Verlierer der „neuen“ Weiterbildungsordnungen

11 09 2013

Es gibt immer Gewinner und Verlierer. So auch bei den Weiterbildungsordnungen. In 2006 gabs z.B. in MV eine neue. So neu ist sie also auch nicht mehr. Nach und nach erloschen die Möglichkeiten, sich nach der alten WBO von 1996 weiterzubilden. Zunächst fiel die Möglichkeit für Subspezialisierungen weg, demnächst die Möglichkeit für die „alten“ Fachärzte. Auch an der neuen (nicht nur an der alten) WBO gibt es viele Kritikpunkte. Meist sind die von Weiterbildungsassistenten angemahnt. Diejenigen, die sie gemacht haben, haben in der Regel nur wenig auszusetzen.

Kommen wir zu den Verlierern im Leben. Das sind diejenigen, die ihre Facharztweiterbildung nach der alten WBO gemacht haben und jetzt eine ehemalige Subspezialisierung erwerben wollen. Nehmen wir die Innere Medizin, aus der ich stamme. Facharzt nach der alten WBO von 1996 gemacht – 6 Jahre Mindestweiterbildungszeit. Alle, die ihn machen konnten, haben ihn gemacht, weil es unter den Internisten landläufig als der qualitativ bessere Facharzt gilt und weil die Anforderungen in der neuen WBO noch absurder anspruchsvoller und unerfüllbarer schwer erfüllbarer geworden sind, als in der alten. Und weil viele Weiterbildungsberechtigten die alten Ermächtigungen hatten. Wenn sich diese alter-Facharzt-Leute jetzt entscheiden, eine Spezialisierung zu erwerben, nach alter WBO wären es Subspezialisierungen gewesen, dann hätten sie nach alter WBO 2 Jahre Weiterbildungszeit z.B. in der Kardiologie oder Nephrologie (exemplarisch) gebraucht dafür. Sie wären dann Facharzt für Innere Medizin und Subspezialisierung Kardiologie gewesen. Auch jetzt können sich diejenigen, die den alten Facharzt Innere Medizin gemacht haben mit 6 Jahren Mindestweiterbildungszeit, spezialisieren. Aber das geht nicht mehr nach der alten WBO. Dafür gilt jetzt die neue von 2006. Und nach dieser benötigt man 3 Jahre in einem Spezialgebiet. Heißt, die Fachärzte nach alter WBO hängen statt wie früher 2 Jahre jetzt 3 Jahre dran. Macht 9 Jahre insgesamt.

Jetzt könnten Kritiker sagen, naja, was machen die auch den alten Facharzt, hätten doch den neuen gleich machen können, wären nur 6 Jahre gewesen. Stimmt. Stimmt wieder nicht, denn oftmals bieten sich einem nicht sofort die Spezialisierungsmöglichkeiten. Falsche Klinik, fehlende Weiterbildungsermächtigung, Rotationspläne nach alter WBO… Also machten viele erstmal den alten Facharzt, um etwas in der Hand zu haben.
Inzwischen haben alle Weiterbildungsberechtigten die Berechtigung nach neuer WBO. Also jetzt hat man die Wahl nach der neuen WBO: Facharzt Innere nach 5 Jahren und wenn man will die Spezialisierung wie Kardiologie hinterher, was weitere 3 Jahre macht. Sind 8 Jahre. So wie früher also, als man alles nach der alten WBO machen konnte (6 Jahre Facharzt Innere plus 2 Jahre Subspezialisierung). Oder eben gleich den Spezialisten, das wären dann nur 6 Jahre (mit geringeren Chancen auf Niederlassung).

In der WBO neu in MV steht drin, dass für 2 Facharztbezeichnungen in der Inneren mindestens 8 Jahre Weiterbildungszeit notwendig sind (also die genannten 5 + 3). Das gilt aber nicht für die Fachärzte nach alter WBO. Es werden von den 6 Jahren Mindestweiterbildungszeit nur 3 Jahre für den Common trunk anerkannt (Basisweiterbildung Innere) und die Spezialisierung sind noch mal 3 Jahre. Macht zusammen 9. Also ein ganzes Jahr mehr. Wenn man dann rechnet, dass fast keiner direkt nach 6 Jahren alle Weiterbildungszeiten zusammen hatte, dann reden wir über eine ungefähre Zeit von zusammengerechnet 10 Jahren… Oftmals auch mehr.

Ich finde, diese Generation der Ärzte in der Übergangsphase kann man als Verlierer der neuen Weiterbildungsordnung bezeichnen. Denn das sind wir. Oberarzt wird man nämlich oft erst mit einer Subspezialisierung. Und das werden dann Kollegen, die 7 Jahre im Job sind und gerade Facharzt für Innere und XY geworden sind nach neuer WBO und 6 Jahren Weiterbildungszeit und nicht diejenigen, die sich durch die Wirren der Umbruchszeit gequält haben mit fehlenden Weiterbildungsermächtigungen, fehlenden Zeiten der Weiterbildung, Rotationsplänen nach alter WBO (mit denen man sowieso nie die 3 Jahre im Spezialgebiet zusammenbekam, was den Facharzt nach neuer WBO unmöglich machte) usw. und die jetzt so ihre 10, 11, 12 Jahre im Job sind. Das Leben ist manchmal halt wie Lotto. Und man braucht auch Arbeitstiere, die Erfahrung haben, aber keine Oberarztgehälter kriegen, damit man wirtschaftlich arbeiten kann, sonst funktioniert das System nicht mehr.
Liebe Mitverlierer, trösten wir uns und holen wir uns einen Snickers – weils mal wieder länger dauert. Ne andere Lösung gibt’s denke ich nicht.

Advertisements

Aktionen

Information

2 responses

19 09 2013
claireluna

Ich bin zwar keine Ärztin in Ausbildung, hab aber ne Menge Empathie für Sie, mir geht es durch G8, Abschaffung der Wehrpflicht und dem ganzen Zeug, ähnlich. Hab zwei Jahre keinen Studienplatz gefunden weil durch die Übergangphase alles verstopft war mit Studenten.

Ich drücke Ihnen ganz doll die Daumen dass vielleicht doch noch eine schnellere Lösung möglich ist.

10 01 2017
Katrin

Aaarg… ich dachte bis gerade eben, ich bräuchte auch nur noch 2 Jahre nach meinem alten Internisten, um noch den Kardiologen zu machen (hab mich halt doch etwas spät noch dazu entschlossen)… habe das mir eben auch noch mal von der Ärztekammer bestätigen lassen. So ein Mist! Ich hol mir jetzt auch gleich ein Snickers.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: