Was macht eine Ärztin / ein Arzt so den lieben langen Tag?

7 02 2008

Morgens in hunderten deutscher Kliniken… die Dämmerung graut, den Kollegen grauts auch, und den PJlern erst. Man eh, schon wieder einer dieser normalen Tage. Was fängt man da als Ärztin /Arzt nur mit seiner Zeit an? Das Briefe schreiben, Patienten aufnehmen, Interventionen durchführen, Visite, Funktionsdiagnostik… all das kann einen doch so gar nicht auslasten, wenn die Kollegen schon mit dem meisten davon befasst sind… Wer viel Zeit hat, sucht sich Alternativen. 

Vor der Frühbesprechung: Über den Kollegen herziehen, der Dienst hatte, was der denn nun schon wieder alles falsch gemacht hätte.

In der Frühbesprechung: Tuscheln über die Schwangere. Ab und an mal zuhören, was gesagt wird.

Nach der Frühbesprechung: Herziehen über die kranke Kollegin „Na wo die denn schon wieder ist, krank natürlich.“ Anfangen zu sabbern vor Begeisterung.

Vor der Visite: Weiteres Herziehen über die kranke Kollegin. Vergessen der eigenen seltsamen Dienstabrechnung bei der einige Dinge einfach nicht auftauchten. Beginn der üblen Nachrede über die Sekretärin. Der Schaum tritt vor.

In der Visite: Mobben einer nichtanwesenden Schwester. Die ist so schrecklich, so böse, so unfair, die sagt einfach mal die Wahrheit zwischendurch und lacht nicht über die Witze und macht schon gar nicht mit, wenn man über andere herzieht. Böse diese Schwester, böse, böse.

Nach der Visite: Fortsetzen des Herziehens über die Sekretärin.

Vor dem Mittag: Gerücht in die Welt setzen, einer der ehemaligen PJler sei schwul, das sehe man doch an den Haaren, dem Ohrring und wie er rumläuft. Eh und der duscht jeden Tag. Der muss einfach schwul sein. Vergessen, dass man selbigem beim Umziehen im Arztzimmer (ja, diese Zeiten sind noch längst nicht vorbei) immer in die wertvollsten Regionen starrte. (Andersrum gehts auch – Gerücht in die Welt setzen, dass die PJlerin mit dem Oberarzt… dieses Flittchen… also nee… und dabei vergessen, dass man ihr beim Umziehen im Arztzimmer JLo-Vergleichsnoten gegeben hat und die Hose enger wurde.)

Beim Mittag: Über die nicht anwesenden Kollegen tratschen. Anwesende über deren Meinung zu diversen Vorgesetzten aushorchen und sie zu Statements peitschen. Wer weiß, vielleicht kann man da noch mal was von gebrauchen. Naja, und wenn nicht, dann wird halt was erfunden. Das Leben kann so einfach sein.

Nach dem Mittag: Boah eh, erstmal ne Pause. Nachzählen der verbrauchten Wörter. 15000 darf man ja als Frau. Gott sei Dank, noch nicht alle benutzt. Dann kanns ja weitergehen.

Schichtwechsel bei den Schwestern: Man, wie gut dass die Frühschicht weg ist. Jetzt kann man erstmal ordentlich mit der Spätschicht auswerten, was die sich alles geleistet haben. Erneutes Herziehen über eine kranke Kollegin und die Schwangere, die überall Extrawürste gebraten kriegt und ja nur schwanger geworden ist, um keine Dienste mehr machen zu müssen. Während die Kollegen auf Station wie die Duracell-Häschen rackern, ist noch etwas Zeit beim 3. oder 4. Käffchen über die Sekretärin ein paar Sachen loszuwerden. Sabber tritt vor den Klatschbasenmund. Jetzt ist man kurz vor dem Gerüchte-Orgasmus. Wer hätte gedacht, dass das heute noch so ein schöner Tag wird. Uff, bei der Zigarette danach kann man sich dann gleich mal über die Kollegen der ITS informieren, denn das schöne is ja: Man trifft auch mal auf Gleichgesinnte.

3 Minuten nach Dienstschluss: Boah, war das heute ein anstrengender Tag. Soviel gearbeitet. Eh also wirklich. Überstunden sind heute nicht drin. Nee, das macht ihr mal alle fertig. Jetzt ist Feierabend. Und tschüss.

Und täglich grüßt das Murmeltier an jeder deutschen Klinik. Ein blökendes Schaf gibts immer.

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6 responses

7 02 2008
kinderdok

ooooh kenn ich gut aus alten zeiten – ohja.
btw nettes schönes interessantes kollegenblog – danke fürs linken.
grüße vom pädiater.

8 02 2008
Thommy

nett, nett geht das bei euch zu 😉 … Kenne ich irgendwie … Ist im Büro nciht anders 😉

8 02 2008
torschtl

ich checks imme rnoch nicht. bit du jetzt ne frau oder n mann?? 😀

11 02 2008
Assistenzarzt

@torschtl: Hat das irgendeine bestimmte Relevanz für dich? Eigentlich müsste sich deine Frage von alleine beantworten, wenn man die Länge meiner Texte betrachtet… kannst natürlich auch die Worte zählen… :-))

12 02 2008
Petra

…wahrscheinlich verwirrt es ihn nur völlig dass es klatschende Männer und klatschhassende Frauen gibt – ist irgendwie so anders als im Fernsehen 😉

1 03 2008
d0ggZ23

W.O.W.! –> also Du hast mir gerade die Scham genommen, dass ich vor 10 Jahren NICHT das Medizinstudium aufgenommen habe, sondern in die freie Wirtschaft gegangen bin! Allerdings ist es da auch nicht besser 😉 –> ein wirklich schöner Bericht.

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