Menschen überraschen

21 10 2007

In meinem letzten Dienst wurde ich von einem meiner Lieblingschirurgen überrascht.

Nachdem wir im Sommer mal in der Notaufnahme über die Indikationsstellung zu einem chirurgischen Konsil (kannst du mal eben um die Ecke kommen und dir das Knie angucken) aneinandergeraten waren und es etwas laut wurde, als er mich begann in Schulhofmanier anzupflaumen (und ich dann ebenso gegenhielt), was nur durch die rechtzeitige Intervention der Schwestern gestoppt wurde (pssst, hier liegen Patienten), war ich eher der Meinung, dass er ein emotional instabiler und von sich selbst extrem überzeugter Chirurg ist, eben wie die meisten anderen Chirurgen auch, der fundierte internistische Argumente nicht vertrug.

In meiner privat-persönlichen Gunst war er daraufhin in das Mittelfeld meines Chirurgenrankings abgesunken. Erst recht, nachdem ich von Schwestern seiner Station des Nachts angerufen wurde wegen BZ-Werten um 12 mmol/l (der Doktor hat gesagt, wir sollen den Internisten anrufen, wenn die BZ-Werte da sind und er schläft jetzt, den piepse ich nicht an). Letzteres schafft nicht gerade Freunde auf der internistischen Seite (ich bin nicht dafür zuständig, wenn es keinen Konsilschein gibt, das wissen Sie, Ihr Doktor hat auch Medizin studiert).

Tja, da musste ich ihn nun wieder mal dazuholen in der Notaufnahme. Und was hörten meine Ohren da?! Er begann sich, anfangs etwas unsicher, zu entschuldigen, dass er das letzte Mal als wir zusammen Dienst hatten, so unwirsch war und er sei im Streß gewesen, es war keine Absicht und nicht so gemeint. Ich wusste im ersten Moment gar nicht was er meinte, denn wir hatten seit der Begegnung schon mal Dienst miteinander und ich konnte mich nicht entsinnen… Ich sagte nur, ja, ist ok und ich wüßte gar nicht so recht, ob er das im Sommer meinte? Ja, das meinte er, aber wenn ich mich nicht mehr so recht dran erinnerte, dann sei er beruhigt, dass ich nicht nachtragend sei. Wer hätte das gedacht? Da war ich platt. Zum einen war mir nicht bewußt, dass Chirurgen sich für überhaupt irgendwas entschuldigen. Wieder was dazugelernt. Zum anderen hatte ich nicht gedacht, dass ein Chirurg das überhaupt für entschuldigenswert hält. Noch was dazugelernt. Die Latenzzeit betrug zwar mehr als 8 Wochen und es ist seiner Wahrnehmung entgangen dass wir mindestens schon 2 Dienste miteinander hatten – er auf der chirurgischen, ich auf der internistischen Seite-, aber mit Rücksicht darauf, dass er eben Chirurg ist… 🙂 ist es nicht so schlimm.

Ich war angenehm überrascht. Das hatte ich nicht erwartet. Wir sind jetzt wieder „versöhnt“. Es hat ihn im privat-persönlichen Chirurgenranking wieder auf die vorderen Plätze gespielt und ich werde jetzt wieder mehr Freude daran haben, mit einigen Schwestern seinem knackigen Hintern hinterherzugucken (hey, was soll man machen, wenn das abends im Dienst die einzige wahre Aufmunterung ist?) Aber nächtliche BZ-Einstellungen in der Chirurgie gibts trotzdem nicht. 🙂

Sind Chirurgen etwa auch Menschen? Um es mit Dieter Nuhr zu sagen „Gibt es (tatsächlich) intelligentes Leben… in der Chirurgie?

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