MB – Wohin geht die Reise?

21 03 2012

Wie man in diesem Blog schon viel früher gesehen hat, war ich immer sehr pro Marburger Bund. Auch heute noch verfolge ich die Tarifverhandlungen und lese die MB-Postille. Seit einigen Monaten beschleicht mich allerdings das Gefühl, dass das nicht mehr lange „meine“ Ärztegewerkschaft sein wird. Viele Kollegen sind bereits ausgetreten. Zu Recht wie ich finde. Die letzten VKA-Verhandlungen waren ziemlich enttäuschend. Hat man die Konfrontation vermieden, weil die Mitgliedszahlen sinken? Oder ist man schnell den Kompromiss eingegangen, weil nichts mehr rauszuholen war? Wenn ich jetzt sehe, wie verdi für den TVÖD in VKA und TdL aufbegehrt, dann frag ich mich, warum das der MB nicht auch getan hat. Die Höhe der Forderung und des Angebots ist ähnlich, aber lieber MB, die meisten Assistenzärzte und Fachärzte pfeifen auf die prozentuale Steigerung. Das bringt uns nicht viel, wenn ihr es nicht schafft, die wirklichen Probleme anzugehen. Und dafür wären wir auch demonstrieren gegangen.  Die einzige Ärztegruppe, die wirklich profitiert hat, sind die langjährigen Ärzte in Weiterbildung ohne Facharztanerkennung. Dafür lohnt es sich jetzt finanziell nicht mehr wirklich, seine Facharztprüfung zu machen (und damit ist uns jetzt als Assistenzärzte ein Druckmittel gegenüber den Arbeitgebern abgeschwächt worden). Achja, eine weitere Gruppe hat profitiert: Die leitenden Oberärzte. Davon gibts ja auch soviele im Land im Vergleich zu den WEiterbildungsassistenten oder Fachärzten. Warum muss so jemand so viel Geld bekommen? Extra eine neue Stufe eingeführt. In einer solchen Position bekommen diese Mitarbeiter in der Regel auch was von den Privatliquidationen ab, an manchen Kliniken gar nicht mal wenig. Dazu die Vortragshonorare etc. pp. Und was vergessen wird: häufig ist in dieser Höhe auch üblich, dass man sein Gehalt selbst verhandelt. Der Abstand zwischen dieser Position und den Oberärzten an sich ist noch größer geworden, mal abgesehen von den Fachärzten und darunter. Der MB feiert das jetzt als Erfolg, aber was ist mit den Forderungen, die das LEben für Weiterbildungsassistenten besser gemacht hätten?

Lieber MB, warum bekommen Oberärzte eigentlich 5 Fortbildungstage bezahlt und die Ärzte in Weiterbildung nur 3??? Habt ihr mal darüber nachgedacht, wie lange ein Ultraschallkurs, Notarztkurs, OP – Kurs oder so etwas geht? Wir nehmen Urlaub dafür, zum Teil unbezahlt… Warum haben Ärzte in Weiterbildung weniger Recht auf bezahlte Fortbildung? Gerade die müssten viel mehr zu irgendwelchen Kursen, die müssen es ja noch lernen. Und die Fortbildungen in der Regel selbst bezahlen. Bei unbezahltem Urlaub ein doppelter Verlust.

Nee, mich wundert es nicht, dass die Weiterbildungsassistenten anfangen von einer Oberarzt-Gewerkschaft zu reden und entweder austreten oder gar nicht erst in den MB eintreten.

Was wir wirklich gewollt hätten, neben der Abschaffung der Fortbildungstage-Ungerechtigkeit – und das steht auch in einigen Leserbriefen in der MB-Zeitung – ist, das der MB mit diesem Stundenabzugs-Irrsinn nach den 24-h-Diensten Schluss macht. Wenn ich laut Gesetz nicht mehr weiterarbeiten darf, dann darf es doch für mich kein finanzieller Nachteil sein, dass ich mich an das Gesetz halte, oder? Wieso kriege ich nach dem Dienst mit der Bewertung 100% das Geld pro Stunde abgezogen, aber wenn ich im Dienst nachts arbeite nur 90% des Stundenlohns bezahlt? Ist meine Arbeit nach 19 Stunden wach sein in einer vollen Notaufnahme weniger wert als wenn ich die 27.Stunde arbeite oder normal arbeite ohne Dienst?
Ja, oder denkt der MB mal drüber nach, ob es richtig ist, dass Leute zu FUnktionsoberärzten ernannt werden und doch nur Facharztentlohnung kriegen. Haben mehr Verantwortung bei gleichem Gehalt, was soll das denn?
Ein weiteres Verhandlungsfeld ist mit Sicherheit die Einführung von Zeiterfassungssystemen. Es steht seit Jahren im Tarifvertrag drin, aber leider hat der MB sowas wie eine Vertragsstrafe vergessen für Häuser, die sich nicht dran halten.
Klasse war die Idee, dass Dienstpläne am Ende des vorvorhergenden Monats klar sein müssen, warum hat der MB sich da nicht durchgesetzt? Die Begründung dass es schwierige Verhandlungen waren, ist ziemlich allgemein gehalten.
Und das mit den Zusatzurlaubstagen bei soundsoviel Nachtstunden… auch da hätte der MB weitermachen müssen, guckt euch verdi und die Krankenschwestern an, die haben bis zu 5 Tage Urlaub mehr pro Jahr und ich finde 24-h-Dienste wiegen genauso schwer wie Schichtdienst.

Und das mit den Pausenzeiten in den Diensten – es gibt nur diese offizielle Sprachregelung von maximal 90% Arbeitsbelastung. Was für ein Schrott… wenn ich die 10% „Freie“ Zeit am Ende des Dienstes habe, dann nützt sie mir nichts, wenn ich dann seit dem Mittag davor nichts mehr zu essen bekommen habe und 12 h nicht pinkeln gehen konnte. Wenn der Tarifvertrag Zwangspausen vorschreibt bzw. Zusatzentlohnung wenn nicht erfolgt, dann sind die ARbeitgeber gezwungen, uns besser zu besetzen oder Alternativen zu suchen.

Und eins würde ich mir auch noch wünschen: Kann der MB nicht anfangen, die Arbeitsmedizin für Ärzte zu fördern und nicht nur diesen allgemeinen Slogan von der ÄRztegesundheit zu bringen. Gründet eine Stiftung zu Forschung über die Ärztegesundheit und guckt euch mal an, wie wir nach 10, 20 oder 30 Jahren Diensten aussehen, was die Ehen der Ärzte machen, wieviele von uns bestimmte Krankheiten haben, was man überhaupt noch nach welchen Arbeitsbelastungen machen kann ohne dabei eine bestimmte Fehlerquote zu überschreiten.

Der MB ruft immer auf, dass man sowas hinschreibt, was man verhandlungswürdig empfindet. Hmmm, hab ich mal gemacht, außer ner Antwort, dass man auch nicht wisse, wo man mit meiner Frage hinsolle, dort jedenfalls nicht, hab ich nichts gehört… und es dann sein gelassen.

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