„50 Cent für einen Engel“

26 12 2007

Die Reportage mit gleichnamigen Titel lief heute am 2. Weihnachtsfeiertag auf Phoenix.

http://www.phoenix.de/50_cent_fuer_einen_engel/2007/12/26/0/156392.1.htm

Leider, muss ich sagen, denn diese Reportage hätte ins ZDF Nachmittagsprogramm oder Abendprogramm gehört, wo mehr Menschen zusehen. Als ich diesen Beitrag sah, fühlte ich mich wieder daran erinnert, dass ich mal als Kind gesagt hatte, ich möchte gerne die Welt verändern. Heute als Erwachsene habe ich festgestellt: das geht nicht. Jeder kann immer nur ein kleines Mosaiksteinchen bunt färben. Um ein riesiges Welt-Mosaik bunt zu machen, bräuchte es viele Menschen, die alle ein klein wenig tun.

Eine Frau aus Ghana, die vor über 15 Jahren als Computerspezialistin nach Deutschland kam, hatte hier leider etwas Pech. Computerspezialisten mit schwarzer Hautfarbe scheinen nicht so begehrt zu sein trotz der „Computer-Inder“-Diskussion. Sie arbeitet schon seit mehreren Jahren als Reinigungskraft für die Sanitärbereiche tagsüber in der Messe in Düsseldorf und nachts in einer Altstadtkneipe. (Ich sage bewußt nicht „Klofrau“, weil ich das abwertend finde.) Von dem wenigen Geld, was sie bekommt, spart sie auf Flugticket und unterstützt Kinder aus den Slums von Accra in Ghana. Vor einigen Jahren hat sie einen Verein gegründet und sucht immer neue Mitstreiter. 26 Kinder hat sie in ein Kinderhaus geholt, bezahlt ihnen das Schulgeld, Verpflegung, Unterkunft, Kleidung… Kinder, die aus den Slums kommen, deren Eltern leben, aber die ihren Kindern keine Schulbildung finanzieren können. Diesen Kindern möchte sie eine Chance geben. Inzwischen hat sie eine Warteliste für weitere 200 bis 300 Kinder. Es ist bewundernswert, was diese Power-Frau, Harriet Bruce Annan, bisher alles geschafft hat – gegen Vorurteile in Deutschland und Ghana zu kämpfen, Dauerschichten zu schieben, um Geld zu bekommen, Menschen überzeugen, Geld zu geben…

Über Google und Phoenix fand ich die Seite des Vereins. Wer sich informieren möchte, kann es hier tun:

http://www.african-angel.de/aktuelles.html

Dort stehen auch die Sendetermine der Reportage. Man kann sich informieren, wie das Geld eingesetzt wird (inklusive aller Meldenummern und Buchführungsbüro etc.)

Ja, und da beginnt man noch während der Sendung automatisch Relationen zu suchen und zu bewerten. Es gibt in Deutschland Leute, die z.B. Versicherungsvertreter bei der Firma Horbach sind und mir während eines Verkaufsgesprächs erklären, dass sie sich inzwischen die dritte Eigentumswohnung kaufen. Es gibt in Deutschland auch Leute, die unter der Armutsgrenze leben und die ihre Kinder zu Projekten für eine tägliche warme Mahlzeit schicken müssen, für die bei der Weihnachtsspendenaktion der Ostsee-Zeitung Geld gesammelt wurde. Es gibt in Deutschland Leute, bei denen jedes Familienmitglied ein eigenes Auto zum 18. Geburtstag bekommt, neu oder Jahreswagen versteht sich. Und es gibt in Deutschland Leute, die putzen täglich Toiletten und schicken ihr Geld nach Ghana zu den Kindern von Accra, damit diese zur Schule gehen können.

Ja, und ich fing auch an darüber nachzudenken, dass von Patienten auf Stationen in hunderten deutscher Krankenhäuser in der Regel zwischen einem und zwanzig Euro für die Kaffeekasse des Personals (in der Regel haben die Schwestern die Hand drauf und die Ärzte sehen kaum was davon für ihre Kaffeemaschine und wissen auch nie, wieviel da wirklich drin ist) da lassen – jeder soviel wie es seine Rente oder sein Einkommen zulässt als Geste und Dank für die Betreuung. Ich habe überschlagen, dass je nach Station und Personal (gut oder schlecht, nett oder unhöflich) etwa zwischen 100 und 200 Euro pro Monat zusammenkommen dürften. Wenn ich dann darüber nachdenke, dass davon selten Kaffee gekauft wird, weil viele Patienten auch oft Kaffeepackungen ans Personal als Dank geben, sondern dass davon Bowlen gegangen wird, schick abend essen gegangen wird in 4-Sterne-Restaurants… (alles schon erlebt) und mir überlege, was man mit nur 10 Euro pro Monat von dieser monatlichen Einspielung in die Stationskasse anstellen könnte für eines dieser Kinder und dass selbst die kleinsten Krankenhäuser meist 4 oder 5 Stationen haben…

Der Beitrag über einen Unternehmer, der nicht nur ein Krankenhaus in Ruanda aufgebaut hat sondern damit indirekt auch eine ganze Region wirtschaftlich zum Erblühen bringt, war auch ganz interessant…

http://www.phoenix.de/herr_schmitt_in_afrika/2007/12/26/0/159995.1.htm

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One response

20 03 2010
Kordelia Seifert

Nun habe ich die Vorgehensweise zwar nicht so ganz kapiert, sehe aber auf jeden Fall das Potential dahinter :-). Habt noch eine schöne Frühlingszeit (falls überhaupt 🙂 und schöne Grüße, Kordelia Seifert

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