

Aber zurück zur 0-Punkte-Motivation: wer nicht selber in der Mühle drin war, kann wohl kaum verstehen, was in dem System läuft. Aber ein Lichtblick blinkt am Horizont: die Verwaltung -in ihrer unendlichen Güte- hat beschlossen, dass wir alle unseren Urlaub DIESES Jahr noch abbauen müssen. Gut ich hab ja nur noch 19 Tage Resturlaub….zwei Wochen Nachtdienst plus Freiwochen….also wenn ich mirs so rechne….bin ich ab morgen im Urlaub. Zwar ist das Wetter dann schlecht….Baden iss auch nicht mehr und zum Skifahren zu früh….aber vielleicht nütze ich die Zeit einfach mal zum Ausschlafen und träume davon, wie schön es gewesen wäre einen richtigen Beruf zu erlernen. So mit Wochend-Frei….nachts zuhause schlafen und so. Liebe A., Du musst jetzt gaaanz tapfer sein: es gibt tatsächlich Menschen, die am Wochenende -also das heisst freitags ab 14 Uhr)- nicht in seltsamen Gewändern umherirren, die zuhause schlafen….die Brückentage bilden….und denen Wortkonstruktionen wie „PJ-Spritzen-Dienst“ so überhaupt nichts sagen.

In diesem Sinne: liebe Grüße aus der Betonburg im wilden Süden zur Dir und allen Leidensgenossen

adrian

17 10 2007
Assistenzarzt

Hi A.,
es ist unglaublich, aber nach über einem Jahr bloggen (hier und bei blog1) gibts jemanden, der all das, was mich tagtäglich umgibt auch kennt. Ich bin nicht allein. 🙂 Cool 🙂
Der erste Innere-Assistent, der sich traut, als Leser mal einen Kommentar zu schreiben. Bitte nicht böse sein über die klitzekleine Änderung des einen Buchstabens durch mich. Du wirst es verstehen und ich kann dir als Blogneuling empfehlen, das Bloggen lieber mit deinem Blog1 nickname zu machen und das andere in deinem Profil zu ändern. Es gibt viele Leser im Internet… und viele die googeln… auch Kollegen googeln… Ich habe mir erlaubt, dich in die Blogroll aufzunehmen und freue mich, bald deine Einträge lesen zu können.

Assistenzarzt

17 10 2007
adrian

Hey A. 🙂

vor dem Schlafengehen noch ein kleines Geheimnis: wir sind nicht alleine !
Manchmal vielleicht einsam und erschüttert wenig menschliches Leben zu erspähen…aber nicht alleine 🙂

Menschen die Werke wie „House of God“, „Dr.House“ oder „Scrubs“ (my favorite show) geschaffen haben, haben den täglichen Wahnsinn selbst erlebt und sich ihre eigene Denkart dennoch bewahrt. Das beruhigt.

Alle anderen schreiben Geschichten wie „Alphateam“ (ich lach mich tot), „Grey´s Anatomy“ (gackergacker !) oder „Schwarzwaldklinik“ (hör schon auf, sonst fall ich vom Stuhl).

Heute übrigens eine eMail von einem befreundeten Oberarzt erhalten, der Urlaub hatte. Originaltext: „…zwei Wochen Ruhrgebiet tat mal wieder richtig gut und jetzt ist mir klar: nicht ich bin verrückt; es gibt viele die so denken wie ich…“ 🙂

ICH kann allerdings nach über sechs Jahren täglichen Irrsinns endlich den Silberstreif am Horizont sehen – ich schneide nämlich täglich einen 1cm von meinem „Maßband“ ab und ich kann Dir sagen, dass das echt motiviert (auch wenn mich die meisten meiner Kollegen deshalb für irre halten) 🙂 Next exit „Facharzt“…oder um´s mit TomTom zu sagen: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ 🙂 Aber glaub mir: es gab viele Tage an denen ich mir überlegt habe, ob ich nicht in die „Klappse“ einziehen soll oder mir gewünscht habe, dass mich meine „Verwandten wieder von diesem Planten abholen mögen“
🙂 Na irgendwann kann ich die Geschichten dann mal meinen Enkeln erzählen (die werden das eh nicht glauben); oder ich schreib eine Soap und werde reich…

Nach meinem Abschluß erstmal ein paar Monate keine Klinik von innen sehen und überlegen, was man mit dem kläglichen Rest des Lebens anfängt. Bis ich eine Entscheidung getroffen habe, werde ich wohl mit meinem kleinen -aber alten- Wohnmobil durch die Landschaft tuckern…und ich hab da einen heißen Tipp mit Schweden und Fjörden gelesen 🙂

Zwar ist Töpfern nun nicht wirklich meine grosse Leidenschaft; aber die Welt ist groß und es gibt viel zu entdecken…

A.

P.S. Rate mal wer heute doch noch Visite gemacht hat und sogar den Intensiv-Spätdienst durchgestanden hat….und jetzt die Jokerfrage:
Wer hat jetzt zehn Tage frei ??? 😉 Zehn Tage keine Braunülen legen…kein Sterilium-Duft…kein Piepsen…klingeln…Wahnsinn…Was soll ich nur mit mir anfangen ? :-))))

19 10 2007
Assistenzarzt

Wie machst du das mit deinen Versicherungen (Kranken-, Rente-, etc.) wenn du mit deinem Wohnmobil durch Skandinavien tuckerst?

19 10 2007
emergency_doc

Na Versicherungen lassen sich abbuchen 🙂

Und ich plane ja (noch) nicht, für immer dort zu bleiben. Ausserdem gibt´s gute Möglichkeiten sich vorher etwas Geld zu verdienen und dann davon zu leben. Und Leben im WoMo braucht nicht viel Geld. Und wenn ich noch eine Begleitung finde, dann wird´s vielleicht auch günstiger 🙂

Könnte ja als „fliegender Heilkundiger“ durch Skandinavien ziehen. „Bluuuutdruckeinstellung…….Warzen besprechen…….Crea normalisieren….Heeeerzinfarkte…….Aaaaaaapppppoooooplexe……..heute alles günstiger……nimm zwei…..bezahl nur eines…….Kinder zahlen die Hälfte……..“ Das wäre bestimmt super-witzig…. :-))))

19 10 2007
emergency_doc

By the way….wie kommst Du eigentlich dazu um 13.24 zu antworten ? Nix zu arbeiten ? Schon Visite gemacht ?? Labor kontrolliert ??? Tssss…also diese Jugend von heute….. 🙂

20 10 2007
Assistenzarzt

Zustand nach Dienst gewesen gestern… nach 26 Stunden durfte ich oberärztlich genehmigt doch tatsächlich nach Hause gehen.

Meine Versicherungsfrage bezog sich darauf, dass ich auch mal ganz kurz selbst bezahlt habe beim Ärztlichen Versorgungswerk, aber eben nur den Mindestbeitrag. Mt der Krankenversicherung hatten die sich etwas komplizierter bei einer gesetzlichen Ersatzkasse… da gibts halt nur „beschäftigt“, „Arbeitsamt zahlt“ oder „Rentner“ oder „Familienversichert“… alles andere strengt dort sehr an…

Leben in Skandi-Ländern kostet etwas mehr… Essen ist teurer, naja ok, nach der Mwst-Erhöhung und so kostet die Milch, das Mehl und andere Sachen z.B. in DK auch nicht mehr als hier, eher weniger. Gehst halt Lachse angeln in Norwegen, sofern du Fisch magst. Oder fängst Mücken, davon gibts da genug in Schweden, haben auch hohen Eiweißanteil 🙂

Fliegender Heilkundiger… tja, pass mal auf, dass die dir nicht gleich einen Vertrag unter die Nase halten mit Top-Konditionen, Arbeitsplatz für Frau / Freundin, Kindergartenplatz, preiswerter Wohnmöglichkeit und anderen Subventionen… damit kämst du als deutscher Arzt wahrscheinlich nicht gleich klar und kriegst einen Kulturschock.

20 10 2007
emergencydoc

Fragen zu Versorgungswerk und Krankenkasse klären wir lieber mal per eMail statt öffentlich. Kann Dir dazu schon ein paar Tipps geben. eMail-Adresse liegt Dir ja vor 🙂

A.

20 10 2007
Assistenzarzt

Es is noch so laaaaaaaaaaaaaaang hin bei mir mit dem FA… 2,5 Jahre noch… *seufz*

Is das eigentlich sowas wie ne Tradition nach der FA-Prüfung etwas … anderes / ungewöhnliches / aussteigerisches zu machen? Ich hab von Leuten gehört, die sind erstmal über den Atlantik mitgesegelt, andere auf irgendeinen Berg geklettert, …

20 10 2007
emergencydoc

Die Zeit geht auch vorüber; aber ich kann Dich gut verstehen. Ich halte es auch fast nicht mehr aus 🙂

Ich denke mal, dass nach der Zeit in der „Mühle“ einfach die Reserven aufgebraucht sind. Ich glaub auch, dass man einfach nicht mehr als sechs Jahre in der direkten Versorgung zubringen kann. Irgendwann wird man „schlecht“ weil man selber einfach nicht mehr kann. Mir gehts zur Zeit auch so, dass ich einfach den Mist nicht mehr sehen kann und froh bin, wenn ich meine Ruhe habe. Das tut mir extrem leid, da ich gerne mit Menschen arbeite; allerdings ist irgendwann einfach die Kraft weg. Ich hatte schon Tage, an denen hätte ich vor Frust gerne einfach nur noch geheult – wenn es gegangen wäre. Es ist wirklich ein wunderschöner Beruf; aber er macht die Menschen kaputt, die Herz und Gefühl haben und sich einbringen. Und das Traurige ist, dass es allen wirklich völlig egal ist. Chefärzte sind da die grössten Verräter an dem ärztlichen Stand. Insofern kann ich verstehen, dass fast alle nach der Prüfung erstmal aussteigen.

Ich hab das übrigens vor zwei Jahren schon einmal gemacht und hab sechs Monate mein Leben mit Notarztfahren (Wochenenden) und Segeln verbracht. Weißt Du, wie schön es ist, wenn man seine Kreativität wiederentdeckt und man endlich einmal ausgeschlafen und ausgeglichen ist ?! Und Patienten profitieren absolut von ausgeruten, ausgeglichenen Ärzten. Aber wie so immer, ist das der Gesellschaft, den Kliniken, Standesvertretungen, etc. völlig schnuppe. Und dann muss man es halt so sehen, dass die halt irgendwann die Quittung bekommen. Schade aber wohl nicht zu ändern.

Es gibt aber Nischen; die muss man/frau halt nur finden. Ich für meinen Teil, hab sowas in Aussicht und deshalb zähl ich auch die Tage bis zu meinem „Klinik-Exodus“ 🙂

A.

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