Fundgrube Dschungelcamp

14 01 2013

Ich gebs ja zu… ich gucke auch das Dschungelcamp.  Aus rein beruflichen Gründen versteht sich. Denn das, was man da sieht, ist eigentlich der Alltag… Zickenkrieg, Macho-Man, Intrigen, Koalitionen… Gut, das kriegt man auch zu sehen, wenn man nachmittags auf den dritten Programmen die Sendungen aus deutschen Zoos guckt und die uns Verwandten gezeigt werden. Wir sind uns ganz und gar nicht unähnlich…

Mit den PJs übe ich immer Blickdiagnosen Innere Medizin. Dschungelcamp ist fantastisch dafür. Es sind keine Stars, aber lasst sie da drin… es ist doch nur für meine PJs…

Ein nicht näher bezeichneter Senior:

Die Bilder vom Flug und Flughafen – alkoholisiert. Vorsichtig sein, manchmal unberechenbar. Bestätigte sich sogar, wenn man Olivia Jones Bericht hört vom Flug bzw. den aus der großen deutschen Boulevardzeitung liest. Armer Redakteur. Gut, die Geschichte lohnte sich, aber er hatte es sicher auf dem Nebensitz nicht einfach. Erst Lorazepam legte laut dieses Redakteurs den wütenden B. lahm, nachdem er randalierte, schimpfte und mit Suizid auf dem Flugzeugklo drohte, nur weils keinen Nachschub gab. Die Airline drohte wohl mit Zwischenlandung in Dubai. Verhalten spricht für… richtig, Suchtverhalten. Craving nennen es die Psychiater, glaube ich. In der Inneren sagen wir profan „Saufdruck“. Unstillbares Verlangen nach der Substanz, Steigerung der Dosis, Ausrichtung des gesamten Verhaltens auf das Erlangen von Nachschub… egal. In Singapur gabs ne Bar im Flughafen.

Noch mehr Verhalten: Er langte einer für ihn noch fremden Frau an den Busen, die Fotos gingen durch die Presse. Das hat für mich nichts mit Künstler oder Freiheit zu tun, sondern mit fehlendem Benehmen und Distanzminderung. Letztere ist z.B. bei der chronischen Alkoholkrankheit relativ oft vorkommend.

Nächster Punkt: Das Gangbild. Breitbeinig, unsicher, staksig, fast wie der Storch im Salat. Klassisch für eine ethyltoxische Polyneuropathie mit oder ohne gleichzeitig vorliegende Kleinhirnschädigung. Das haben sich meine Studis jetzt gemerkt.

Geht noch weiter: Herr B. hob irgendwann mal theatralisch die Hände. Die Handflächen zeigten genau zur Kamera. Es offenbarte sich ein typisches Palmarerythem. Typisch für? Das wussten sie, meine Studis: Leberschaden.  Spider naevi konnte man bei den Kameraeinstellungen nicht sehen.

Gynäkomastie. Tritt auf bei… Leberschaden, Medikamentös, Adipositas…

generalisierte Muskelatrophie… findet man im Alter, Leberschaden und diversen anderen Erkrankungen wie Herz- oder Lungenkrankheiten.

Zusammenfassend ergibt sich für mich ein bestimmter Eindruck. Ich war gespannt, wie lange das im Camp gut geht und ob bzw. wann er in den Entzug kommt bzw. wie man als Sender darauf reagiert. Es zeigte sich dann ein oft schlafender Mann. Auch da ergab sich für mich ein bestimmter Eindruck. Erst recht, als RTL jetzt verbreitete, dass sich der Mitspieler in einem einsamen Hotel aufhalte mit Begleitperson. Nun ja, irgendwie müssen sie ihn fit für den Rückflug kriegen, sonst nimmt ihn keine Airline mit, fürchte ich. Nun gut, für genügend Aufmerksamkeit hats gereicht. Aber mal ehrlich: So wie die Bilder vom Camp über den Sender gingen – Unterstützung beim gehen, nicht alleine das Essen zubereiten können, Hilfe bei der Körperpflege durch andere Personen… das reicht für ne Pflegestufe. Man könnte es als eingehen eines gewissen Risikos bezeichnen. Zum Glück für alle Beteiligten zog man die Reißleine und beendete den Spuk. Wie gesagt, jetzt müssen sie ihn irgendwie wieder nach Österreich kriegen. Aber dafür gibts ja notfalls die Assistance-Dienste. Tja, und wenn man den Mitspieler dann hört, wie er sich mit den anderen unterhält und sagt, er habe gar nicht gewusst, dass er mitten im Wald sitzt, er dachte das ist am Meer und von den Dschungelprüfungen und so, habe er auch nichts gewusst, er kenne die Sendung gar nicht… da fragt man sich allen Ernstes, ob da jemand überhaupt gewusst hat, worunter er seine Unterschrift setzt und in welchem Zustand er das tat. Und man fragt sich, ob das wirklich so ist, dass der Sender ein Gesundheitsattest von einem Arzt und einem Psychologen wollte, die die Dschungeltauglichkeit beweist… falls ja, müsste man dem ausstellenden Kollegen noch mal den Tip geben, dass Gefälligkeitsgutachten fahrlässig sind.

Die Neugier auf den Skandalschauspieler ist Kopfschütteln gewichen gepaart mit einem gewissen Maß an medizinischem Interesse. Und einem anerkennenden Wort für die Show-Figur Dr. Bob (der in Wirklichkeit ein Sanitäter ist) bzw. dem medizinischen Support vor Ort, den ich an anderer Stelle in diesem Blog vor einiger Zeit mal kritisiert habe. Aber man kann auch als Zuschauer aus der Sache lernen, nicht nur Blickdiagnose Innere Medizin. Ich glaube, so eine gute Anti-Alkoh0l-Kampagne hat kein TV-Sender in den letzten Jahren hinbekommen.

Als nächstes wird wohl eine Diskussion um Essstörungen entbrennen. Armer Dr. Bob, das wird nicht leicht. Aber Iris Klein sprach mir aus der Seele „Die sieht ja aus wie’n Fahrrad!“ , jepp, da gucken sogar die Speichen raus. Wir haben schon BMI-Tipps abgegeben. Ich sag 16,5. Wir hoffen nur, dass sie irgendwann mal ihre Größe und das vermeintliche Gewicht sagt, damit wir den Gewinner bestimmen können…

Tipp für die/den Dschungelkönig(in): Olivia Jones.

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One response

15 01 2013
stellinchen

genialer Post 😀
Ich schaus auch nur, weil mich Innere interessiert *g*
Ich sag übrigens auch 16,5. Und Olivia rockt das ganze ^^

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