Woran erkenne ich, ob der Arzt vor mir mich nicht leiden kann?

4 12 2007

Tja, ob das eine Ratgeberserie wird, weiß ich noch nicht. Das mit dem Interaktiv-Teil hat ja beim Thema Übermüdung ganz gut geklappt. Es ist unglaublich, wieviel Poesie in Ärzten steckt. Kompliment. Daher geht wieder an all die frustrierten und gestressten Kämpfer da draußen in den Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungswachen und Praxen die Aufforderung: Gebt Euren Senf dazu.

Die genannte Frage stellen sich sicher wenige Patienten. Ärzte mögen nach landläufiger Meinung alle Menschen. Tun sie aber in Wirklichkeit nicht. Laut Psychologen darf auch ein helfender Mensch andere Menschen nicht mögen. Nur er darfs nach außen nicht zeigen. Machen die meisten aufgrund des Respekts vor dem Gegenüber auch nicht. Naja, oder ganz versteckt auf der nonverbalen Ebene. Aber vielleicht liegt darin einer der Gründe, warum soviele verschrobene Typen unter den Ärzten sind. Bitte nicht falsch verstehen: Geholfen wird jedem lege artis, aber das mit der Sympathie ist eben rein menschlich.

Woran erkenne ich, ob der Arzt vor mir mich nicht leiden kann?

1. Ich komme um zwei Uhr nachts dank meiner Prä-prä-Wechseljahres-Lebenskrise im Alter von 42 im bauchfreien Top und mit einer ebenso kurzen Jacke bei 4 Grad Außentemperatur in die Notaufnahme, weil ich seit 2 Stunden immerzu pullern muss und es dabei brennt. Nachdem ich die Anmeldekraft mindestens zweimal beleidigt habe, beschwere ich mich anschließend bei der Schwester und dem Arzt darüber, dass ich 30 Minuten warten musste, weil der Rettungswagen mit einem schwer keuchenden Opa vor mir abgefertigt wurde.

2. Ich komme mit Halskratzen und laufender Nase mitten in der Nacht in die Notaufnahme. Der Arzt untersucht mich sorgfältig und gründlich und sehr ausführlich. Der erste der das in meinem 28-jährigen Dasein jemals tat. Sogar eine rektale Untersuchung gehört dazu.

3. Während der Arzt meine Anamnesedaten aufschreibt höre ich permanent so ein seltsames Knirschen, als wenn zwei Steine aufeinander reiben. Die Mm. masseter wölben sich bei meinem Gegenüber.

4. Medikamente, die ich bisher nur in 5 ml Spritzen kannte, werden grundsätzlich in 20ml-Spritzen aufgezogen.

5. Ich lerne den Psychologen kennen, der bei mir mehrfach einen lustigen Test mit Fragen macht und nach einem Auto benannt wurde: MINI mental status test. Seit wann können Autos denken?

6. Es nehmen keine PJler Blut bei mir ab, sondern grundsätzlich ein Oberarzt. Ich weiß gar nicht, warum der so nervös ist. Die Klinik muss dabei sein, ein neues Produkt einzuführen, er weiß noch gar nicht, wie was zusammengehört von den Kanülen und Röhrchen.

7. Man legt bei mir grundsätzlich weiße und orange i.v.-Zugänge.

8. Der Arzt vor mir hat ein Lächeln wie Florian Silbereisen auf einem Nagelbrett.

9. Der PJler nimmt bei der Reflexprüfung einen Hammer vom Baumarkt.

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3 responses

4 12 2007
Petra

Diese letzten Einträge sind echt hilfreich, muss ich mir für den Ernstfall merken :o)
Überhaupt, mal kurz einen herzlichen Dank für dieses Blog! Es erheitert mich und verkürzt meinen Tag. Ich muss allerdings gestehen dass ich anfangs als Laie noch alles gut verstanden habe, mir bei den neueren Einträgen aber einige klitzkleine Infos fehlen (hier z.B. zur Bedeutung von weißen und orangenen Zugänge). Ist aber nicht so wild! Bitte weiter so :o)

4 12 2007
Assistenzarzt

i.v.-Zugänge gibts in verschiedenen Größen.

Blau – ganz klein, für Kinder, schlechte weil miniwinzige Venen bei Menschen aller Altersgruppen

Rosa – die Internisten-Größe. Reicht für fast alle internistischen Bedürfnisse aus. Von Anästhesisten werden wir daher auch als „Rosanülenleger“ bezeichnet. Die Warmduscher sozusagen. Aber warum soll man die Leute mit dicken Kanülen quälen, die es gar nicht braucht?

Grün – Dicker. Für Notfälle ganz praktisch. Von Chirurgen in der Regel genommen.

Weiß – Noch dicker. Marke Gartenschlauch. Nehmen Internisten meist nur zum Pleurapunktieren oder Aszitespunktieren. Die Anästhesisten stehen drauf. Vom Durchflussvolumen kann man ne halbe Kompanie damit versorgen. Also für Narkosen und Polytrauma.

Grau – Viel dicker. Marke Wasserrohr. Da kriegen Anästhesiten Herzklopfen.

Orange – Noch mehr dicker. Marke Regenfallrohr. In der Inneren in der untersten Schublade für harte Fälle von Aszites. In der Anästhesie Statussymbol.

Wehe, mir kommt einer mit Weiß, Grau oder Orange auch nur in die Nähe meiner Venen.

4 12 2007
Petra

*lach*
Dankeschön.

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