Assistenzarzt fragt – Teil 6

4 08 2008

Das Land ist groß, die Küste lang und länger, ein schöner Strand folgt dem nächsten. Weißer Sand, blaues Meer, blauer Himmel… Des Wochenendes einzger Trieb im Sommer bei über 30 Grad im Schatten ist die Fahrt / der Gang / die Radeltour ans Meer, ans Wasser, da wo noch Wind vom Ozean herüberweht… und es gibt Strände… wie Sand am Meer, breite, schmale, weiße, sandige, steinige… Und davon sind welche, wo man nix anhaben muss… es lebe die Freiheit und der Wachmann, der die Spanner im Gebüsch mit seinen Rottweilern begrüsst. (es folgt ein Exkurs in die Kultur des FKK, empfindliche, katholische und prüde Leute sollten hier einfach wegklicken oder drei Ave Maria beten für die kaputten Seelen der Nacktbader)

Ja, hier oben is man durchaus naturverbunden – von Boltenhagen bis Zinnowitz – und das hat nichts mit dem Nachtprogramm von RTL2 und Kabel1 zu tun. Das is halt FKK, so prüde wie die Amis oder die Bayern is hier keiner, außer den Bayern die hierherkommen. Und es geht gesittet zu und nicht so wie die Skandalstorys der televisionären Privatanstalten es gerne hätten (Vollidioten die, seitdem kommen solche verrückten Spanner hierher und glauben sie sind auf dem Thailändischen Straßenstrich… aber auch dafür gibts eine gewisse… Selbsthilfe). Am FKK trifft sich seit DDR-Zeiten die Gilde der Otto-Normalbürger genau wie Prominente, ärmere, reichere, eben ein Querschnitt der Bevölkerung wie Gott sie schuf … Aber das hat damals keinen gekümmert wer wie reich oder arm ist und tut es jetzt in den erhaltenen FKK-Reservaten-Stränden auch nicht. Da is man damals sogar mit Kollegen und Kind und Kegel hin und es hat sich keiner was bei gedacht. Da wars eher anders herum: Wer zum „Textil“ ging war irgendwie aus der Art geschlagen. Doch einen kümmerts heute immer: den prüden Bürgermeister aus dem tiefsten Bayern, der hierhergelobt wurde und der am liebsten einen großen Zaun drumrumziehen würde (damit ja nicht noch mehr es gut finden, so zu sein wie sie sind, ob alt oder jung, dick oder dünn, arm oder reich, häßlich oder schön… Tja, da is es egal, welches Markenlabel Bademode herstellt…), weil in dessen Augen FKK = Sünde und unreine Gedanken etc… Hej, ich glaub die Rate von Sex on the beach bei Strandbesuchern is bei Textil und FKK gleich. Das hat doch damit nix zu tun. Es is halt ne Frage der Kultur, des Körperbewußtseins, der Freiheit, der gesellschaftlichen Vorstellungen etc. Wie gesagt, seit ich FKK kenne (also seit dem ich auf der Welt bin), war das der Strand für Familien, Paare, Freunde… Die sind halt alle hingefahren. Das war / ist normal. FKK war überfüllt, am Textil konnte man Fußball spielen. Textil war eingegrenzt, der Rest FKK. Genau andersrum wie heute, wo die Ostseebäder-Bürgermeister die Ossi-FKKer und die wenigen Wessi-FKK-Gäste am liebsten einpferchen würden, damit die Textil-Gäste keinen Kulturschock kriegen 🙂 Die Kinder übernahmen FKK damals von den Eltern und die Kinder der Kinder heute von ihren Eltern. Deswegen sind die FKKs hier so gut besucht. Unvergessen die Sendung von Außenseiter-Spitzenreiter – ein nackter Reporter singt mit dem kompletten nackten Strand ein Weihnachtslied. Ein Teil der Ossi-Kultur eben. (Ossi is still alive!) Und die wird verteidigt. Bis heute. Und das ist gut so. (Ende des Exkurses in die ostdeutsche Seele und FKK-Kultur)

 

Tja, und da sich der FKK so großer Beliebtheit erfreut, läuft man halt Gefahr als Assistenzarzt oder -ärztin oder PJler auch mal einem Oberarzt zu begegnen, also da am Strand meine ich, wo man nix mehr anhaben muss… Wenn es hunderte FKK-Strände gibt in diesem Land und man nicht zum nächsten, auch nicht zum übernächsten sondern noch weiter fährt, weil man meint, dort inkognito zu sein weit weg von der Klinik und wo man keinen mehr sehen muss von denen … und es kommt eben noch jemand anderes, den man kennt und der vorgesetzt ist auf exakt dieselbe Idee, lieber dorthin zu fahren wo es weiter weg ist und man keinen sehen muss, den man kennt…

Das wirft Fragen auf…

Wie verhält man sich dann? „Guten Tag Herr / Frau… XY? Schönes Wetter heut. Sie auch hier? Auch den Textilstrand nich gefunden?“

Wo guckt man dann hin? Auf den Boden / Sand, aufs Meer, den blauen Himmel, ins Gesicht des Gesprächspartners…?

Und kann man demjenigen nach dieser wöchenendlichen Begegnung ganz weit weg mit nix an eigentlich im Krankenhaus dann noch unbefangen gegenübertreten? (seht ihr, was Hierarchien aus Menschen machen?)

 Wie antwortet man auf die Frage der anderen, was man am Wochenende gemacht hat? Ich war mit dem Herrn / der Frau OA nackt am Strand XYZ…?

Siehst, über sowas hab ich mir als Kind nie Gedanken gemacht, höchstens dass Papas Chef nen ganz runden Bauch hatte so dick wie ein Walross. Und auch so nen komischen Bart wie ein Walross im Gesicht…

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4 responses

4 08 2008
Erik

freundlich zunicken;ignorieren;abwarten;vergessen!

Es kann auch ne möglichkeit sein das Verhältnis zu verbessern.Also nicht a….kriecherisch sondern wer gemeinsame Interessen hat arbeitet m.M. nach besser zusammen.

5 08 2008
torschtl

„der is aber klein, herr OA“

muhahaha 😀

7 08 2008
medizynicus

Dann wünsche ich Dir auf jeden Fall einen schönen Urlaub, egal ob mit oder ohne „Textil“! (aber dafür hoffentlich ohne Oberarzt….)

10 08 2008
Anke W.

Ich kenne das so, dass man sich unterhält, als hätte man was an. Je routinierter man als FKKler ist, desto besser klappt das.

„schönes Wetter heute“ „Die Angie war beim Fußball!“

Trifft man den Chef empfehle ich trotzdem, das Weite zu suchen 😀

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