Pilgerreise nach Wiesbaden

17 03 2008

Liebe Gemeinde,

es war einmal ein Arbeitgeberverband, der bot seinen Sklaven Angestellten 4% Lohnerhöhung bei gleichzeitiger Erhöhung der Wochenarbeitszeit um 1,5 h. So lasset uns rechnen, was die Herren geboten. 40 h derzeitige Wochenarbeitszeit. 1% = 0,4 h. Dann sind 1,5 h etwa 3,75%. Die angebotene Lohnerhöhung beträgt 4%. Effektiv also eine Lohnerhöhung von 0,25%. Liebe Gemeinde, wie soll man das nennen? Was soll man dazu sagen? So entschlossen sich die Angestellten ihrem Unmut ob dieses  Scherzes Angebotes kund zu tun und pilgerten in eine Stadt namens Wiesbaden. Als Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit trugen sie weiße Kittel und die Farbe ihres Verbandes Orange. Doch was taten die Herren? Sie waren empört. Wie konnte man nur ihr Angebot ablehnen? Die Sklaven Angestellten sahen zu den anderen, die da noch in dem Lande lebten. Ihnen bot man 3% oder gar 8%. Überall im Lande waren Verhandlungen verschiedener Verbände im Gange. Doch auch überall rüstete man sich zum Protest. Was würde wohl geschehen, wenn Busse, Bahnen, Müllabfuhr, Sparkassen, Behörden, Schulen, Krankenschwester, Ärzte und andere gleichzeitig protestieren wollen? Würde so ein Tag jemals drohen? Oder würde der Herr irgendwann Vernunft zu den Arbeitgebern senden und ihnen erklären, dass das Absinken des Nettolohns in den vergangenen 3 Jahren zu einer Reduktion der Kaufkraft und weiteren Schwächung der Wirtschaft und abhängigen Dienstleistungszweige mit konsekutiver Reduktion des Steueraufkommens führt? Fragen über Fragen, auf die wir nie eine Antwort erhalten.*

Amen.

Impressionen der Pilgerreise z.B. hier:

http://www.aerztezeitung.de/extras/bildergalerie/Default.aspx?pid=37&sh=21

* außer vielleicht von Leuten, die permanent über andere Blogs meckern und uns sowieso alle für völlig bekloppt erklären

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4 responses

19 03 2008
F

Als die Nettolohnkosten sind schon gestiegen in den letztens 17 Jahren. Das Problem sind die Lohnnebenkosten, die die Arbeitgeber abdrücken müssen.

Generell geht es doch den Gewerkschaften gerade bei den vielen Streiks hier in Berlin nur um Macht. Von einem hochverschuldeten Unternehmen, das eigentlich schon Pleite ist, noch 12% mehr Lohn zu fordern und sich darüber aufzuregen, dass Neueingestellte weniger verdienen, ist lächerlich.

19 03 2008
Assistenzarzt

Es gab neulich irgendwo (bei mir rieselt der Kalk, weiß nicht mehr wo) eine schöne Grafik, die zeigte, wieviel Prozent Otto-Normal-Arbeitnehmer von seinem Bruttolohn die letzten Jahre behalten durfte. Seit etwa 2003 wurde es weniger und ist fast da, wo wir in den 90ern schon mal waren. Die Arbeitgeber sind die einzigen, die durch ihren Lobbyismus beeinflussen können, wie sich die Lohnnebenkosten ändern. Kann mir nicht vorstellen, dass das Arbeitnehmern gelingen könnte.
Aber setz mal die Lohnerhöhungen in Relation zur Inflationsrate und speziell zur Inflationsrate der Lebensmittel und Benzinpreise – dem was man täglich braucht. Die liegt höher als die letzten Lohnerhöhungen. Dass Handys billiger sind, interessiert kaum jemanden, man kann davon schließlich kein Mittag kochen oder zur Arbeit kommen. In den letzten Jahren haben viele Bereiche Nullrunden gefahren, nicht nur Arbeitnehmer, auch Rentner und Bafög-Empfänger. Deren Rente oder Unterstützung richtet sich auch nach dem durchschnittlichen Nettolohn bzw. den Erhöhungen und leider weniger nach der Inflationsrate.
Glaube übrigens kaum, dass Unternehmen alleine wegen der Löhne der Angestellten pleite gehen, eher wegen der Löhne der Geschäftsführer, Berater und Manager und einer schlechten Geschäftsführung. Guck dir das doch an, da holen die sich hier oben Leute für Behörden, Senate und Firmen, die woanders schon Verfahren am Hals haben wegen Untreue und Verschwendung. Das kann doch nichts werden. Und denen noch sechsstellige Summen in den faulen A… zu pusten…

Du hast mit dieser Aussage beste Aussichten auf einen Posten auf Arbeitgeber-Vertreter-Seite. Ich stehe mehr auf der anderen.

20 03 2008
F

Die Lohnnebenkosten sind auch gestiegen, sage ich ja. Natürlich spielt da die Infaltionsrate mit hinein. Sonst würden diese Kosten in Bezug auf die Nettokosten nciht so explosiv steigen.

Na, die Manager bei der BVG sidn wohl kaum die Topverdiener. Um die Gehaltserhöhung aufzufangen müssen die Fahrpreise erhöht werden. Die Eltern bekommen keine Gehaltserhöhung. Ich habe auch nicht mehr Geld. Wo ist das jetzt gerecht?

Ich bin kein Arbeitgeber – Vertreter. Ich sehe das neutral.

21 03 2008
emergency_doc

…ich denke „die Abstimmung mit den Füssen“ geht halt weiter.
Letzte Woche veröffentlichte der Vorstand der Arbeitgeberverbandes Kommunaler Kliniken einen „Brandbrief“ mit Inhalt, dass Arztstellen nicht mehr zu besetzen seien und man sich zusammensetzen müsse, um Lösungen zu finden. Mit dem gleichen Atemzug werden dann Pseudolohnerhöhungen verkündet und die Lüge vom „kostentreibenden Lohnabschluss 2006“ weiter verbreitet. Hey…ich verdiene heute soviel wie 2005 im BAT – arbeite dafür aber mehr und hab kein Weihnachtsgeld mehr. Dass die kommunalen Kliniken rote Zahlen schreiben, liegt einfach daran, dass die meisten Kliniken in keinster Weise wirtschaften können. Wenn ich mir die Mißwirtschaft in unserer „Klitsche“ ansehe, wundert mich das nicht, dass hier rote Zahlen rauskommen. Dass ich aber mein Leben lang hier investiere, mich krummlege, Dummheit der Verwaltung ausgleiche und mein Leben ruiniere…bin ich bescheuert, oder was ?
Ich hab letzte Woche einen Arbeitsvertrag bei einem privaten Anbieter unterschrieben, der mir nicht nur fast 15% mehr Geld bezahlt, sondern auch Weihnachtsgeld und bezahlte Fortbildung garantiert. Witzigerweise hat der Anbieter dieses Jahr (also 2007) einen Gewinn von 31 Mio EUR erzielt. Woran das nun wohl wieder liegen mag ??

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