Geschenkeratgeber

30 10 2009

Nachdem hier im Blog schon öfter in den Kommentaren die Frage kam, was man Ärzten als kleine Aufmerksamkeit schenken könnte, wenn man es will, versuche ich mich mal. Die anderen Docs können ja noch ergänzen (bitte dieses Mal nur ernstgemeinte Vorschläge).

Schokolade in jeder Form – häufig, kommt an

Kaffee in jeder Form – häufig, kommt auch an

Teekollektionen (z.B. Wintertraum und Heiße Liebe oder wie die alle heißen) – selten, interessant und was schönes

Negerküsse, oder politisch korrekt Schaumküsse – lecker, schnell weg und so ein Riesenkarton aus dem Factory outlet von Dickmacher schadet auch nicht, da legen wir uns rein und schlemmen

Eis – abgepackt, toll! (sofern es aus dem Kiosk stammt und nicht aus der hintersten Kühltruhe aus der Garage und von vor 3 Jahren ist)

Kuchen – zum auftauen ok, vom Bäcker ok. Selbstgemacht – nur ohne verderbliche Dinge wie Sahne. Medizinisches Personal ist sehr pingelig und abergläubisch. Von der Frau mit z.B. „Salmonellensepsis“ würde niemand einen Kuchen essen, nur höflich annehmen und danke sagen.

Handwerksprodukte – jeder tut, was er kann, ich habe ein Souvenier im Regal stehen, auf das ich stolz bin, weils jemand angefertigt hat für jeden ein kleines Teil. Viel Arbeit, sehr persönlich.

Buch mit persönlicher Widmung – was besonderes. Hab ich noch keins abbekommen, schnappt sich meist eine der älteren Schwestern, die ihr Anrecht fühlen 😦 Grad vor kurzem wars, da hats jemand den Ärzten gewidmet, gelesen hab ichs, weiß auch wo es jetzt liegt… jedenfalls nicht im Arztzimmer.

Bilder und Fotografien – für die Gestaltung der kompletten Station – teurer Spaß, aber einen Mäzäen (schreibt man das so?) hab ich erlebt, der sowas verfügte vor seinem Tod. Sicherlich was ganz seltenes.

Sekt –  wir dürfen offiziell gar keinen Alkohol trinken. So bleibt das dann für den privaten Gebrauch oder für Karneval, Betriebsausflug, Silvester oder ähnliches.

 Pfannkuchen / Berliner zum 11.11. – der totale Hammer, wenn sie ohne Senf sind

Weihnachtsplätzchen – es gelten gelockerte Kuchenregeln

Glücksbambus – geht nur fürs Arztzimmer und nur für Leute, die aussehen als hätten sie einen grünen Daumen. Ich habe mal einen Glücksbambus gerettet, der einer Kollegin geschenkt wurde. Zum Glück hatte die nie Haustiere… Pflanzen können ja nicht schreien. Ich würd mich über sowas riesig freuen.

Blumen – auch was schönes, macht den Alltag mal bunter.

Präsentkörbe – wenn man das Gefühl hat, sich riesig bedanken zu müssen, sicher keine schlechte Wahl

Ein Händeschütteln, an die Brust der alten Dame gezogen werden und ein Küsschen auf die Wange gedrückt zu bekommen, sicherlich gewöhnungsbedürftig für Ärzte mit einem gewissen Distanzbedürfnis wie mich. Aber unvergessen! Genau wie die Umarmung und die Tränen des Glücks von einer anderen. Oder der Besuch von jemandem nach einer Reha, wenn man sie fast nicht wiedererkennt und sie nochmal Danke sagen. Sowas ist unbezahlbar, denn das lässt einen als Arzt wieder fühlen, warum man kämpft, warum man nachts um 3.00 um jedes mmHg fightet oder die EKKL mit der eigenen Hand reindrückt oder stundenlang redet, tröstet, aufbaut, Schmerzen nimmt, zum durchhalten anfeuert, in diverse Hintern tritt, um Motivation zu schaffen und die Sonne nach dem Regen zeigt. Da begreift man, dass diese kleinen Dinge, die man täglich macht, für jemand anderen etwas riesiges bewegen können. Ja, in den Momenten macht der Job wieder Spaß und man pfeift auf DRG, Verwaltung, Zickenkriege, Egomanen usw.

 

Übrigens noch ein Tip: Wenn man den Schwestern ein Geschenk gibt mit den Worten „fürs ganze Team“ oder für meine liebgewonnenen älteren Patienten im Osten „fürs ganze Kollektiv“, ist es auf etlichen Stationen zu 99% so, dass das im Schwesternaufenthaltsraum landet und man als Arzt fragen muss, ob man sich mal ein Stück von was auch immer nehmen darf – und nur eins kriegt, wenn beim Abzählen was für „die Ärzte“ übrig ist. Ärzte gehören bei manchen Stationen für die Schwestern / Pfleger eben nicht zum Team / Kollektiv. Seltsam, oder? Leider wahr… Dabei ist es völlig egal, ob dem Geschenk eine Karte beiliegt, in der man sich bei den Ärzten bedankt und beim Rest der Abteilung oder nur bei den Ärzten oder ob man eins für Ärzte und eines für Schwestern macht – sofern man das für die Ärzte einer Schwester / Pfleger in die Hand drückt, kippen die Besitzstandsverhältnisse zugunsten des Pflegepersonals. Ich kenne auch Stationen wo es anders ist, aber da ist man auch Team und nicht „die Schwestern“ und „die Ärzte“. Also wer es wirklich direkt an die Ärzte geben will, klopft einfach mal kurz am Arztzimmer oder drückt es dem PJ-Studenten in die Hand. Als Patient weiß man eben nie, wo Team ist und wo es „die Schwestern“ und „die Ärzte“ gibt. Ich weiß, dafür werden mich jetzt einige steinigen wollen, aber es ist tatsächlich auf manchen Stationen so und von denen gibts leider nicht so wenige. Darum schätzt man ja die Team-Stationen so sehr…

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11 responses

30 10 2009
Benedicta

Was denn, selbstgebackener Kuchen ist no go?
Wow.
(Bei der Frau mit Salmonellensepsis seh ich das ja noch ein (wobei sie die sich ja nicht zuhause geholt haben muss) und Sahne o.Ä. ist natürlich ungeschickt, weil man ja auch nicht weiß, wie lange es rumsteht, aber da MEIN Kuchen mir normalerweise aus den Händen gerissen wird – und ich außerdem durch Mama, die Hauswirtschaftsmeisterin ist, gründlich geschult bin (und daher vermute, dass meine Küchenhygiene durchaus professionellen Standard hat) – bin ich da jetzt schon ein bisschen traurig. Ich finde immer, etwas gut Selbstgemachtes ist einfach persönlicher als etwas Gekauftes, und Kuchen/ Kekse haben den Vorteil, dass sie nicht rumstehen und einstauben. Und: ich weiß ja auch, wie die Küche meiner Nachbarin (die Krankenschwester ist) aussieht… (und die isst ihr Selbstgekochtes ja auch…))

31 10 2009
chilara

Ich sach nur: bakteriophob! Der Kuchen muss schon verdammt lecker und absolut unbedenklich aussehen, damit er gefuttert wird…

Und genau, Geschenke für die Station entsprechen Geschenken für die Schwestern. Da kriegen wir nur durch Glück und Zufall was ab. Meistens ist das noch nichtmal böse gemeint, wird z.B. bei Schwesternübergabe die Schoki rausgeholt etc aber manchmal hört man auch im Hintergrund: „Ihr verdient eh viel mehr… ihr habt doch viel weniger Kontakt mit dem Patienten…usw“

Obwohl Schokolade wahrscheinlich die einzige Alternative zu bewusstseinsverändernden Drogen in diesem Job ist, ist aber tatsächlich das schönste Geschenk ehrliche Anerkennung und vielleicht etwas Dankbarkeit. Gleichzeitig sehr selten, leider.

31 10 2009
Benedicta

Trotzdem… ich hab ja schon gelegentlich mit Medizinern zusammen gekocht – wo mich vor DEREN Küche gegruselt hat…
Das hat letztlich wohl auch was von Aberglauben – im eigenen Umfeld „glaubt“ man nicht an Bakterien etc. (man selbst ist ja sauber ;)), bei anderen dagegen… Ich wage mal die Behauptung, dass entsprechende Infektionen sich eher durch die Kaffeeküche verbreiten als durch Kuchen von Patienten. Die Küchennische bei uns im Institut ist immer der reinste Saustall (oder wäre es, wenn ich nicht wär, die unter den Hänseleien der Kollegen regelmäßig dreckige Küchentücher in die Kochwäsche verfrachtet und versiffte Spüllappen austauscht), und nach z.B. Medizynikus‘ Story über die defekte Kaffeemaschine zu schließen wird das wohl in Krankenhäusern nicht viel anders sein (das „warum soll ich putzen, wenn’s die Kollegen auch nicht tun – ich hab Wichtigeres zu tun“ ist letztlich einfach nur menschlich).
Immerhin muss ich zugeben, dass ich selbst auch nicht frei von derartigem Aberglauben bin – allerdings andersrum: seit ich meine Nachbarin und ihre Clique (Freunde und Arbeitskollegen) kenne und deren Umgang mit Essen, Küche und Hygiene ganz allgemein schon mehrfach beobachten konnte, hoffe ich inständig, dass ich unser örtliches Krankenhaus nie als Patientin kennenlernen muss… (wenn sich jemand daheim nie die Hände wäscht, lässt das Schlimmes ahnen).

„verdammt lecker und absolut unbedenklich aussehen“ – ok, das bekäme ich problemlos hin *ggg*

(Sorry für den Roman – das Thema fasziniert mich. So aus Patientensicht wäre meine Logik nämlich die gewesen:
– Ich möchte Anerkennung/Wertschätzung ausdrücken. Es soll aber nichts Gigantisches sein, weil a) werden die Leute ja schon bezahlt und b) kann ich mir das gar nicht leisten.
– Also mache ich etwas, das ICH gut kann. Infrage kommen dann bei mir selbstgebastelte Kleinigkeiten (wobei man bedenken muss, dass ich schon an einem einzigen kleinen Teil oft mehrere Stunden arbeite – was das Ganze letztlich wieder wertvoll macht, vom „Rumstehen und Einstauben“ ganz zu schweigen) – und ansonsten eben Essbares/Süßes…
Dass ich damit so daneben läge schockt mich :o))

31 10 2009
Assistenzarzt

Ich behaupte ja nicht, dass die Küchen von medizinischem Personal besser aussehen… ich sage nur, dass die pingelig und abergläubisch sind… 🙂 … anderen gegenüber… Wir nehmen schon Kuchen an und essen ihn auch. Der letzte war so ein leckerer Napfkuchen mit Puderzucker. Und davor Streuselkuchen. Es ist nur so… wenn man sieht, dass manche Patienten den Joghurt drei oder vier Tage aufm Nachtschrank stehen lassen und nicht erlauben, dass man ihn entsorgt wegen aufgewölbtem Deckel oder mit der Nagelschere, mit der sie gerade ihre Fußnägel mit Tinea pedis schneiden anschließend die Nasenhaare kürzen oder die eben mit sowas wie Salmonellen behandelt werden… dann hat man gewisse Berührungsängste, die einen zwar höflich bleiben lassen, aber hinter den Kulissen ist man da seeeeeeehr zurückhaltend… Aberglaube.

Im Sommer kriegen wir auch allerlei Gartenprodukte von Hobbygärtnern mitgebracht, was auch sehr lecker ist. Ach ja, mir fällt grad ein: letztes Jahr haben wir mal einen gefüllten Weihnachtskalender bekommen so mit kleinen Jutesäckchen, der sah gut aus, machte schöne Stimmung und man hat sich jeden Tag gefreut.

Aber wie gesagt, man muss nichts schenken! Wir freuen uns über jede Form der Dankbarkeit, die uns entgegengebracht wird. Und ja, wir werden bezahlt, aber beim Autoverkäufer oder an der Supermarktkasse oder beim Postboten sagt man ja auch Danke. Die meisten zumindest…

1 11 2009
„Für’s Team“ – Aber die armen Ärzte bekommen nichts « INTensivling

[…] 1. November 2009 Kommentieren Kommentare lesen Assistenzarzt schrieb vorgestern einen „Geschenkeratgeber“ der sich gut liest – bis auf den letzten Absatz. In der Assistenzarzt-Klinik scheint […]

1 11 2009
Mel

Nunja, wir Schwestern gehören für die meisten Ärzte auch nicht zum Team. die tauschen untereinander Baskettballkarten, Karten für oper etc bzw schnekn sich die. wenn die von nem Patienten kamen und sie nicht hinkönnen. Ich hab noch nie erlebt das eine von den schwestern gefragt wurde ob sie ne karte haben möchte!

2 11 2009
chilara

Ich hab noch nie erlebt, dass ein Patient Opernkarten verschenkt hat- wo ist das bei Euch? Kann man sich da hinbewerben? *gg

Also jetzt kann natürlich jeder sagen, dass die „anderen“ schuld sind am gegenseitigen Ausgrenzen. Fakt ist, dass es meistens zwei Gruppen gibt, außer auf ganz wenigen Stationen. Und meistens ist es so, dass die Pflege ihre Bereiche doch sehr verteidigt und oft gar nicht will, dass die Ärzte sich da rein integrieren.

Meine beste Freundin ist übrigens auch ne Schwester aus meiner Klinik. Dies nur bevor mir irgendeine natürliche Abneigung gegen Krankenschwestern unterstellt wird (gegen manche allerdings schon ;-)) !

2 11 2009
INTensivling

Chilara, das sehe ich nicht so. In den Kliniken die ich kenne gibt es mit neuen und vor allem jungen Ärzten in der Regel wenig Probleme, sie werden oftmals super integriert. Gerade ältere Ärzte und Ärztinnen haben aber ganz oft diese „Pflegende sind unter meinem Niveau“ Einstellung (auch wenn das jetzt etwas überspitzt formuliert ist) und halten es für unter ihrer Würde sich mit Pflegepersonal abzugeben.

Habe vor längerer Zeit mal einen Internisten erlebt, der gleich am ersten Tag meinte, er sei in der Klinik um zu arbeiten und nicht um sich Freunde beim Pflegepersonal zu machen…

7 11 2009
Mrs. Attitude

Danke für die ausführliche Info. Ich finde dass wirklich mal nicht schlecht wenn Ärzte auch schreiben, was sie als „Dankeschön“ schön finden würden.

Ich weiß, dass meine Ärztin wahnsinnig gerne Mountainbike fährt und ich würde ihr gerne, weil Weihnachten vor der Tür steht … ich schon seit 2 Jahren bei ihr in Behandlung bin, sie mich nicht als hoffnungslosen Fall aufgibt, ein Buch über Mountainbiletouren bei uns in der Region schenken. Ich hoffe, dass ihr sowas auch sehr gefällt.
Am liebsten würde ich sie gerne einfach mal umarmen und ihr Danke sagen, aber dass traue ich mich dann auch wieder nicht. (Gott in weiß und so …)

8 11 2009
drgeldgier

Selbstgemachtes zum Essen ist für mich nur ganz ganz selten akzeptabel, da ich da persönlich aus hygienischen Gründen sehr pingelig bin.
Aber ich habe 2 Patientinnen, die erpresse ich manchmal ein bisschen, um wieder deren Leckereien zu bekommen.
Die eine macht begnadete Weihnachtsplätzchen und die andere ein super Schmalzgebäck (Auszongne s.a. http://drgeldgier.wordpress.com/2009/08/15/auszongne-und-qualitatsbrezeln-zwei-welten-treffen-aufeinander/)
Das ist so eine Art Krapfen bzw. Berliner auf Bayerische Art.

Ansonsten bekomme ich als Praxisarzt meistens Spirituosen (sollte ich mir da Gedanken machen?). Das Problem, dass die Schwestern alles abgreifen, habe ich in der Praxis nicht mehr und meinen Assistentinnen am Empfang gönne ich jeden Cent und jede Leckerei, denn die müssen viel leisten und haben es redlich verdient.

30 11 2009
Michi

Hallo,

mir hat eine nettere ältere Dame 10 Euro in die Hand gedrückt, und wollte unbedingt, dass ich die für die nette Behandlung behalte. Darf ich das Geld denn annehmen? Bin Assistenzarzt an einem Kreiskrankenhaus.

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