Das Blut ist knapp

13 07 2013

Und immer noch arbeiten wir am Rande des… ich nenne es mal populistisch „Transfusionsnotstandes“. Einige Blutbanken bunkern inzwischen für die ernstesten aller Notfälle und für spezielle Patientengruppen (Antikörper im Blut gegen bestimmte „Fremdblutsorten“, Schwangere, bestimmte Immunsupprimierte) Reserven, wir nennen sie scherzhaft „Staatsreserven“ oder „eiserne Reserve“ oder einfach Goldstaub. Wir handhaben die Transfusionsindikationen inzwischen noch härter. Das Problem ist die Ferienzeit, die jetzt zu allen anderen Umständen dazu hart ins Kontor schlägt. Wer denkt schon dran, im Urlaub Blut zu spenden? Der Bedarf ist gleich und durch die sommerlichen Unfälle mit Polytraumen sogar manchmal noch höher. Eigentlich müsste jeder Motorradfahrer auch Blutspender sein… Ich bin es leid, dass ich ständig noch mehr aufklären muss, weil wir Rhesus-Inkompatibel transfundieren müssen. Manche lehnen die Transfusion danach ab. Da steht man als Arzt dann doof da, wenns keine Alternativen gibt. Mir läuft jedes Mal ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich barsch aus der Blutbank am Telefon zu hören kriege „Gibt kein Rhesus negativ mehr.“ Die Mitarbeiter dort sind inzwischen so angefressen von ständigen Nachfragen aus allen Kliniken, warum man nicht normal transfundieren kann, dass ich es verstehen kann, wenn der Ton etwas herber wird. Und ich höre von Kollegen anderer Regionen im Norden, dass es dort nicht besser aussieht. Die kriegen von ihren Blutbanken genau das gleiche zu hören.
Ich habe in diesem Blog vor Kurzem schon einmal drüber geschrieben, ich weiß nicht, was ich dem noch hinzufügen soll. Außer vielleicht dem Vorschlag, dass das DRK und andere Blutspendeorganisationen dorthin gehen, wo diejenigen mit Spendeausweisen sind oder wo man neue Spender rekrutieren könnte – in die Touristenzentren (Neuspender kriegen einen kostenlosen Gesundheitscheckup). Macht Aktionen mit Radiosendern, verteilt Aufkleber für die Autos „Ich bin Lebensretter, ich spende Blut“ und den Logos der Sponsoren von mir aus und wer mit so einem Ding gesehen wird, gewinnt eine Reise. Aber ihr da oben, egal, was ihr tut, werdet endlich aktiv und nicht nur so halbherzig mit mal einmal einen Tag einen Artikel in der Presse auf Seite 8 im Regionalteil.

Ich wiederhole meinen Aufruf: Bitte, geht Blut spenden! Macht in Euren Blogs auf das Thema Blutspende aufmerksam, berichtet über Eure derzeitigen Erfahrungen in der Klinik, der Praxis und dem Rettungswesen oder als Blutspender oder als Empfänger einer Blutkonserve und bringt es in das Bewußtsein der Menschen, dass es tausend Mal wahrscheinlicher ist, dass sie in ihrem Leben einem anderen das Leben durch eine Blutspende retten als dass sie auf der Straße jemanden wiederbeleben müssen / können.

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15 responses

14 07 2013
stellinchen

Jo, ich sags auch immer.
Parole: Niemals aufgeben, gell…

15 07 2013
Lina

Welche Bedingungen muss man denn erfüllen, um Blut spenden zu können? Mir wurde noch nie Blut abgenommen und ich weiß gar nicht, ob ich das vertrage.

15 07 2013
stellinchen

Über 50 kilo und weitestgehend gesund. Einige Dauermedikamente sind (nicht) zugelassen, aber das erfährst du alles dort (:

15 07 2013
Assistenzarzt

Hier gibts Infos für Erstspender. Exemplarisch die Seite des DRK:
http://www.drk-blutspende.de/informationen_zur_blutspende/informationen_fuer_neuspender.php

Es gibt aber an vielen großen Kliniken und in der Regel an den Universitätsklinika eigene Blutspendedienste. Da gelten die gleichen Regeln, die Honorierung bzw. Entschädigung des Aufwands kann aber variieren.

16 07 2013
Maggy

Ich bin erst vor kurzem 18 geworden und durfte daher bisher nicht Blutspenden. Auch jetzt weiß ich nicht, ob ich es wirklich mache. Ich hab panische Angst vor Nadeln und kippe beim Blutabnehmen immer um, nachdem ich bei den Ärzten aufgrund meines Gebrülls vermutlich einen Hörschaden hinzugefügt habe.

Eigentlich wollte ich noch erwähnen, dass in meiner Arbeit im Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Roten Kreuz zwei mal jährlich eine Blutspendeaktion durchgeführt wird, wo alle MitarbeiterInnen mit Rundschreiben und Plakaten informiert werden, dass man wieder Blutspenden kann und als „Zuckerl“ vom Arbeitgeber bekommen die MitarbeiterInnen, die Blut gespendet haben, den restlichen Tag frei.

16 07 2013
fanger

Tjaaa das nennt sich Spende. Also meine Leistung gegen keinen Nutzen außer das es am einen Ende reingepumpt wird und am anderen Ende wieder rausblubbert. Denn wer Blut braucht hat ein Loch und aus dem kommt der Saft wieder raus. Wurde schonmal Wein probiert? Is doch auch Rot. Oder Tomatensaft?
Wie wäre es, wenn man es Blutankauf nennt und dafür was bekommt? Grade im Sommer noch ein paar Euro in die Reisekasse? Schnell mal Blut verkaufen und dann ab in den Urlaub.
Spass bei Seite. Mal ganz im ernst, wenn ich eine Blutspende bekomme, dann muss ich die bezahlen, also nicht nur den Arzt und sein Personal das mir die Infusion legt, sondern auch die Medikamente und auch das Blut. Warum soll dann nicht auch der Spender dafür etwas bekommen das er Blut abgibt? Manche Institutionen tuen das. Aber Du hast auf DRK verlinkt und die tuen es nicht.
Wenn ich einem Menschen auf der Straße das Leben rette kann es gut sein das mir wer ne Auszeichnung um den Hals bammelt. Gebe ich mein Blut gebe und rette damit ein Leben habe ich so gesehen nix davon.
Wenn schon die Blutabgabe an sich nix bringt, wie wäre es dann wenn einem dafür für einen Monat die Lohnsteuer erlassen wird? Das hätte zwei sehr interessante Vorteile. Zum einen deutlich mehr Spender, zum anderen weniger Schwarzarbeiter. …Auch wenn mir dieser Vorschlag Null bringt da ich im Ausland Lebe und arbeite. So würde mich das doch für alle in DE zurückgebliebenen freuen.

16 07 2013
Assistenzarzt

@fanger: Wenn du eine Transfusion bekommst, zahlt die gesetzliche oder private Krankenversicherung, es sei denn, du hast keine Krankenversicherung und bist Selbstzahler. Die Kliniken kaufen die Transfusionen (es sei denn die Unikliniken mit eigenen Transfusionsinstituten, die haben nur die Kosten des Eigenbetriebs) von den Blutspendezentralen. Das Geld wird der Kasse nicht obendrauf geschlagen bei der Krankenhausrechnung sondern ist in der Fallpauschale enthalten, die das Krankenhaus für die Krankheit XY bekommt.
Bevor du rummeckerst, hättest du dem Link zum Beitrag vom 13.6.13 folgen sollen, da habe ich eben über jenes Thema der unzureichenden Honorierung nachgedacht und mich dazu geäußert, wie man die Honorierung besser gestalten müsste, um den Spendern für den Aufwand und die Bereitschaft, etwas für die Allgemeinheit zu tun, zu danken bzw. es anzuerkennen. Und Honorierung hin oder her. Wenn das so weitergeht mit dem Konservenmangel, wird irgendwann jemand an Komplikationen sterben, weil er nicht rechtzeitig mit Konserven versorgt werden kann.
Ich habe auf das DRK verlinkt, weil dort die Fragen, die von den anderen Usern gestellt wurden, klipp und klar beantwortet wurden und das von einer kompetenten Stelle und nicht von einem Pseudomedizinischem Internetforum.
Du legst Wert auf eine Auszeichnung, wenn du jemandem das Leben rettest? Nun ja, nicht jeder bekommt die, weder diejenigen, die jemanden aus dem Wasser ziehen als Ehrenamtler, noch der Nachbar, der neulich jemanden wiederbelebt hat. Und doch tun sie es. Warum nur?
Übrigens werden jedes Jahr langjährige Blutspender ausgezeichnet.

17 07 2013
fanger

Hi, Danke für deine Erleuterungen. Habe auch deinen anderen Post gelesen. Sehr interessant und gut zu wissen. Hoffe nur das jede Blutgruppe gleich kostet. Ist schon diskriminierend genug das es an Wochenenden mehr kostet, falls ich das richtig verstanden habe.
PS: nur weil ich deutsch schreibe, und nen Deutscher bin (aus TH), heißt das noch lange nicht das ich in Deutschland lebe oder eine allgegenwärtige alles und die Welt zahlende Krankenversicherung habe die Schweineteuer ist und die Krankenhäußer trotzdem alt aussehen lässt. Ich lebe aktuell auf der arabischen Halbinsel, meine KV hat ne maximale jährliche Deckungssumme die ich hoffentlich niemals in Anspruch nehmen muss, und den Ärzten hier geht es gut, auch wenn sich manche über die 50 Stunden Woche aufregen.
Wenn ich malwieder im Lande bin werde ich mal sehen ob das DRK mal anstatt von Geld was anderes bekommt.

19 07 2013
Maria

Hallo,

ich habe einige Jahre lange für das DRK Blut gespendet. Dafür gab es ein Dankeschön, ein Brötchen und Getränke. Dann spendete ich für eine andere Institution, dafür gab es eine Aufwandsentschädigung. Nun dürfte klar sein, wo es mehr Spender gab. Blutkonserven werden verkauft, das ist es besser auch die Spender zu honorieren. Zwar wirbt das DRK mit der kostenlosen Blutuntersuchung, aber die habe ich auch in andere Spendezentren. Immerhin fährt man hin, nimmt sich mindestens 1-2 Stunden Zeit und nur für ein Brötchen und einem guten Gefühl? Wenn man erfährt, was mit Blutkonserven verdient wird (könnte man fast mit der Altkleidersammlung vergleichen – statt guter Spende nur Geldmacherei), finde ich es fairer die Spender daran zu beteiligen.

LG
Maria

21 07 2013
Antara

Ich würde gerne wieder Blutspenden aber wenigstens die Anfahrtskosten hätte ich gerne wieder drin.
Wenn mir also jemand sagen kann, wo es Geld für meinen Lebenssaft gibt, mache ich mich auf die Socken.
Mfg Antara

30 07 2013
mamasliebling

Als main Vater sehr krank war, bekam er auch eine Blutkonserve.
Da war ich schon sehr froh, dass sich jemand für „mindestens 1-2 Stunden Zeit“ nahm „und nur für ein Brötchen und einem guten Gefühl“ Blut gespendet hat.

Auf die paar Euros Aufwandsentschädigung kann gut verzichten.
Denkt immer dran, es könnte auch Euer Vater, Mutter, Kind oder ihr selbst mal Blut benötigen.

7 08 2013
Schäfchen

Bei meiner erste Blutspenden bin ich derart abgeklappt, dass die Ärztin lange keinen echt messbaren Blutdruck mehr fand. Da war ich zarte 18 und meine Oma hat mich abends sowas von rund gemacht *kicher* Es blieb die bislang letzte Spende. Und dann lag meine Tochter auf Intensivstation, sie war bei Zelltiefs auf Blutspenden angewiesen und sie hat, Ironie des Schicksals, eine der seltensten Blutgruppen. Ich war dankbar für jeden, der sich die Zeit genommen hat für die Liege. Ich versuchte den Mut zu finden, wieder spenden zu gehen. Aber damals stillte ich noch. Dann war ich körperlich fertig. Dann hätte ich, war aber feige … Jetzt, nach dem letzten Kind, könnte ich gehen. Noch habe ich Angst – ich muss anschließend noch heimfahren mit dem Auto und die Kinder beaufsichtigen. Kann ich das? Schaff ich das?
Ich bräuchte keine Entschädigung. Damals gabs Schoki und was zu trinken, ich hab unlängst gelesen, dass es Eis für die Spender gab hier vor Ort. Ich finde das ne tolle Geste, aber ich würde meine Spende nicht davon abhängig machen. Wenn ich bloß nicht so feige wäre …

15 08 2013
Krischan

Nennt sich Spende, weil man was spendet. Wer Organprostitution betreiben will, kann das auch, gibt genug Firmen die zahlen.

Wieso spende ich? Nuuuuun, das DRK betreibt zufällig über die Hälfte aller Rettungsdienste mit solcher Gegenfinanzierung. Win-win also: ich bekommen eine bessere Notfallabdeckung eine Spende in netter Gesellschaft. Faktisch bezahlt der lokale DRK mit den Einnahmen den Ausbau des hiesigen Rettungszentrums ab. Diese Nähe und Ausstattung mich sehr gefreut, als ich meinte einen RTW + Notarzt zu benötigen.

Ich bin momentan leider bei dieser Anfrage außen vor, meine ansonsten heiss, heisser am heissesten begehrten Blutbeutelchen bekommen wegen einer Desensibilisierungtherapie immer so andere Aufkleber …

6 10 2013
Sunny

Ich würde gerne Blut spenden gehen, nur ist es mir nicht erlaubt (Diabetes Typ I.). Was mir nach wie vor ein Rätsel bleibt, ist der genau Grund, der dahinter steht – meine Blutwerte werden alle 3 Monate untersucht, ansonsten bin ich gesund.
Was ich nicht verstehe – wenn tatsächlich die Situation so schwierig ist, warum werden nicht zB Diabetiker zugelassen zum Blutspenden? Ich meine ja nur, Organspende geht, aber Blutspende nicht? Ich seh den Punkt da nicht…

29 04 2014
Wieseltier

Ich gehe gerne Blut spenden und will auch wirklich nix dafür haben. Da ich eine relativ seltene Blutgruppe habe, (A Rh(D) neg) freuen sich auch immer alle. Das reicht mir.
Was mir allerdings auch reicht, sind die ewigen Wartezeiten und diese transfunselige Unorganisiertheit des DRK. Warum kann man da keinen verbindlichen Termin machen? Warum staut sich immer alles vor der Arztuntersuchung? Warum eigentlich kann man nicht in jedem Krankenhaus Blut spenden?

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