Winnenden 11.3.2009

11 03 2009

Es ist einfach nur Fassungslosigkeit, die ich spüre seitdem ich eben auf der Seite der Tagesschau war. 

http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=4600618/9ja3jt/index.html

Warum? Warum hat er das getan? Und warum muss man 16 Waffen im Haus haben? Ich hab nicht mal eine.

Manchmal, besonders nachts, wenn die Alkoholisierten oder psychisch Auffälligen die Notaufnahme bevölkern oder wenn aufgebrachte Angehörige symbolisch die Hand gegen mich oder jemand anderen in der Klinik erheben, dann habe ich genau vor so etwas Angst und mich überkommt ein mulmiges Gefühl. Du kannst eben nicht in die Psyche eines Menschen hineinsehen, nicht mal als Arzt.

Am Ende steht bestimmt wieder überall zu lesen „er wollte ein Ende mit Knalleffekt“ oder so ähnlich. Und irgendwer wird wieder ein Internetforum auftun, in dem er es angekündigt hat oder es zumindest erkennbar war. Und irgendein Journalist wird wieder Mitschüler befragen, die über einen zurückgezogenen, schüchternen Waffen- oder Armeefreak berichten, der Computerspiele und virtuelle Welten liebte. Und danach werden wieder Experten streiten, ob sowas denn nun Gewalt gegen Unschuldige fördert oder nicht. Psychologen werden bei Maischberger oder einer ähnlichen bedauerlicherweise gebührenfinanzierten unnötigen Talkshow  Täterprofile erörtern und über Kränkungen im Teenageralter und Machtphantasien und Rachegefühle diskutieren. Am Ende wird sich ein Vater oder eine Mutter eines getöteten Kindes melden, der / die beklagt, dass nichts getan wird. Und leider damit recht haben. Viel getan hat sich nicht seit Erfurt oder Finnland, die uns wesentlich näher sind als die USA. Was muss noch alles passieren?

Was kinderdok denkt:

http://kinderdok.myblog.de/kinderdok/art/302731640/alles-verblasst#comm

 

Update am 12.03.09:

Der SWR und die Polizei veröffentlichten heute neueste Erkenntnisse:
Die Überschrift: „Amokläufer spielte Killerspiele am PC„.
Im Text: „Der Amokläufer habe sich in letzter Zeit viel mit Killerspielen beschäftigt. Zu seinen Hobbys gehörte auch das Schießen mit Softairwaffen […]“,
Nach bisherigen Erkenntnissen hatte sich der ehemalige Schüler Tim K. die Tatwaffe aus dem Schlafzimmer des Vaters, der Mitglied in einem Schützenverein ist, entwendet.“ ,
„[…]dass der Vater hier nachlässig war, was das Verwahren dieser einen Waffe anbelangt[…]“,
„Ein großer Teil der Munition sei im Haus nicht verschlossen gewesen[…]“
und bei tagesschau.de heißt es „Journalisten und Neugierige wollen Internet-Profile des Täters aufspüren.“ Auf der verlinkten Seite finden sich diverse Videoausschnitte der Tagesschau. Wer den vollständigen Namen des Täters wissen will, ist dort an der richtigen Stelle. Ein Mitschnitt aus dem ARD Brennpunkt von gestern abend zeigt kurz Zeitungsausschnitte aus dem letzten Sommer, auf denen der ganze Nachname sichtbar ist. BILD ist da nicht so zurückhaltend, die drucken ihn heute groß ab.
Auf der Pressekonferenz berichtet die Polizei, dass es einen Chatroom gegeben hat, in dem die Tat in der Nacht zuvor angekündigt wurde. Tim K. war seit fast 2 Jahren wegen Depressionen in Behandlung, teils auch stationär und sollte in der Klinik weiterbetreut werden, wo er gestern einen Mitarbeiter tötete. Er war regelmäßig Gast im Schützenverein, in dem sein Vater Mitglied war. Selbiger war stolz darauf, dass sein Sohn das gleiche Hobby hatte. Zuhause lagerten 4700 Schuss Munition. Erklär mir mal einer, wozu man soviel Munition im Hause braucht?

Es ist erschreckend, wie nah ich mit meiner o.g. gestrigen Mutmaßung an der Realität dran war.

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10 responses

11 03 2009
Beate

Ich denke ein sehr wichtiger Punkt ist der „Und warum muss man 18 Waffen im Haus haben? Ich hab nicht mal eine.“ Und wieso kam er da ran? Was ist da bisher zu Hause gelaufen?

12 03 2009
Chris

Echt traurig sowas. Vor allem, wenn es so viele Unschuldige trifft. Letztlich kann es für uns jederzeit vorbei sein. Man geht nichts ahnend spazieren und plötzlich kommt einem ein Typ in schwarzem Kampfanzug entgegen und feuert einfach. Bumm. Fertig. Was geht in solchen Menschen vor???

Wir haben da auch eben mal auf der Wache drüber gesprochen. In der Nähe von Stuttgart mag das ja vielleicht gut funktionieren, dass da direkt Polizei ohne Ende anrückt und eventuell schlimmeres verhindert. Aber bei uns auf dem Land??? Wir haben hier in der Gegend ganze 2 Streifenwagen, die aber auch rund 10 min entfernt stehen und bis weitere kommen dauerts dann auch nochmal mindestens 15 Minuten. Die nächste Polizeibereitschaft ist gut 30 min entfernt. Ähnlich siehts bei den Rettungskräften aus. Da würden wir dann allein mit unserem RTW am Schulzentrum stehen und einfach warten? Denn ohne Polizei würde ich da bestimmt nicht reingehen.
Da bekommt man echt Schiss!

12 03 2009
Denis

Am Ende wird man doch nur wieder versuchen das „Problem“ mit irgendwelchen Gesetzen in den Griff zu bekommen, anstatt sich mal ein wenig mehr für die Menschen die einen umgeben zu interessieren. Im nachhinein sagen die meisten das der Amokläufer ja schon ein Sonderling und Außenseiter war (oder dazu gemacht wurde) und keine Freunde hatte, nur, danach nutzt das keinem mehr was.

Mein Beileid gilt den Angehörigen und Freunden der Opfer aber man muß eben auch der Tatsache ins Auge sehen das sich solche Taten in einer freiheitlichen Grundordnung nie verhindern lassen werden.

12 03 2009
RettAss

Thema Waffengestz:
Der Typ kam an den Ballermann ran, da Vati wohl nicht den Safe abgeschlossen hatte. Tatsache ist, dass seit einiger Zeit Waffen in einem Safe gelagert werden müssen, der min. 200 Kilo wiegt oder fest mit dem Boden verschraubt ist. Zusätzlich muss die Munition getrennt gelagert werden.
Mein Papa hatte auch eine Zeit lang eine Waffe, auch als ich noch im Kindesalter war. Aber die Munition war IMMER im Safe in der Bank. Also keine Chance ran zukommen. Selbst die Polizeigewerkschaft sagt ja schon, dass das Waffengesetzt mehr als ausreichend ist. Der einzige Fehler ist der Mensch.
Es wird immer wieder solche Taten geben. Und wenn Killerspiele verboten werden sollten, dann bitte auch Kampfsportarten wie Boxen als Beispiel. Da fügen sich die Kontrahenten nicht nur virtuelle Verletzungen zu….

12 03 2009
RettAss

Wer Rechtschraibfeelää findet darf sie behalten. 🙂

12 03 2009
Jogurtbecher

Es ist traurig das die Reaktionen immer gleich sind. Endlosen Entsetzen, Trauer Wut und Mitleid. Dann wird kurz über die wirkliche Probleme geredet (Gesellschaft mitschuld, auschließen von Jugendlichen, Mobbing, Demütigung) und kaum 24h danach ist das einzig beherrschende Thema: Internet, „Killerspiele“. Wie immer. Bloß nicht wirklich was unternehmen.

13 03 2009
gr3if

Ach du Scheiße.. Zumal der zweite Amoklauf in den Usa am selben Tag total untergegangen ist.

Letzendlich finde ich es erschreckend wie schnell versucht wird Strukturelle Probleme unter den Tisch zu kehren. Das Waffengesetz ist ausreichen und auch der Schutz von Kindern vor Computerspielen ist ausreichend, solange die Eltern einen gewissen Kontakt zu dem Menschen haben.

Das was hier großteilig nicht stimmt ist die soziale Komponente. Sowojl vom Staat aus, als auch bei den Eltern. Kein Kind kommt von alleine auf die Idee Gewalt auszuüben…
Da muss immer mehr hinterstecken. Allerdings wird die Debatte darüber nicht aufkommen und wie soll ich sagen: Killerspiele und Einzelschicksal werden die Erklärung werden.

Das kann es doch nicht sein…..

13 03 2009
Armin

Killerspiele sind eigentlich immer zutreffend, da es wohl keinen männlichen Jugendlichen gibt der so was auf seinem Rechner hat. Würde es einen Zusammenhang zwischen Killerspielen und Amokläufen geben, müsste die Anzahl der Amokläufe in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen sein, nach den Verkaufszahlen der sogenannten Killerspiele zu urteilen.
Das Problem in diesem Fall sehe ich eher in dem verantwortungslosen Verhalten des Vaters. Erstens hat er die Tatwaffe nicht im Safe aufbewahrt wie es sein müsste und zweitens war es seinem Sohn möglich an über Hundert Schuss Munition zu kommen (Papa hat ja nach Berichten 4600 Schuss Munition daheim gelagert – Frag mich nur für was – den 3. Weltkrieg?).
Das Waffengesetz muss dahin gehend geändert werden das es strikt untersagt ist Waffen und Munition in der gleichen Lokalität zu lagern, die Munition im am Besten im Schützenhaus, dann wird jedem Schützen ein bestimmtes Kontigent an Munition zur Verfügung gestellt und über jeden abgefeuerten Schuss muss Rechenschaft abgelegt werden.

13 03 2009
Assistenzarzt

Ja, bei der Verwendung von Betäubungsmitteln im OP muss wesentlich mehr und gut dokumentierte Rechenschaft abgelegt werden als beim Kauf oder der Verwendung von Munition. Ich halte in diesem Falle Btm für weniger gefährlich für andere, unbeteiligte Menschen. Den Vorschlag find ich gut mit dem Kontigent an Munition und so weiter.

14 03 2009
RettAss

Waffen und Munition müssen jetzt auch schon getrennt gelagert werden. @ Armin

Bei der Lagerung im Schützenhaus sehe ich nur das Problem, dass natürlich solche Gebäude bevorzugt zum Einbruchsziel werden.

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