Schlecker und die Apotheke

5 03 2008

Zwiespältige Gefühle überkamen mich heute, als ich die Anzeige von Schlecker las, die heute ihre Versandapotheke gestartet haben. Jede Menge Schmerzmittel, freiverkäufliche NSAR waren da zu sehen. Einerseits ist es ok, Versandapotheke und Infrastruktur eines Discounters treffen sich – das ist letztlich eine logische Folge der derzeitigen Marktentwicklung. Andererseits mache ich mir Gedanken. Die Leute sehen, dass es Paracetamol, Diclo, Ibuprofen etc. im Schlecker-Versand gibt. Legt das nicht den Schluss nahe, was es beim Schlecker gibt, ist nicht so gefährlich? Wird es dazu führen, dass Patienten Medikamente unterschätzen und sie eher als „Nahrungsergänzungsmittel“ ansehen wie Magnesiumtabletten? In der Apotheke ist jemand, der beim Kauf auf Nierenprobleme und Magengeschwüre hinweist und wenn jemand öfter kommt auch mal den Gang zum Arzt empfiehlt (jedenfalls meine Stammapotheke ist so veranlagt). Bei Schlecker können die Leute eine Hotline anrufen und fragen. Aber wer kommt von alleine drauf, zu fragen ob das nicht Löcher in die Magenwand brennt oder einem nach 5 Jahren Eigentherapie von Kopfschmerzen oder Rückenbeschwerden irgendwann die Nephrone lebewohl sagen? Ein guter Teil der heutigen Dialysepatienten hat ihre Niereninsuffizienz als Endstation diverser Nierenschädigungen unter anderem dem Langzeitgebrauch von NSAR zu verdanken. Wie wird es in ein paar Jahren sein? Können Patienten die Risiken und Nebenwirkungen von freiverkäuflichen Medikamenten wirklich sicher einschätzen und verantwortungsvoll handeln auch ohne einen Apotheker, den man mal fragen kann beim nächsten Kauf oder der einem Hinweise gibt, weil er dazu verpflichtet ist? Unterschätze ich die Eigenständigkeit von Patienten?

Ich kann nur jedem raten, auch bei freiverkäuflichen Dingen die Ratschläge auf der Beilage zu lesen und bei Ende einer Packung Schmerzmittel wenigstens mal einen richtigen Apotheker zu fragen oder mal einen Arzt aufzusuchen, naja, notfalls auch ein Patientenportal im Internet anzuklicken. Schmerzen haben eine Ursache und Schmerzmittel machen auch mal Nebenwirkungen.

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22 responses

5 03 2008
dunni

Ich hatte mal bei DocMorris größere Mengen Medikamente bestellt (vor allem gegen Durchfall, weil ich mit ein paar anderen Leuten in Urlaub gefahren bin, und vorgesorgt habe. Spanien und Wasser etc.). Da war dann auch ein Brief dabei, in dem sinngemäß drinstand, dass ihnen aufgefallen ist, dass ich sehr viele Medikamente bestellt habe und daher einen Arzt aufsuchen sollte, sofern ich gedenke, diese Medikamente einzunehmen, auch um Wechselwirkungen zu vermeiden.

6 03 2008
Joekanone

„Können Patienten die Risiken und Nebenwirkungen von freiverkäuflichen Medikamenten wirklich sicher einschätzen und verantwortungsvoll handeln“

Selten so gelacht….
Wenn genauso Verantwortungsvoll mit Medikamenten umgegangen wird, wie jetzt bereits mit dem gesamten Spektrum medizinischer Versorgungsleistungen sehe ich schwarz.

6 03 2008
emergency_doc

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6 03 2008
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Aber bevor wir nur über Schl***er lästern:

Die Wirtschaft liefert nur das, was der Verbraucher kaufen will.
Solange Menschen nachts in die Notaufnahme strömen, die mal
„eben schnell eine Spritze wollen, damit der Husten weggeht“, wird
sich daran nicht viel ändern. „Vollkaskomentalität“ ist in. Ich erinnere
mich noch an einen Patienten, der auf der Rückfahrt vom Katheterlabor
noch einem heftigen Herzinfarkt die Sanis mit 20 Mark bestochen hatte, damit die noch schnell einen Umweg über die Tanke machten und er eine
Stange „Marlb**o“ kaufen konnte. Meine Sanis kamen dann mit leerer Trage auf Station an. Der Patient stand -mit Schleuse in der Leiste- vor der Klinik
um zu rauchen…. Konsequenterweise erlag er dann sechs Monate später seinem nächsten Infarkt (war erst 45) und hat es seinen Zigaretten gleichgetan: er löste sich in Rauch auf (ließ sich Feuerbestatten) 🙂

Die Reflektionslosigkeit zeigen ja auch Werbespots wie bei Bay*r:

1.) (früher mein „Lieblings-Hass-Spot“:
Mädchen geht ans klingelnde Telefon. „Natürlich gehe ich mit ins Kino. Nein, ich nehm noch schnell eine Aspi*in und dann sind die Kopfschmerzen auch schon wieder weg…. (dümmliches Grinsen on)“

Dämlich. Viel dämlich. Noch dämlicher. Hallo ??? Will uns „die Natur“ mit
Kopfschmerzen irgendetwas sagen ? Vielleicht: „…hey….Du bist krank….bleibe heute in der Höhle. Es ist heute keine gute Idee einen Säbelzahntiger zu jagen….“

2.) (aktueller Werbespot)
Zwei Mädels steigen auf einen Turm. Nach dem Aufstieg in schwindelnde Höhen, schmerzt der einen der Oberschenkel. Darauf erhält sie von der anderen eine A*S-Tablette mit den Worten: „…nimm die, die hilft mir auch immer, wenn ich Schmerzen durch Muskelkater habe…“

Also irgendwie fehlt mir da wirklich die Möglichkeit meine Emotionen in die Tastatur zu tippen ohne sie dabei durch die Tischplatte zu drücken 🙂
Warum kommt hier nicht zumindest ein Aufschrei von Emma ? Sind blonde Frauen echt so dämlich, dass sie Tabletten einwerfen, wenn die Oberschenkel schmerzen. Wie wär´s mal mit regelmässig Sport ??

Kleine Anleitung für „anarchistische EmanzipiertInnen“: einfach mal kurz bei Bay*r einsteigen und Feuer legen ? Auch bei oberflächlichen Brandverletzungen lässt sich ASS dann sinnvoll einsetzen….

6 03 2008
L. Carone

Oh ja und dann geht der Spot so weiter: „Also runter nehmen wir doch wohl auch die Treppe.“

Hallo? Der Körper signalisiert gerade, dass er völlig überlastet ist und diesen sinnvollen Warnhinweis macht man erst mal mundtot, um den Körper hinterher nur noch mehr zu belasten. Boa, da könnte ich reinschlagen!

P.S.: Bin nicht blod 😉

6 03 2008
Joekanone

…und wenn die Pharmaindustrieprodukte versagen, kann man sich immer noch n Bergkristall auf die Stirn legen und damit die Schmerzen ausleiten.

6 03 2008
emergency_doc

…oder das PGEF schicken
(Pendel-Globuli-Einsatz-Fahrzeug)

7 03 2008
http://altenheim.blogg.de/

Schön und gut, die Apotheke erzählt mir was von Magengeschwüren und so… trotzdem bekomme ich da auch meine „gewünschte“ Menge an Medizin.. mir hat noch nie ein Apotheker was von Nebenwirkungen erzählt….

7 03 2008
Pinocchio

….das liegt daran, dass die Apotheker alle so gute Menschen sind (wie auch die Leute von den Pharmafirmen) und niemals an Einkommen oder Umsatzprovisionen denken. Die tun dies alles nur für den Dienst am Menschen. Und deshalb geben die Dir natürlich auch die von Dir gewünschte Menge -oder mehr- ab…

7 03 2008
Anj

Hm, ich glaube, ich finde es nicht so schlimm, dass es auch bei Shclecker Medikamente gibt. Vor allem bei den von dir aufgezählten Sachen wie Paracetamol und Ibuprofran ahbe ich in einer APotheke noch nie eine Beratung erhalten. Mich würde es auch wundern, wenn die mich als Stammkundin erkennen, bei den vielen Leuten, die da täglich aus- und eingehen. Somit wäre es für mich auch nichts anderes, mir die Medikamente bei Schlecker zu holen. Und sind die da vielleicht sogar billiger? Das wäre ja gewissermaßen ein Vorteil.

7 03 2008
F

jepp, anj, sind billiger, gewisse nasentropfen um 2€.

böse, böse kopfschmerzmittel etc. sollte man abschaffen. wer sie nehmen will nimmt sie, wer zu viel von nimmt, wird schon irgendwann die folgen spüren und hat dann pech gehabt. ich möchte nicht drauf verzichten.

8 03 2008
Anke W.

@L Carone: Ich habe den letzten Satz nie verstanden bzw er ist total sinnfrei… hab noch keinen Kirchturm mit Aufzug gesehen

Wo wir gerade beim Thema sind. Paracetamol in größeren Mengen soll die Leber schädigen. Liegt das am Wirkstoff oder daran, dass man sie ja verdauen muss? Wie ist das denn bei den Zäpfchen?

8 03 2008
Assistenzarzt

@F: du sollst ja auch gar nicht drauf verzichten. Aber es ist wie es ist: zuviel und zu lange zuviel von jedem guten Ibuprofen oder Paracetamol macht statt nur Kopfschmerzen weg auch Niere kaputt und Löcher in den Magen.

@ Anke W.: Paracetamol in größeren Mengen schädigt die Leber und später auch die Nieren. Man sagt, dass die Tageshöchstmenge für sonst gesunde Erwachsene 6 g sein soll. Hepatotoxische (also lebergiftige) Dosen liegen ab 7,5 g aufwärts. Wobei es hier Schwankungen gibt aufgrund Vorerkrankungen, Lebensalter, Begleitmedikation etc. Der Wirkstoff Paracetamol und seine Metaboliten können direkt eine zelltoxische Wirkung an den Leberzellen entfalten. Es ist egal, ob du Tabletten nimmst oder Zäpfchen oder eine Infusion.

8 03 2008
Anke W.

OK Danke 🙂
6 gramm ist ja ne ganze Menge, meine persönliche Höchstgrenze liegt bei 1,5 gramm, wenn das nicht wirkt, wirkt auch noch mehr nichts

9 03 2008
Sam

Oh man… ich bin erst 20 und habe trotzdem das Gefühl, dass irgendetwas wichtiges zum Verständnis der aktuellen Entwicklung an mir vorbei gegangen ist… Medikamente gibts in der Apotheke, die gehören nicht in einen Onlineshop von Schlecker. Aspirin und co sind keine Bonbons und zu viel schadet ganz schnell. Wenns mir wirklich schlecht geht oder auch nur leichtes Kopfweh lange bleibt, gehts zum Arzt… Das ist es jedenfalls, was meine Eltern mir vermittelt haben. Ok, fein, man glaubt den Eltern ja nicht alles 😉 Aber wenn man dann selbst die Erfahrung gemacht hat, dass Beipackzettel nicht nur Deko sind, sollte das doch nachhaltig wirken [17 Jahre alt, dicker Kater, Sportfestaufsicht über eine 5. Klasse, schrecklicke Kopfschmerzen, 35 Grad im Schatten – dumm nur, dass es da nirgends Schatten gab – hin und wieder Kaffee um die nächste Aspirin runter zu bekommen, wenig Wasser, aber um so mehr Aspirin… tja, wer kann sich den Rest denken? Once in a lifetime und so…]

Aber wenn ich mich in meiner Umgebung umsehe habe ich doch den Eindruck, dass viele diese „leichten“, frei erhältlichen Schmerzmittel tatsächlich schon als „normal“ betrachten, also so etwas wie den täglichen Kaffee zum aufwachen. Viele Freundinnen von mir haben ständig ein paar Tabletten dabei, werfen die bei jeder Gelegenheit ein und finden daran nichts bedenklich. „Macht doch jeder so“ und „ist doch nur Aspirin“ sind da die Standardkommentare zu… nein, danke, das ist nichts für mich. Ich bleibe bei meiner Stammapotheke, wo die Damen mich tatsächlich als Stammkundin kennen, habe ein bisschen Aspirin im Badezimmerschrank gelagert und nehme wenns hoch kommt ein mal im Monat eine davon, wenn überhaupt. Da bin ich doch sehr altmodisch. Und froh drüber!

9 03 2008
T

Ich denke nicht das das Medikamente leichtfertiger genommen werden, nur weil die Versandapotheke an Schlecker angeschlossen ist und nicht eine x-beliebige andere Versandapotheke ist.
Ich bin vom Apotheker bei Schmerzmitteln kein einziges mal auf Nebenwirkungen angesprochen worden, ganz gleich ob die nun verschreibungspflichtig waren oder nicht. Ich kann auch einen Schritt weiter gehen bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten hat auch kein Arzt jemals Nebenwirkungen oder Problematiken erwähnt. Vielleicht ist das auch mit ein Grund warum Leute mit schlechterer Bildung früher sterben.

9 03 2008
Anj

Ich muss T beipflichten. Es wäre für mich gar kein UNterschied, ob ich die Tabletten in der Apotheke oder Schlecker kaufe. Völlig egal. Auch in der Apotheke würde man mir eine Riesenfamilienbox verkaufen. Ich versteh nicht, warum einige da eine Apotheke seriöäser finden. Klar kann man da beraten werden, aber bei Kopfschmerztabletten??? Nee! Und irgendwann kennt man ja die PAckungsbeilage auch auswendig.

Und Sam, klar ist es schlimm, wenn einige die Tabletten wie Bonbons einwerfen. Aber ich würde mich selbst als Vieltablettenschlucker bezeichnen, aber ich mach das nicht freiwillig und finds selbst total schlimm Jeden Monat nehm ich mir vor, weniger Tabletten als im Vormonat zu schlucken, aber es klappt einfach nicht. Vor allem, weil ich durch die Ibuprofen echt MAgenprobkeme bekomme. Assistenzarzt, wie viel darf man denn von Ibu nehmen und ab wann hat man Löcher im Magen davon?

9 03 2008
Assistenzarzt

Also eigentlich kriegen die Apotheken ja ihr Geld (also die verdienen ja auch an den Meds) plus diese 1,- Euro pro Rezept, damit sie den Kunden / Patienten beraten. Vielleicht habe ich Glück und eine Apotheke gefunden, wo jeder drei Worte dazubekommt, immer gefragt wird „Kennen Sie das Medikament schon?“ oder ein Hinweis kommt „Nehmens sie es höchstens soundsolange, wenns nicht wirkt, gehen sie zum Arzt“ oder „Nehmen sie nur so und so viel…“.
Allerdings fällt mir gerade eine Begebenheit in einer anderen Apotheke ein, wo ich erlebte, wie einer Frau mit einem Panaritium (Entzündung im Bereich des Fingers) und hochrotem Finger (leuchtete quer durch die Apotheke und war für jeden Med.stud. im 2. Semester identifizierbar) sowas wie „Zugsalbe“ verkauft wurde und sämtliche Salben durchgegangen wurden auf die beste Hautverträglichkeit, anstatt sie sofort zum nächsten Chirurgen zu schicken, dass er das aufmacht und den Finger ruhigstellt. Weiß nicht, vielleicht sollte man da auch mal Testkäufer reinschicken und jede Apotheke zertifizieren wie Restaurants, Autobahnraststätten oder Autos. Für Krankenhäuser gilt das gleiche… 🙂 (bevor jetzt hier gleich jemand schreit…)

@Anj: Weiß nicht wieviel Tabl. du schluckst und warum. Zum einen empfehle ich ein Schmerztagebuch (gibts im Internet zum Download und ausdrucken bei einigen Patientenforen und Herstellern), wo Tabl-Menge, Schmerzintensität und „Begleitumstände“ wie Streß etc. eingetragen werden. Zum anderen empfehle ich den Besuch eines entsprechenden Facharztes (Migräne – Neurologe, Rücken – Orthopäde / Manualtherapie, etc.), denn nur der kann die Ursache herausfinden und an der Schmerzmitteltherapie was sinnvolles ändern. Viele Dinge kann man ohne Tabletten machen, z.B. Akupunktur, Manualtherapie, Physiotherapie (ganz weit gefasst jetzt), Ernährungsumstellung etc. Nicht jede Schmerzart spricht auf jede Tablettensorte an. Es gibt z.B. über 30 verschiedene Arten von Kopfschmerzen, die unterschiedliche Therapieansätze haben. Manche Unikliniken haben Spezialambulanzen für Migränepatienten oder eine Kopfschmerzambulanz. Beispiel Migräne: Es gibt die Möglichkeit einen niedrig dosierten Betablocker zu nehmen (Beloc zok mite), was langfristig die Anfallshäufigkeit senkt. Haben mehrere Kollegen von mir schon erfolgreich gemacht / machen es immer noch. Außerdem gibt es Nasensprays, die man nehmen kann, wenn man merkt, es bahnt sich eine Migräneattacke an (Gruppe der Triptane). Auch für die Dauerprophylaxe von Migräne gibt es Tabletten. Aber all das kann nur ein Fachmann rausfinden. Am besten ist, man kennt die Ursache für den Schmerz, dann beseitigt man möglichst die Ursache und behandelt nicht nur das Symptom Schmerz.
Was die Löcher im Magen angeht… Ich hatte schon mehrere Patienten (überwiegend Männer) die hatten zwei Spritzen oder nur wenige Tabletten genommen und kamen mit einem blutenden Magengeschwür in die Notaufnahme. Der jüngste davon war gerade 18 Jahre. Ich hatte aber auch schon Patienten, die haben es wegen Rheuma oder Bandscheibenproblemen über Jahre genommen und bekamen dann erst ihr Magengeschwür. Das kann man nicht vorhersagen. Es gibt andere NSAR (Gruppe wo Ibu reingehört), die weniger Löcher brennen. Andere Alternative ist, Magenschutzmittel zu nehmen, gerade wenn man schon Magenprobleme davon hat. Die beste Lösung wäre, weniger oder kein Schmerzmittel zu nehmen, aber um das Problem anzugehen brauchts etwas Aufwand – siehe oben. Langfristig erhöht die regelmäßige Einnahme von NSAR das Risiko später einmal Nierenprobleme zu bekommen, allein deswegen ist es schon ein Grund, was zu ändern.
Was ich noch ergänzend hinzufügen möchte: Bei Leuten, die sehr lange und regelmäßig Kopfschmerzmittel nehmen können sich die Kopfschmerzen irgendwann verselbständigen, was dazu führt, dass noch mehr von den Meds genommen werden, was die Situation noch mehr verstärkt. Am Ende gehts gar nicht mehr ohne Kopfschmerztablette und sie wird täglich genommen. Das ist dann eine Sache, die nur mit einem Spezialisten für Schmerztherapie angegangen werden kann. Deshalb: Rechtzeitig Arzt aufsuchen und abklären lassen und nach Alternativen suchen.

9 03 2008
Anj

Danke Frau Doktor für den ausführlichen Rat. Die verschiedenen Ärzte habe ich schon aufgesucht, Akupunktur habe ich schon gemacht (erfolglos, dafür aber tuer und äußerst schmerzhaft)… Ui, und das mit den Magengeschwüren macht mir jetzt doch ein bisschen Angst. Was kann man denn für Magenschutzmittel nehmen?

9 03 2008
Sam

@Anj:
Ich hab mich nicht auf die Menschen bezogen, die wirklich so viele Tabletten brauchen, das hat dann für mich auch nichts mehr mit „Medikamente wie Smarties fressen“ zu tun. Mir gings um Verhalten wie das von Aspirin beworbene: „Ups, ich hab nicht drauf geachtet, was mein Körper braucht, jetzt tuts weh. Egal, Aspirin richtet das schon.“
Zum Beispiel sollte man im Hochsommer beim Sonnenbaden oder gar Sport in der prallen Sonne ja eigentlich viel trinken. Macht man das nicht, kanns Kopfweh geben. So weit bekannt und eigentlich auch allgemein verständlich. Aber ich kenne genug Leute, die der Ansicht sind, Aspirin ist dazu da, im Sommer noch 2 Stunden in der prallen Sonne liegen zu können ohne was zu trinken nachdem der Kopf sich beschwert hat. Oder die ernsthaft wenn sie in den falschen Schuhe in die Disco gehen und ihnen die Füße weh tun Aspirin einwerfen um weiter tanzen zu können. Das hat nichts mehr mit „notwendig“ zu tun, sondern ist in meinen Augen einfach nur dumm.

Und um den Bogen zum eignetlichen Thema zurück zu schlagen: Ich denke schon, dass die Internetapotheken für den Kunden eine ganz andere Umgebung bieten und den Kauf, nicht nur von Aspirin, vereinfachen. Wenn dann noch die „tolle“ Werbung dazu kommt und zeigt, dass man praktischer Weise ja einfach gegen jedes kleine Wehwehchen [„nimm doch eine Aspirin!“ „mir tun die Beine weh“ […] „runter nehmen wir ja wohl auch die Treppe!“] eine Tablette nehmen sollte damit wieder alles gut ist, kann das schon das Bild in der Öffentlichkeit verharmlosen. Ob nun die Tatsache, dass auch Schlecker da mitmacht noch mehr dazu beiträgt oder nicht mag ich nicht beurteilen. Aber ich weiß, dass ich persönlich lieber der guten alten Apotheke treu bleiben werde.

10 03 2008
emergency_doc

@ANJ
Also wie Assistenzarzt mal wieder richtig geschrieben hat: vor die Therapie gehört die Diagnose und es gibt tatsächlich -wenn auch selten- fähige Ärzte, die Schmerzen sinnvoll therapieren können. Im Raum Württemberg u.a. bei besonders heftigen Schmerzen den Schmerzforscher Larbig, der Uni Tübingen. Der hat auch eine Schmerzambulanz laufen.

Ansonsten gibt es eine Reihe von Medis, die weniger Magen-Darm-Probleme machen. Die Auswahl hängt halt vom Grund der Schmerzen ab, da hier verschiedene Schmerzmedikamente eingesetzt werden und die u.U. andere Wirkmechanismen und auch andere Nebenwirkungen haben.
In der Rheumatologie haben wir z.B. statt NSAR (Stoffklasse in der z.B. Ibuprofen, Voltaren, etc. reingehört) unseren Patienten „Zaldiar“ gegeben. Die haben das sehr gut vertragen und die Gleichwertigkeit mit Voltaren -ein Medikament das besonders Rheumapat. gerne nehmen, da es vorzüglich an den Gelenken wirkt — aber auch heftige Magenprobleme machen kann– war gegeben. Nur ist „Zaldiar“ richtig teuer; da es aber kein eigener Wirkstoff ist, sondern nur ein Kombinationspräparat aus Paracetamol (325mg) und Tramal (37,5mg) darstellt, kann man/frau sich das selbst zusammenstellen und damit die Kosten extrem drücken. Aber vorher ist -wie gesagt- die Geschichte mit einem fähigen Schmerzdoktor durchzusprechen.

Zum Magenschutz: da NSAR-Präparate vereinfacht gesagt die natürliche Magenschleimschicht reduzieren (diese schützt den Magen vor Selbstverdauung), gibt es zwei Ansätze: entweder die Schleimschicht mit „künstlichen Präparaten“ aufbauen (funktioniert nur bedingt) oder die Magensäure reduzieren. Das wird heute mit s.g. PPI (ProtonenpumpenInhibitoren) gemacht. Da gibts Namen wie Nexium, Pantozol, Antra, etc. Leider sind die Dinger auch nicht billig -obwohl mittlerweile am häufisten verordnet- und es fehlen noch Langzeitbeobachtungen über mögliche Nebenwirkungen bei Dauereinnahme. Eine Zeitlang war im Gespräch, ob die Möglichkeit eines Speiseröhrenkrebses aufgrund dieser Substanzen erhöht wäre – die Beobachtung kann jedoch auch damit zu tun haben, dass gerade diese Patienten, die ein Risiko für diese Erkrankung haben- auch diese Substanzen einnehmen. Im Grunde wie schon Hippokrates sagte: die Dosis macht das Gift.

16 03 2008
serenity

In den Niederlanden ist das doch schon lange so. Da bekommt man Medikamente in den Drogerien (und zwar so günstig, dass ich wenn ich da bin immer dort kaufe)
Ich muss gestehen, dass ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht habe, dass einige Menschen nicht wissen wie schädlich Schmerzmittel sind. Das ist NATÜRLICH ein Problem. Aber wenn du in einer Apotheke ne Packung (oder auch durchaus mal gleich drei, für unterschiedliche Personen, aber das wissen die ja nicht) kaufst, informieren die auch nicht immer über die Risiken usw.
Vielleicht müsste man da generell mehr aufklärung betreiben.

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