Ein gesundes Mißtrauen…

26 09 2008

… gegenüber unserer allseits präsenten Pharmalobby ist durchaus angebracht. Ich bin ja manchmal etwas spät, deswegen stieß ich erst jetzt auf einen Beitrag der Assistenzärztin, die sich über die Praktiken von Fachzeitschriften wurderte. Ich habe ja schon öfter festgestellt, dass Pharmafirmen „nur“ Werbung plazieren und „keinen“ Einfluss auf die veröffentlichten Artikel haben. Weiteres Beispiel? Supplement Allergien der DMW aus diesem Sommer. Klingt alles toll, nur dass man z.B. vergessen hat, dass es noch Mittelchen wie topische Steroide gibt und andere Antihistaminika als Xusal. Das schlimmste ist, dass ich für solche -man könnte schon fast meinen gefakte – Artikel auch noch einen Haufen Geld bezahle (auch wenn ich’s von der Steuer absetzen kann), aber die Verlage noch dazu die Hand aufhalten wenn es um die Annoncen der Pharmafirmen geht. Beim „Internist“ berappe ich wenigstens nur die Gebühr für die DGIM.

Ich wäre bereit, mehr Geld auszugeben, wenn ich wüsste, dass es eine hochqualitative Fachzeitschrift gäbe, die ohne Werbung von Pharmafirmen arbeitet und sich nicht durch die Pharmas  bestechen beeinflussen lässt in der Entscheidung, welche Artikel erscheinen und welche nicht sondern nur eine Gruppe Reviewer dran sitzt, die keinerlei Studien für Pharmafirmen machen bzw. auch mal den Arsch in der Hose haben zu sagen, das Medikament ist Schrott, auch wenn ihr mich für die Studie angestellt habt.

Wie will man bei solchen Praktiken etwas zustande kriegen was Evidence Based Medicine heißt? Und wieder bin ich an der Stelle, wo ich sage: Wem soll ich als Arzt noch glauben???

Was fehlt ist eine Art Watchblog genau wie das Bildblog nur dass es auf medizinische Fachzeitschriften abzielt, mit der gleichen Akribie und Qualität arbeitet und die gleiche Popularität erlangt.

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4 responses

26 09 2008
CUB dude

Was ist denn vom Arzneimittel-Telegramm zu halten?

26 09 2008
niels

Ich selbst kann nicht beurteilen, wie fachlich fundiert das ist, aber hier watchbloggt einer zu dem Thema.

27 09 2008
emergency_doc

Also ich hab das Arzneimittel-Telegramm seit 1994 abonniert und bin nach wie vor davon begeistert. Sämtliche „Arzneimittel-Skandale“ (von Lipobay über Vioxx bis Rimonabant) – der Abonnent war monatelang vorher informiert. Das alle zwei Jahr erscheinende „Arzneimittel-Kursbuch“ ist zwar echt teuer (rund EUR 130.-), aber eine echte Entscheidungshilfe. Mir hat´s als Klinikarzt immer Spass gemacht, die „Pharmas“ mit den letzten Infos des Arzeimittel-Telegramms zu ärgern. Witzigerweise haben die -ohne Ausnahme- immer behauptet, die aktuellen Veröffentlichungen zu ihren Produkten nicht gelesen zu haben. Ich hab mir dann immer die „Mühe“ gemacht und ihnen den Artikel ausgedruckt 🙂

Kurzum…man merkt, dass ich von den „Berliner Jungs“ recht überzeugt bin und ich kann´s jedem nur warm empfehlen.

22 10 2008
Rob

Noch gewiefteres Pharma-Marketing. Seeding Trials

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