Zuviele Badetote durch Leichtsinn und Überschätzung

21 07 2013

Die Presse nennt es „Schwarze Serie“ oder ähnlich. Eine Schwester in der Klinik sagte „Das ist unglaublich, die sterben wie die Fliegen, das muss doch mal aufhören“. Ja, das muss es! Innerhalb des Monats hat es 10 Badetote in MV gegeben. Es waren Einheimische und Urlauber. Kinder und Erwachsene.
Was jedoch in vielen Fällen Ursache war: Leichtsinn und Überschätzung. Das macht es so traurig. Die meisten könnten wahrscheinlich noch leben, wenn sie sich an die simplen Baderegeln gehalten hätten. Ja und das finde ich tragisch und mehr als traurig. Zum Meer und dem Strand gehört Lebensfreude, Fröhlichkeit und Spaß. Aber nicht Trauer.

Man sollte meinen, dass alle – Urlauber und Einheimische – aus den Vorkommnissen der letzten Tage gelernt hätten. Wenn man jedoch hört und sieht, was über TV-Sender und Zeitungen geht, dann bekommt man das Grausen. Auch weiterhin gehen Jugendliche dicht neben Molen baden, obwohl dort wegen der gefährlichen Unterströmungen ein Badeverbot herrscht. Kinder und Erwachsene klettern auf Buhnen herum, die glitschig und voll mit Muscheln sind und eine hohe Verletzungsgefahr bieten. Das sind keine Spielgeräte für Badende sondern Küstenschutzmaßnahmen. Und auch an den Buhnen sind Strömungen. Viele ignorieren auch weiterhin die rote Flagge oder den roten Ball, der ganz nach oben gezogen wurde und Badeverbot heißt, weil die Wellen und damit die Strömung zu groß sind. Selbst gesehen… Da wird alkoholisiert ins Wasser gegangen oder man schwimmt schön weit raus, am besten noch in Fahrrinnen hinein, wo man von den großen Schiffen gar nicht gesehen wird oder die Jetskis über einen drüber rauschen können. Und wenn dann Leute, die bei Badeverbot und starker Brandung ins Wasser gehen, von Journalisten gefragt werden, dann kommt die Antwort: Naja, ist doch ein Rettungsturm da, wenn was ist, ziehen die mich raus. Da möchte man einfach nur fragen: Gehts noch? Die Diskussionen hier oben kochen derzeit hoch. Jetzt wird der Wasserwacht und DLRG vorgeworfen, sie hätten zu wenig Leute. Liegt vielleicht daran, dass es häufig Ehrenamtler sind, die nur eine Aufwandsentschädigung kriegen. Mal ehrlich, möchte man so einem Ehrenamtlichen jungen Menschen mit 18 oder 19 Jahren oder auch den nicht mehr ganz so blutjungen Familienvätern zumuten, einem völlig ignoranten Menschen Mitte dreißig hinterher zu springen, weil dieser bei Badeverbot rausschwimmt und von der Strömung abgetrieben wird? Er gefährdet mutwillig bzw. leichtsinnig (je nachdem, wie man es sieht) das Leben anderer – das der Rettungsschwimmer, die dann ebenfalls in die Strömung und Wellen reinmüssen. Über seines kann er ja immer noch allein entscheiden… Rettungsschwimmer sind keine Menschenopfer für Poseidon, die man nach belieben darbieten kann. Das scheinen jedoch leider nicht alle begriffen zu haben. Das Meer ist und bleibt ein Element mit Strömungen und Wellen, es hat Energie und lässt sich nicht steuern. Vielen fehlt wohl einfach der Respekt für diese Naturgewalt.
Ich finde den Vorschlag gut, dass jeder, der an einem bewachten Strand bei hochgezogener roter Flagge (also Badeverbot) trotzdem ins Wasser geht oder gar seine Kinder reingehen lässt und das öffentlich empfohlene Badeverbot missachtet und gerettet werden muss, eine Einsatzpauschale in Rechnung gestellt wird, die dann für die Aufrechterhaltung des Rettungsschwimmer-Dienstes verwendet wird. Klare transparente Regel, finde ich. Und sicherlich auch mit einer gewissen abschreckenden Wirkung, wenn wir von 1000 Euro Pauschale ausgehen.

Hier einmal der Link zu den DLRG-Baderegeln für Kinder. Vielleicht begreifen es dann auch die wagemutigen / ignoranten erwachsenen Strandbesucher, zu denen, wie gesagt, Einheimische und Urlauber zählen. Jeder Badetote ist einer zuviel und den Vorwurf, es läge allein an den Rettungsschwimmern, kann ich einfach nicht gelten lassen. Sie können nur noch das retten, was überhaupt noch zu retten ist. Die Ursache ist wohl oft, wie schon gesagt, Leichtsinn und Selbstüberschätzung durch den Badenden selbst. Wer sich in Gefahr begibt, wird darin umkommen. Ja, so heißt es in dem Sprichwort.

In diesem Sinne: Habt Spaß, aber seid nicht leichtsinnig.

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8 responses

21 07 2013
stellinchen

*kopf schüttel* Ohne Worte

21 07 2013
stellinchen

Hat dies auf stellinchen rebloggt und kommentierte:
Da fällt einem irgendwie nichts mehr zu ein …

21 07 2013
schwesterle

Wie recht du hast!

21 07 2013
fanger

Klar, da geht jedesmal ein Mensch drauf. Aber der ist ja doch selber Schuld. Solange kein Rettungsschwimmer hinterher geht und auch umkommt hat das doch auch was positives, ein Idiot weniger.
Es ist nur traurig das man die Leichen meißt erst so spät findet das man die Organe nicht mehr verwenden kann. Oder das sich ein Fisch die besten Stücken abgeknabbert hat.

24 07 2013
Jochen

Hallo fanger.
so einfach ist das für uns Rettungsschwimmer leider nicht. Wir sind zwar bei Roter Flagge nicht verpflichtet ins Wasser zu gehen, aber im Leben ist halt nicht immer alles Schwarz oder Weiß. Oft wird die Flagge gehisst, wenn es für „normale“ (nicht falsch verstehen) Schwimmer zu gefährlich ist. Durch unsere Ausbildung, das Team, dass hinter uns steht, und die besondere Stellung die wir am Strand haben (Garantenstellung) kommt eben doch immer die Überlegung auf, ob ich mir nicht doch zutraue ins Wasser zu gehen.
Wir retten auch in den meisten Fällen mit mehreren und selbst wenn du schreibst, „ein Idiot weniger“ ist es nicht wirklich lustig denjenigen suchen und finden zu müssen. Ist mir erst vor 8 Wochen in der Lübecker Bucht passiert. Wie auch in den Zeitungen steht, ohne happy end.

21 07 2013
bambooos

Habs auch weitergeleitet.

23 07 2013
Ralf

Am Bodensee haben wir zur Zeit das gleiche Problem 5 Badetote inerhalb einer guten Woche.

Für mich sind momentan die hohen Temperaturen auschlaggebend für die hohe Todeszahl da:
1) Viel mehr Menschen baden gehen als bei schlechtem Wetter
2) Auch Personen baden gehen die ansonsten nicht gehen und entsprechend ungeübt sind.
3) Es fehlt der Anreiz das Wasser wegen der Kälte zu verlassen bevor man erschöpft ist.
4) Bei kalten Bedingungen ist eine erfolgreiche Reanimation wahrscheinlicher

Ps: Jedem der die Verantwortung den Rettern in die Schuhe schieben will darf man gerne einen Antrag zur DLRG Mitgliedschaft unter die Nase halten.

29 07 2013
Assistenzarzt

@Claudia: Sinnlose und inhaltfreie Kommentare werden (wurden in deinem Fall) gelöscht.

@alle anderen: weitermachen wie bisher

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