Aufmerksam

6 08 2013

Übrigens ist mir aufgefallen, dass Patienten und manche Studenten mehr Höflichkeit und Benehmen haben, als „erwachsene“ männliche Ärzte. Woran man das merkt? Das fängt damit an, dass ich es lange nicht mehr erlebt habe, dass männliche Kollegen einer Frau die Tür aufhalten. Also so spontan fällt mir nur ein KOllege ein, der das macht. Um so mehr fällt es auf, wenn es mal jemand macht. Komischerweise waren das zum großen Teil Studenten oder Patienten. Gleiches gilt beim durch die Tür gehen. Oder aber wenn man etwas schweres trägt, es springen erstauntlicherweise eher Patienten und Studenten zu Ärztinnen oder Schwestern und nehmen die Akten ab oder halten die Tür auf. Meist tragen die Famulanten und Pjler den Schwestern schwere Kartons oder Getränkekisten, freiwillig und aufmerksam. Oder aber wenn die Schwestern mit einem Bett schwer am rangieren sind oder Patienten umlagern – es greifen Patienten zu und drehen das Bett mal mit in die richtige Richtung oder die Studenten packen mal eben mit an zum Umlagern. Nicht jedoch einige meiner Kollegen, die dafür 3 x pro Woche ins Fitnessstudio laufen, um sich fit zu halten. Jedenfalls wird es immer seltener, finde ich. Vielleicht ist das ja nur ein subjektiver Eindruck und ich seh diejenigen, die es machen möglicherweise gerade nicht. Wenn man nur im Dunklen hockt, hält man das irgendwann auch für den normalen Zustand.
Wer räumt die Kaffeetassen weg? Wer wischt den Tisch mal ab? Wer sorgt dafür, dass das volle Kaffeefilter in der Maschine nicht Kulturen bekommt übers Wochenende? Komischerweise höre ich von allen anderen Kolleginnen das gleiche… und ich habe neulich beim Erfahrungsaustausch nicht mit dem Thema angefangen…

Hoffentlich werden einige meiner Studenten, die so höflich waren / sind mal meine Kollegen. Ich würde mich freuen. Vielleicht färbt das ja auf ein paar andere ab. Lernen durch imitieren machen wir ja von Geburt an.

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7 responses

6 08 2013
Assistenzarzt

Gott, mir fällt auf, dass man mich nach den letzten beiden Beiträgen für eine Hardcore-Emanze halten könnte. Ich bin momentan die Quotenfrau unter Männern. Es ist nicht leicht, glaubt mir… die alten Rollenbilder sind längst nicht aus allen Köpfchen raus…

6 08 2013
Nirven

Aber gerade wegen der Rollenbilder, oder besser, um diese loszuwerden, wieso sollte man(n) einer Frau eher die Tür aufhalten als jemand anderem?

Ich halte die Tür auf wenn jemand zeitnah ankommt, unabhängig davon wer es ist. Wobei zeitnah für mich hier bedeutet, wenn die Person sonst in/an die zufallende Tür greifen müsste, halte ich sie auf.
Oder natürlich wenn es so aussieht als ob er/sie Hilfe gebrauchen könnte. also schwer bepackt ist, an Krücken geht oder so, dann auch wenn die Person noch weiter weg ist.

6 08 2013
stellinchen

Ich versuche auch immer zu helfen, und halte je nach Gelegenheit auch Männern die Türe auf *g*

7 08 2013
ichich

ich finde es schon seltsam (nicht nur hier sondern allgemein) die heutige Generation der Frauen schreien nach Gleichberechtigung in allen Bereichen des Lebens, aber erwarten trotzdem, dass die Männer ihnen die Tür aufhalten, in die Jacke helfen und selbstverständliich muss beim abendlichen Weggehen der Mann die Zeche bezahlen.

Ich finde, wir Frauen machen es uns da sehr einfach. Viele Frauen wollen immer das schönste Stück von der Torte.

10 08 2013
Assistenzarzt

Die heutige Generation der Frauen hat sich im Vergleich zu den Frauen in den 50 er Jahren der BRD emanzipiert. Wir können selbst entscheiden, ob und was wir arbeiten (wenn wir einen Job kriegen), dass wir arbeiten (wir brauchen keine Erlaubnis mehr dafür von unserem Ehemann wie es in der BRD bis glaube ich Anfang der 1970er der Fall war), wir entscheiden selbst, ob und wen wir heiraten, wir führen eigene Bankkonten, sorgen selbst für unsere Rente vor.
Wenn ich ausgehe, dann zahle ich selbst für mich. Wie die meisten anderen Frauen auch. Manchmal wird man eingeladen, dann steht von vornherein fest, dass Mann zahlt. Ich habe aber auch ab und an den Mann eingeladen, womit weder er noch ich ein Problem hatten.
Höflich ist es, jemandem die Tür aufzuhalten. Meine Kollegen haben es aber oft drauf, vor einer Kollegin oder Schwestern – nicht nur vor mir – die Tür zufallen zu lassen und da ist mir der Unterschied aufgefallen. Andersrum passiert es selten. Aber ich kann nur für meinen Arbeitsplatz sprechen. Es ist ebenso merkwürdig, dass in einem vollen Raum nur die Frauen für die schwangeren Kolleginnen aufstehen, damit die sich in der Besprechung hinsetzen können und nicht stehen müssen. Ist für mich auch Höflichkeit, schließlich haben wir das schon als Kinder gelernt.
Wenn man stets die einzige ist, die die Kaffeetassen vor der Tastatur beiseite räumt, um arbeiten zu können oder mal den eingesauten Tisch abwischt, auf dem eigentlich Akten liegen, hat man irgendwann auch die Nase voll. Das ist nicht meine Aufgabe, anderen ihr Zeugs hinterher zu räumen, weil sie nicht das Benehmen haben, ihren eigenen Dreck wegzuräumen. Ich mache es, weil ich nicht im Dreck arbeiten will und mal an die Tastatur muss. Wobei bei letzterem bei uns wieder der Übergang zur Gleichberechtigung angeschnitten wird, weil es immer die Frauen sind, die darüber klagen.
Naja, und unhöflich finde ich es auch, wenn zwei 1,60 m große ältere Schwestern einen 120 kg Patienten umlagern müssen und es steht ein ärztlicher Kollege daneben, der 1,90 m groß und durchtrainiert ist und guckt zu, am besten noch mti der Kaffeetasse in der Hand. Sowas erlebe ich regelmäßig, ob in der Röntgenabteilung, auf Station, der Notaufnahme. Lustig ist dann nur, dass meine Lieblinge, die Rettungsdienstler sowas gar nicht sehen können und obwohl es nicht ihr Patient ist, rübergelaufen kommen und mit anpacken (für die Notaufnahme gesprochen). Es geht eben auch anders.
Und ich bleibe dabei: Viele meiner gleichaltrigen Kollegen, mit denen ich zusammenarbeite, scheinen ein etwas merkwürdiges Bild von Gleichberechtigung und Höflichkeit zu haben. Gleichberechtigung heißt nicht, dass man Höflichkeit weglässt und damit auch den Respekt vor dem anderen verliert. Damit sind wir eben im meinem Umfeld von Gleichberechtigung noch ein Stück entfernt, wenn nur Frauen für Schwangere aufstehen, nur Frauen die dreckigen Kaffeetassen wegräumen und den Frauen die Tür vor der Nase zufällt.

7 08 2013
Ralf

Mir ist auch scon aufgefallen dass junge Menschen höflicher sind als meine Altersgruppe (40+).
Ich halte das für ein Generationenproblem.
Das einzige mit dem man die 68 ziger Eltern zur Weisglut bringen kann ist Höflichkeit.

12 08 2013
Benny

Mir ist es ganz extrem aufgefallen, als ich aus einem Auslandsjahr aus den USA zurückkam. Die Amerikaner (ganz besonders Leute vom Militär) sind ganz freundliche Menschen, die dir immer die Tür aufhalten. Hier in Deutschland ist jeder nur mit sich selbst beschäftigt und oft sehr rücksichtslos.

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