Wie man mit nichts einen Dienst macht

19 10 2007

Es ist immer so ein erhebendes tiefgehendes Gefühl, wenn man bei Dienstantritt die Zahl der freien Betten im Computer sieht und feststellt, dass einem für die nächsten 16 h ganze 8 Betten zur Verfügung stehen und bei der Dienstübergabe der Patienten in der Notaufnahme schon 3 dabei sind, die definitiv stationär bleiben müssen. So eine Ausgangssituation ist meist der Auftakt zu einem nervigen, kräftezehrenden Dienst. Wenn man Pech hat, kommen innerhalb von 24 h (= 1 Aufnahmetag) 50 Patienten oder mehr (hatte ich auch schon…) in die Aufnahme, die von 2 Ärzten behandelt werden müssen. Selbige sind aber auch für die Bettenstationen zuständig. Wir sollten alle geklont werden. Wenn man Glück hat, dann kommen nur 20 oder 25. Das ist dann schon sehr wenig. Vor einigen Jahren war das noch die Durchschnittszahl. Heute liegen wir meistens bei 30 – 35 im Mittel und immer häufiger gibt es auch Tage mit 40, 45 oder auch mal 55 Patienten. Bei letzteren kriecht man anschließend auf dem Zahnfleisch. Ja, und wenn dann an so einem Tag keine Betten vorhanden sind… da möchte man einfach aufstehen, rausgehen und nicht wiederkommen. Man bettelt die anderen Abteilungen an, versucht andere Kliniken von der Notwendigkeit einer Übernahme zu überzeugen und beginnt irgendwann gegen 2.00 Uhr morgens den Rettungsdienst anzuflirten, anzumaulen oder mit Kaffee zu bestechen, damit auch mal extra-internistische Diagnosen gestellt werden und fachüberlappende Diagnosen gleich in eine andere Klinik gefahren werden. Ja, man kommt sich manchmal vor wie ein Versicherungsvertreter, der andere davon überzeugen muss, dass seine eigenen Probleme auch die ihren sind. Manche Kollegen nennen das gar „Verhandeln“ oder noch schlimmer „Verkaufsverhandlungen führen“. Ich verweise an dieser Stelle auf den Beitrag in meinem Blog1.de-Blog über das sogenannte „Turfen“. Sarkasmus ist eine Form der Bewältigung einer psychischen Belastungssituation, wie z.B. chronische Überforderung von Ärzten durch extreme Arbeitsbelastung in den Diensten. Letztendlich steht hinter all dem Verhandeln, Verkaufen und Turfen der Wille, einen Patienten versorgen zu lassen und ihn nicht auf den Flur stellen zu müssen oder schlechten Gewissens nach Hause zu schicken, wo der Hausarzt mit dem Problem überfordert ist und sich oft nicht anders zu helfen weiß, als 2 oder 3 Tage später erneut eine Einweisung über die Notaufnahme zu versuchen. Ja, liebe Zweifler, soweit sind wir im deutschen Gesundheitssystem schon gekommen und es wird noch schlimmer werden. 

Wenn von den 40 oder noch mehr vorstelligen Patienten 6, 8 oder 10 aus einem Altersheim kommen mit fragwürdigen Diagnosen auf Einweisungsscheinen, die ein durch das Personal im Pflegeheim unter Druck gesetzter oder gar anamnestisch nicht korrekt informierter Hausarzt oder KV-Notdienst geschrieben hat, dann kennt die Freude keine Grenzen mehr. Die Tatsache, dass es sich um pflegebedürftige Menschen handelt, ist nicht der Grund. Das Problem oder das Ärgerliche ist, dass häufig kleinste Probleme im Heim ausreichen, um einen Arzt zu holen. Dieser kennt als KV-Notdienst die Patienten nicht. Sowohl KV-Dienst als auch Hausarzt müssen sich in der Regel auf die Angaben des Personals verlassen. In Anbetracht der Statistiken über die Häufigkeit und Dauer der pflegerischen Kontakte des Personals in Pflegeheimen zu den Bewohnern, neige ich dazu, diese Angaben grundsätzlich anzuzweifeln. Ja, lustig wirds, wenn Familienangehörige, die täglich zu Besuch kommen, diesen Angaben sogar widersprechen. Da steht dann so ein armer Hausarzt und kriegt z.B. was von Bluterbrechen erzählt und weiß nicht, dass es Rote Beete zum Mittag gab, die dem alten Menschen im Schnellverfahren eingeholfen wurde, damit man ihn schnell wieder hinlegen kann. Prompt erfolgt die Einweisung – was soll er auch anderes tun? Das Dumme ist, Mitarbeiter der Pflegeheime haben das inzwischen gelernt. Auffällig ist, dass die Anzahl der eingewiesenen Patienten am Freitag, Samstag und Sonntag rapide zunimmt. Ändert sich zu dieser Zeit die Luft in den Pflegeheimen? Unebenheiten im Raum-Zeit-Kontinuum? Ich will nicht zu sehr auf Details eingehen, aber der Pflegebericht, der in letzter Zeit durch die Presse ging, entspricht durchaus der Realität. Wutanfälle kriege ich immer, wenn auf dem Einweisungsschein Exsikkose steht. Warum kam es denn dazu? Nein, es liegt nicht immer an der störrischen Natur von Heimbewohnern, die das Trinken verweigern. Da erzählen mir alte Leutchen, dass sie eine Flasche hingestellt bekommen, aber sie kriegen sie nicht auf wegen fehlender Kraft oder Rheumatikerhänden und wenn sie was sagen, kommt keiner. Durstig vor einer Flasche Wasser sitzen… oder Angehörige erzählen mir, dass ein Schnabelbecher Tee morgens auf dem Patiententischchen stand und als sie nachmittags nochmal kamen, stand er noch am selben Fleck, war aber kalt… Pech, wenn man auf Hilfe beim Essen und Trinken angewiesen ist. Und warum fällt sowas immer am Freitagabend oder Sonntagfrüh auf? Meine böswillige Natur nimmt an, dass dann die Besetzung der Wohnbereiche in den Pflegeheimen so niedrig ist, dass man halt nicht genug Leute zum morgendlichen Waschen hat. Es ist anscheinend nicht möglich, dass Infusionen bei Bedarf auch mal im Heim verabreicht werden. Der Notdienst kriegts nicht abgerechnet, die Pflegeheimmitarbeiter drängen massiv auf stationäre Einweisung und der Patient ist nicht in der Lage mit ner schönen Exsikkose und ihren Folgen seine Meinung dazu zu sagen. So wird aus einem Pflegeproblem ein medizinisches. Tja, die Kosten im Gesundheitswesen steigen. Ich frage mich, warum. Achso: Und genügend Betten für „wirklich“ kranke Akutpatienten gibts halt auch nicht. Womit wir wieder beim Thema wären.

Nachdem ich in Anbetracht des erhebenden Gefühls von fast nichts an Betten zu Dienstbeginn schon tief luftholend an vergangene Dienste dachte, in denen ich kurz davor war, den Rettungsdienst anzumaulen, wenn sie schon wieder kamen, war ich dann heute morgen doch sehr zufrieden und angenehm überrascht von der Bilanz. 23 stellten sich vor, wir nahmen 13 oder so auf. Ok, wir mussten zwar andere Abteilungen 4x um Hilfe bitten wegen der fehlenden Betten, aber letztendlich schien es, als hätten die Leute gewusst, dass wir eh bald die Luftmatratzen auf die Flure hätten legen müssen. Einige waren dabei, die wollten partout nicht bleiben, obwohl es aus medizischer Sicht erforderlich gewesen wäre. Aber naja, mir ist es letztlich egal, es ist die Entscheidung der Leute und es ist deren Gesundheit als mündiger Bürger. Das entspannte die Lage natürlich jedes Mal etwas. Ich frage mich heute, womit ich dieses kleine Wunder verdient habe. Wer auch immer dafür verantwortlich ist: Vielen Dank. Das waren mindestens 17 Adrenalinschübe weniger als bei einigen früheren knochenharten Diensten.

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7 responses

19 10 2007
emergency_doc

Na das scheint bei Euch aber wirklich immer abzugehen… Ich hab auch mal in einem Haus gearbeitet, in dem es immer „Flurbetten“ gab. D.h. es wurden Sichtblenden aufgebaut und dann pro Flur auch mal sechs bis zehn Patienten „zwischengelagert“. Mittlerweile -in meinem jetzigen Haus- ist es so, dass wir chirurgische STationen „requirieren“ können, um unsere Patienten abzulegen. Führt manchmal dazu, dass wir dann statt unserer fünf STationen nochmal drei oder vier weitere in der Chirurgie oder der Gyn besetzen.

Ich für meinen Teil hab es zum Schluß so gemacht, dass ich einfach auch Patienten direkt zurückgeschickt habe (Turf-Back) wenn die Aufnahme unsinnig war oder -z.B. bei Exsikkose- eine Kurzbehandlung (zwei/drei Infusionen) durchgeführt habe und dann mit einem entsprechenden Schreiben ins Heim zurückgegeben habe. Häufig ist´s auch hilfreich die „Kollegen draußen“ anzurufen und höflich zu fragen, was man mit dem Patienten denn anfangen soll…witzigerweise haben darauf bei einigen KV´lern die Zuweisungsraten abgenommen.

Keiner von uns hat ja ein Problem aufzustehen, wenn es was Ernstes ist. Aber leider läuft unser Gesundheitssystem mehr und mehr gegen die Wand. Die Hausärzte sind SEHR häufig einfach schlecht (muss einfach mal so gesagt werden; sorry Fr.Prof.Dr.B aus B.) und erinnern mich an James Dean („Denn sie wissen nicht was sie tun“). Die Heime rekrutieren schlechte -weil billige- Kräfte, denen oft jegliches medizinisches Basiswissen fehlt. Als Notarzt stehe ich häufig bei „Notfällen“ dort und bin einfach erschüttert, wenn für zweihundert Bewohner dann drei Kräfte eingeteilt werden und die nicht einmal wissen, was der Bewohner hat bzw. welche Diagnosen vorliegen.

Sagen wir´s doch wie es ist: weder Regierung noch Standesvertreter haben den Mut mal zu sagen, wie es ist und in welchen Mißständen wir täglich arbeiten müssen. Witzigerweise interessiert es „Blöd“ auch nicht sonders, was da so täglich abgeht. Gut…ausser es geht mal was besonders schief oder jemand tickt aus. Aber investigativen guten Journalismus gibt es halt nicht mehr, sonst wären solche Dinge nicht möglich. Ärzte, die 24h arbeiten müssen, sind eine Volksgefährdung. Ich fahre zum Teil Notarztdienste in denen ich 68h am Stück im Dienst bin. Zum Teil absolviere ich in einem Dienst dann 25 Einsätze…also….wer sich das dann überlegt und nicht der Meinung ist, dass das System völlig „meschugge“ ist, dem ist nicht zu helfen. ICH möchte nicht von einem Notarzt intubiert werden, der bereits 60h auf dem Buckel hat (okokok…ich schlafe dazwischen immer mal wieder 3-5h). „ACH SO“…wird jetzt der Leser beruhigt denken … :-()

Tröstliches zum Schluß: es gibt mittlerweile Krankenhäuser, in denen das Arbeiten noch Spaß macht. In meiner Klinik stempeln wir und die längste Schicht geht 14 h (Tagdienst plus 3h Spätdienst). Wir haben Nachtwochen (7 Nächte) und anschließend 7 Tage dienstfrei. Und ich kann Dir sagen, dass es damit wirklich noch Spass macht zu arbeiten; auch wenn die anderen „Umgebungsvariablen“ oft gruselig sind. Aber auch im allergrößten Chaos weiß ich, dass um „acht Uhr“ die Ablöse kommt und ich den Mist hinter mir lassen kann. Ist dann Mist vom nächsten armen Tropf. Vielleicht solltest Du mal einen Wechsel ins Auge fassen 🙂

Liebe Grüße vom Urlauber

20 10 2007
Assistenzarzt

Wir dürfen nicht mehr auf den Flur stellen und Behandlungs- / Sonozimmer auf den Stationen auch nicht. Hat die Pflegedienstleitung so entschieden wegen der pflegerischen Versorgung und so. Das 4x Hilfe von anderen Abteilungen erbitten heißt, dass wir auch bei vorhandener Kapazität in anderen Abteilungen im Haus dorthin Patienten verlegen dürfen – für eine Nacht, dann müssen sie ins hoheitliche Gewässer der Inneren zurück.

Manchmal wünscht man sich einen Günther Walraff, der nicht nur bei der Zeitung mit den 4 großen Buchstaben, in Industriebetrieben oder im CallCenter recherchiert sondern auch mal im Pflegeheim oder im Krankenhaus… Das Buch wär wirklich der Hammer. Denn im Gegensatz zu den armen Leuten in den CallCentern, die wohl wenig Mitleid bekommen von anderen, würds da einen Aufschrei geben, weil das Gesundheitswesen jeden trifft – nicht nur die pflegenden und behandelnden sondern auch die behandelt und gepflegt werden…

Kannst du mal was bloggen bei dir, wie euer Schicht / Dienstsystem so aufgebaut ist? Das fänd ich interessant.

20 10 2007
Assistenzarzt

@ emergency_doc: Ist das dein Wechsel zu wordpress?http://emergencydoc.wordpress.com/

20 10 2007
emergencydoc

Im Grunde zeigt das halt wieder, dass die Verwaltungen zum grossen Teil überhaupt unfähig sind die Kliniken zu managen. Das funktioniert bei privaten Betreibern (Helios, etc.) deutlich besser. Es ist in keinster Weise die Aufgabe der Dienstärzte für Aufnahmekapazitäten zu sorgen. Zeigt schon mal krasses Fehlmanagment. „Notfallentlassungen“ -wie oft praktiziert- resultieren in Abschlägen der DRGs aufgrund Unterschreitung der Verweildauer. Moderne Kliniken gehen immer mehr dazu über flexibel Betten zu verwalten und die Zuteilung über „Bettenmanager“ zu organisieren. In meiner Klinik bin ich mit Betten -zum Glück- überhaupt nicht mehr beschäftigt. Ich nehm das auf, was ich aufnehmen muss und es werden Betten für mich geschaffen. Wenn ständig erheblicher Mangel vorliegt, dann müssen eben weitere Stationen geschaffen werden. Ansonsten ist das halt Murks – wie in so vielen Kliniken in Deutschland. Ich denke, dass Du auch Pech hast in MV zu arbeiten; hatte mir da vor zwei Jahren Stellen angesehen und aufgrund der schlechten Besetzung (kaum Ärzte, viel Anfänger, schlechte Organisation) dann schnell wieder die Pläne fallengelassen. In B.W. ist das -in den Kliniken in denen ich gearbeitet habe- doch besser organisiert und die Ärzte vertreten ihre Rechte stärker. Auch scheint der MB hier aktiver zu sein. Bezüglich Dienstplanmodellen etc. kannst Du Dich z.B. mal bei Klinikdirekt.de informieren, wie das so in anderen KLiniken läuft. Auffallend ist dennoch, dass die Zustände fast überall zum Teil gruselig sind. Aber es gibt wirklich viele Kliniken, in denen es auch in der Inneren richtig gut läuft und das Arbeitszeitgesetzt eingehalten wird (kann Dir gerne ein paar nennen, die auch Stellen frei haben).

Bei uns wird gestempelt; normale STationszeit von 7.30 Uhr bis 17 Uhr (mit 30min Mittagspause). Da durch den Dienstplan insgesamt 45h/Woche anfallen, feiern wir 5h/Woche durch einen „freien Nachmittag“ ab. Dieser Nachmittag wird auf Station mit dem anderen Arzt abgesprochen, so dass immer ein Arzt auf Station steht. Durchschnittlich versorgt ein Assi bei uns 16-18 Betten; für 160 Betten stehen uns 22 Assistenten und 7 OAs zur Verfügung. Intensiv, Notaufnahme und 2.NAW-Dienst werden mitabgedeckt. Weiterhin Ambulanzen (Gastro, Onko, Diab.). Wochenenddienste (9-20 Uhr) und Spätdienste (17-20) werden voll ausbezahlt (!!!). Nachtdienstwochen (7 Nächte) werden von sieben freien Tagen gefolgt. Im Dienst sind wir immer zu zweit (1 Assi auf Notaufnahme, 1 Assi auf Intensiv…die vier Stationen werden gemeinsam aufgeteilt). Bei etwaigen Notarztverlegungen (1.NAW durch Anästhesie, Verlegungen durch 2.NAW = Innere) wird der Hintergrund einbestellt, der dann die Intensivstation bis zur Rückkehr abdeckt.

Falls das alles für Dich wie im Paradies klingt, kannst Du schon mal einen Umzugswagen bestellen; wir haben freie Stellen (wie fast ALLE Kliniken hier).

A.

20 10 2007
Assistenzarzt

Klingt wie im Paradies. Ihr habt ein Zeiterfassungssystem… cool. Aber es gibt Dinge, die mich momentan hier halten. Aber das Modell mit den Schichten klingt ganz interessant. Die Diskussion wird kommen bei uns und es ist gut, mal zu hören, wie es woanders läuft.

Dass die privaten Betreiber besser sind, kann ich nicht sagen. Es gibt hier oben mehrere private Betreiber, wo die Leute nur hingehen, wenn sie woanders keine Stelle kriegen oder familiär gebunden sind. Was man von dort hört, insbesondere was das Druck ausüben von oben angeht, ist noch gruseliger. Obwohl ich so schimpfe derzeit, muss ich sagen, dass ich schlechtere Zustände auch schon erlebt habe in einer anderen Klinik. Die Unikliniken mögen zwar besser sein, weil das System dort anders ist und Geld weniger die Rolle spielt (noch…), aber dort ist das Gemobbe und Gerangel wieder so extrem, weil sich dort mehr karriere… orientierte Menschen aufhalten.

Was den MB angeht habe ich auch das Gefühl, dass in BaWü mehr los ist. Manchmal glaube ich, das liegt daran, dass die führenden MB-Mitglieder zufälligerweise auch z.T. Chef- und Oberärzte sind und man sich untereinander kennt hier oben. Es gibt / gab einen Kollegen bei uns, der sich sehr in der Tarifpolitik engagiert hat. Die Folge war, dass er keine Vertragsverlängerung nach seiner Facharztprüfung bekommen hat (und er wollte), obwohl wir sonst mit Fachärzten am unteren Limit arbeiten und dringend welche brauchen und die Verwaltung versucht, welche anzulocken.

20 10 2007
emergencydoc

Na es gibt viele Kliniken, die jetzt Zeiterfassungssysteme haben. Ist übrigens im Tarifvertrag Ärzte verbindlich vereinbart worden… (wie so vieles…was macht denn euer Betriebsrat bzw. die „Ärztesolidarität“ ?) 😉
Naja…die nächsten Streiks klopfen ja schon an; immerhin hat der MB die Verträge zum 31.12. gekündigt und mal sehen, was dann wieder abgeht.
By the way: mit drei Jahren Innerer ist frau ein extrem interessanter zukünftiger Mitarbeiter und hat schon ein gewisses „Potential“ bei Verhandlungen 😉

Ob private Betreiber besser sind, hängt natürlich davon ab, WEN man aussucht. Privat ist nicht privat. In der Wirtschaft ist aber bekannt, dass gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter das Rückgrat jeden Betriebes sind und ein unschätzbares Potential beherbergen. Rechnet man die betriebswirtschaftlichen Kosten einer hohen Personalfluktuation zusammen, wird schnell klar, dass es sich finanziell absolut lohnt sein Personal zu halten und gut auszubilden. Gut ich weiß: Mediziner sind keine Wirtschafter und die meisten Klinikverwaltungen haben im BWL-Studium die meisten Vorlesungen eh verschlafen. Allerdings zeigt sich mehr und mehr eine „Abstimmung mit den Füssen“ und das wird für viele Kliniken mehr und mehr zur Nagelprobe. Selbst in unserem Raum sind in fast allen Kliniken Stellen ausgeschrieben; der Notarztdienst ist flächendeckend kaum mehr zu organisieren. Wenn man/frau flexibel ist, kann man recht „gute“ Arbeitsbedingungen raushandeln bzw. vorfinden. Ich denke, dass es wichtig ist, dass man bei der Stellenwahl auch solche „Umgebungsvariablen“ eruiert und entsprechend entscheidet. Gerade wenn man jung ist, ist man noch flexibel und kann seine Stelle entsprechend wählen. Hat man/frau erst Familie und „Netzwerk“ aufgebaut, wird das alles erheblich schwieriger.

Der liebe MB…ich bin vor einigen Jahren ausgetreten, nachdem ich mich des öfteren mit Herrn M. in die Haare bekommen hatte (war Delegierter). Ich finde auch, dass er manchmal sehr die „andere Seite“ vertritt und den Assis in den Rücken fällt. Ein Gefühl, das viele Assis haben – allerdings gibt´s nicht viel Alternativen…ausser sich selber im Verband zu engagieren und was zu ändern. Allerdings muss man sich die Frage stellen, ob man seine knappe Freizeit mit Lobby-Arbeit und endlosen Sitzungen vergeuden will. Ich für meinen Teil habe entschieden, dass ich lieber Arzt bin als Quasselstrippe. 🙂

14 11 2011
M.S.

Wenn ich das lese, bekomme ich richtig Angst vor der Zeit nach dem Examen; ich merke ja schon im PJ, dass man als Assistent massiv unter Druck steht. Auf der momentanen Abteilung wird bei einer Assistentin der Vertrag nicht verlängert, der Chef wurde zur Furie, wenn er über sie sprach. Dann die vielen Schichtwechsel, die Tatsache, dass es ohne Überstunden nicht zu gehen scheint, man jene schon als PJler ständig anhäuft; all das macht die Fachwahl noch schwerer; gibt es denn überhaupt noch Bereiche, in denen ein einigermaßen humanes Arbeitsleben möglich ist? Wohl eher nicht; oder man hätte was anderes studieren müssen.

Wie behält man denn den Überblick? Bei den Massen an Patienten, die man „betreuen“ (oder verwalten bzw „turfen“) soll? Besonders als Berufsanfänger? Dennoch wird man hier schon sofort ins kalte Wasser geworfen; kann mir gar nicht vorstellen, wie das mal funktionieren soll.

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