Ich sehe was…

12 02 2010

was du nicht siehst… und das ist weiß.

Schnee. Überall Schnee. Irgendwo zwischen 20 cm und 2 m je nach Schneeberg, der aufgeschüttet wurde oder Schneewehe, die grad vom Sturm mit Windstärke 8 bis 9 zusammengepustet wird. Seit dem 1. Januar durchgehend eine Schneedecke. Mir fehlt die Erinnerung, wann das in meinem Leben schon mal so war. Das ist zumindest die letzten 30 Jahre hier im Norden nicht normal. Im Internet fand ich bei der Tagesschau die Erklärung, dass ja El Nino wieder losgeht. Soso. Ich hätte ja viel mehr Spaß am Schnee, wenn ich 1. Nicht arbeiten müsste sondern auch Urlaub hätte, 2. Ski laufen könnte, 3. wüsste, wo ich mein Auto hinstelle weil die Parklücken voller Schneehaufen sind und 4. der Winterdienst mal arbeiten würde wie es sich gehört. Jetzt schneits und stürmts wieder aufm Freitag und ich gehe jede Wette ein, dass Montag früh der erste Schneepflug auf unserer Straße Klasse A (wichtig) fährt. Der nicht beräumte Schneematsch der letzten Wochen wurde als Matsch ja nicht weggemacht. Nein, der blieb liegen, obwohl schieben ja so einfach gewesen wäre. Nee, man hat gewartet, bis es jetzt eine Eisschicht ist wie aufm Gletscher. Undurchdringlich, hart wie Stahl. Mit Asphaltfräsen sind sie teilweise unterwegs um das Eis auf den Straßen zu knacken. Die Gehwege hier sehen aus… es ist ne Katastrophe. Das pure Eis so 5-10 cm dick! In den Unfallchirurgischen Kliniken ist die Betten-Auslastung bei 110%. Insider wissen, wie das läuft, normalerweise liegt sie so bei 80 – 90%. Das Aufkommen in den Praxen und Notaufnahmen ist 4 – 6 x höher als sonst im Winter. Die Leute stehen teils auf den Fluren in den Betten mit Spanischen Wänden. Wartezeiten in den Notaufnahmen erfordern stundenlange Geduld. Schwestern und Pfleger gipsen im Akkord, Mädchenfänger sind mit Warteschlangen belegt, OP-Material geht aus, der Nachschub-LKW hängt in den Schneewehen fest oder im Stau, weil die Straßen nicht beräumt sind… Es ist das erste mal seit Jahren, dass ich erlebe, dass die Unfallchirurgen selbst Betten-Support brauchen statt anderen Fachrichtungen mit Betten auszuhelfen.
Und bei all dem Eis auf den Gehwegen gehen doch immer noch alte Leute raus am Rollator und spazieren und brechen sich die Knochen. Trotz Warnung im TV, Radio und den Zeitungen. Wenn man die fragt, gings nicht mal ums einkaufen, sondern weil sie mal spazieren wollten und sich das angucken. Ist verständlich, aber wie kann man nur so leichtsinnig sein?

Und ich kann nur eins sagen: Schuld sind nicht die Leute im Räumfahrzeug am Steuer (nee, die erfahren inzwischen wie das ist, 24-h-Dienst zu machen), sondern die bornierten Typen hinter ihren breiten Schreibtischen, die keinen Bock haben, Geld für den Winterdienst locker zu machen, um zusätzliche Leute anzuheuern. Wie kann man so bekloppt sein und wartet bis der Schneematsch, der tagelang nass auf den Gehwegen rumliegt beim nächsten Frost zu Eisbahnen mutiert? Was soll der Unfug, nur zu räumen, wenn der Schnee von oben fällt? Denkt da überhaupt mal einer nach? Hat mal einer ne Ahnung, was es kostet für die Krankenkassen und Unfallkassen und welche Folgeschäden sich manche bei ner Fraktur holen? Kenne keinen, der Lust auf nen Sudeck nach der Radialisfraktur wegen nicht geräumter Gehwege hat. Bei einer AL-Quote von teils 15% mangelt es sicher nicht an Leuten, die für den gesetzlichen Mindestlohn statt auf dem Bau, LKW, PIN oder sonstwo für die Stadt Schneeschieben würden. Da gibts nämlich fast nie Mindestlohn, so dass so ein Angebot vermutlich ne Alternative wäre, wenn auch ziemlich kurz. Und dann gibts ja noch diese Hausmeister-Service-Firmen… Ja, jetzt zeigen sich die schwarzen Schafe, die nur kassieren, aber nix machen. So einen hat unser Vermieter erwischt. Aber es steht auch kein Schneeschieber mehr im Keller, den könnt ja einer klauen, so dass verzweifelte Mieter sich neulich mit den Kehrschaufeln versuchten zu behelfen. Wenn ich demnächst mal einen Schneeschieber zu fassen kriege, weiß ich, wen ich damit durch die Straßen scheuche…

So Assistenzarzt ist in Rage… versteckt die Schneeschieber… und die Vermieter und diesen Hausmeister-Service…

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3 responses

12 02 2010
Benedicta

Du hast ja sooo recht!

13 02 2010
-thh

Die Räumung der Gehwege dürfte doch Aufgabe der Anwohner sein, wenn ich das recht sehe? — Glücklicherweise funktioniert hier im Süden der Winterdienst weitgehend ordentlich.

13 02 2010
Feuerwehrmann

Ihr habt halt wenig Erfahrung mit dem Thema Winter jedenfalls auf die letzten 10Jahre gemünzt. Das ist bei uns auch nicht anders NRW (komme aus der nähe von Düsseldorf ) große Überaschung es fällt Schnee zwei bis dreimal die Woche lese ich in der Zeitung das Streusalz alle ist und nix mehr geht, dann wieder ein paar Tonnen gekommen sind und die nun auch wieder weg sind.
Bei der stadt sieht man sogar ein das 20Tonnen Salz Lager zu wenig sind zur Info wir haben knapp 70000Einwohner und zwei Streuwagen die laden jeweils zweimal dann ist alle!
Die Verkehrsteilnehmer sind auch größtenteils zu blöde im Winter zu fahren, wenn ich dann von einigen höre das sie immernoch mit Sommerreifen rumfahren die auch noch fertig sind hört mein Verständnis auf.
Ich fahre morgens vor 6h zur Arbeit die Hauptstraße war noch nie geräumt geschweige denn gestreut!
Aus Feuerwehr sicht kann man sich nur Wünschen das nix passiert jedenfalls Nachts sonst sehe ich tief Schwarz.

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