Schwund im Krankenhaus

13 03 2009

Im Krankenhaus kann ja alles mögliche (ver)schwinden: Ärzte, Schwestern, Arbeitszeitgesetze,…

Es gibt aber Dinge, die schwinden definitiv in jedem Krankenhaus. Dazu gehören in aller erster Linie Löffel. Ja, diese kleinen Teelöffel, die man zum Kaffeeumrühren Puddinglöffeln etc. nimmt. Es gibt eine strikte Trennung zwischen Patientenbesteck und Personalbesteck  / geschirr. Das erste geht in die zentralen Einrichtungen in riesige Waschmaschinen, das letztere in die stationseigene Teeküche. Was das Personal angeht: da geht kaum ein Löffel verloren. Aber bei den Patientenlöffeln kommen hinten immer weniger raus als vorne reingingen. Das ist wie im Hotel. Da wird ja auch alles mitgenommen vom Aschenbecher bis zum Bademantel. Deswegen sind die meisten Hotels dazu übergegangen, dass man sie kaufen kann / muss und Bademäntel im Zimmer… habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Aber mal ehrlich: wieso nimmt jemand diese billigen Krankenhaus-Alu-Teelöffel mit? Die sind ästhetisch nicht grad hübsch, liegen mittelmäßig in der Hand und vor allem: Sie sind aus dem Krankenhaus. Gibt ja die Regel, dass man keine Blumen mit aus dem Krankenhaus nach Hause nehmen sollte, weils Unglück bringt. Ist das mit Teelöffeln was anderes? Wir hatten Leute, da haben die Schwestern aus dem Nachttisch eine halbe Besteckschublade geborgen bei Entlassung oder sie wurden gleich dabei beobachtet, wie der Löffel ins private Abteil wanderte…

An zweiter Stelle der Schwund-Liste stehen glaube ich Handtücher und Bademäntel. Beides ist eher zweckmäßig als schön, meist schon leicht verschlissen und naja… auch aus dem Krankenhaus, riecht eben auch so und nicht nach Lenor. Für mich ist Krankenhaus was anderes als ein Hotel. Im Hotel macht man Urlaub, ist meist frohen Sinnes, etc. Im Krankenhaus ist man krank. Da nehm ich doch keine Andenken mit! Oder doch? Ich meine, wer packt sich schon 3 oder 4 Krankenhaus-Handtücher ein? Für was braucht man das? Jeder strebt doch nach dem zuhause-Gefühl mit eigener Wäsche und so. Nehmen die das für die Meerschweinchen der Enkel oder so?

Es gibt ganz wenige Ausnahmen, da bringt uns später ein Angehöriger noch was zurück, was aus Versehen mitging oder aus zweckmäßigen Gründen mitgegeben werden musste, sogar ausgewaschen. Das finde ich anständig und höflich. Is aber wie gesagt selten.

Am dreistesten sind aber die, die Oma mit Stationsrollstuhl nach unten zum Auto fahren, Oma einladen, den Rollstuhl auch, obwohl ganz groß die Station draufsteht. Und hinterher von nix wissen. Es sei gesagt, dass in den Eingangsbereichen inzwischen in fast jedem Krankenhaus Überwachungskameras sind… ein Rollstuhl auf Rezept kostet 10 Euro soweit ich weiß an Zuzahlung. Keiner von uns verwehrt in solchen Fällen Rezepte, wenn wir gefragt werden. Aber dem Krankenhaus entstehen 700 Euro Schaden, den wir uns von der Versicherung holen müssen, weil Anzeigen nix bringen und eine schlechte Publicity machen. Auch wenn wir wissen wer der Dieb ist. Geleugnet wirds immer… auch wenn Oma durchs Viertel geschoben wird im Rollstuhl, der da heißt „Station XY“…

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13 responses

13 03 2009
Physioblogger

Ein Freund von mir arbeitet bei audi in der Montage..frag den mal was da so alles wegkommt…

Werkzeuge im wert von mehreren tausend Euro…
Reifen, ganze Felgensätze……
Druckschläuche…..

Und ganz viele einbauteile die man halt als Hobbybastler verwenden kann an seinem audi….

Das ist echt die Härte…

er sagte noch:

Bei uns gibt es eingangskontrollen und Ausgangskontrollen sowie unangekündigte Taschen und Spindkontrollen…

ist aber ja in einem Krankenhaus glaube ich nicht gut…..solange es nur teelöffel sind….aber mit dem Rollstuhlklau hört der Spaß definitiv auf!!

Gruß:

Physioblogger

13 03 2009
Sylvia

@physioblogger

Ich errinnere mich noch an meine Zeit bei BMW. Ich glaub ich hätte ein komplettes Auto mitnehmen können und es währ keinem aufgefallen. Man muss nur so tun als müsste es so sein.

Gruß

13 03 2009
Hootch

Das mit den Löffeln ist einfach: Die landen meist im Müll. Wenn’s einem nicht selbst gehört, wird doch kaum drauf geachtet, ob im Puddingbecher noch ein Löffel drin ist oder nicht. Hauptsache, der Tisch ist aufgeräumt. Oder es passiert aus Versehen.

Handtücher und Bademäntel? Na ja… ich kann mir schon vorstellen, dass es Leute gibt, die sich sowas nicht leisten können, und es deshalb klauen. Aber: Platz zwei?!? Ich weiß nicht… da würde ich am ehesten dazu tendieren, der Wäscherei die Schuld zu geben.

Rollstühle? Dreist und frech! Wenn ich jemanden, der seine Ommi auf ’nem „C3b*“-Rolli durch die Gegend fahren sähe, dann hielte ich ihn an und riefe die Polizei. Und wer zahlt sowas? Wir alle!

Grüße!

*) Steht stellvertretend für jeden Stationsnamen.

13 03 2009
dienstarzt

Vergnüglicher Blog. Habe mir erlaubt einen Link zu setzen. Herzliche Grüsse

13 03 2009
kinderdok

bei mir kommen die leute immer mit den babys an, die dann frech auf den weissen handtüchern der entbindungsklinik liegen. da verkneife ich mir dann auch keinen kommentar – freche antwort „die gabs bei der entlassung dazu“ .
boah ey, echt!

13 03 2009
medizynicus

Bei uns kursierte mal die Geschichte von einem, ich sage mal „Rettungsdienst-Franze“ (ich weiss nicht mehr, was sein richtiger Vorname war). Der hat sich im Laufe seiner Dienstzeit so nach und nach das Inventar für seinen privaten Rettungswagen zusammengeklaut, mal hier ein Stethoskop, dann da ein Defi und dort ein EKG. Und als er dann schließlich doch irgendwann einmal gefeuert wurde, hat er eine Firma aufgemacht und bei Fussballspielen und Veranstaltungen private San-Dienstleistungen angeboten…
Aber das war lange vor meiner Zeit und den Wahrheitsgehalt der Geschichte kann ich leider nicht überprüfen.

13 03 2009
Blogolade

Löffel? Ja, kann ich mir vorstellen. Einerseits Müll andererseits haben manchen Menschen da wirklich Sammelwut und ersetzen die Löffel, die bei ihnen zuhause abhanden kommen.

zu Punkt 2: im Krankenhaus gibts Bademäntel? Scheinbar nur für Privatpatienten. Handtücher habe ich auch schon gesehen. Aber mit hässlichem Eddingstationsnamen brauche ich das nicht. Andere scheinbar schon.

Rollstühle: Tauchen vielleicht irgendwann mal im Fundbüro auf. Fragt da mal nach, ich kenne jemanden, der die da gerne ersteigert. Aber ohne C3b drauf. Für die Transport auf der Station kenne ich nur die Dinger mit 4 gleich großen Rädern, die an der kleinsten Teppichkante gleich vornüber kippen und absolut ungeeignet außerhalb glatter Krankenhausflure ist.

14 03 2009
EarlMobile

Klar, es gibt auch Bademäntel, wenn der Patient keinen dabei hat. Ebenso Haartrockner und Rasierer (zumindest war das bei uns auf der Palliativstation so).

Bei uns wurden immer Windeln geklaut. Sind ja auch ungemein praktisch. Damit Opa auch daheim gut versorgt ist.

14 03 2009
Assistenzarzt

Bademäntel: gibts nicht in jedem Krankenhaus. Und natürlich nicht gleich bei Anmeldung frei weg für jeden sondern nur im Bedarfsfall wenn gebraucht und noch keine Sachen da bei Notfällen. Manche werden vom RD ja nur mit Nachthemd und Schlüpfer gebracht oder z.B. nach Unfällen, wenn die Kleidung aufgeschnitten werden musste oder total vollgeblutet ist.

Babys: Es gibt inzwischen Geburtskliniken, die geben jedem Säugling einen Strampler mit wo dann drauf steht „Ich kam zur Welt im XY-Hospital“ oder so.

Ich glaube, in den wenigsten Fällen nehmen es Leute mit, die es sich nicht leisten können. Da haben wir eine Kleiderkammer oder an manchen Krankenhäusern gibt es Fonds und Vereine, die da helfen. Ich denke, am häufigsten ist so die Mentalität „gehört doch eh keinem wirklich“ und dann wanderts in die Tasche. Dumm nur, wenn die offene Tasche in der Visite gut einsehbar ist. Da bin ich mir auch nicht zu schade, eine peinliche Situation zu schaffen, denn die Wäscherei zählt ja generell und rechnet ab mit dem Klinikum und wenn Input nicht gleich Output ist, dann zahlt das Klinikum die Differenz.
Mal abgesehen davon, dass man das nicht macht. Ich weiß ja, dass nicht jeder ne gute Erziehung genießen durfte und es manchen schwer fällt Recht und Unrecht oder richtig und falsch voneinander zu unterscheiden… Das sind doch die gleichen, die irgendwo vorbeigehen und da zieht jemand um, irgendwas steht auf der Straße und dann gleich nicht mehr. So wars hier bei unseren Nachbarn. Die haben ihre 6jährige daneben gestellt und man kann wohl froh sein, dass die nur den Wäschekorb mitgenommen haben obwohl das Kind laut geschrien hat und gleich alle Nachbarn, Eltern und Umzugshelfer rausstürzten… Oder die gleichen, die einem auf Weiterbildungen aus dem Beutel Springer-Bücher klauen, die man von einem Pharmastand geschenkt bekommen hat und wo man das vorletzte abbekommen hat. Man stellt es im Beutel versteckt auf seinen Platz, geht aufs Klo, kommt wieder und sollte froh sein, wenn die Kursunterlagen, die im Preis inbegriffen sind) noch unversehrt da liegen… Beim Pizzablog gabs vor nem Jahr auch mal einen Beitrag über Aschenbecher und Gläser, die einfach so verschwinden…

15 03 2009
hostmam

Geschichten aus der Uniklinik: hier verschwinden regelmäßig angepasste private Rollstühle, die z.B. vor Toiletten oder engen Umkleideräumen (Röntgen etc) stehen. Da gibt es dann immer (meist erfolglose) Suchanzeigen im hauseigenen Intranet.
Wer braucht so einen Spezialrollstuhl?
Rettungsdienst: das Ausrüstung während des Einsatzes aus dem offenen Wagen geklaut wird, ist ja das eine – manchmal eben auch der ganze Wagen. s.hier: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/dieb-entwendet-rettungswagen-im-einsatz–12659892.html
Suche bei gughle nach „Rettungswagen + gestohlen“ ergibt über 14.000 Meldungen.

Da sind Teelöffel ärgerlich und nervig aber haben noch eine andere Qualität….

15 03 2009
lukrezia

Das ist so wahr. MIch wundert auch dass manchmal diese furchtbaren Krankenhaushemden mitgenommen werden? Was tut man damit? Anziehen wohl kaum. Man ist normalerweise ja froh wenn man Nachthemden anziehen kann die hinten zu sind.
Ganze Bettwäschesets haben die schon mitgenommen. Wir hatten auch schon den Fall dass nicht nur die Bezüge weg waren sondern auch Stepdecke und Kissen. Unklar! Und als ob man das nicht nachvollziehen könnte wer das dann war. Das wirft ja gleich ein Licht auf denjenigen……*kopfschüttel*

lg

15 03 2009
energieausweis

Die Krankenhaushemden tauchen immer gerne auf diversen Studentenfaschingsfestivitäten auf…ich denke, dass liegt an der hüftabwärtigen Freiheit des Kostüms

17 03 2009
Jogurtbecher

Tja das ist eine Mentalität die im Krankenhaus viel zu beobachten ist.
Man hat ja gezahlt durch immense Kassenbeiträge. Diese Argument kommt übrigens meist von Leuten die von Harz4 leben.

Also wird alles verschlampt oder mitgenommen was nur geht. Angebrochene Wasserflasche die noch 4/5 voll ist. Weg damit die ist doch von gestern. Handtücher, Creme, Medikamente usw. alles wird mitgenommen.
Aber richtig teuer sind eigentlich die Dienstleistungen die geschnorrt werden. Eincremen, anziehen, massieren, Kaffee bringen aber bitte alles vom Pflegepersonal. Bloß nicht selber mal den riesen Arsch hochbekommen.

Gott sei dank ist es nicht die Mehrheit.

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