Das liebe Geld…

30 05 2009

Ich habe ja immer gedacht, mit der Abschaffung des BAT und der Einführung des Tarif Ärzte seien die Ungerechtigkeiten beseitigt. Sind sie nicht.

Ungerechtigkeiten meint: Im BAT gings nach Lebensalter mit dem  Grundgehalt. Das heißt, die Ärztin, die mit 30 kurz vorm Facharzt stand (12-Klassen-Abi, kein Zivildienst, Regelstudienzeit) bekam weniger Geld als der Anfänger mit 31 (Zivildienst, Auslands-Sabbatical-Jahr, 13-Klassen-Abi, Auslandssemester, Urlaubssemester, Ehrenrunde vorm Physikum etc.)verheiratet und mit Kindern. Nach dem Tarif Ärzte gehts nach Dienstjahren.

Aber jetzt bekam ich mit, dass meine Kollegin, die weniger Dienste pro Monat macht als ich und Kinder hat und immer pünktlich nach Hause geht wegen Kindergarten und mir die halbe Stationsarbeit liegen lässt, mehr kriegt als ich. Und das find ich ungerecht. Wieso muss ich als kinderlose mehr Dienste machen als sie und immer länger bleiben, was sie nie macht (is doch schön, wenn man dafür auch noch oberärztliche Deckung hat) und ihr Zeugs abarbeiten und krieg dafür noch weniger Geld?  Weils so ist. Ja, natürlich nervt mich das, vor allem weils über 400 Euro sind. Das Geld hätte ich auch gern, dann könnte ich mir meine Träume viel schneller erfüllen. Aber es is nicht so, deswegen werden jetzt andere Sitten aufgezogen auf Station. Irgendwo muss ich ja anfangen. Also am besten da wo die Ungerechtigkeit anfängt: Bei der Arbeitsaufteilung…

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12 responses

30 05 2009
S.

Das hat doch aber nichts mit dem Tarif zu tun, sondern eher mit der anderen Steuerklasse?
Vermutlich bekommt sie auch das Kindergeld zusammen mit ihrem Lohn von der Klinik ausgezahlt – das ist bei mir so, und macht natürlich auch nochmal ein Extra aus.

Ich glaube, über den Tarif an sich gibt es nicht so viel zu meckern.

Aber ungleiche Dienstaufteilung – DAS ist ungerecht!

Liebe Grüße, S.

30 05 2009
Malte Diedrich

Das konkrete Problem (bis auf die Dienstaufteilung) lässt sich vermutlich wirklich ganz gut wie von S. beschrieben erklären.
Allerdings ist das dahinterliegende Problem ja ein viel grösseres: Die Struktur der Vergütung lässt eine Differenzierung über Bezahlung nicht gut. Die extrem gute Brust-Operateurin an der der Klinik meiner Freundin bekommt genauso viel Geld wie der grobe „Schlachter“… Gerecht kann ich das nicht finden.

30 05 2009
Isto

Ungleiche Dienstaufteilung so wie du es beschreibst ist zutiefst ungerecht. Wie das bei euch Ärzten mit den Tarifzahlungen ist, kann ich nicht beurteilen.

Aber bei uns ist das so, dass sich die „Oberen“ grundsätzlich bei der Vergabe von Extra-Diensten doch immer die Leute aussuchen, die den geringsten Widerstand bieten und nicht „Nein“ sagen können.

Und das läuft immer so.

31 05 2009
Petra

Mal von der „menschlichen“ (Zeit/Geld für Kinder) Seite abgesehen: da steckt immer auch der Gedanke dahinter, dass diese Kinder mal „uns“ finanzieren müssen.

Dazu macht es Sinn, sie nicht von Anfang an auf unterstem finanziellen Niveau zu halten und ihnen ein akzeptables soziales Umfeld zu verschaffen („ich kenne meine Mami, ab und zu hat sie Zeit für mich!“). Und es macht Sinn, Anreize zum Kinderkriegen auch in den höheren Schichten zu schaffen.
Daher all die steuerlichen Begünstigungen, Kindergeld etc.

Ich vermute die Einstellung der Verantwortlichen hier beruht sicherlich auch auf einem dieser Gedanken; und sei es „nur“ der menschliche 😉

31 05 2009
Assistenzarzt

Mag ja sein. Aber wenn ich immer mehr Dienste mache wie die anderen noch-kinderlosen und Überstunden mache während andere sich pünktlich verabschieden, wie soll ich dann jemals dazu kommen Kinder in die Welt zu setzen? Ist mein Privatleben weniger wichtig? Das hieße, dass Leute, die aus welchen Gründen auch immer – wohlmöglich ungewollt – kinderlos bleiben, immer mehr Überstunden machen müssen und mehr Dienste – is das nicht ne Strafe?

Das mit dem Kindergeld mag stimmen. Daran hab ich nicht gedacht. Steuerklassen – macht das soviel aus?

31 05 2009
Malte Diedrich

Kindergeld sind pro Kind 164,-€, bzw eine Steuerermäßigung, wenn das günstiger für die Eltern ist (das prüft das Finanzamt automatisch). Unterschiedliche Steuerklassen lohnen sich wiederum enorm, wenn der andere Ehepartner nicht arbeitet oder wesentlich weniger verdient (so mal ganz grob gesagt). Das sind mit 1 Kind und einem Monatseinkommen von 3600,-€ schon mehr als 400,-€
Und Petra, nur um mal einen Gedankenfehler aufzunehmen: Die Altersversorgung bei Ärzten ist kein Umlageverfahren, sondern funktioniert über Kapitaldeckung. Das ist nix mit „uns finanzieren“.

1 06 2009
Petra

Malte,
theoretisch läuft es so ja auch mit Arbeitslosengeld… man zahlt ein, man bekommt es wieder. Aber wie lange reicht’s? Da siehst du die Schwächen sofort.

Ich selbst bin auf in der Schiene Beamtin des höheren Dienstes, auch da „passt“ theoretisch alles ohne Kinder. Dennoch gibt es auch hier Vorteile für jene mit Kindern, die sich auch mit entsprechendem Weitblick sehr gut begründen lassen:

Kinder (egal ob von Ärzten, Beamten oder anderen) müssen alle jene finanzieren, die das einmal selbst nicht mehr können, und das passiert leicht, da a) Geld immer weniger wert wird aufgrund von Inflation etc. und b) da es immer mehr alte Menschen geben wird.

Sorry, ich sehe da keinen Gedankenfehler, sondern nur das Ganze zu Ende gedacht.

1 06 2009
Malte Diedrich

Wir sind zum Glück seit ein paar Jahrzehnten weg von der Notwendigkeit, Kinder als Altersvorsorge zu haben, sowohl persönlich, als auch als Gesellschaft. Kinder sind immer (und das ist auch gut so) eine private Entscheidung. Warum andere deswegen länger arbeiten müssen, kann ich nicht nachvollziehen.

1 06 2009
Petra

Malte, du glaubst ernsthaft, dass es jetzt so funktioniert (und/oder irgendwann so funktionieren wird) dass *jeder* einfach ausreichend arbeitet, und davon genug Geld zurücklegt von dem er dann 20 Jahre lang leben kann (einschließlich Pflegekosten)?

Darf ich fragen, wie du darauf kommst? Das widerspricht doch allem was gang und gäbe und auch überhaupt denkbar ist?

Ich hoffe das klingt jetzt nicht scharf, es soll kein Angriff sein, nur ein Infragestellen, denn es würde mich interessieren wie so eine kühne Theorie zustande kommt.

@Assistenzarzt: Ich glaube der Gesetzgeber geht davon aus dass es schneller geht, ein Kind zu bekommen als es Zeit in Anspruch nimmt, sich dann während der Jahre mit dem Kind zu beschäftigen. Ob das stimmt sei mal dahingestellt – und dass dem Ganzen (zu viele Überstunden etc.) Abhilfe geschaffen werden müsste versteht sich, m. E. aber eher durch mehr Festanstellungen als dadurch, die Mütter mehr ranzunehmen.

1 06 2009
Malte Diedrich

„Darf ich fragen, wie du darauf kommst? Das widerspricht doch allem was gang und gäbe und auch überhaupt denkbar ist?“

Dann erzähl mal den Schweizern, Slowaken und Engländern (und einigen anderen Ländern), dass ihr Sozialversicherungssystem nicht denkbar ist, dort funktioniert das nämlich genau so. Kapitaldeckungsverfahren nutzen ausserdem noch private Versicherungen und auch die deutschen Sozialversicherungen funktionierten bis zum 1. Weltkrieg übrigens nach diesem Prinzip.

1 06 2009
Petra

Hm, da ist mir als Anglistin und Historikerin wohl was entgangen 😉

Also: In England arbeitet man gezwungenermaßen länger (in aller Regel bis es wirklich garnicht mehr geht), und selbst das ändert nichts daran dass sich die Familien unterstützen, das funktioniert dann nämlich einfach nach dem Prinzip der Subsidiarität.

Mit Deutschland vor dem 1. WK meinst du die Jahrzehnte seit der Reichsgründung? Was soll sich da nach dem 1. WK geändert haben? Den Ausgleich jung/alt gab es immer und wird es immer in der einen oder anderen Form geben. (Hier ein leicht verständlicher Text aus einem verbreiteten Schulbuch: http://www.dw-world.de/popups/popup_pdf/0,,2828812,00.pdf .)

Ich denke wir sind uns wahrscheinlich alle darin einig, dass beide Punkte optimiert werden können – sowohl was das Geld für entsprechende Arbeit angeht als auch die Arzt-Arbeitszeiten. Geht ja nicht dass Deutschland zwar insgesamt Spitzenreiter bei den Freizeitstunden ist, Ärzte aber im Schnitt so viel arbeiten müssen wie in England (14 Tage/Jahr mehr als D) oder in den Japan (die haben eine ganze Woche Urlaub im Jahr). Ungerechtigkeiten allerorten, da bin ich auch dagegen 🙂

1 06 2009
Malte Diedrich

„Mit Deutschland vor dem 1. WK meinst du die Jahrzehnte seit der Reichsgründung? Was soll sich da nach dem 1. WK geändert haben? Den Ausgleich jung/alt gab es immer und wird es immer in der einen oder anderen Form geben. “
Vor dem 1. WK gab es ein Kapitaldeckungsverfahren, danach wurde auf ein Umlageverfahren umgestellt, das ist zB hier in Grundzügen nachzulesen. http://de.wikipedia.org/wiki/Kapitaldeckungsverfahren

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