MB

19 03 2010

Ich muss ganz klar bekennen: Ich bin im Marburger Bund. Zu 75 – 80%  aus Überzeugung. Aus Überzeugung davon, dass es für jeden Arbeitnehmer eine starke Vertretung braucht, egal ob Arzt, Werftarbeiter oder CallCenter-Mitarbeiter. Und weil ich überzeugt bin, dass man für den Luxus, einen Tarifvertrag auf aktuellem Stand zu haben und danach bezahlt zu bekommen, auch bereit sein muss, einen Jahresbeitrag abzudrücken. Für die Ärztekammer zahle ich gezwungenermaßen auch, wesentlich mehr, aber ich warte noch auf die positiven Effekte dieser Mitgliedschaft – dort darf man ja für jeden Antrag löhnen, selbst wenn er abgelehnt wird. Dort gibts auch Mitarbeiter, die z.B. nur für den Versand der Ärzte-Bildzeitung zuständig sind. Eine andere Form von Luxus, die wie immer, der kleine Mann / Arzt bezahlt. Naja, und fragen braucht man in den wenigsten Fällen. Also machen kann mans schon, aber die Erwartungshaltung sollte man nicht zu hoch haben. Wie gesagt, ich bin der Überzeugung, dass man, wenn man einen Tarifvertrag nutzen will und die Kohle einheimsen, auch bereit sein sollte, dafür einen Mitgliedsbeitrag zu zahlen oder auch mal zu streiken.  Aber dann sehe ich so 60% oder mehr meiner Kollegen, die die deutsche All-inclusive-Mentalität haben: lass doch die anderen zahlen, wir stauben einfach den Tarif mit ab.  Mein Gerechtigkeitsempfinden sagt: Falsch. Die Gesetze sagen, dass Tarife nur umgesetzt werden, wenn die Mehrzahl der Mitarbeiter durch eine Gewerkschaft vertreten wird. Die Mehrzahl… womit wie als Ärzte wieder mal die angreifbaren Volldeppen sind.  Die Gesetze sagen aber auch, dass der Arbeitgeber den Nicht-Mitgliedern nicht den Tarif zahlen muss. Aber wie gesagt, ich ärgere mich über diese All-inclusive-Mentalität meiner Kollegen. Das ist genau das, was wir an Patienten öfter kritisieren, dieses All-inclusive… ins Krankenhaus kommen und gleich mal das MRT mitnehmen, den Neurologen, ach ja, zum Augenarzt müsste ich auch wieder mal und hätten sie nich noch ne Fußreflexzonenmassage… Und ihr, meine Kollegen, seid genau diejenigen, von denen ich diesen Ärger vernommen habe, aber guckt euch selbst mal im Spiegel an… Na, wer hätte denn noch gerne nen guten Tarif mal eben zum mitnehmen?

PS: Das ist hier keine Werbeaktion für den MB, nur mal was zum Nachdenken. Bei Verdi-Klientel gibts da keine Zweifel, da sind die meisten drin, die wollen ihren Tarif. Aber wir Ärzte… nee, ich verstehs einfach nicht. Sind wir da Entwicklungsland als Ärztestand? Und ja, beim MB glänzt auch nicht alles, was wie Gold aussieht, aber es geht ums Grundprinzip. Und wer mich jetzt beschimpfen will – das ist ne ernstgemeinte Diskussion oberhalb der Gürtellinie und sachlich.

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6 responses

19 03 2010
Crafty

Das sieht in der Pflege leider genau so (wenn nicht noch schlimmer) aus.

20 03 2010
Benedicta

Bei unseren Studenten frage ich mich das manchmal auch – warum organisieren die sich nicht?
Die Antwort ist: weil der Leidensdruck noch nicht hoch genug ist. Möglicherweise stimmt das ja auch bei den Ärzten…

20 03 2010
gr3if

Schön das ich einen Studiengang habe der sehr organisiert ist. Eigenes Forum, Tutorium der neuen^^ Neulich standen wir mit 35 Leuten beim Dekan nur um für einen Studenten etwas genauer zu klären. Das System ist mehr als super 😀

22 03 2010
vio

in der pflege sind leider auch die wenigsten in der ver.di.
aber den tarif nehmen sie gerne alle mit . hmpf.

23 03 2010
Mats

Ich bin nicht im MB, nicht mehr. Am Anfang, 2006 fand ich es noch wichtig einen eigenen TVÄ zu haben und eine eigene Vertretung. Nur was hat sich seitdem getan? Wir haben mehr Geld bekommen, dass ist schön. Nur Geld ist nicht alles. Und für eine 42-Stunden-Woche sind wir, wie ich finde, gut bezahlt. Viel wichtiger wäre es mir, wenn sich an den Rahmenbedingungen was ändern würde: wenn ich wirklich nur 42 Stunden in der Woche arbeiten würde, wenn meine Dienste (die 90% Arbeit sind und zu 60% bezahlt werden) mit guter Freizeit ausgeglichen würden, wenn nicht erwartet würde, dass Forschung und Lehre in der Freizeit stattfinden, wenn meine Weiterbildung strukturiert und sinnvoll stattfinden würde (und ich nicht immer nur da eingesetzt würde, wo gerade not am Mann ist) usw. Das alles ist mir viel wichtiger als ein paar Euro mehr – jede Stunde mit der Familie oder bei Sport und Hobbies wiegt doch dass alles auf. Das alles habe ich auch schon mal an den MB geschrieben als Leserbrief – wurde weder veröffentlicht noch beantwortet. Wenn der Verein meint, sich auf die Geldschiene beschränken zu müssen, okay, aber dann ohne mich. Ich werde wohl die Abstimmung mit den Füßen betreiben und dahin gehen, wo’s mir besser gefällt.

23 03 2010
alltagimrettungsdienst

Man merkt doch, das wir in der Medizin egal ob Krankenpflege, Ärzte oder der Rettungsdienst einfach eine ganz seltene Gattung sind. Wir können sehr viel jammern, ein bisschen demonstrieren, aber uns wirklich mal Gehör verschaffen, dafür leiden wir zu wenig.

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