Crash-Kurs Rheumatologie für Nicht-Internisten

22 09 2010

… und für Internisten, die keine Rheumatologen sind. Also so ein Rheuma-Rookie wie Assistenzarzt.

Wenn man einen Symptomenkomplex sieht, bei dem man denkt, es ist nichts mit Viren oder Bakterien und auch nichts onkologisches, dann könnte es möglicherweise was rheumatologisches sein. Die Dr. House-Grundregel „It’s not Lupus“ entspringt einem Running gag der Autoren dieser Serie.

Wenn man einen Symptomenkomplex oder Hauterscheinungen hat, die man sich nicht erklären kann, sollte man nach Bakterien suchen (sogar nach MRSA), Viren (auch Erwachsene können Windpocken oder Masern kriegen), bei bestimmten Personengruppen an was paraneoplastisches denken, nach Diabetes fahnden (die haben oft Hautprobleme), eine PAVK ausschließen (jegliche Fußverfärbungen und Infektionen möglich), eine kardiale Stauung mit folgender Stauungsdermatitis ausschließen… etc…. bevor man schreit, es ist Lupus oder südwestkongolesisches Dschungelmücken-Zwergwiesel-Fieber. (= die Spatzen abklappern, bevor man sich den Kolibris zuwendet) 

Wenn man Hauterscheinungen sieht, wo man sich sicher ist, es hat nichts mit Viren oder Bakterien zu tun und hat das onkologische so gut  wie ausgeschlossen und es hat auch nichts mit Diabetes, Gefäßen, Stauungsdermatitis oder etwa Leichenflecken zu tun, dann könnte es möglicherweise auch was rheumatologisches sein.

Wenn man unsicher ist, ob es nicht doch was rheumatologisches sein könnte, dann macht man NICHT das, was Dr. House tun würde und ballert erstmal ne ordentliche Ladung Corticosteroide (auch Glucocorticoide genannt) darauf und guckt, ob es hilft. Rheumatologische Dingsdas haben nichts von „Try and Error“ wie bei Super Mario Land. Erst macht man die Diagnostik, insbesondere die Antikörper-Geschichten und wenn man die durch hat, hat man vielleicht ja schon eine Diagnose und

1.  weiß ob Corticosteroide was bringen. (Es gibt durchaus rheumatologische Krankheitsbilder, die nicht auf Cortis ansprechen.)

2. hat dem Rheumatologen oder geneigtem Internisten nicht die Diagnostik verbaut, so dass man Monate warten muss, bis man irgendwie über zwanzig Umwege dann doch noch die Diagnose hinkriegt. Es geht nicht darum, dass derjenige, der zuerst die Corticoid-Schrotflinte ansetzt gewinnt, sondern dass man dem Patienten eine Diagnose und eine ordentliche Therapie geben kann. Gleiches gilt für Hauterscheinungen, die gerne großzügig mit Corticoid-haltigen Salben einbalsamiert werden von einigen Kollegen. Drei Wochen schmieren und dann zum Derma oder Rheuma schicken bringt nichts, weil der dann auch keine positive Histologie mehr kriegt.

Diejenigen, die jetzt fragen „Hä, wieso, House macht das immer so!“ haben sich hiermit als Corti – Ballerer geoutet. Und die sind ganz einfach uncool, weil in der Vorlesung mal wieder Sudoku gespielt…

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One response

25 07 2011
admin

Was mich aber auch stört ist nicht nur, daß lt. Rheumaliga die meisten Rheumapatienten erst eine anderthalbjährige Odyssee durchmachen, bis sie endlich beim Rheumatologen landen (der dann, wie ich obigen Zeilen entnehme, es zudem dann noch schwerer bei der Diagnose hat), sondern, daß auch in der Rheumatologie sich niemand ernsthaft für die Patient(inn)en zu interessieren scheint, die es, auf welche Weise auch immer, hinbekommen, sich selbst oder auf anderem Wege zu heilen, wo doch die Rheumatologie bisher nur eine Symptomlinderung und -verzögerung für möglich hält. Was ist denn da los?

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