Grey’s Anatomy und die Authentizität…

1 11 2007

Und wieder einmal hatten sie mich gestern… die von Pro7… Einmal geguckt und schon guckt man immer wieder Greys Anatomy, obwohl man als Insider immer wieder denkt „Boah, was fürn Quatsch.“ So gings mir bei Izzys Knochenmarkspende… Ja, da kommen welche an, die mal eben eine KM-Spende brauchen (das wie und warum sei dahingestellt) und schon kann man innerhalb von wenigen Minuten eine HLA-Analyse machen, die auch prompt verfügbar ist… Wow, man staune, was die Amis so alles können… Und dann passt das auch gleich… ich erspare mir mal, die Wahrscheinlichkeiten dafür aus irgendwelchen Studien zu suchen. Alles erfährt noch eine Steigerung. Izzy legt sich sogleich hin und zack hat sie eine Punktionsnadel im Beckenkamm und man holt unter Schmerzen ein paar Tröpfchen heraus um sie gleich darauf im Nebenraum in das kleine 11jährige Mädchen, ihre zur Adoption freigegebene Tochter, als Infusion laufen zu lassen während Izzy schmerzverzerrt versucht sich zu bewegen.

Wie läuft eine Stammzellspende (= landläufig „Knochenmarkspende“) wirklich ab?

Das erklärt am besten die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) auf ihrer Internetseite.

Ablauf (Wie werde ich Spender?): http://www.dkms.de/spender/stammzellspende/index.html

Verfahren (Was muss ich als Spender machen?): http://www.dkms.de/spender/stammzellspende/verfahren/index.html

Grob gesagt einige Punkte:
1. man würde jeden potentiellen Spender vorher auf infektiöse Erkrankungen testen, denn man kann es sich nicht leisten, z.B. HIV, Hepatitis C, Syphilis oder andere aktive Infektionskrankheiten auf jemanden zu übertragen, der zunächst bewußt immungeschwächt wird (durch die Chemo vorher zum „Auslöschen“ des „defekten“ Immunsystems z.B. bei Leukämie und durch die Medikamente hinterher, die dafür sorgen sollen, dass das Knochenmark nicht abgestoßen wird und es eine sog. Graft-versus-host-Reaktion gibt) und daher überhaupt keine Chance hätte, dagegen anzukommen.

2. Es gibt eine periphere Stammzellspende, bei der man nicht in den Beckenkamm gepiekst wird sondern vorher einige Tage „Dopingmittel fürs Knochenmark“ gespritzt bekommt und dann wie bei einer Blutspende sein Blut abgibt. Das passiert in 70% der Fälle laut DKMS.

3. Bei einer Spende aus dem Knochenmark braucht man ca 1 Liter. Das geht nur unter Narkose, weil schon 10 ml ganz schön weh tun können. Anschließend bleibt der Spender ein paar Tage im Krankenhaus.

Izzy war a) nicht narkotisiert, b) hat man ihr keinen Liter entnommen und c) vorher nicht getestet, ob sie irgendwelche Krankheiten hat, sondern lediglich die HLA-Typisierung in Rekordzeit gemacht. Das was dort zu sehen war, war allenfalls eine diagnostische Knochenmarkspunktion und dann mit übertrieben dargestellten Schmerzen für eine diagn. Punktion. Wer also jetzt Horror davor hat, sich in die Datei aufnehmen zu lassen oder am liebsten gleich wieder von der Liste runter will, der sollte sich die sachlichen, realen und auf Fakten beruhenden Erklärungen der DKMS durchlesen. Achso: Geld spenden kann man da auch, wenn man mehr davon hat als Knochenmark.

PS: Und wenn man schon in so einem High-Tech-Krankenhaus ist, wo man HLA-Typisierungen innerhalb von so kurzer Zeit bekommt, dann hätte man auch die beiden potentiellen Eltern der unbekannten Schwangeren „Eva“ mit der totalen retrograden Amnesie mal eben in der Rechtsmedizin per Genanalyse testen können auf ihren Verwandtschaftsgrad zu der Patientin.

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