Krawattenträger

12 02 2010

Krawattenträger auf Station sind entweder Chefs, Bestattungsunternehmer oder Versicherungstypen. Die ersten sind normal auf einer Station, die zweiten höflich, aber uns peinlich und die letzten… was soll man sagen… sie gehen mir auf den Keks. So sehr, dass ich sie stehenden Fußes wegschicke. Das ist so, dass z.B. Vertreter von H…… kommen und nach den PJlern fragen oder sie auf dem Flur abfangen. Anschleichen wie Besucher und dann plötzlich zufassen. Sie quatschen sie an und die kleinen PJs sind total unvorbereitet, mitten in der Arbeit, mit den Gedanken woanders als bei ner Lebensversicherung, auf dem falschen Fuß erwischt etc.  Is ja auch ein KRANKENHAUS und kein Büro eines Versicherungsmaklers. Wenn ich könnte, würde ich denen Hausverbot auf ewig erteilen. Was ist denn das für ein unseriöses Geschäftsgebahren? Die Leute aufsuchen, wo sie unvorbereitet sind, im Streß, Druck von oben haben, keine Zeit und auch nicht wirklich zuhören können… Macht das ein seriöser Unternehmer? Nein. Natürlich nicht. Da könnten die von H…… auch gleich an den Haustüren klingeln, ist das gleiche. Was springt da für den Versicherten raus? Nix. Außer so ein überholtes EKG-Heftchen, was keiner liest… Verkaufspsychologisch ist das seitens der Versicherungen natürlich ideal… man kann die Leute schnell zu was kriegen, weil die einen schnell loswerden müssen, weil sie ja weiterarbeiten müssen. Schnell ist das Stichwort… den Kunden unter Druck setzen, um ihn wie ein Schaf auf die Weide zu treiben… Meine PJler unterliegen meinem persönlichen Schutz – gegenüber bösartigen Patienten und auch Versicherungsvertretern. Da lass ich unseren Stationshund los… Fass!

Die von M.. sind aber auch nicht besser. Die kommen nicht so oft, aber dafür rufen sie noch an. Die haben aber die Masche mit den Prüfungsprotokollen. Als unwissender Student fällt man schnell drauf rein. Die gleichen Protokolle haben in der Regel die Fachschaften, meist sogar mehr und aktuellere. M.. sagt: kommt her und holt euch die Protokolle. Lerngestresster Student sagt: geil. Und geht hin. Wird dort bequatscht, shakehands, wir bleiben in Kontakt. Man muss aber hinterher auch sein Protokoll hinbringen… und da schnappt die Falle zu. Bequatschen, bequatschen, bequatschen. Und wenn man sagt, nee, will nicht, dann rufen sie einen wochenlang immer wieder an (eh, was hab ich gebraucht, um die loszuwerden, sogar beschimpft wurde ich, dass es dann eben meine Schuld sei, wenn mir was passiert und meine Hinterbliebenen kein Geld kriegen). Schlimmer sind die da auch nicht, die Samstags morgens an der Haustür klingeln und über Gott, die Welt und den Sinn des Lebens sprechen wollen und ne Zeitschrift mit dem Turm drauf loswerden wollen. Mal ehrlich, will man da ne Versicherung abschließen oder seine Finanzen offenbaren? Man darf nie den Fehler machen und denen die private Tel. Nr geben. Emails kann man in den Spamordner delegieren…

Dann gibts noch die von A.. Die sind so mittelnervig. Die kapieren schneller, dass man sie von Station haben will, lassen Werbung da und verschwinden. Zwei meiner ehemaligen Kommilitonen waren aber mal hin. 4 Stunden hat man ihnen einen Vortrag gehalten über private KV, RLV, Rentenversicherung, etc… die waren so fertig hinterher… Das lohnt den Kuli, das Buch und den Notizblock nicht.

Ich selbst war mal bei D.. aus ner Stunde erzählen, was man nach dem Studium für den Berufseinstieg braucht, wurden 3!!! Wir haben mehrfach versucht, das zu beenden mit 4 Leuten, die wir da waren, die kannten keine Gnade und keine „wir müssen dann mal los“, bis wir unhöflich wurden und gingen. Gelernt hab ich nichts.

Naja, und die von der Ä……………. sind auch nervig. Die rufen immer wieder an, wenn man nicht konsequent den AB laufen lässt.

Sobald man zu sowas hingeht, kleben die einem an der Backe, weil sie ihre Provisionen wollen! Die leben von den Provisionen. Am besten ist, man lässt sich in der Verbraucherzentrale beraten oder bei einem UNABHÄNGIGEN Versicherungsmakler – wobei wirklich unabhängig nur die aus dem Verband sind und denen man eine festgelegte Gebühr zahlen muss. M.. und H…… etc. sind nicht unabhängig. Die verkaufen ihr Zeugs, das immer das beste ist und sie kriegen Provisionen. Die unabhängigen nicht, die kriegen nur das, was die Kunden bezahlen. Aber davon gibts leider nicht so viele. Ab und an mal Finanztest oder Internetseite der Verbraucherzentralen lesen bildet ungemein… schadet auch nicht, die Firmen und Vertreter zu googeln…

Liebe PJs, was ihr braucht, wenn ihr euer Arzt-Ticket habt, sind folgende Dinge:

  • Mitgliedsbescheinigung von ner Krankenkasse, man muss eh drei Jahre über der Grenze liegen, um sich privat krankenversichern zu können und für nen Anfänger (und auch später insbesondere für die mit Kindern oder die Vorerkrankungen haben, was gar nicht so selten ist) ist GKV voll ok
  • Haftpflicht (beruf und privat) – am besten über den Marburger Bund oder Hartmannbund. Kostet so 40 – 50 Euro pro Jahr. Und deckt ab, was die Kliniken schon lange nicht mehr versichern: Grobe Fahrlässigkeit.
  • eine Entscheidung, ob ihr als Rentenversicherer die Deutsche Rentenversicherung (ehem. BfA) oder die Ärzteversorgung wollt. Was ich erst hinterher erfuhr: Reha-Maßnahmen etc. zahlt die Ärzteversorgung nicht und sie sind sehr knauserig mit EU-Renten, selbst bei Paraplegikern. Ob die Rente nachher wirklich höher ist… wird sich erst zeigen. Und man kann nicht mehr Riestern. Langsam überlege ich nämlich, ob die Ärzteversorgung für mich die richtige Entscheidung war. Wenn Ärzteversorgung, dann erklärt euch alles jemand in der Ärztekammer, was ihr wo ausfüllen müsst.
  • der Rest wie BU und Rentenversicherung ist für den Berufstart nicht zwingend notwendig. Sinnvoll zu haben ja, so generell gesprochen, aber nicht zwingend notwendig, wenn ihr anfangt zu arbeiten.

Also wenn ihr das nächste Mal als PJler ne Krawatte seht auf Station und es ist nicht der Chef… ich würd mich irgendwo hinflüchten und erst wieder rauskommen, wenn die weg sind… und mal bei der Verbraucherzentrale vorbeigucken, das ist wesentlich sinnvoller…

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4 responses

13 02 2010
Matthias

Zur Haftpflicht-Versicherung: Ich bin als Student kostenlos Mitglied bei Medilearn, was ja seit gewisser Zeit zum Hartmannbund gehört. Bekomme da eine kostenlose Haftpflicht, beruflich und privat, bis ins erste oder sogar zweite Assistenzarztjahr hinein. Kann sein, dass der Marburger Bund ein ähnliches Modell hat – recherchieren lohnt!

14 02 2010
Christian

Meine Chefin sagt immer „Es gibt im Krankenhaus keinen arztfreien Raum.“ Das meint sie juristisch und besagt, dass du durchaus die Fähigkeit hast Hausverbot zu erteilen.

15 02 2010
Hootch

@ Christian:
Stand die Aussage vom nichtvorhandenen arztfreien Raum wirklich in Verbindung mit dem Hausrecht in der Klinik?
Mit solchen Aussagen wäre ich vorsichtig.
1. ist ein Krankenhaus eine öffentliche Einrichtung. Daher muss für ein Hausverbot schon ein Verstoß gegen die Hausordnung vorliegen.
2. Wir wissen ja nicht einmal, in was für einem Krankenhaus Fr. Dr. Assistenzarzt arbeitet. Eine gGmbH, privater Träger etc.? Wobei sich die Frage stellt, ob Zivilrecht oder evtl. öffentliches Recht zur Anwendung kommt.
3. Es wird mit Sicherheit von „denen da oben“ nicht gern gesehen, wenn die „kleine Asststentin“ lustig Hausverbote erteilt.

IANAL, aber ich denke, man sollte ein generelles Vorgehen bei solchen Fällen mit dem OA besprechen.

Man könnte argumentieren, dass solche Vertreter den Ablauf und damit die Versorgung der Patienten stören. Außerdem ist es die Privatangelegenheit des PJlers, sich zu versichern, daher möge man doch mit ihm in seiner Freizeit Kontakt mit ihm aufnehmen (auch wenn dies für die ‚Krawattenträger‘ so gut wie unmöglich ist). Wenn sich in der Hausordnung des KH ein Passus wie „Betteln und Hausieren verboten“ findet, umso besser.

Ach ja, rücken die von MLP keine Lehrbücher von der Dualen Reihe mehr heraus?

Grüße!

18 02 2010
Anna

Ich bekomme während der Arbeit immer mal wieder Anrufe von Headhuntern. Das ist ähnlich nervig und unnötig. Und dann erzählen sie dir was von einer ganz tollen Oberarztstelle, und wenn Du sagst, Du bist noch nicht mal Facharzt, meinen die, ist auch egal, vielleicht kennst du ja jemanden, der interessiert wäre?

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