Nachdenklich

8 10 2013

Mittelmeer = das Meer der Tränen

Warum ist es nicht möglich, in den Hauptstädten der Transitländer bzw Herkunftsländer der Flüchtlinge zentrale Asylantragstellen der EU einzurichten, wo die Anträge von europäischen Beamten vor Ort bearbeitet werden? Einheitliche Kriterien für alle EU-Länder, Einbeziehung von Nicht-EU-Staaten ist möglich, wenn die Flüchtlinge in Nicht-EU-Staaten wollen und diese mitmachen wollen, Aufteilung der anerkannten Flüchtlinge nach Kontingenten. Es wäre doch mal ein Anfang, auch wenn es das Grundproblem nicht löst. Aber vielleicht hilft es, die Zahl der Toten Bootsflüchtlinge zu vermindern. Sie schätzen, dass 20000 Menschen in den letzten 20 Jahren ertrunken sind, aber niemand weiß, ob es nicht 200000 waren oder mehr. Es hat keiner gezählt. Was es braucht, sind Frieden, Hilfe zur Selbsthilfe und reichlich Bildung mit einer niedrigen Zugangsschwelle für alle. Aber wohl Hauptsächlich Frieden. Ja, wenn Frieden wäre und die Waffen schweigen (man könnte ja mal wieder Pflugscharren draus machen…), was könnte man da alles machen… Träum weiter von Utopia, kleiner Assistenzarzt… Und während Europäer, Amerikaner, Japaner, Chinesen,… auf Kreuzfahrtschiffen übers Mittelmeer gondeln und von Marokko nach Tunesien, Sizilien und weiter reisen, saufen irgendwo ein paar Seemeilen weiter desnächtens wieder Dutzende afrikanische Kriegs-, Armuts-, Gewalt- und Wirtschaftsflüchtlinge in die Tiefen ab, irgendwo zwischen einem und 50 Jahren alt, deren Namen niemand kennt, deren Schicksal unbekannt und ungeklärt bleibt und die zum großen Teil nie in irgendeiner Statistik auftauchen, nicht einmal dort bleibt ein Hauch dieser Menschen zurück. Sie sind von dieser Welt verschwunden. Und in der nächsten Nacht werden ihnen weitere folgen. Wie es scheint, ein nie enden wollender Strom, der sich auch weiterhin ins Meer der Tränen ergießen wird.
Während sich die Schleuser die Taschen mit Geld füllen. Bezahlung im Voraus, denn wer weiß, wer von den „Klienten“ überhaupt auf der anderen Seite ankommt.
Während man in Europa Gesetze hat, die es untersagen, jemanden aus dem Wasser zu ziehen, weil er Flüchtling ist. Man, was für ein Glück doch da die Kreuzfahrtpassagiere der Costa hatten, dass sie aus dem Wasser gezogen wurden von den Fischern.
Während Filmteams die Arbeit europäischer Patrouillenboote filmen, und man sich angesichts der Bilder überlegt, wer denn eigentlich die Kriminellen sind – Flüchtlinge die vor Armut ins Schlaraffenland Europa fliehen, Grenzbeamte, Politiker?

Es braucht eine schnelle politische Lösung. Das Traurige ist, dass es sie nicht geben wird und wir uns irgendwann an den Anblick einer weinenden Bürgermeisterin von Lampedusa gewöhnen, genau wie an geschockte junge Beamte, die ihre erste Kinderleiche bergen, an Touristen die Tote am Strand finden, an Seeleute, die die Welt nicht mehr verstehen, weil Jahrtausende alte Regeln (hilf jedem Schiffbrüchigem, egal wer er ist, du könntest der nächste sein) plötzlich strafbar sind.

Freitag wird der Friedensnobelpreisträger bekannt gegeben… Chance ein Zeichen zu setzen, wenn man es denn will.

Mittelmeer = das Meer der Tränen

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2 responses

9 10 2013
gnaddrig

Natürlich kann Europa nicht alle aufnehmen, die herwollen. Aber wie es derzeit läuft, ist es ein Irrsinn und eine Schande. Pflugscharen klingt wie eine gute Idee, wird aber wohl nicht umgesetzt werden.

27 10 2013
stellinchen

Europa könnte sehr wohl, und es gab auch gute Ideen! Ich war sehr angetan von der Prozentualen Verteilung – was kam dazwischen?
Die NSA. Wie ärgerlich. -.-

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