Assistenzarzt hilft – Woran erkenne ich einen Chirurgen?

27 09 2009

Viele Menschen fragen sich, woran man eigentlich die verschiedenen Arzt-Unterarten unterscheiden kann. Am wichtigsten ist jedoch, wie man einen Chirurgen erkennen kann.

Das ist aus verschiedenen Gründen wichtig:

Für Internisten – weil man sich mental auf die Begegnung einstellen muss, um gleich den ersten Angriff zu parieren

Für andere Chirurgen – weil zwei so große Egos nicht im gleichen Raum Platz haben

Für Studenten – damit man sich in Sicherheit bringen kann, bevor der fragt ob man nen Augenblick Zeit hat (nie die Antwort ja geben, weil es dann gleich heißt dass in OP 3 noch jemand zum Hakenhalten gesucht wird)

Für Patienten – Chirurg ist übersetzt nichts anderes als ein Handwerker… dann doch lieber einen „richtigen“ Arzt 🙂

Für Frauen – Macho-Alarm

 

Woran erkennt man jetzt eigentlich den Chirurgen rechtzeitig = wenn er noch auf dem anderen Ende des Flures ist?

  • Er trägt Kittel, schließlich muss er sich von den Pflegern unterscheiden. Der Kittel ist in der Regel zugeknöpft, weil die Chirurgen die konservativsten unter den Ärzten sind und glauben, damit wenigstens erreichen zu können, dass sie von anderen für einen richtigen Arzt gehalten werden. Die Rebellen unter ihnen, quasi die Andre Agassis unter den Chirurgen, krempeln die Ärmel bis zu den Ellenbogen hoch. Naja, das tun die Metzger in der Fleischerei auch glaub ich. Aber das hat wohl nichts zu sagen. Manche trauen sich auch, im offenen Kittel rumzulaufen, aber da werden sie von den eigenen Leuten eher ausgelacht, weil das ja nur die ganzen anderen Fachrichtungen machen.
  • Unfallchirurgen und Orthopäden neigen dazu, Sportschuhe zu tragen, und zwar nicht irgendwelche sondern die neuesten 150 Euro – Hammertreter, was sich ein Normalsterblicher nicht mal leistet, außer er hat pubertierende Teenager zuhause…. wogegen die Allgemeinchirurgen eher Holzpantinen oder schicke weiße Lederschuhe anhaben.
  • er hat kurze Haare mit Gel gestylt.
  • Er poltert als seien alle anderen schwerhörig oder haben sich nach einem Ende der gerade eingekehrten Ruhe gesehnt.
  • in seiner Kitteltasche ragen mehrere zerknautschte Konsilscheine aus dem letzten Jahr heraus, die er immer noch nicht abgearbeitet hat
  • „unten drunter“ trägt er grün, weil er nicht die Zeit hatte, die Bereichskleidung in der OP-Schleuse von sich zu werfen und sowieso gleich wieder reinmuss (obwohl er sich dann neue anziehen muss)
  • die grüne Hose hängt auf halb acht in prä-Buggy-Pants-Stellung. Das viel zu kurze Oberteil (mit Zahlen und Kleidergrößen hatte er es nie so, das ist was für Statistiker) gibt den Blick frei auf den Oberrand einer grauen oder schwarzen CK-Unterhose. Naja, da er den Kittel drüber trägt, ist das nur was für geübte Augen, die wissen, wonach sie gucken müssen
  • sobald er den Mund aufmacht wird klar: ER ist hier wichtig, er kann alles und die anderen sind alle zu blöd, um ihren eigenen Namen zu schreiben. Sein Ego füllt den Raum mit einem Schlag. Da passt kein zweites rein. Er ist schließlich Chirurg.
  • sein Body ist gestählt, schließlich geht er mindestens zweimal die Woche ins Fitnessstudio, wo die süße Krankenschwester von der einen Station ab und an mal ist, nur hat er noch nicht  rausgekriegt, wann genau sie immer da ist, aber Zahlen sind wie gesagt was für Statistiker
  • Wenn ein Besucher auf dem Flur kollabiert, brüllt er erstmal ins Telefon, dass schnell ein Internist kommen soll.
  • Er guckt jeder neuen Schwester und jeder neuen Schülerin und Praktikantin lang und ausführlich hinterher. Es ist schließlich sein Revier und er ist das alpha-Männchen…

Ach, ich liiiiiiebe Chirurgen. Wenn es die nicht gäbe, über wen sollte ich mich dann mit meinen Internisten-Kolleginnen amüsieren?

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7 responses

27 09 2009
berlinerweisse

Baggy Pants, 150-Euro-Schuhe und gegelte Haare.
Dann sind Chirurgen wohl die, die in der Schule immer in der letzten Reihe saßen und einen auf coole Sau machten… oder? 😀

29 09 2009
Chrissi

sehr geil geschrieben ;D GENAU SO stell ich mir einen Chirugen anfang 30 vor hrhr

3 10 2009
drgeldgier

Früher gab es die Trennung zwischen Chirurgen und Ärzten noch strenger.
Allerdings ist das Handwerk derzeit hierzulande weiterhin dtl. besser geschätzt, als Kopfarbeit.
Nur chrirurgisch Tätige HNOs oder Augenärzte sind aktuell noch überlebensfähig.
Und Denk- und Quatsch-Fächer wie Kinderärze, Neurologen, Psychiater und Nervenärzte können den chirurgischen Halbgöttern in weiß nicht annähernd das Wasser reichen.
Ich verstehe deshalb Deinen intellektuellen Tiefschlag sehr gut.
Leider muss ich auch jeden morgen neben einem Monster-Jeep eines Orthopäden parken ;-(

6 10 2009
Payam Katebini

Und wie sieht der typische Internist aus? Nicht, dass man ihm ausweichen möchte, schliesslich bemerkt er einen wahrscheinlich so oder so nicht, aber wenn man als Chirurg einfach mal jemandem zum Reden braucht oder um diese Zacken auf dem EKG einen dann doch beunruhigen?

Er ist trägt auch Kittel, allerdings nicht das saubere, gesteifte Modell, sondern eher einen, der einen nur auf Grund der Farbe vom Hausmeister unterscheidet. Zumeist fällt die Unterscheidung auf Boden der vielen Flecken (zumeist Kaffee) aber auch nicht leicht. Der Kittel ist dabei grundsätzlich offen, und hängt meist tief, weil die Taschen mit allerlei Papers, Büchern und Instrumentarien gefüllt sind.

Internisten neigen zu Schuhen, die man nur noch als solche erkennt, weil sie an den Füßen getragen werden. Alt, abgewetzt, manchmal mit Löchern, immer aber mit zahlreichen Flecken, zumeist noch Blut aus dem PJ oder gar aus dem AiP. Schuhe sind ihm einfach nicht „so wichtig“.

Seine etwas längeren Haare sehen immer so aus, als ob er gerade aufgestanden ist.

Er scheint manchmal schwerhörig, aber nur, weil er gerade wieder mal versucht, den komlplexen Symptomkomplex von Patientin M. in Zimmer vier wieder unter einen Hut zu bringen und gleich ein Therapiekonzept zu entwickeln. Außerdem muss er noch das akutelle Paper zur Therapie der Herzinsuffizienz verarbeiten. In Wirklichkeit beantwortet er alle ihm gestellten Fragen, manche aber nur nach einer recht langen Pause, die von einem Blinzeln und verwunderten Aufblicken beendet wird. Der Chirurg ist dann aber zumeist schon wieder weg, operieren oder so.

Unten drunter ist eine Cordhose, oder die weiße Arzthose, diese in jedem Fall auch etwas fleckig, etwas zu weit über den Hüften und ausgebeult. An besonders schlechten Tagen hängt auch eine Innentasche McFly-mässig raus. Wenn er mal in den OP muss – z.B. zum Schrittmacherlegen kann der chirurgische Kollege dann auch erkennen, dass es wohl immer noch bei den Schiesser-Feinripp-Modellen oder bestenfalls bei EnricoMori-Wäsche der Gebrüder Albrecht bleiben musste.

Wenn er den Mund aufmacht, sagt er Dinge die niemand versteht, wahrscheinlich nicht mal er selbst. Zumeist ist es auch erst ein Murmeln, gefolgt von hektischem Nachschlagen in einem Buch, um dann – siegessicher – einen ellenlangen Eintrag in die Kurve zu erbringen, den das Pflegepersonal dann aber nur mit Hilfe des PJlers dechiffrieren kann, weil sie von dieser Untersuchung / Behandlung / Methode noch nie etwas gehört hat (wie denn auch, es handelt sich ja um die leitliniengerechte Untersuchung der noch kommenden Leitlinie).

Der Internist an sich ist entweder dünn, ja schlacksig, mit zu langen Armen und immer etwas zu schnell, so als ob der Körper dem Geist noch nicht ganz gehorchen würde, oder er ist langsamer geworden, dann aber oft auch mit etwas Bauchansatz, dem man seine Neigung zur kommenden Wampe auch ansieht.

Selbst wenn ihn eine Schwester oder Schwesterschülerin anschmachten würde, würde er dies nur bemerken, wenn es sich beim Anschmachten um ein Symptom handelt. An Frauen hat er zwar prinzipiell Interesse, aber wie geschrieben, irgendwie hängt da noch dieses Paper dazwischen. Den Ausdruck Alphamännchen kennt er aus dem Biologieunterricht, würde er zu Wortwitz neigen (was er in seiner hanseatisch-protestantischen Art aber nicht tut), würde er den Chirurgen aber eher als Aphaarschloch bezeichnen, oder zumindest als Prol.

Stimmt’s so?
Payam Katebini
selbst Internist (angehender)

12 10 2009
ChliiTierChnübler

Dass ich eigentlich meine Karriere Richtung Chirurgie fortsetzen wollte, sage ich nun lieber nicht laut. Aber die stählernen Körper stimmen auch bei uns in der Klinik. Meine Theorie dazu: es braucht verdammt viel Disziplin, ein guter Chirurge zu werden. Deshalb fällt es ihnen auch leichter, den Körper in Form zu halten. Chirurgen sind wirklich oft überdurchschnittlich attraktiv. Egal ob in der Humanmedizin oder bei uns Tiermedizinern.

15 10 2009
Ed

Meine Fresse, die Chirurgen in Deiner Klinik müssen ja echt übel sein. Oder Du solltest echt an Dir selber arbeiten.

19 10 2009
Assistenzarzt

@Ed: Ich sagte doch, ich liiiiiiebe Chirurgen. Guck doch mal nen paar Kommentare weiter oben, so weit weg von den Internisten, die mich umgeben, ist das nicht… ein paar Ergänzungen hätte ich noch…. aber im Großen und Ganzen… Übrigens sind die Kardiologen die chirurgischsten unter den Internisten und die Endokrinologen die Psychosomatischsten… Die coolsten und gleichzeitig intelligentesten (wie ich bisher so gesehen habe) unter den Internisten sind die Nephrologen… vor allem die mit ITS und Notarzterfahrung. Weiß nicht, wie isn das woanders?
Wenn ich irgendwo nen wunden Punkt bei dir getroffen habe, würde das erklären, warum du diese Art von Sarkasmus nicht mit Humor nehmen kannst… Aber an sich, klar arbeite ich an mir, nobody is perfect, ich wäre ja blöd, sowas von mir zu glauben, vor allem würde ich dann auf dem Level stehnbleiben, wo ich vor 10 Jahren war.
Was den vorletzten Punkt meiner Aufzählung angeht: Es ist wahr. Ich war der Internist, der kommen musste und an dem zehn Chirurgen vorbeischwebten und sich in keiner Weise um die kollabierte Person kümmerten, die auf ihrem Stationsflur lag.

@berlinerweisse: glaub schon, das es so ist, wie du sagst, die Internisten waren wohl die kleinen Streber, die immer artig waren und die coolen Säue heimlich bewunderten, obwohl sie es nie zugaben… :-))))

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