Ist es die da nachts um halb drei?

2 08 2008

Doc Blog brachte mich durch einen Beitrag auf das Reizthema „Patienten die sich nachts mit Bagatellen vorstellen, um sich Wartezeit zu ersparen.“ Was könnte ich  mich darüber aufregen… Ist es die da, nachts um halb drei, die dich zum Wahnsinn treibt… ja, die gehören mit dazu.

Zur Erklärung: Es gibt 3 Sorten Patienten in einem 24h-Dienst.

Sorte 1

– die wirklich krankenhausreifen Kranken. Sie kommen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Aber das ist auch egal. Da weiß man, wofür man arbeitet. Es fällt einem nicht schwer, einem zyanotischen älteren Herren mit dicken Beinen und dicken Halsvenen, nachts einen iv-Zugang zu legen und Furesis zu spritzen. Da braucht man keine besondere Motivation für. Selbst hoch fiebernde Pflegepatienten mit der x-ten Pneumonie und besorgten Kindern dabei machen einen vielleicht depressiv, weil eh schon genug Waschpatienten da sind und man sowieso keine Betten mehr hat, aber auch da weiß man, dass das nächtliche Aufstehen bzw. wachbleiben einen Sinn macht und man einen Zielauftrag hat (finde raus, was es ist und gib ne anständige Antibiose, damit er bald wieder zur Family nach Hause kann). Ich springe auch, wenn der RD kommt und eine Allergische Reaktion auf unbekannt bringt und jemand mit hochrotem Körper und dicker Zunge auf der Trage liegt. Keine Frage, das gehört in eine Notaufnahme.

Sorte 2

– die leicht Kranken oder gar nicht Kranken mit nur Angst davor schwer krank zu sein. In jeder Notaufnahme tummeln sich Infarktausschlüsse aller Art – Menschen die jemanden in der Familie haben der gerade herzkrank geworden ist, junge Leute die Angst haben vor Herzinfarkten, gestresste Mütter die ihr Herz pochen hören usw. Auch da ist es berechtigt nachzusehen und das schlimmste auszuschließen, auch wenns zuweilen nervt. Die jüngste Infarktpatientin, die ich jemals erlebt habe, war knapp über 20 und wäre fast gestorben. Es gibt also nichts, was es nicht gibt. Aber merke: Die wirklich einen Infarkt haben, werden meist vom Hausarzt geschickt, kommen zu Fuß, mit eigenem PKW oder per ÖPNV, sitzen artig mit ihren Schmerzen im Wartezimmer bis sie dran sind (was auch mal ne ganze Weile… 3 h dauern kann), dann steht auf dem EW-Schein etwas wie „V.a. Pneumonie“ oder „V.a. Schulter-Arm-Syndrom“ und wenn man sie dann befragt und untersucht (und später das Labor und EKG sieht), dann kriegt man große Augen und es muss alles sehr schnell gehen.  Also wie gesagt: LE oder aMI ausschließen ist ok auch wenns nervt.

Sorte 3

– die mit einfachen Dingen, die der Hausarzt behandeln kann und / oder die nachts kommen, weil dann die Wartezeit kurz ist. Diese Leute machen mich wahnsinnig und aggressiv. Meistens gehören sie den Baujahren zwischen 1975 und 1990 an. Gerade die Leute unter 25 haben so gut wie keine Kenntnisse über Hausmittel, über ich sag mal „das was normal ist“ oder über höfliches Verhalten. Beispiele:

1. Schnupfen seit 2 Tagen, die Nase ist zu, man kann nicht schlafen. Also geht man in die Krankenhaus-Notaufnahme so gegen Mitternacht. Folgende Antworten kamen: „Beim Hausarzt hätts so lange gedauert“ „So kann mir gleich was aus der Apotheke holen heute nacht“ (Häää? Und was war an den zwei Tagen vorher? Waren Apotheken da noch nicht erfunden?) „Ich brauch nen Krankenschein.“ „Wie, sie dürfen keine Krankenscheine ausstellen? Wieso schreiben Sie das nicht vorne dran? Dann hätte ich mir die 10 Euro auch sparen können! Dann will ich mein Geld wieder haben. Ich krieg ja nichtmal ein Rezept von ihnen!“

2. 30 Grad, blauer Himmel, Supersonnensommerwetter. Tagsüber grillen am Strand oder Badesee. Abends nach dem Grillen feststellen, die Schultern schlagen Blasen und tun weh. Also geht man in die Notaufnahme, aber erst nach Mitternacht. Antworten: „Wieso dauert das denn solang hier bei Ihnen, ich warte schon ne halbe Stunde.“ – „Wir hatten einen Schockraumpatienten, der ist doch an Ihnen vorbeigefahren, haben Sie doch gesehen.“ – „Eh echt, muss man sich hier mit nem Rettungswagen herfahren lassen, damit man nich im Wartezimmer verhungert?“. „Ich dachte, wenn man Sonnencreme nimmt, dann reicht das den Tag lang.“ „Können Sie mir nicht irgendwas spritzen, damit das weggeht?“ „Ich brauch aber ein starkes Schmerzmittel, ich bin sehr empfindlich.“ „Krieg ich kein Rezept oder sowas?“ „War das jetzt alles, das sie mir sagen, viel trinken, Quark und kalte Umschläge drauftun und Paracetamol nehmen? Dafür hab ich jetzt 10 Euro gezahlt?“ Ja, und für den Hinweis morgen zum Hausarzt zu gehen, falls es schlimmer wird und sich gefälligst an die Empfehlungen auf der Sonnencremepackung zu halten und nach Ablauf der Eigenschutz+LSF-ZEit ein T-Shirt anzuziehen.

3. Jung, grad um die zwanzig, bauchfrei sowohl T-Shirt als auch Jacke kommt mit Brennen beim Wasserlassen und dauerndem Harndrang. Seit dem Morgen. Jetzt ist es schon weit nach Mitternacht. Hausarzt? – ich hab keinen. Tagsüber zum Arzt – ging nicht weil Schule / Arbeit / Konzertkarten / äh, wie man kann auch tagsüber zum Arzt gehen? Was gibts da für 10 Euro? Nen U-Status, ein paar Ratschläge  – viel trinken, warm halten, mal was ordentliches anziehen, wo man nicht die halbe Welt südlich des Bauchnabels sieht, und eine Tbl. Cipro plus die Anweisung einige Stunden später zum Hausarzt zu gehen bzw. sich einen zu suchen und ein Rezept für selbiges Antibiotikum zu holen. Rezepte gibts nicht im Krankenhaus. Und beim nächsten mal gleich zum Hausarzt oder halt zum KÄND. Also das was Mutti auch gesagt hätte, wenn man sie mal gefragt hätte… wozu haben die alle Handy?

4. „Ich kann nicht schlucken. Seit gestern. Es tut weh. Und das Penicillin was ich seit heute nehme hat auch noch nicht geholfen. Ich will ein anderes Antibiotikum.“ – „Haben Sie es mal mit Paracetamol oder Novalgin versucht?“ – „Hä?“ – „Na gegen die Schmerzen ein Schmerzmittel nehmen.“ – „Auf’m Rezept stand nur Penicillin.“ Wieso fragt der dann nicht noch mal nach? Das tut man doch, wenn man wegen Schmerzen zum Arzt geht. Ich bin mir sicher, dass der Hausarzt ein Schmerzmittel empfohlen hat. Das machen sie alle. Aber man muss es selbst kaufen. Millionen Deutsche konsumieren Schmerzmittel in rauen Mengen. Ich treffe auf den einen, der es nicht tut… Mitten in der Nacht wohlgemerkt. Es bleibt mir nichts anderes übrig als Apotheken-Umschau oder Gesundheitsbeilage der Regionalpostille zu spielen und  über die Wirkungsweise von Antibiotika und Schmerzmitteln aufklären – eins gegen Bakterien, eins gegen den Schmerz. Zwischendurch muss ich allerdings noch zwei zyanotische Patienten vom RD übernehmen, was den jungen Herrn fast irre macht. Damit er mir nicht anfängt rumzuschreien kriegt er ne Paracetamol eingeholfen und einen großen Zettel auf dem Paracetamol steht und mit dem er 4 Stunden später zur Apotheke gehen soll um sich ne Packung zu holen. Achso und den Hinweis, dass er das Penicillin auch weiternehmen muss. Man weiß ja nie, manche Dinge scheinen sich doch nicht von alleine zu erklären.

5. Der Pickel. Nach dem Duschen bemerkte man auf exponierter Stelle (jedenfalls wenn man so einen riesigen Ausschnitt hat) einen roten Punkt, der sich offensichtlich daran machte, ein echter Pickel werden zu wollen. Was tut man da? Falsch, keinen Abdeckstift oder sowas. Man geht in die Notaufnahme so gegen halb eins. „Nee, also bis morgen früh der Hausarzt aufmacht wollte ich nicht warten. Da muss ich dann auch immer so lange warten, nur um mir sagen zu lassen, das ist nichts. Hier gehts schneller.“ Aufklärung, dass wir ein KRANKENHAUS sind und keine Ambulanz, dass die Notaufnahme da ist um die Patienten für die Stationen aufzunehmen und nicht nachts ein billiger und schneller Hausarztersatz zu sein. Das folgende Zucken der Schultern ließ meinen Blutdruck gefährlich steigen. Der Busen wird aufreizend nach vorne gestreckt, der BH lasziv entfernt. Unser RD-Praktikant kriegt rote Ohren und verschwindet schnell.  „Is denn kein zweiter Doktor da, der auch noch mal gucken kann zur Sicherheit?“ Enttäuschung, dass ich weiblich bin oder was schwingt da jetzt im Dialog mit rüber? Mich beeindruckt Cup C mit PushUp nicht im Geringsten. Schon gar nicht, wenn es zwei Etagen drüber so hohl klingt. Ich kann auch noch unseren Chirurgen holen, aber der steht auf Jungs. 🙂  Falscher Abend um mit weiblichen Reizen Doktoren beeindrucken zu wollen… Nach langer Suche finde ich dann auch den roten Punkt. Wie niedlich, so klein und will schon ein Pickel werden. Ausführliche Aufklärung, dass aus Pickeln und auch solchen, die gerade noch erst ein richtiger Pickel werden wollen, nur äußerst selten Blutvergiftungen werden, außer man drückt wild darauf herum. Sie soll beobachten und wenns schlimm wird zum Hausarzt und Hautarzt gehen. Sorry, liebe Kollegen, aber irgendwer wird als Mann mal auf den Busen gucken müssen, damit die liebe Seele ruh hat…

Was einen aber auf die Palme treibt sind Thromboseausschlüsse… Wieso geht das nicht, dass man erstmal zum Hausarzt geht, sich das Bein wickeln lässt und ein NIMH spritzen. Und am nächsten Tag, wenn der Hausarzt das D-Dimer hat, ggf. die Überweisung zum Angiologen oder Duplexkundigen Facharzt erfolgt? Und wieso wartet man mit schmerzenden Beinen aller Art immer bis abends 19.00 oder 20.00 Uhr? Weil man da vom KÄND automatisch den Transportschein kriegt egal wie jung man ist? In jedem Dienst könnte man eine Schwester alleine damit beschäftigen, nur D-Dimere abzunehmen und Beinumfänge zu messen. 90% sind unauffällig. Bei den 10% der auffälligen findet sich eine Thrombose nur in wenigen Fällen… i.d.R. sind es Zerrungen, Prellungen, Überlastungen, Angstzustände (ich bin geflogen, habe ich jetzt eine Thrombose, weil mein Sockengummi zu sehen ist in der Haut?), mal ne Bakerzyste die geplatzt ist.

Ja, und wenn man sich das alles so anguckt und erlebt und dann auf der anderen Seite sieht, wie sehr Gesundheitspostillen boomen und auch das Internet überfrachtet ist mit Ratgebern und Hausmitteltipps, dann fragt man sich, wieso manche Leute eigentlich nix, aber auch gar nix über so banale Dinge wie einen Sonnenbrand wissen. Dem Trend, aufgrund der geringen Wartezeiten mitten in der Nacht Ärzte im 24 (oder mehr) Stunden Dienst um ein paar Minuten Schlaf zu bringen, kann man aber begegnen… Triage eben, das wichtigste / die kränkesten zuerst…

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26 responses

2 08 2008
torschtl

du arme sau 🙂 warumbekommt der rd praktikant da rote ohren?? ich schau da immer extra hin 😉

2 08 2008
Danni

Ich weiß schon, warum ich nie zum Arzt gehe und gaaaaaanz lange gewartet habe, ehe ich im letzten September den Notarzt rufen ließ. Da gings mir wirklich dreckig. Aber Zähne zusammengebissen und irgendwie muss es doch gehen. Ging aber alles nicht mehr und im KH wollte mir keine Socke meine Kopfschmerzen so wirklich abnehmen und die Nackenschmerzen, och, nu stellen sie sich doch nicht so an, vom steif halten wird es nicht besser. Ok, noch mehr Zähne zusammen beissen, hat Mutti mir ja so beigebracht.
Nunja… ich kam mir schon wieder vor wie der letzte Depp, der die Ärzte nervt. Andererseits habe ich mir aber auch überlegt, dass ich vielleicht nicht genug gejammert habe.
Am Ende wars dann aber doch ne Meningitis. Puh, Glück gehabt!
Aber auch ich habe von Sonntag früh um 5 bis abends um 19 Uhr gewartet, bis ich mich ins KH habe fahren lassen. War eben sonntags und irgendwann hat mein eh schon Kopfschmerz-erfahrener Schädel gemeint, dass das nun keine Migräne und auch kein Spannungs- oder sonstwas Kopfschmerz ist, sondern eindeutig anders.

Und bitte: Toller Blog, bitte weiter so!

2 08 2008
2 08 2008
Assistenzarzt

Kopfschmerzen rechne ich zu Sorte 2… habe neulich grad einen völlig untypischen Kopfschmerz als Hirnblutung herausgefischt. Es is eben der eine von 100 der doch was hat.
Aber bei den anderen z.B. die vielen Sonnenbrände…

2 08 2008
Joekanone

Klingt alles sehr bekannt. Womöglich weil die Spasemacken glauben mit dem Rettungswagen kämen Sie im Krankenhaus schneller dran. Was Sie natürlich nicht wissen ist das es den „Supergeheimen-Augenbraue-Hochzieh- Übergabecode“ gibt.

2 08 2008
happy

hab dein kontaktformular oä nich gefunden,also hier:
hab ne nette kleine idee,
also schau doch bitte mal rein:
http://happy-s-diary.myblog.de/happy-s-diary/

2 08 2008
Petra

*lach*

Warum sollte es in der Notaufnahme auch anders zugehen als in diesem Blog? Wie heißt es so schön? Es menschelt überall…

😉

3 08 2008
Kathrin

Ich war in meinem Leben genau 2 X in der Notaufnahme: Beidesmal als Fahrer und Begleiter. Beim erste mal hat sich mein angetrauter Ehegesposter beim Abwaschen mit einem Glas das aus unerklärlichen Gründen platzte, den halben Zeigefinger incl. aller Sehnen durchtrennt, beim 2. Mal hat sich meine 89jährige Oma so dumm mit dem Schienenbein am Bettpfosten gestoßen und ca. 50cm² Haut abgeledert (so eine Sauerei!).
Auf den Gedanken mit einem Pickel (!) zum Arzt zu gehen – geschweige ins KH… *ungläubig mit dem Kopf schüttelnd*
Als 12jährige bin ich mal mit einer stark blutenden 10cm langen und fast bis auf den Knochen gehenden Platz-/Schnittwunde am Schienbein nach Fahrradsturz in die nächste Apotheke marschiert und hab nach einem Pflaster gefragt (okay, die haben mich dann zum nächsten Arzt 2 Häuser weiter getragen…)
Ich käme mir jedenfalls sehr blöd vor, Ärzte wegen irgendwelcher Lappalien von den wirklich Kranken ihre fernzuhalten.
Ich bin Jahrgang 78 und kenne mich eigentlich recht gut mit Hausmitteln aus, brauch sie gottseidank aber auch eher selten. Allerdings hatte ich letztens auch zum ersten mal im Leben eine akute Blasenentzündung – innerhalb von 90 Minuten von null auf hundert ohne Vorankündigung (wie geht sowas eigentlich?). Wenn das am Wochenende gewesen wäre, hätte ich vor Schmerzen, glaube ich, auch das KH (aber die Ambulanz, wenn ich keinen Hausarzt erreicht hätte) aufgesucht. Hätte nie gedacht, das sowas so weh tun kann…
Das mit der Thrombose versteh ich allerdings nicht, dass dich das auf die Palme bringt. Ich kann mir vorstellen, dass eben nicht jeder weiß, dass Wadenkrämpfe und dicke Beine meist eher harmlose Ursachen haben. Man hört ja immer nur Horror-Stories und dass es da eben um Minuten gehen kann. Dass eben nicht so ist – woher weiß der nicht medizinisch gebildete Normalbürger das?
Ich würde ich aufregen über wirklich Lapalien, die hätten warten können, wenn man es mit gesundem Menschenverstand betrachtet – aber nicht über Leute, die wirklich Angst haben. Die würde ich beruhigen und aufklären. Beim nächsten mal wissen sie’s dann (hoffentlich). Keine Kritik, nur ein Gedankengang eines Laien :-).

3 08 2008
Bernd

Schnell umschwenken! Internisten und Chirurgen haben (wg. diesem Sch….) eine Lebenserwartung von 60 Jahren! Radiologen leben 20 Jahre länger! Und das Fach ist auch interessant.

3 08 2008
Ludmila

Lach.
Das erinnert mich an meine einzige Fahrt mit dem Krankenwagen als Begleiter. Da war ich Jugendleiterin auf Ferienfahrt. Die 6jährige Maus fing im Schwimmbad auf einmal an zu schreien, weil ihr der Bauch wehtat. Krankenwagen wurde gerufen, weil sie sich nicht beruhigen konnte und sich nur noch zusammenkrümmte. Die Sanitäter tasteten den Bauch ab und nahmen sie mit – Verdacht auf Blinddarmentzündung. Ich durfte Händchen halten.

Zweimal haben sie der Kleinen Schmerzmittel reingepumpt, weil sie solche Schmerzen hatte. Sie sah wirklich sehr schlecht und apathisch aus. Die Ärztin im KH bereitete sofort die OP vor und ich sollte mal schauen, ob ich es schaffe mit dem Mädchen auf’s Klo zu gehen vorher.

Tja und was war?

Die Kleine kam mir dann quitschfidel entgegengehüpft. Nach dem großen Geschäft war auf einmal alles wieder gut. War wohl nur eine Verstopfung oder Blähungen.

Die Ärztin und ich haben nicht schlecht gestaunt.

3 08 2008
medizynicus

wow! Kommt mir irgendwie alles ziemlich bekannt vor… aber endlich mal jemand, der eine systematische Analyse vornimmt! Wäre doch glatt was für eine randomisierte und kontrollierte Studie….

3 08 2008
Anke W.

Das letzte Mal als ich im Krankenhaus war, ging ich da nur hin weil ich überzeugt wurde, dass es nicht das richtige Krankenhaus ist, sondern nur der (Mittwochs abends) Notdienst dort seine Räume hat. Vor Rückenschmerzen konnte ich kaum gehen, war aber mit Kind alleine zu Hause und hatte kein Voltaren da.
Man hat die Spritze gut getan 🙂

Ansonsten nur in der Schwangerschaft, da wird man ja schneller hingeschickt als einem lieb ist (ich hab ne Krankenhausphobie) und mit Baby im Arm was schreit und sich windet. Da war ich ganze 2 Mal in 5 Wochen im KH. Bin mit Fehldiagnose heim geschickt worden, kann es den Assistenzärzten dort aber nicht verübeln. In den 10 Minuten kann man kein KISS erkennen, schon garnicht, wenn man sich damit nicht beschäftigt hat bzw der Meinung hat, dass es KISS nicht gäbe *kopfschüttel*

3 08 2008
Anke W.

ist, nicht hat

3 08 2008
Doc Blog

Hmm, eigentlich ja erschreckend, daß es in vielen deutsche NA ähnlich zuzugehen scheint. Wußte auch gar nicht so recht, wie’s bei den Internisten abläuft. trotz gemeinsamer Aufnahme, aber jenseits des Vorhangs kriege ich ja (zum Glück) nix mehr mit.

Was ich noch bieten könnte, sind Zecken, damit kommen die Pat. auch zu jeder Tages- und Nachtzeit in die Chirurgische Notfallambulanz, um sich diese Dinger entfernen zu lassen. Daß man das auch selber machen kann, auf die Idee kommen die nicht.

Oder, eine Sache, die es wohl nur in der Chirurgie gibt, Opfer (zu mir kommen immer nur die Opfer, die Täter bevorzugen wohl andere Kliniken) von „Gewalttaten“, sprich prügelnde Jugendliche, die nach der Prügelei zur Polizei laufen. Weil die auch nicht zu nachtschlafender Zeit die Ohren dauervollgeheult bekommen wollen, sagen sie denen, wenn sie Verletzungen davon getragen haben, müssten sie einen Unfallbericht im KH aufnehmen lassen. Pronto, 5 Minuten später stehen sie bei mir auf der Matte, Mitternacht, 2 Uhr oder 4 Uhr nachts, da kennen die keine Gnade, immerhin hat es die Polizei doch gesagt (aber die haben nicht gesagt, sofort). Und dann haben die NICHTS! Vielleicht mal mit viel good will eine Schürfwunde oder Prellmarke…
Da gab es schon einige Wortgefechte und lautsatrke Diskussionen, genutzt haben wird es nicht viel.

Wieso gibt es keine Rezepte bei Euch? Privatrezepte sind doch immer möglich, oder?

3 08 2008
skhor

Schön beschrieben. Nur eins kannte ich so noch nicht: Dass die Leute fragen, was sie nun oder woanders für ihre 10 Euro bekommen!

3 08 2008
Unknown

Also ich weiß ja nicht aber nen Thrombose-Ausschluß zähle ich durchaus zu den Dingen die auch nachts gemacht werden müssen. Ich habe eine Bekannte mit V.A Thrombose (naja ich hatte den verdacht) mal ins KKH gefahren und sie wurde nachts noch operriert. Finde ne Embolie nicht wirklich reizend. Steh ich mit der Meinung alleine da?

4 08 2008
4 08 2008
torschtl

Unknown du hast prinzipiell recht. Wenn eine Thrombose plötzlich auftritt, dann sollte man diese auch möglichst schnell behandeln lassen. NUr wenn ich, der ja eher auf der Straße, als im KH beheimatet ist, dann jemanden von zu Hauswe abhole, der den Bolus seit 3 Tagen in der Vene hat und damit „gestern“ noch spazieren gegangen ist, dann denk ich mir halt immer „wenn er sich bis jetzt noch nicht gelöst hat, kann se ne stunde länger auch noch warten bzw die 3 meter ins auto selber auch gehen“… sowas bringt mich dann halt auf die palme

4 08 2008
Assistenzarzt

Zu den Thromboseausschlüssen:
Was mich an der Sache aufregt sind folgende Dinge
– häufig warten die Leute 2-3 Tage, an denen der Hausarzt sie hätte ansehen können, kommen dann aber abends in die Notaufnahme, ohne akute Verschlechterung, meistens forschen Schrittes und ein Teil ist dann auch noch entsetzt, wenn man sie bittet, die Hose auszuziehen, um das Bein anzusehen (die Krönung war ein Patient, der abends kam und sagte, er hätte die Nacht zuvor einen Wadenkrampf gehabt und wollte nun vor dem Schlafen nochmal schnell ausschließen lassen, dass es eine Thrombose ist, war aber tagsüber arbeiten und nicht mal auf die Idee gekommen zuerst zum Hausarzt zu gehen)
– eine D-Dimer-Bestimmung kostet in der Notaufnahme und vor allem nachts deutlich mehr als sonst
– wenn ein Patient zum Hausarzt geht und der hat den Verdacht auf eine Thrombose, z.B. US-TVT, dann wickelt er das Bein und spritzt ein niedermolekulares Heparin in therapeutischer Dosis. Was dann kommt, wird nur von einem Teil der Hausärzte kollegenfreundlich gelöst. Freundlich ist, D-Dimer bestimmen und Überweisung zum Duplex, bei Beckenvenen-TVT erfolgt KH-Einweisung, in Einzelfällen auch bei OS-TVT. Unfreundlich ist, Patienten nach Hause schicken, packen sie mal ihre Sachen, essen gut und heute nachmittag gehen sie dann ins Krankenhaus zur weiteren Untersuchung. Da kommen die dann abends an, weil nachmittag und abend is halt nich so genau zu trennen. Und haben einen riesigen Koffer dabei. Wenn wir dann für den 3fachen Preis einen D-Dimer-Wert haben (und der ist dann viel später fertig, als wenn der HA das morgens gleich abgenommen hätte und nachmittags den Wert im Laborfax hat) und einen Duplex gemacht haben mit positivem Befund US-TVT, dann schicken wir sie wieder nach Hause, mit dem riesigen Koffer. Auch eine OS-TVT ist nicht immer eine zwingende Aufnahmeindikation. Wickeln und Thrombosestrümpfe kann ambulant erfolgen. Schmerzmittel auch, hochlagern auch, NIMH spritzen auch, Ausschlussdiagnostik ebenfalls (Sono Abdomen, Gastro, Gerinnungsdiagnostik) und anschließende Einstellung auf Marcumar / Falithrom auch. Heutzutage liegt man die Thrombose nicht mehr aus, außer es ist eine Beckenvenen-TVT oder das Bein ist extrem geschwollen, dass ein Kompartment droht. Wickeln, antikoagulieren, aufstehen. So stehts im Lehrbuch. Die Kassen hauen uns zunehmend diese Fälle um die Ohren von wegen wieso stationäre Aufnahme erforderlich war und so…
– ich bin ja nun schon einige Jahre dabei und ich muss sagen, die „V.a. Thrombose“-Einweisungen haben zugenommen, aber nicht die Thrombosen. Extrem zugenommen davon haben die Selbsteinweisungen mit dieser Verdachtsdiagnose. Auffällig ist, dass die Älteren dabei in der Minderheit sind und auffällig auch, dass die älteren Leute in der Regel wissen, wie eine Thrombose aussieht (Lebenserfahrung?).
– @unknown: plötzliche Veränderungen mit Schmerzen sind ein Grund den Arzt aufzusuchen. Mich regt nur die Zunahme der Fälle auf, die seit Tagen was haben, keinen ambulanten Arzt vorher aufsuchen und wie torschtl gesagt hat auch noch mal nen schönen Spaziergang machen oder ne Radtour bevor sie in die Aufnahme kommen (sowas geht aber mit ner Thrombose nicht, die Leute laufen keine Kilometer mehr), aber dann muss alles ganz schnell gehen (was halt selten geht oder nur mitten in der Nacht). Oder die halt nur wissen wollen, ob nach dem Flug alles ok ist (ohne Beschwerden zu haben). Das blockiert uns Kapazitäten im Labor, im Duplex, in der Notaufnahme…

8 08 2008
Napoli

Die meisten kommen spät nachts, weil irgendjemand gesagt hat: Das solltest du dir mal anschauen lassen.

13 08 2008
Chris

Ach, was spricht mir dieser Beitrag aus der Seele! Solche Patienten könnte ich auch zum Mond schiessen.
Seit zwei Tagen Harnverhalt, nachts um halb drei muß man dann unbedingt ins KH; seit dem Vortag Bauchschmerzen, nachts um 2 ruft man dann den RD; Schmerzen im Bein und eigentlich vom Arzt verpflichtet, aufgrund seiner Vorerkrankungen Thrombosespritzen zu nehmen, was man aber natürlich nicht macht und lieber nachts den RD ruft; betrunken und kein Geld fürs Taxi, also RD.
Da könnte ich aus der Haut fahren! Aber diese „Patienten“ wirds wohl immer geben, leider 😦

15 08 2008
Stefan

…wenn die Patienten vorher wüssten, dass manches harmlos wäre, bräuchte es die Ärzte nicht.

Ärzte im Krankenhaus sind Dienstleister, werden für die Dienstleistung bezahlt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und diese Dienstleistung ist zu erbringen.

Leider handeln viele Ärzte nach der Maxime „Die Medizin könnte so schön sein, wenn da nicht die Patienten wären“.

Ich kann mich erinnern, dass in dem Krankenhaus in dem ich arbeitete, die Ärzte stets über ihre Bereitschaftsdienste schimpften. Als dann die Krankenhausleitung auch für Ärzte den Schichtdienst einführen wollte, brandete großer Protest auf. Klar, weil dann die Zusatzentgelte und Freizeitausgleiche der Bereitschaftsdienste dann weggefallen wären.

10 08 2011
Igor

nein, eher, weil durch die Schichtdienste man sich ziemlich kaputt macht. Irgendwann weiß man nicht mehr welcher Tag und welche Uhrzeit ist es jetzt gerade. Heute stehst du um 5 Uhr auf um mit der Frühdienst anzufangen, morgen gehst du um 9 aus der ND ins Bett.

…wenn Ärzte nur Dienstleister wären, dann würden wir pünktlich nach Hause gehen können…

Es geht nicht darum, dass wir uns darüber aufregen, dass die Patienten nervig sind. Es geht eher darum, dass du und ich mit unseren Beiträgen RD für die „Patienten“ zahlen, die einen Pflaster brauchen und zu betrunken sind um selber nach Hause zu gehen. Wissen sie wie viel kostet das Ziehen einer Zecke und der Notaufnahme ? Solche Patienten sind der Grund, wieso unsere Krankenversicherung so unverschämt teuer ist …

21 08 2008
Nightflow27

Es kam wirklich eine Dame mit einem Pickel(chen) in die NA?!?! Ich fass es nicht!! Was manchen Menschen einfällt, ist wirklich nicht zu fassen!!

Lieben Gruß,
Night

25 08 2008
carny

hmm… ich war bis jetzt *rechne* so… 3mal in der NA. Einmal Verdacht auf Menengitis, Sonntag morgens nach der Nachtschicht. Verdacht bestätigt. Einmal einen Nerv so ungünstig eingeklemmt, dass ich nicht atmen konnte. Wurde behoben (ui war der Arzt toll 🙂 ). Und einmal eine gebrochene Hand (3Finger im Unterglied jeweils gebrochen… der Assistentsarzt wollte das Röntgenbild für seine Sammlung)… damit hab ich dann 4h in der NA gesessen weil sie dachten es wäre nur verstaucht. Dabei wollte ich gar nicht in die NA, sondern mein Chef hat mich hingeschickt, nachdem ich nach dem Bruch bei ihm anrief und meinte: „Hey ich glaub ich hab mir die Hand gebrochen, ich geh in die Apotheke und hol mir Paras und dann komm ich zur Nachtschicht“.

Ansonsten haben die Berliner Orthopäden momentan den Tick, die Notfälle (aktuell bei mir gewesen letzte Woche) in die Kliniken zu schicken. Notfall im Sinne „Patient mit akuten Schmerzen, der heulend in der Praxis steht“. Ich bin dann doch lieber zu einer Chirurgin, ich kann mir vorstellen dass in den NAs zu viel los ist, als dass ich da auch noch antanzen muss.

Lange Rede und so weiter ^^
grad über den Blog gestolpert und find ihn toll 🙂

3 10 2008
holla

Hi,

eine Anmerkung zu den Zecken.

Ich bin Lehrerin in NRW und wir dürfen zB bei Klassenfahrten per Gesetz keine Zecken entfernen (Körperverletzung). Da diese Plagegeister erst abends entdeckt werden, bleibt einem der Gang in die NA nicht erspart. Was habe ich da schon unendliche Telefonate mit den ärztlichen Notdiensten geführt, „nein, dafür müssen sie in die NA!“ *tilt*. Ich finde es z.k. …

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