Masern in Meck-Pomm

2 04 2008

Nee, jetzt hab ich doch gestern im Radio gehört, dass das Meck-Pomm-Gesundheitsamt meldet, dass wir seit Anfang des Jahres auch 6 Masern-Fälle bei Kindern hatten. Davon waren 5 nicht geimpft. Entschuldigung, aber wie doof muss man sein, um sein Kind nicht gegen Masern impfen zu lassen? Über andere Dinge kann man gerne diskutieren, aber nicht über solche Dinge wie Masern. Hallo, daran reift ein Kind nicht. Davon kriegt es Pneumonien, eine Otitis, eine Enzephalitis, wenns Pech hat eine SSPE, wird Epileptiker, geistig retardiert oder sonstwas. Und wer ist hinterher schuld? Die Ärzte, die eine Masern-Enzephalitis nicht richtig behandeln können… sorry, aber dagegen gibts bisher kein wirkliches Mittel, außer man probiert nacheinander testweise ein paar antivirale Substanzen aus deren Nebenwirkungen auch ganz ordentlich sein können. Und was ist mit den ganz kleinen Zwergen, die noch nicht geimpft werden können? Die sind diesen Masern-Spreadern schutzlos ausgeliefert. In den USA ist Deutschland ein Impf-Entwicklungsland was Masern angeht. Die Amis machen viel merkwürdige Dinge, aber in einem sind sie vernünftig: Wer dort in einen Kindergarten oder eine Schule will, der muss geimpft sein. Vor einigen Jahrzehnten waren die Leute froh, dass es eine Impfung gegen Masern gab. Meine Eltern haben beide die Masern durchgemacht und was sie davon erzählen, ist weiß gott nicht schön. Ich habe bereits mehrere Masern-Geschädigte (ACHTUNG: Geschädigte durch die Krankheit,  nicht durch die Impfung!) erlebt. Einer war so alt wie ich und lag vor mir krampfend im Bett und sabberte ansonsten auf dem Niveau eines 6 Monate alten Babys vor sich hin. Er musste eine Kopfschutzkappe tragen, weil er dazu neigte, selbigen immer irgendwo gegen zu schlagen. Bis zu seiner Maserninfektion war er ein völlig normales Kind. Das ist doch nichts, was man billigend in Kauf nimmt. Ich glaube, die jetzigen Impfgegner haben vergessen oder nie erlebt, was diese Krankheiten anrichten können. Sie sind sich der möglichen Folgen nicht bewußt. Vielleicht fehlt ihnen auch das Vertrauen in die normale Medizin und der glaube an WHO-Statistiken. Aber wenn man der Überzeugung ist, dass das eigene Kind gerne mal die Masern haben kann, dann müssen diejenigen dafür sorgen, dass es in der Zeit keinen Kontakt zu anderen Kindern – insbesondere Kindern unter 15 Monaten – hat, denn das finde ich eine grob fahrlässige Körperverletzung am anderen Kind und falls die Eltern des anderen Kindes pro-Impfung-gegen-Erkrankung sind hat auch Masern-Mutti nicht das Recht fahrlässig dafür zu sorgen, dass dieses Kind die Masern bekommt – denn damit greift sie auch in das Selbstbestimmungsrecht der Impfwilligen mit Kindern unter 15 Monaten ein. Und gerade dieses Selbstbestimmungsrecht war ihr ja wichtig um sich gegen die Impfung zu entscheiden. (zu kompliziert?) Und wenn jemand der Überzeugung ist, Masern dürfen das eigene Kind befallen, dann sollten sich diejenigen auch voll der Folgeerkrankungen bewußt sein, auch der möglichen Spätfolgen bei eigentlich unkompliziert abgelaufenden Erkrankungen. Naja, was sich daran anschließt, ist wohl dem eigenen Kind später zu erklären, warum man gegen eine Impfung mit weniger Nebenwirkungen als Komplikationen durch die Erkrankung war und warum der Sprößling halt ein paar mehr Problemchen beim Lernen hat wo doch die Enzephalititis nur 3 Wochen gedauert hat und die jahrelange Sonderförderung immer von der Steuer abgesetzt werden konnte. Es hat eben alles zwei Seiten. Man muss z.B. auch keine Blutdrucktabletten nehmen wenn man nicht will. Aber dann sollte man auch so cool sein, dass man bei der hypertensiven Herzerkrankung mit Herzinsuffizienz und erfüllten MADIT-2-Kriterien auf einen implantierbaren Defi für den Preis eines Kleinwagens verzichtet.

Guckst du auch bei Kinderdok:

http://kinderdok.myblog.de/kinderdok/art/252224852/die_schweizer_waren_s

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9 responses

2 04 2008
Anke W.

Danke für die Auflistung der Risiken. Hab den Link mal meiner Schwester geschickt, ihr Sohn ist auch ungeimpft. Zitat: „Wenns ne Impfung gegen Läuse gibt, dann soll ich mich melden, die sind schon zum 5. Mal im Kindergarten. Solange bleibt er ungeimpft“ Da hats mir echt die Sprache verschlagen! Meine Kleine ist erst 7 Monate, sie kann noch nicht geimpft werden.

3 04 2008
kinderdok

das ist ja das perverse: gegen läuse würden die leute impfen lassen, das ist nämlich „lästig“. auch mit zecken kann man im süddeutschen echt punkten – die heftigsten impfgegner wollen unbedingt eines fsme-impfung. aber die masern sind ja nur eine kinderkrankheit.

3 04 2008
emergency_doc

Naja…schwieriges Thema; leider tummeln sich auf dem Feld halt viele medizinische Laien und Wanderprediger. Dass in D für das „selbständige
Backen einer Brezel“ (süddeutsches Grundnahrungsmittel; inoffizielle Kinderwährung: „Das Brezel“) eine fünfjährige Ausbildung sein muss (3 Jahre Lehrling, 2 Jahre Meisterschule) – für das „selbständige Behandeln von Menschen“ jedoch eine Prüfung vor dem Gesundheitsamt reicht, ist komisch.

Dann ist das ja auch alles eine Sache des Standpunktes: ein Internist wird bei einer Absoluten Arrhythmie immer Richtung Marcumar tendieren. Klar…der behandelt auch die Schlaganfälle, die zum Großteil auf dieser Herzrhythmusstörung beruhen. Die Neurochirurgen, die ich kenne, halten Marcumar für „Teufelszeug“. Klar…die marcumarisierten Patienten, die von denen behandelt werden, haben Hirnblutungen… Ist halt alles eine Frage des Tellerrandes. „Sag mir Deine Meinung…und ich sag Dir, wer für Dich denkt“.

Ein gewisses Verständnis muss den „impfgegnerischen Eltern“ entgegengebracht werden, da der Informationsfluß hin und wieder von ärztlicher Seite recht spärlich ist. Klar…sprechende Medizin wird unterbezahlt und unsere Zeit ist extrem kostbar. In den Medien werden dann halt auch gerne „Sensationsfälle“ (Impfschaden, etc.) ausgeschlachtet und Laien das Bild vermittelt, dass das Risiko eine Impfschadens enorm ist. Kein Wunder, dass sich Eltern zum Teil zu „Maserparties“ treffen, um ihren Sprößlingen eine „gesunde Prägung des Immunsystems“ zu ermöglichen. An der Uni Tübingen gibt es z.B. eine ärztliche (!) Homöopathiegruppe, die Statistiken erstellt und verbreitet, mit denen das Ausbrechen von Epidemien nach Impfungen belegt werden soll und die das Impfen generell für schädlich halten. Ausserdem beruht eh alles auf der Geldgier der bösen Pharmafirmen…

Wie soll da ein Laie noch den Durchblick haben ???

Auf diese Weise vorgefestigte Meinungen können kaum revidiert werden. Dies zeigen eigene Erfahrungen bei zwei jungen Frauen (Anfang 30), die ihren Brustkrebs „alternativ“ behandeln ließen, da Chemotherapie ja so schädlich sei. Leider metastasierten beide Erkrankungen und beide sind mittlerweile verstorben. 😦

3 04 2008
Assistenzarzt

Aus diesem Grund gibts jetzt den Beitrag mit den Fakten zu Masern.
Im Übrigen sind in der DDR (bin ja ein Kind der DDR) fast alle gegen Masern geimpft worden seitdem es einen Impfstoff gab und ich habe nie jemanden in meiner Schule kennengelernt, wo die Eltern sagten, nö, das finden wir doof, er soll ruhig mal die Masern haben. Wir hatten auch nur einen Hersteller und soweit ich mich entsinne, fanden alle Eltern es als Segen, dass es eine Impfung gab. Denn die meisten dieser Eltern hatten die Masern durchgemacht und waren wenig begeistert und wollten ihre Kinder davor schützen. Soviel zu meinen Kindheitserinnerungen.

Ich denke, in den meisten Wartezimmern der Kinderärzte liegen die Broschüren der Gesundheitsämter aus. Zumindest hoffe ich das. Das fiese an den Impfgegner ist ja, dass die meisten von ihnen selbst geimpft sind als Kind, aber jetzt ihren Kindern die Impfung verwehren z.B. mit den Argumenten der bösen Hersteller. Ach ja, Coca Cola, Mars, Ferrero, McDonalds, Nintendo, RTL, Panini, Sony etc… meinen es gut mit unseren Kindern? Von denen kaufen sie die Produkte, obwohl die möglichen Schäden (Adipositas, HLP, Arteriosklerose, Diabetes Typ2, mangelnde Bewegung, fehlende Motorische Entwicklung, gestörte Sprachentwicklung…) in der Anzahl überhaupt nicht mit der niedrigen Rate an Impfkomplikationen zu vergleichen sind.
Es gibt eine Verpflichtung, dass alle MÖGLICHERWEISE auf Impfungen zurückzuführenden Komplikationen von öffentlich empfohlenen Impfungen an die Gesundheitsämter zu melden sind, die das wiederum an das PEI melden. Dort besteht eine gesetzliche Verpflichtung dem nachzugehen, damit Gefahren für die Bevölkerung abgewehrt werden. Ich habe in meinem Leben erst einmal eine möglicherweise Impfkomplikation im Akutstadium gesehen und das war bei einem Erwachsenen, der grad 2 Stunden zuvor eine Chemo plus Bisphosphonat erhalten hatte und dem impfenden Arzt dies nicht mitgeteilt hat.
Falls Kinderdok und Dr. Schütte oder noch andere Ärzte mitlesen: Was sind Ihre Erfahrungen bzgl. Impfkomplikationen, mal abgesehen von der Lokalreaktion und kurzzeitigem Fieber als generalisierte aber normale Reaktion?

5 04 2008
T

Was die klassischen Kinderkrankheiten anbelangt hat meine Mutter damals den Standpunkt vertreten das man das durchmachen muss. Und wenn ich mich an meine Kinderzeit erinnere war sie nicht die Einzige. Das ging dann nach dem Motto ‚das haben alle mal durchgemacht‘. Bei Windpocken hat sie ich wie andere Mütter auch tatsächlich zum Spielen mit Erkrankten gezwungen.
Was Masern anbelangt, erinnere ich mich noch das ich nach drei! Tagen Erkrankung von dem Arzt als nicht mehr ansteckend erklärt und zur Schule geschickt wurde. Was kein Spass war (zum einen geschwächt zum anderen wegen dem netten Exanthem gemobbt). Wieviel ich angesteckt habe weiss ich nicht mehr – es waren mindestens zwei.

5 04 2008
Assistenzarzt

Naja, ich habe aufgrund fehlender Impfungen die Windpocken, Mumps, Röteln und die anderen Kinderkrankheiten die heutzutage auch noch „impffrei“ sind durchgemacht. Ich brauchte nicht mit anderen spielen, die krank waren. Das kam auch so allein… Aber auf die ganzen Narben von den Superinfektionen bei den Windpocken könnte ich gut verzichten. Bis heute ist z.B. auch nicht geklärt, wieviel Einfluss eine Mumpsinfektion auf die spätere Fertilität hat.

Toller Arzt, den du damals hattest. Wann hat man ihm die Approbation entzogen? War ein klares Fehlverhalten mit Konsequenzen für den Schutz der Bevölkerung vor Epidemien.

Und, die Gretchenfrage: würdest du deine eigenen Kinder heutzutage impfen lassen?

6 04 2008
Anke W.

Oh ja, mein Mann hatte als Kind auch Mumps und Angst um seine Familienplanung aber die Angst war zum Glück unbegründet, ist bei ihm also nochmal gut gegangen

6 04 2008
T

Ich würde sie impfen lassen.
Um Mumps bin ich rumgekommen. Die Röteln hab ich mir damals mit ziemlicher Sicherheit bei besagten Epidemien verbreitenden Kinderarzt geholt.

28 06 2016
a

a

Masern in Meck-Pomm | Assistenzarzt

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