Wie Österreicher über Ossis denken

30 01 2008

Was passiert, wenn Assistenzarzt über Abwanderung von Ärzten aus den neuen Bundesländern googelt? Assistenzarzt landet auf den letzten Google-Seiten auf einem mehr oder weniger interessantem, aber dafür umso mehr garstigem, bornierten, diskriminierenden Foren-Posting eines Herrn Walter Fenz (Nickname) in einer Österreichischen Zeitung. Damit wird dann die gewählte Überschrift ad absurdum geführt. Manche Österreicher können nicht denken. Dieser ganz bestimmt nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Mensch überhaupt mal einen Fuß auf ostdeutsches Territorium gesetzt hat. Für manche Leute sollte die Visum-Pflicht wieder eingeführt werden.

Hier mal einige Zitate des Herrn Walter Fenz (es geht um die Wahl eines österreichischen Profs zum Dekan der Uni Graz, der jetzt in uns Ossi-Land tätig ist, was aber in der Diskussion anschließend in den Hintergrund tritt):

„Auch wenn ich von der Uni Rostock und der dortigen Medizinischen Ostfakultät […] einen Deutschen nur mit sehr viel Bauchweh genommen hätte….“
In Bildblog-Manier muss ich dazu sagen: FALSCH. Der Prof, um den es sich in dem Beitrag handelt, ist seinem Lebenslauf nach (ebenfalls auf der Internetseite der Zeitung zu entnehmen), Österreicher und erst seit einigen Jahren in Deutschland.


“ […]… da trifft dann eben die Großprovinz die Kleinprovinz. Wissenschaftlich und fachlich betrachtet.“
In welcher Provinz mag wohl Herr Fenz zuhause sein? Mittelprovinz? Fachlich betrachtet? An der Uni Rostock wurde die Nierendialyse bereits zu DDR-Zeiten mitentwickelt. An der Uni Rostock wurde die erste Leberdialyse entwickelt, die von der FDA zugelassen wurde und Maßstäbe gesetzt hat. An der Uni Rostock wurde das bisher einzige halbwegs wirkungsvolle Verfahren für Stammzelltherapie am Herzen entwickelt. An der Uni Rostock waren Leute wie Prof. Schilling tätig. Ja, nun müsste man wissen, was der gemacht hat… Naja, für das wenige Geld, was man von einem der ärmsten Bundesländer kriegt als Uni, muss sich die Rostocker Uni nicht schämen. Es geht damit eben nicht so viel wie in Bayern, wo die die Euros in den A… gepustet kriegen. Außerdem ist die Mediziner-Ausbildung in MV an beiden Großprovinz-Unis bedeutend besser als in der Kleinprovinz (und zudem ohne Studiengebühren), siehe Spiegel-Ranking.

Auf die Frage eines anderen Foren-Lesers, was eine Ostfakultät denn wohl sei, kommt die Antwort:

„Gekennzeichnet durch a) massive Personalfluktuation, insbesondere Abwanderung von Fach- und Oberärzten ins Ausland (Schweiz, Skandinavien, Österreich…..) oder aber nach Westdeutschland und deren Ersatz durch osteuropäische (Nichtfach-)Ärzte
b)Deutl. schlechtere Bezahlung als in Westdeutschland und deshalb auch Abwanderung der Habilitierten
c)Abteilungen an der Grenze des Lächerlichen, z.B. eine schon geschlossene Kinderpsychiatrie in Magdeburg, eine praktisch inexistente Strahlentherapie in Magdeburg und Greifswald, eine praktisch inexistente Pathologie in Jena und eine praktisch ohne Fachärzte in Leipzig, eine fehlende Kinderradiologie in Leipzig usw. usf.
d) Nehmen jeden Österreicher mit Handkuß – frisch vom Studium….“
Naja, massive Personalfluktuation gibts auch im Wessi-Land, da kenne ich genügend Beispiele und ins Ausland gehen auch nicht nur die Ossis. Wobei ich bei Herrn Fenz das Gefühl habe, in Österreich ist man eh nicht sonderlich willkommen. Kommen Sie mal an die Unis hier und gucken. Da gibt es nicht mehr osteuropäische Ärzte als an Wessi-Unis. Abwanderung der Habilitierten… naja, es ist allgemein bekannt, dass viele die Ossi-Unis nur als Sprungbrett nutzen wollen. Die wandern nicht allein deswegen ab, weil es hier immer noch nur 97% des West-Gehalts gibt, sondern weil sie nie vorhatten, hier zu bleiben. Die Familien wohnen meist im Wessi-Land und warten auf die Heimkehr des Busch-Arbeiters. Ich kenne außerdem diverse Kliniken im goldenen Wessi-Land, die ebenfalls nur überleben, weil sie Assistenten im 3. Ausbildungsjahr haben, die noch nicht weggelaufen sind. Die „Ärzteflucht“ ist ein gesamtdeutsches Phänomen und kein rein ostdeutsches!! Man eh, das regt mich wieder auf, das wir Ossis wieder die Deppen sein sollen. Und zu d): FALSCH. Zum Glück haben wir davon nicht so viele hier, wäre ja nicht auszudenken, wenn die alle so sind wie Herr Fenz. Ich wüßte nur einen im 50 km Umkreis. Der achso gerühmte Ösi-Hausarzt, den es in die Nähe von Schwerin gezogen hatte und der so schön hochgelobt durch alle TV-Sendungen geisterte als „Retter der Ossis“, der ist inzwischen wieder abgehauen. Er kam mit dem Menschenschlag nicht klar, heißt es. Es ging keiner zu ihm in die Praxis, weil die Leute sich nicht ernst genommen fühlten, erzählt man in der Gegend. Woran das wohl gelegen hat?

Es folgt die Gegenfrage eines Lesers bezogen auf Punkt d): „Soll das heißen, eine Einrichtung, die Österreicher beschäftigt, disqualifiziert sich damit in Ihren Augen?“

„Nur, wenn die Hauptqualifikation für den Österreicher die meist einwandfreie Beherrschung der Deutschen Sprache ist, dann dürfen Sie selbst raten, woher der Wind weht im Staate OstDDRland.“
Ja, wenn sie denn mal die deutsche Sprache auch wirklich beherrschen würden… Also ich als hochdeutsch sprechendes Nordlicht hab da so meine Probleme mit dem Verstehen. Die meisten Ösis disqualifizieren sich hier, weil sie kein fließendes Russisch sprechen, nicht das „Kapital“ auswendig zitieren können, Karl Marx mit Vadder Abraham verwechseln, kein FDJ-Hemd tragen, nicht wissen, was FKK ist und Datsche für eine südostasiatische Feigenfrucht halten und weil es genügend Absolventen gibt, die sich hier auf Assistentenstellen bewerben, eine gute Ausbildung haben und mit dem Menschenschlag, den Bedingungen und Anforderungen vertraut sind. Das Problem ist der Mangel an Fachärzten, aber das ist wie gesagt, kein rein ostdeutsches Phänomen.

„[…] aber in einer absoluten Verlierer-Region wie in den Neuen Bundesländern“ muss ja alles schlecht sein, gibts nur kasachische Anfänger-Ärzte mit sibirischem Hilfsarzt-Diplom, weshalb man über jeden zuwanderungswilligen Ösi-Absolventen aus Ötzi-Land tief dankbar ist und Freudenfeuer anzündet, auch wenn der kleine erstmal sprechen lernen muss. Zudem grasen in der Großprovinz die Kühe auf dem Klinikrasen und laufen die Hühner über die sandige Einkaufsstraße, an deren Ende man seine Gummistiefel piercen lassen kann, weil das das neueste Forschungsprojekt der Provinz-Uni ist. Amen.

Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=3172997

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5 responses

30 01 2008
krimi0krimi

Ach Assistenzärtin,

lass die Tachinierer motschkern. Diese Owezahrer sind eben österreichischer Menschenschlag. Die machen sich einen Sport draus quasi.

Der Herr Fenz hat’s nötig.
In Wien wird grad die Gerichtsmedizin geschlossen:

Zu wenig Obduktionen: „Wien ideal für perfekten Mord“ (die Presse)

Die Ärztekammer berichtet über Wissenschaftler, die mangels Perspektive auswandern:
„Österreichs kluge Köpfe wandern aus“

und der Standard über den Brain Drain an den Unis:
„Uni-Ärzte warnen vor Konsequenzen für Patienten“

Was unter anderem daran liegt, dass FachärztInnen dort so in etwa das verdienen, was Du in einem anderen Artikel als Einstiegsgehalt für AssistentInnen angibst. AssistentInnen an UNI-Kliniken müssen sowieso ein Armutsgelübde ablegen. Eine Familie kann man jedenfalls nicht ernähren. Ich kenne 32-jährige Assistenzärzte und Familienväter, denen die Eltern die Wohnung zahlen müssen. Das ist entwürdigend. Allerdings wandern viele UNI-Ärzte nur ins nächste Bezirksspital aus, wo sie ganz ordentlich verdienen. Soviel zur schlechten Bezahlung in Ostdeutschland. Da würde es mich doch schwer wundern, wenn die ganzen ostdeutschen Fachärzte wegen dem Geld nach Österreich auswandern (ich kenne keinen einzigen).

31 01 2008
F

Wir Ostdeutschen dürfen doch gar nicht ins Ausland reisen oder hat sich das schon geändert?

4 04 2008
Assistenzarzt

Also ich muss schon sagen, ich hätte nie gedacht, dass man meinen wütenden Blog-Eintrag mal im Forum des österreichischen „Der Standard“ zitiert… ich hatte nicht vor, damit berühmt zu werden, ich wollte mich nur einmal abreagieren bei sovielen Vorurteilen gegen Menschen aus Ostdeutschland, denn ich bin selbst dort geboren und lebe auch da. Es hat mich sehr geärgert, dass ein Österreicher, der hier in Deutschland in der Minderheit ist und Gastrecht genießt, sich erdreistet derartig miserabel über andere Menschen und Regionen zu sprechen, wo es bei ihm zuhause selbst auch nicht besser ist. Die kleinen Seitenhiebe mit ein paar Vorurteilen gegenüber Österreichern sind nichts anderes als der Drang zu zeigen, dass es ebensolche über Österreicher gibt und nicht nur über Ossis. Herr Fenz scheint aber ein sehr krasser Vertreter zu sein und wie man merkt, sorgt er dafür dass eine ganze Menge Vorurteile entstehen, z.B. dass Österreicher glauben sie seien besser als z.B. Menschen aus Ostdeutschland.
Lieber hot doc, diese Seite ist ganz und gar nicht hirnlos. Jedenfalls nicht hirnloser als diese Diskussion mit gegenseitigen Beschimpfungen, die gerade im Forum des Standard abläuft und von der ich jetzt ungewollt Zugriffe auf mein geliebtes Blog erhalte, in dem ich gewöhnlich Dampf ablasse, um mir die Balinth-Gruppe zu sparen.
Also nehmt den Link zu mir bitte einfach wieder raus, denn diese Art von grenzüberschreitendem Informationstransfer ist für mich entbehrlich.

24 08 2009
greg

Die Österreicher sollen erst mal Deutsch lernen. Hab Praktikum in Klinikum in Graz gemacht und da hat die Oberärztin mit uns nur Dialekt gesprochen…soon Kuhdorfdeutsch…das sagt schon was über sie als Ärztin…

3 09 2009
Dr. Stern

@greg: Meine vollste Zustimmung, wer Dialekt spricht ist grenzdebil. Tätowierte sind sowieso alle drogensüchtig und HIV-positiv. Frauen mit „Arschgeweih“ wollens ohne große Worte gleich direkt richtig hart besorgt bekommen, und Leute mit Migrationshintergrund sind alle faul, stinken und kriminell.

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