Lebenszeichen von Assistenzarzt

12 10 2011

Hallo an alle da draußen,

hier ist ein Lebenszeichen von Assistenzarzt. Ja, es gibt mich noch. Die letzten Monate ist es sehr still hier geworden. Ich sag mal einfach so: ich hatte anderweitig zu tun und mir fehlt(e) schlichtweg die Zeit zum bloggen. Zeitweise war ich auch ein paar Wochen … im zweistelligen Bereich… ohne Internetzugang. Tschüss 2&2 kundenunfreundlich-tec. Da hab ich erstmal gemerkt, dass ich den PC gar nicht so oft brauche und mein Bedürfnis nach „online sein“ war nicht so wahnsinnig groß. Es gibt ein Leben auch ohne ständig erreichbar sein zu müssen bzw. man verpasst nicht allzu viel relevantes wenn man nicht jeden Tag online ist. Ein weiteres Experiment – zunächst unfreiwillig, jetzt doch eher mit einer sehr entspannten Haltung – ist es ohne Privatfernsehen zu leben. Gut, es ist befristet, aber so herrlich ohne diese blöde Werbung. Man glaubt es nicht, es ist so. Gut, man muss seine Blase dran gewöhnen, … aber das geht schon 🙂 Ich habe es also geschafft, die mediale Überflutung der heutigen Zeit zu reduzieren. Mal gucken, wie lange dieser schöne Zustand anhält, oder ob es mich demnächst wenn die Tage kürzer werden und es abends eher dunkel ist wieder  nach Privatfernsehen gelüstet und ich die Sat-Anlage aufstelle.

Der andere Aspekt ist der, dass ich sehr viel Wut in mir getragen habe und zum Teil noch trage über Dinge in meinem Alltag. Mit manchen Sachen gebe ich mich nicht mehr zufrieden. Ich hasse es, verheizt zu werden. Ich kann ein Buch über Durchhaltesprüche veröffentlichen. Ich könnte mit meinen Überstunden einen Monat frei machen und das Jahr ist nicht zu Ende, aber ich darf sie nirgends aufschreiben, höchstens aufs Klopapier und dann die Via naturalis hinunterspülen. Ich könnte über Institutionen der ärztlichen Selbstverwaltung schimpfen wie ein Rohrspatz. Aber aus Sicherheitsgründen hat nichts davon den Weg hierher gefunden, weil ich Angst habe, dass man dann die Rückschlüsse auf mich ziehen kann, wenn ich Details preisgebe, wie es schon einigen anderen anonym bloggenden Medizinern und Medizinstudenten gegangen ist. Da man sich heute nicht mehr sicher sein kann, dass man nicht in irgendeinem Beitrag über Ärzteblogs unfreiwillig erwähnt wird, gibt es einen gesunden und einen ungesunden Weg… Wenn man sich nicht sicher ist, dass man in seiner Wut alles so schreibt, dass es maximal anonymisiert ist bzw. dass aus  der Kombination der publizierten Inhalte ein Rückschluss möglich wäre, dann hält man lieber die Blogger-Klappe. Nichts von dem Unveröffentlichten geht der Nachwelt verloren. Es wäre auch zu schade, wenn die Realität undokumentiert bliebe, auch wenn Dokumentation nicht die sofortige Publikation nach sich zieht.

Auch wenn ich mich nicht mehr hier gemeldet habe, es geht mir gut. Glaube ich. So genau weiß man das ja nie, wie dicht man am Rand des Wahnsinns ist. 🙂 Normaler als einige in meiner Klinik bin ich allemal. Gott sei Dank 🙂

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One response

12 10 2011
Günter Schütte

Bin hoch erfreut, weiter so!

Privatfernsehen schaue ich schon seit Jahren nicht mehr und mir fehlt gar nichts. Aufs Internet kann ich nicht verzichten, schon allein wegen der medizinischen Informationen.

Und bloggen tue nicht anonym – so brauche ich auch keien Angst vor Entdeckung haben.

Es wird einmal der Tag kommen, da entdecken Ärzte den Wert der Solidarität. Wenn es mal so weit ist, dann wird vieles anders. Und wenn ich mich umhöre, dann dauert es nicht mehr lange…

Es ist schon schwer, ohne Lokführer und Fluglotsen auszukommen. Ohne Ärzte wird es ungleich schwieriger. Der Frust ist weit verbreitet. Lass Dich nicht unterkriegen. Ich bin sicher, dass sich unsere Lage sehr bald zum Besseren ändern wird.

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