Wieviel schuldet ein Arzt dem Staat?

20 01 2008

Durch den Kommentar von Wolf auf mein Nokia-Posting war ich angeregt, mal über die Frage nachzudenken, was eigentlich der fertige Facharzt dem Staat schuldet. Weil ich als Kommentar schon vieles gepostet habe, werdet ihr hier einige Passagen aus dem Kommentar wiederfinden.

Kosten des Medizinstudiums

Ich habe bei Google gesucht und Angaben gefunden, die zwischen 100000 Mark (also 50000 Euro) und 40000 Euro pro Jahr schwanken. Am häufigsten umkreisten sie 28000 Euro pro Jahr. Medizinstudenten verursachen die meisten Kosten an Universitäten. Ehrlich gesagt, frage ich mich WARUM? 

Pflegepraktikanten, Famulanten und PJler werden als reguläre Arbeitskräfte eingesetzt. Aber sie bekommen kein Geld dafür, also entstehen keine Personalkosten. Tatsache ist außerdem, dass viele kein Bafög kriegen sondern nebenbei arbeiten gehen. Vorlesungen sind für einen Teil der Profs lästige Aufgaben, die sie neben der Forschung und der Leitung der Kliniken auch noch absolvieren müssen und vielfach an Untergebene weiterdeligieren. Dass Profs also nur für die Studentenausbildung bezahlt werden und nur wegen der Studenten hohe Personalkosten verursachen, stimmt nicht. (Und wenn sie tatsächlich aus diesem Grund so viel Geld bekommen, dann muss man sagen, halten viele von ihnen zu wenig Vorlesungen und machen zu wenig Kurse.) Diese Stellen müsste es auch ohne Studenten geben, denn einer muss ja eine Abteilung leiten und die Forschung. Auch die Skripte werden in der Regel verkauft und nicht kostenlos abgegeben. Die Kurse in den Kliniken werden von den Assistenten nebenbei beim Tagesgeschäft mit abgewickelt. Auch diese werden also nicht extra wegen der Studenten bezahlt. Es müsste auch sie ohne Studenten trotzdem geben. Einen Teil der Kosten, die immer angeführt werden, kann man also relativieren. Für Hörsäle und Bibliotheken entstehen ganz sicher Kosten, auch für die theoretischen Institute. Für Kursräume ist es wieder relativ: Die meisten klinischen Kurse werden irgendwo im Arztzimmer auf Station oder im Besprechungsraum der Abteilung abgehalten und die sind sicherlich nicht extra wegen der Studenten gemacht worden. Kleidung bringen Studenten selbst mit, also haben die Unis auch hier keine Kosten. Für einen PJler erhält eine Uni etwa 400 Euro Kopfgeld (schwankt zwischen den Unis). 

Wenn immer diese 28000 Euro pro Jahr (= 140000 Euro für ein Studium) als Kostenkeule argumentativ geschwungen wird, dann möchte ich diejenigen, die das publizieren einfach mal auffordern, die Aufschlüsselung der einzelnen Posten darzulegen!

Was ein Medizinstudent und Arzt zurückgibt

Fangen wir bei den Studenten an. Als Pflegepraktikant, Famulant und PJler wird man zur vollen Arbeitskraft. Viele Kliniken, gerade die Unikliniken, könnten ohne diese kostenlosen Arbeitskräfte nicht mehr existieren. Genau: Kostenlos. Als Student sieht man keinen Pfennig.
Pflegepraktikum. Dauert inzwischen 4 Monate. Legen wir einen Monatslohn von 1200 Euro zugrunde (soviel war mein erstes AIP-Gehalt und die Schwestern hatten mehr), bei dem keine Zuschläge für Nachtarbeit und Wochenende enthalten sind (obwohl auch das geleistet wird), kommen wir auf 4800 Euro.

Famulatur. Dauert auch 4 Monate. Famulanten machen etwas mehr, schon halbe oder ganze ärztliche Tätigkeiten. Da ich als AIP o.g. Summe erhalten habe und das schon eine Weile her ist, die Gehälter gestiegen sind auch für die Anfänger, nehmen wir mal einen fiktiven Lohn von 1500 Euro. Macht zusammen 6000 Euro.

PJ. Dauert 1 Jahr. Da PJler inzwischen eigentlich fast das gleiche machen wie Ärzte, inklusive Punktionen, OP-Assistenz, Patientengespräche, Arztbriefe etc. legen wir das Einstiegsgehalt eines Assistenzarztes im TV Ärzte der Unis zugrunde (West 3600 Euro, Ost 3200 Euro). Macht 43200 Euro für das Jahr. Die er nicht bekommt. Da PJler auch häufig Überstunden leisten, die nicht dokumentiert werden, dürfte die Summe noch höher liegen.

Arzt.

Die Überstunden, die jeder einzelne von uns jeden Tag schiebt, kriegen wir nicht im Geringsten bezahlt. Bei mir sind es aus dem letzten Jahr geschätzt über 150 nicht offiziell dokumentierte, nicht bezahlte Überstunden, wo ich mal dran gedacht habe, mir die zuhause in den Kalender zu schreiben (die anderen sind meiner privaten Dokumentation entgangen). Wenn man das mal 22 Euro Stundenlohn nimmt, sind das schon 3300 Euro pro Jahr. Auf 6 Jahre Facharztausbildung gerechnet bekommt die Gemeinschaft / die Kliniken / der Staat – das Land – die Kommune als öffentlicher Arbeitgeber so ca 20000 Euro von jedem Arzt geschenkt – nur durch die “regulären” nicht dokumentierten Überstunden. Und ich schätze, dass ich am unteren Ende des Durchschnitts liege, bei anderen sind es weitaus mehr. Ich habe übrigens nicht die Pausenzeiten berechnet, die uns per Gesetz zustehen, die wir aber kaum einhalten können, da wir häufig ohne Essen durcharbeiten.

Kommen wir zu den Diensten. Auch hier arbeiten wir meist komplett durch, in der Regel auch ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Pausenzeiten einzuhalten (die schieben wir zusammen, um 1,5 h schlafen zu können). Laut EU-Gerichtshof ist Bereitschaftsdienst gleich Arbeitszeit. Bedauerlicherweise hält sich nichtmal der MB-Tarifvertrag dran. In meinen Diensten habe ich eine Arbeitsauslastung von über 90%, meist 100%. Laut Tarifvertrag sollte meine Arbeitsauslastung maximal 90% betragen, theoretisch. Für mehr bekomme ich kein Bereitschaftsentgelt. Bei durchschnittlich 5 Diensten eines Arztes pro Monat (geschätzter Deutschland-Durchschnitt) sind das bei 16 Bereitschaftsdienststunden (24 Dienst – 8 reguläre Arbeitszeit = 16)*, die wir offiziell nur zu 90% bezahlt bekommen, 8 Stunden pro Monat an Dienststunden, die wir gar nicht bezahlt bekommen, obwohl wir arbeiten. Auf 6 Jahre FA-Ausbildung gerechnet sind das 12700 Euro.

Hinzu kommen die Stunden, die uns von dem 90%igen Dienstgeld zu 100% abgezogen werden, weil wir nach dem Dienst nicht mehr arbeiten dürfen laut Gesetz (es inoffiziell aber tun). Das heißt für die Berechnung, dass wir quasi die 8 Stunden des Folgetages (wo sie 100% wert sind) in der Nacht vorgearbeitet haben (wo sie nur 90% wert sind). Und die Stunden tagsüber haben einen Wert von 100%… also 16 x 0,9 – 8 x 1,0… Pro Dienst entgehen uns durch den Abzug etwa 0,8 h, was im Monat 4 Stunden macht, im Jahr 48 Stunden, was auch wieder 1056 Euro pro Jahr sind. Auf 6 Jahre FA-Ausbildung gerechnet knapp 6400 Euro.

Eingerechnet habe ich noch nicht die Fortbildungen und Kurse, die Ärzte aus eigener Tasche bezahlen, die aber nur dem Arbeitgeber zugute kommen: Sonografie, Röntgen, OP-Kurse… Auch die Anträge bei der Ärztekammer und die Zertifikate kosten Geld. Da dürften in 6 Jahren je nach Fachrichtung zwischen 2000 und 10000 Euro zusammenkommen.

Weiterhin füllen Ärzte Reha-Anträge aus, deren Extra-Vergütung in den meisten Kliniken nicht der Arzt bekommt (wie es wohl eigentlich sein sollte) sondern die Klinik. Bei 3 Reha-Anträgen pro Monat macht das auf 6 Jahre gerechnet etwa 6400 Euro.

Als nächstes kommt das Kapitel „Privatpatient“. Abrechnen dürfen Privatpatienten nur Chefärzte und ermächtigte Oberärzte. Kümmern tun sich aber die Assistenzärzte. Die Liquidationsberechtigten sehen einmal am Tag vorbei, reden ein paar Worte und verschwinden. Blutabnehmen, Aufklärungen, Untersuchungen, Befunde auswerten, Medikamente an- und umsetzen, Arztbrief schreiben, mit Angehörigen reden etc. machen die Ärzte auf Station. Es gibt aber nur wenige Häuser, an denen es eine Poolbeteiligung gibt, wo also auch Otto-Normal-Arzt etwas von dem Geld sieht. Ansonsten kriegens die Chefs und die Kliniken.

Thema Promotion. Die wissenschaftliche Sklavenarbeitskraft arbeitet in der Regel umsonst. In seltenen Fällen gibts mal eine Drittmittelstelle dafür. Nehmen wir als minimale Dauer einer Doktorarbeit 2 Jahre Vollzeittätigkeit an wie in den anderen Naturwissenschaften, wo es in der Regel am laufenden Band Doktorandenstellen gibt (ok, es ist da die Regel, aber die Stellen sind nicht wie Sand am Meer). Diese 2 Jahre verteilen sich bei Medizinern wegen eben nicht Vollzeitdoktorand sein auf mehrere Jahre. Nehmen wir die 2 Jahre Vollzeittätigkeit zu einem Einsteiger-Gehalt an Unis für Ärzte (was die dann auch bekommen, wenn sie das seltene Glück einer Drittmittelstelle haben, um ihre Promotion zu schreiben und es nicht nach dem Dienst machen müssen wie all die anderen), dann kommen 86000 Euro zusammen, die ein durchschnittlicher Medizin-Doktorand nicht erhält. Plus Forschungsergebnisse, mit denen die Profs weitere Drittmittel einwerben, die Unis Publikationen machen etc…

Hab ich noch was vergessen?

Rechnen wir zusammen:

Ohne Promotion und Privatliquidationspool geschätzte 101700 bis 108700 Euro, die ein Arzt dem Staat / Land / Kommune / der Gemeinschaft schenkt, weil nicht bezahlt bekommen.

Mit Promotion und ohne Privatliquidationspool 187700 Euro

Diese Rechnungen sind Überschlagsrechnungen, die nicht repräsentativ sind und meine eigenen Erfahrungen zugrunde legen. Aber ich denke, ein Funken Wahrheit ist dran. Relativieren wir die so hoch geschwungenen Kosten für einen Medizinstudenten pro Monat, die ich für überzogen und bewußt hochgetrieben halte (bzw. der Studi kriegt einfach bloß nicht die entsprechende „Leistung“ dafür geboten), dann hält es sich wohl die Waage. Kein Arzt schuldet dem Staat nach Ende der FA-Ausbildung was. Im Gegenteil. Die ruinierte Gesundheit, kaputte Ehen, die verminderte Lebenserwartung etc. kann kein Mensch und kein Staat dieser Welt bezahlen.

* Es gibt diverse Rechenmodelle, bei denen am Ende rauskommt, dass der Arzt keinen 24h-Dienst macht, obwohl er 24 h arbeitet. Das machen die Kliniken, weil das Gesetz sowas verbietet bzw. weil so gut wie keiner eine Opt-Out-Regelung unterschrieben hat, wo er sich freiwillig bereit erklärt dafür. Quasi : Wie mache ich etwas unsichtbar, was doch eigentlich da ist…?

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15 responses

20 01 2008
torschtl

jaja, ich wollte ja egtl auch medizin machen, aber
1.: abischnitt 2,8
2.: ohne entsprechenden finanziellen background kann es sich fast keiner leiste bis zum 28.ten lebensjahr nicht zu arbeiten und ein medizistudium wäre für mich ein 10h-Job/d
3.: schweinerei, wie dieser berufszweig entlohnt wird…

21 01 2008
Assistenzarzt

zu 1. Wartezeiten abwarten?
zu 2. ja, das Studium war finanziell verdammt eng und ohne mehrere Nebenjobs und Glück hätte ich es nicht geschafft
zu 3. geht wohl auch Rettungsleuten so und Arzthelferinnen und denen bei privaten Pflegediensten.

21 01 2008
Monika Armand

Das stimmt sehr nachdenklich und man wundert sich nicht mehr, warum engagierte Mediziner immer rarer werden. Das System beutet sowohl Mediziner, Pflegepersonal und Patienten physisch und psychisch aus.
Ich lese sehr gerne und regelmässig ihren Blog. So ist es leichter – wenn man die „andere Seite“ im Auge behält, als Patient die Zustände zu ertragen…..
Eigentlich wäre ein Austausch der Sichtweisen schon längst überfällig. Eine große Hilfe ist dabei, dass Mediziner wie Sie auch aus dem „Nähkästchen“ plaudern. Wenn Sie an der „anderen Sichtweise“ interessiert sind, dann lade ich Sie herzlich ein: http://forum-gesundheit.blogspot.com

21 01 2008
Hypnosekröte

Medizin ist ist nicht das teuerste Studium!
Der Spiegel hat das irgendwann mal aufgelistet gehabt (finde ich leider nicht online) und Medizin steht an Platz 2. – gleich nach Luft- und Raumfahrttechnik.

Ich danke Dir aber für die Auflistung, endlich weiß ich, was ich und meine Arbeit wert sind!

Was man übrigens auch gerne mal vergisst, wenn man meint, die Ärzteschaft leidet auf hohem Niveau ist der Punkt Altersvorsorge/Rente.

Jemand, der nach der Realschule „Was Anständiges“ lernt, hat 9 oder 8 (je nachdem ob 12 od. 13 Jahre bis zum Abi) Jahre länger Zeit, hier vorzusorgen.

Mal ganz davon abgesehen, das man mindestens 6 Jahre Studieren MUSS, aber nur 3 Jahre auf die Rente angerechnet werden DÜRFEN – Eine Riesenfrechheit in meinen Augen.

10 02 2008
mager

Es weiß doch keiner, was das Studium kostet! Aus dem Studententopf wird doch Patientenversorgung und Forschung mitbezahlt. Jedesmal, wenn der Prof. seinen Assi in die Vorlesung schickt hat er die Gehaltsdifferrenz der Studentenschaft abgezockt. Tägliche Praxis!

6 03 2008
Frank

„Nehmen wir als minimale Dauer einer Doktorarbeit 2 Jahre Vollzeittätigkeit an wie in den anderen Naturwissenschaften, wo es in der Regel am laufenden Band Doktorandenstellen gibt“

Tut mir leid aber das ist kompletter Unsinn, die Promotion zum Dr.med. ist nichtmal ansatzweise mit der in anderen Natur oder Gesellschaftswissenschaften zu vergleichen. Nicht von der Qualität und auch nicht von der Quantität. Bei weitem nicht.

Der Umfang sowie der Anspruch sind wenn überhaupt mit dem einer Bachelor Arbeit vergleichbar. Alles in allem handelt es sich in den meisten Fällen um eine ca 60 Seite Auflistung von zusammengetragenen Ergebnissen aus Versuchen im medizinischen Bereich, die mit statistischen Basiswissen veranschaulicht werden.

Wenn einige Mediziner dafür über ein Jahr benötigen, dann liegt das schlicht und ergreifend daran das sie kein Universitätsstudium im klassischen Sinn absolviert haben (theoretisch handelt es sich eher um ein FH Studium ), und daher nicht an die Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens gewöhnt sind.

Bevor nun mancher aufschreit und sagt das stimmt nicht, die Promotion wäre ja soo schwierig: Zwei Bekannte von mir haben zuerst ein „normales“ Hochschulstudium abgeschlossen, und danach Medizin studiert. Ihre Doktorarbeit in Medizin haben sie beide innerhalb von 5 bzw 7 Wochen geschrieben, und bestanden.

8 03 2008
Assistenzarzt

@ Frank: Ich kenne diese Meinungen über medizinische Doktorarbeiten und ich weiß auch, dass es einen Unterschied zu anderen Naturwissenschaften gibt. Allerdings wäre das Thema jetzt hier einen eigenen Beitrag wert. Ein Grundsatzproblem ist ja, dass Medizinstudenten nicht mal Zeit bekommen um sich z.B. wie andere in einer Diplomarbeit dem wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen, außer sie setzen Semester aus und kriegen Bafög-Probleme. Ich kann dazu nur sagen, dass mit einer Doktorarbeit von 60 Seiten das Teil an meiner ehemaligen Uni nicht mal angenommen wird zum Durchlesen… Es gibt an vielen Unis Bestrebungen, Medizinstudenten mit dem wissenschaftlichen Arbeiten vertraut zu machen in Vorlesungen, Seminaren und Praktika. Nur leider sind die dann noch zum eh vollgepackten Wochenplan zusätzlich und am Wochenende – wo man eigentlich immer für irgendeine Prüfung lernt.
Was deine Freunde an geht mit in 7 Wochen Dr-Arbeit schreiben. Das Schreiben alleine habe ich auch in dieser Zeit geschafft, allerdings brauchen die Untersuchungen von Patienten oder Versuchsreihen im Labor länger, weil nicht sofort zum Starttermin Proben von entsprechend erkrankten Patienten zur Verfügung stehen oder Patienten erst angeschrieben, aufgeklärt, untersucht werden müssen in Räumlichkeiten, die sich ein Doktorand selbst organisieren muss etc.. Die Patienten kommen eben nicht auf Knopfdruck. Und letztlich verzögern Doktorväter und – mütter 🙂 durch monatelange Wartezeiten auf Korrekturen das Ganze noch, denn leider stehen diese nicht alleine in Diensten der Forschung sondern sind hauptsächlich in der Patientenversorgung tätig. Das ist der Unterschied z.B. zu einem Chemiker.
Erklär mir mal, warum die Doktorandenstellen in der Regel für 2 Jahre ausgeschrieben sind an den Instituten? Ich schätze, weil man diese Zeit rechnen muss, um nicht irgendeinen Wisch von 60 Seiten zusammenzuschustern. In der Medizin werden selten Doktorandenstellen ausgeschrieben. Da wird man wenigstens zum Teil für die Patientenversorgung eingestellt und macht den „Rest“ nebenbei. Leider.

Vorsicht mit dem Vergleich des Medizinstudiums mit einem FH-Studium. Nur weil Mediziner in der Regel einen straffen Stundenplan haben, um überhaupt alles zu schaffen, heißt das noch lange nicht, dass das Studium nicht universitären Ansprüchen genügt. Es ist eben kein Studium wie Germanistik oder Philosophie, in dem man nebenbei noch in sämtlichen Studentengremien sitzen kann, weil die „Wochenstundenzahl“ geringer ist.

28 04 2008
sascha

Lieber Frank,
ich finde es etwas unpassend, dass jemand Fachfremder die medizinische Promotion als nicht mal ansatzweise vergleichbar mit anderen Wissenschaften bezeichnet.
Ich kann für mich sprechen und für sehr viele Mitstreiter. Es stimmt zwar, dass man in Medizin bei viel Glück mit wenig Aufwand promovieren kann, aber dies trifft für eine Minderheit zu. Ich kann für mich sprechen und das Institut, in dem ich promoviere. Ich kann es mit meiner Promotion mit jedem Deiner Kollegen aufnehmen, bei drei Papers als Erstautor und einem mittleren Impact Faktor von 7. Ich bezweifle schwer, dass jemand aus deinem Fach dagegen ankommt. Und das alles war meine Freizeitbeschaftigung in den letzten vier Jahren plus halbes Jahr Auslandssemester. Ich habe etliche Nächte im Labor verbracht, während ich einen 12 Stunden Tag in der Klinik gearbeitet habe, von Semsterferien ganz zu schweigen. Während meine Studienkollegen aus anderen Fächern von einer 20 Stunden Woche überfordert waren. Und Chemie oder Biologiedoktoranden in unserem Institut kann ich in der Pfeife rauchen, diese werden durchgeschleift, damit sie irgendwie in drei Jahren Promovieren können und das mit Bezahlung. Wobei man sagen muss, dass Doktoranden gewöhnlich mit halben Stellen, also halben Gehalt bezahlt werden. Ich möchte keinem Naturwissenschaftler vorwerfen, er wäre schlechter, aber ich fordere hier nur Gegenseitigen Respekt.
Also erzähl mit bitte nicht, dass eine medizinische Promotion nichts Wert ist. Ein engagierter medizinischer Doktorand ist einem durchschnittlichen Biologen theoretisch und methodisch bei weitem überlegen, vor allem durch seinen anerzogenen Fleiß. Dieser lässt sich gerade bei Sozialwissenschaftlern doch eher vermissen. Oder wollen wir durchschnittliche Studienzeiten vergleichen? Ich habe sehr viel Einsicht in der universitären Forschung und es wird Dir auch jeder bestätigen, dass ohne medizinische Doktoranden die Forschung in Deutschland zum Erliegen kommen würde, vor allem finanziell.
Schönen Gruss

Sascha

6 06 2008
Stefan

Ich kenne mich in der medizionischen forschung aus, und kann nur sagen, dass das allgemeine Niveau von medizinischen Doktorarbeiten unetr dem von Diplomarbeiten (!) in Fächern wie Biologie oder Psychologie liegt. So ist es beispielsweise in vielen neurowissenschaftlichen Instituten üblich, dass bestimmte Forschungsprojekte, die nur 1 -2 Jahre beanspruchen entweder an einen Diplomanden aus der Psychologie oder an einen medizinischen Doktoranden vergeben werden, wobei das methodische Niveau bei medizinischen Arbeiten aufgrund mangelnder naturwissenschaftlich-mathematischer Methodenkenntnisse oft sehr unzureichend ist. Der medizinische Doktor ist in der heutigen Zeit ein Pseudotitel, der nicht viel mit wissenschaftlicher Qualifikation zu tun hat.

27 03 2009
Ausländer

ich bin nicht promovierter Akademiker und auch kein Mediziner. Ich habe Respekt vor jedem der den Doktortitel (ehrlich und nicht gekauft) hat..
Ich finde schon richtig, dass die Art, wie Mediziner ihre Doktorarbeit machen und Dr-Titel verdienen, richtig ist. Schließlich sind die Dr. Med, aber nicht Dr. Physiker oder Dr. Ing oder irgendwas. So ist das Medizinstudium, am Ende wenn man nach ca. 7 Jahr knallhart intensive und fleißig studiert, bekommt man den Titel „Arzt“ und wenn man nebenbei noch zusätzlich Energie und Leistung aufbringt hat man den „Dr. Med“ Titel.
Ich finde, der Vergleich zw. versch. Fächern ist überflüssig. Der Vergleich ist nur für NEIDER reserviert. Wer Dr. Med werden will dann soll den Weg machen, wer nicht werden will soll aber nicht neidisch werden. Das gilt natürlich für Chemiker, Biologen oder jede andere Fachrichtung.
Wenn man solche Beiträge liest, dann sieht man auf welchem Niveau die sogenannten Akademiker sich bewegen…Schade Schade

27 06 2009
Hans

Sollten es nicht 28.000 pro JAHR und nicht Monat sein!?! Es ist wirklich irritierend das ständig so zu lesen, obwohl es deutlich wird dass der Autor Jahr meint. Pflegepraktikum ist übrigens 3 Monate und nicht 4, auch wenns meiner Meinung nach immer noch 2 zuviel sind, bei null Pfennigen. (Den Eindruck den das Praktikum vom Krankenhausalltag bringen soll, hat man ja wohl schon nach nem Monat.)

Zudem habe ich in meinem Pflegepraktikum nicht einmal am Wochenende, geschweige denn im Nachtdienst arbeiten müssen (und ich war in der Uniklinik Köln und einem normalen Krankenhaus in Köln), das kommt vielleicht im Zivildienst vor. Da kann man sich als Praktikant aber auch gehen wehren, ein Recht dazu haben die KHs dafür nämlich NICHT! Von Kommilitonen hört man schon ab und an gewisse Horrorstories, aber 1. wer Medizinstudenten kennt, der weiß dass die zum ÜBERtreiben neigen… und 2. sind die meistens selbst schuld weil die es sich einfach gefallen lassen. Man merkt doch schon innerhalb der 1. Woche wie der Hase da so ungefähr läuft und kann dann immer noch abhauen, hab ich selbst auch so getan. Aber das dann aussitzen und sich hinterher beschweren, das stösst mir sauer auf.

Naja und diese Milchmädchenrechnung kann ja jeder selber beurteilen, die Zahlen sind ja schon ein wenig unrealistisch hochgerechnet, allerdings hat der Autor insgesamt recht, die ganzen Praktika/Famulaturen/PJ/Überstunden etc. und dazu noch in der Länge + unbezahlt grenzt schon gefährlich nah an Sklavenarbeit, da man ja nichts dagegen machen kann. Aber wir sind ja alle solche Idealisten und wollen nur helfen, da sollen wir mal schön die Klappe halten. Das würd sich kein anderer Berufszweig gefallen lassen! Da kenn ich etliche Beispiele von BWLern etc. die in ihren Praktika fürs Kaffeekochen fürstlich entlohnt werden.

Und Frank und Stefan, euch hab ich auch gefressen, solche Konsorten kenne ich zugenüge. Auch ich kenne mich im Laboralltag der medizinischen Forschung aus, und 1. kriegen die Doktoranden dort ihre Promotion bezahlt! und 2. wird auch viel Zeit mit Kaffeetrinken (beim Abwarten der Versuche) und sonstiger Eierschaukelei verbraten. Aber dann gegen die Medizinstudenten gackern die das neben dem Studium mind. 2 Jahre lang unbezahlt machen. Der Doktor der Medizin ist vielleicht nicht ebenbürtig mit dem „normalen“ Dr., den jedoch gleich pauschaul mit Diplomarbeiten oder, noch besser!, Bachelorarbeiten zu vergleichen, da könnts einem glatt die Sprache verschlagen vor soviel Neid und Missgunst. Und nur weil man Leute kennt (oder von denen gehört hat, ja man hört ja doch sooo viel) die es in einem Jahr oder kürzer geschafft haben, also von der Ausnahme auf die Regel schließen zeigt doch nur wie beschränkt der Horizont eigentlich ist. Ich kenn auch Leute die das Physikum mit angeblich nur 2 Wochen lernen gepackt haben, also muss das Physikum ja auch nen Witz sein!

30 10 2009
hax

ähm, du verwechselst etwas oft monat und jahr?

5 08 2010
Nicht Mediziner

Diese Rechnung ist schon sehr einseitig. Warum sind Mediziner eigentlich nie zufrieden? Welcher andere Berufszweig hat ein derart hohes Durchschnittsgehalt mit gleichzeitig hoher Jobsicherheit zu bieten? Regelmäßig ließt man von Jahreseinkommen ab 120.000 Euro für selbständige Ärzte, nach oben offen!!!

1. Zu Pflegepraktikum, Famulatur etc.: Diese Rechnung kann jeder Student aufmachen. Es gibt mittlerweile in vielen Studiengängen Pflichtpraktika, und davon werden die wenigsten gut entlohnt. Wenn überhaupt, reicht das Geld (selbst bei Unternehmen wie Allianz) kaum für den Lebensunterhalt. Gleichzeitig gibt es für Mediziner häufig gute Nebenjobs mit gutem Stundenlohn.

2. Überstunden: In vergleichbaren (Gehalt) Jobs für Uniabsolventen unterschreibt man im Arbeitsvertrag heutzutage oft, dass Überstunden mit dem Grundgehalt abgegolten sind.

3. Extra Dienste etc: In jeder Branche kriegt der Chef viel mehr für eine Arbeit, die Mitarbeiter zum Großteil erledigt haben und er verkauft.

4. Promotion: Die Mediziner, die ich kenne, haben in einem halben Jahr „promoviert“. Warum sollte man ausserdem einer Promotion 43.000 Euro Jahresgehalt zu Grunde legen? Welche Doktorand bekommt das? Es ist außerdem schlicht falsch, dass es in anderen Fachbereichen Promotionsstellen wie Sand am Meer gibt.

6 10 2010
eAssessment, SelfAssessment & Employer Branding Blog » Blog Archive » Spielerische Auswahl von Medizinstudenten am UKE in Hamburg

[…] Fleiß. Bedenkt man die enorm hohen Kosten eines Medizinstudiums (als Daumenwert kann von knapp 30.000 € pro Jahr ausgegangen werden, was zu Gesamtkosten von etwa 180.000 € pro Absolvent führt, wohlgemerkt: […]

6 10 2014
Test Tester

Ich bin Physiker und habe gerade meine Dissertation in klinisch relevanter Biophysik eingereicht. Ich habe/hatte daher fast täglich Kontakt mit den Herren Medizinern an einer sehr renommierten Uni-Klinik. Etwa 4 Jahre durfte ich sehen und erleben wo der Unterschied zwischen Mediziner Forschung und „echter“ Naturwissenschaft liegt. Ganz ehrlich: Es klafft eine riesige Lücke. Die meisten medizinischen Dr.-Arbeiten würden an math.-nat.-Fakultäten nicht einmal als Bachelorarbeit akzeptiert (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die Argumentation über „Impact-Faktoren“ zieht meiner Meinung nach gar nicht. Da die Medizin ein riesiges Forschungsfeld mit extrem vielen Teilnehmern ist, gibt es demzufolge auch mehr Zitationen. Der Impact allein sagt daher GAR NICHTS über den Wert einer Arbeit. Ganz im Gegenteil, viele medizinische Journals mit Impact zwischen 5 und 10 publizieren regelmäßig sehr schwache Studien (beispielhafte Namen von Autoren möchte ich hier besser nicht nennen). Dass der Impact allein keinerlei Aussage hat, sieht man schon wenn man nur mal einen Blick auf Mathematiker-Journals wirft. Diese haben einen durchschnittlichen Impact-Faktor von etwa 1. Die meisten der dort veröffentlichten Artikel dürften allerdings in Arbeitsaufwand, aufgewendetem Intellekt und der zum Verfassen aufgebrachten Kreativität um ein Vielfaches durchschnittliche medizinische Papers überragen.

Ich denke: Ärzte sind Ärzte. Die meisten Ärzte in Deutschland sind für ihre Aufgaben recht gut ausgebildet, und das ist auch gut so. Der Akademische Grad des Doktors allerdings bescheinigt, dass man in der Lage ist selbstständig Forschung auf einem hohen Niveau zu betreiben. Dies kann ich bei den meisten Medizinern allerdings NICHT entdecken. Es würde mich auch wundern, wenn jemand sich derartige Qualifikationen (fundierte Chemie-, Physik-, Mathematik-Kenntnisse…) innerhalb weniger Monate (länger dauert eine Dr. med-Arbeit in Schnitt nicht) zusätzlich aneignet. Ein großer Teil in der Deutschland eingereichten medizinischen Doktorarbeiten beschränkt sich (und das lässt sich schlecht wegdiskutieren) auf das bloße Auswerten von im Voraus bereits vom klinischen Personal gesammelten Daten. Daher ist der Dr. med.-Titel zumeist irreführend und dient nur dem schönen Schein vor dem Patienten oder der Kariere. Eine echte intellektuelle Weiterentwicklung kann in der kurzen Zeit des Verfassens einer solchen Arbeit einfach nicht stattfinden. Ich kann es allerdings den Ärzten nicht übel nehmen, denn wenn man eine solche Auszeichnung so einfach hinterher-geschmissen bekommt, wer würde da schon NEIN sagen. Es fördert ja schließlich das Vertrauen des Patienten in die eigenen Fähigkeiten und nicht zu letzt auch die Entwicklung des Gehalts.

Um ehrlich zu sein, in meinem Institut müssen die meisten promovierten Biologen, Chemiker oder Physiker zumeist nur schmunzeln (oder reagieren genervt), wenn mal wieder ein Mediziner auf seinen Dr.-Titel hinweist, um die Relevanz seiner Forschung zu untermauern. Es ist mir selbst schon passiert, dass ich 95% eines Projekts (Messung, Programmierung und Mathematik der Datenanalyse, Interpretation der Daten) allein bearbeitet habe, und dann bekam ich einen Anruf von einem promovierten Arzt, der auch einen kleinen Beitrag zum Projekt lieferte. In diesem Anruf wird einem dann ganz klar mitgeteilt, dass der Herr Mediziner natürlich die Erst-Autorenschaft des Papers beansprucht, weil nur er sich mit dem Thema wirklich auskenne. Am Ende stellt sich jedoch heraus, dass der gute Mann noch nicht einmal verstanden hat was genau gemessen wurde. Aber, dass die Story heiß ist, das hat er verstanden, daher sein Engagement.

Ich persönlich bin ernüchtert was den Dr. med angeht, und würde mich durchaus auch von einem nicht promovierten Arzt behandeln lassen, da es definitiv fast keinen Unterschied in der ärztlichen Qualifikation ausmacht.

LG

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