Assistenzarzt beim Osteopathen – ein unfreiwilliger Selbsterfahrungstrip

10 06 2014

Nun quälen den Assistenzarzt seit Monaten immer wieder Rückenprobleme. Irgendein gut meinender Kollege drängte dann darauf, mal zum Orthopäden (mit gleichzeitig vorhandener Qualifikation zum Osteopathen) zu gehen. Wegen eines nicht näher bezeichneten Akutproblems gab es dann eine der berühmten „B-Überweisungen“ zum Orthopäden – Behandlung innerhalb von einer Woche. Und jetzt wird Assistenzarzt ganz doll sauer. Ich bin Kassenpatient, bekennend und mit Absicht. Und ich weigere mich zu akzeptieren, wie manche niedergelassene so arbeiten. Es gibt weiße und es gibt… graue Schafe. Und es gibt Kollegen, die nicht mal vor den eigenen Kollegen ein gewisses Maß an Takt an den Tag legen.
Über das Thema Termine bei Fachärzten brauchen wir nicht lange reden. Es ist ein Problem. Für meine eigenen Patienten lasse ich tagtäglich meine Kontakte spielen oder setze irgendwen am Telefon unter moralischen Druck, wenn es nicht anders geht. Da alle so spielen, spiele ich das für meine Patienten mit, weil ich will, dass sie gut versorgt sind. Ich freue mich immer, wenn die LEute sich dann freuen, dass man da durch ein oder zwei Telefonate etwas organisiert hat… Ne Schweinerei ist es trotzdem, dass mit den Wartezeiten auf Facharzttermine. GEschuldet ist es unserem degenerierten Gesundheitssystem. WIr haben genug Ärzte, aber die Steuerungsinstrumente der Gesetzgebung und KVen sind unbrauchbar. Auch ich habe das Problem mit Facharztterminen als Kassenpatient, ich habe es über jemanden gelöst, der jemanden kennt. Das war ein Fehler. Aber was ein Fehler war, merkt man erst hinterher.
Nun ja, Thema Wartezeiten. Also ich finde mit 1 h 45 min war ich noch ganz gut dran.
Tja, und dann zum Kern der Sache. Ich staune immer wieder, wenn man als Arzt (und das wusste der Kollege) irgendwo hinkommt, wie luschig dann trotz Kenntnis der Tatsache die Anamnesen gemacht werden. Ich kriegte Fragen gestellt, versuchte sie kurz und prägnant zu beantworten (Zeit ist GEld für die niedergelassenen, das weiß ich auch). Doch dann wird einfach abgebrochen. Weil ich aber weiß (Arztschule sei Dank), dass das und das relevant ist, versuchte ich es dann bei der klinischen Untersuchung unterzubringen. Plötzlich stellt sich raus, dass das ja auch eminent wichtig ist. Naja, meine PJler lernen auch, wenn sie eminent wichtige Fragen vergessen haben zu stellen, dass sie nochmal hingehen müssen. Ich war kurz davor einen Crash-Kurs Anamnese und Gesprächsführung anzubieten. Gesprächskultur geht einigen meiner Kollegen wohl wirklich verloren mit der Zeit, vielleicht haben sie sie auch nie gehabt. Fremdschämfaktor. Wenn ich das als Arzt (in meiner Rolle als Patient) sage, was soll dann ein Nicht-Arzt und Patient sagen? Ich bringe ja noch ein gewisses Maß an Verständnis auf für die Kollegen oder nennen wir es lieber Nachsicht, weil ich weiß, dass ich sicher auch nicht immer gut drauf bin und nicht jeder Tag gleich ist und dass der Zeitfaktor eine riesengroße Rolle spielt. Nein, ich finde, wir sollten sowas als Kollegen nicht akzeptieren. Leider gibt es keine internen Reviews oder Interviewer, die einem ab und an mal sagen, wo man seine Defizite hat.
So, nachdem ich dann im abgehackten Modus mein Problem versuchte zu erklären, schwenkte mein Gegenüber von der kassenbezahlten Orthopädischen Konsultation, die auf meiner Überweisung angefordert war, ungefragt und ungebeten zur Osteopathie. Ohne Ansage, ohne Frage bzgl. IgeL-Leistungen, ohne Frage oder Hinweis, ob meine GKV das bezahlt. Ich habe nachgesehen vorher, soweit ich weiß, ist es eine der wenigen Kassen, die es anteilig bezahlt – jedoch nur unter bestimmten Konditionen. Was für ein geiles Geschenk ich doch war fürs Portemonnaie… B-Überweisung macht glaub ich 8 Euro (korrigiert mich, falls das nur für A-Überweisung gilt), umfangreiche Anamnese und Untersuchung, Anwendung von Manueller Therapie mit Manipulation an Wirbelsäule (pfui werden jetzt etliche Physios sagen, zu Recht möglicherweise) und auch noch die Osteopathie für die ich wahrscheinlich demnächst noch die Rechnung kriege.
Was ich wollte, war ein Rezept für Physiotherapie, das mein Hausarzt mir nicht ausstellen konnte / wollte. Auf Kassenkosten. Einfach und mehr nicht, keinen Krankenschein, keine Medis, einfach weiterarbeiten und mich wieder fit machen lassen nebenbei. Es ist ja nicht so, dass ich nicht gewußt habe, was genau ich will. Ich habe schon mit Kollegen aus meiner Klinik gesprochen, die sich das angesehen haben (und unbezahlt mehr Zeit aufgewendet haben als die Nummer dort in der Praxis dauert, aus reiner Kollegialität weil wir sonst zusammenarbeiten) und die mir eingetrichtert haben, was ich brauche, damit ich demnächst wieder durch die Klinik schwebe wie Gret Palucca über die Bühne. Aber diese Kollegen dürfen leider nicht rezeptieren, weil sie als Klinikärzte keine Kassenzulassung für den ambulanten Bereich haben.
Was ich im Vorfeld wusste, war mein Problem und die Ursachen: ständige Überlastung in den Diensten mit nahezu 90% in Anspruchnahme in den 24-h-Diensten, Schlafmangel, Zusatzaufgaben, die mich Freizeit kosten, Vertretung von Kollegen über Wochen bei chronischem Personalmangel, fehlende Ausgleichszeiten und ein extrem gewordener wirtschaftlicher Druck seitens der Klinik, naja und ein bissl Zoff mit jemandem, der mir seit Monaten immer wieder heimlich unter 4 AUgen nahelegt, mir ein neues Betätigungsfeld zu suchen. Aber sonst ist weiter nichts. Nur ab einem gewissen Dienstalter kommen halt die ersten „Treffer“ bei einer solchen Konstellation. Wenn man dann nicht stoppt, ist man in einer Endloskette drin… aber das kennen die meisten. Sonst wären Rückenprobleme ja keine Volkskrankheit. Ist auch nicht so, dass ich nichts mache, mir fehlt aber die Anleitung, einer der guckt, ob ich das, was ich mir jetzt selbst aus extra gekauften Physiotherapie-Büchern rausgelesen habe, auch richtig mache. Rückenschulen sind gut, nur leider gibt es in meiner Region am Abend nur 2x pro Jahr einen Kurs in einer Praxis, der spät genug ist, dass ich es schaffe auch pünktlich dort zu sein. Ich bin für den nächsten angemeldet. Habe noch ein paar Monate Zeit bis er losgeht.
Was ich bekam: Die Aussage, dass meine Darmflora wohl nach einer Antibiose gestört sei. Das ist über ein halbes Jahr her. Ist auch nicht schwer zu erraten, wenn man Dünnpfiff kriegt unter der Antibiose und eine zeitlang Kapseln für die Darmflora schluckt. Ich habe nur nicht so ganz verstanden, warum ich jetzt noch ein Problem haben soll und woher man das ableitet. Keine Mikrobiologische Untersuchung o.Ä. Nur Handauflegen. Auf Kassenkosten und wohl auch auf meine. Ich soll jetzt wieder was für meine Darmflora tun. Zum Homöopathen gehen (dafür müsste ich erstmal daran glauben, dass eine d16 oder wie das heißt tatsächlich noch ein richtig gedrehtes Molekül enthält, dass von meinen Dünndarmzotten auch aufgenommen wird und einen Wirkspiegel erreicht bzw. in irgendeiner Form was an der Zusammensetzung der Bakterienflora machen kann, denn die Bakterien müssten dann ja auch an Homöopathie glauben) und dort Geld ausgeben. Zink, Vitamin C und Selen schlucken. Und privat Physiotherapie bezahlen bei einer osteopathisch tätigen Physiotherapeutin. Ach ja, und wenn das gelöst ist mit meinem Problem am Zwölffingerdarm (der im Übrigen nur ein Teil des mikrobiologischen Raumes in unserem Intestinum ist, wo für mich die Logik am Gesagten scheiterte), dann reden wir nochmal über Manuelle Therapie und ein bisschen kräftigende Gymnastik. Platt gesagt: Ham wir dann ein neues Quartal und ein neues Budget für Physiotherapie? Ach ja, und ich habe keinen Bock, mich dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich noch keine Kinder habe.
Zur Krönung wurden dann alle die Triggerpunkte, die mir derzeit fürchterlich weh tun mehrfach massiv gedrückt, was – soweit mir das Lehrbuch für Manuelle Therapie verraten hat – einer Aktivierung gleichkommen kann, für eine schmerztherapeutische Inaktivierung wäre einfach gesagt das Drücken bis zur Schmerzfreiheit erforderlich. Ich finds perv… lieber Kollege, mir aus demonstrativen Gründen, mehrfach solche Schmerzen zuzufügen, vor allem wenn ich fast schon bettel, das nicht zu tun und mich dann anzulächeln und zu sagen, hier haben sie ihr Problem. Ja, verdammt das weiß ich, und das hab ich vorher gesagt gehabt, wo die biestigen Triggerpunkte aktiviert sind. Und herzlichen Glückwunsch, dass Sie lieber Kollege noch welche im M rectus abdominis gefunden haben. Mag ja sein, dass der in ihren Augen dafür spricht, dass mein Zwölffingerdarm irgendwie ein Problem hat. Aber dann drei, vier, fünfmal raufzudrücken, obwohl ich mich krümmte und schon ihre Hand griff, weil mir vor Schmerz die Tränen kamen… ich bin nicht blöd, auch wenn ich Internist bin. Ich kann mich benehmen und war höflich. Das heißt nicht, dass wir nicht wieder voneinander hören werden. Ich bin mir sicher, das wird an ganz anderer Stelle sein. Man sieht sich immer zweimal im Leben. Und bei den Essenszeiten, der Arbeitsbelastung und dem Berufsleben als Arzt brauchts auch nicht viel, um anzunehmen, dass man da vielleicht ein Problem hat. Ich kenne keinen Kollegen, der nicht ab und an Sodbrennen hat. PPI (Säureblocker) sind in der Klinik neben Schmerzmitteln und Blutdrucktabletten wohl die am häufigsten von Ärzten genommenen Präparate.
Fazit: Ich soll mir Vitamintabletten kaufen (mit zweifelhafter Studienlage), Geld beim Homöopathen ausgeben, von dem ich bisher nicht überzeugt bin (und für den es auch keinen wissenschaftlich fundierten Wirksamkeitsbeweis gibt) und mir privat Behandlungen bei einer osteopathisch tätigen Physiotherapeutin holen. Und dann… viel später… wären Sie bereit, mir auf Kosten der Krankenkasse, die dieses Spaßgespräch bezahlt hat, eine Therapie mit gesicherter Studienlage zu verordnen (und glaubt mir, das hab ich schon vorher gecheckt, weil ich im Grunde misstrauisch bin, wenn ich jemanden an mich ranlasse).
Und wenn ich mich hier als Arzt schon über die eigenen Kollegen so äußere, dann ist es echt an der Zeit, dass wir ein QS-System für die Behandlungspfade im niedergelassenen BEreich etablieren und nicht nur in den Kliniken. Ich rede nicht davon, sich hier oder bei sanego auszuko… ich rede davon, dass unser aller GKV-Gelder sinnvoll verwendet werden und nicht dazu dienen sollten, statt etablierter, gesicherter THerapien die auf ein Budget schlagen können alternative Methoden als den alleinigen Weg zu empfehlen. (und ich bitte darum, dass nicht mit sinnvollen IgeL-Leistungen zu verwechseln, die noch wieder ein anderes THema sind)

Ach ja, was ist eigentlich mit meinem Rückenproblem: Es ist noch da, unverändert. Und ich bezahle dann wohl demnächst privat Physiotherapie, aber welche, für die es gesicherte Studien gibt. Ich glaube kaum, dass ein paar Vitamintabletten und ein homöopathisches Wässerchen für viel Geld mir helfen werden. Könnte der Marburger Bund dann ja einfach propagieren: Schluck Vitamin C und schon kannst du locker den 24-h-Dienst mit 90% Arbeitsbelastung schaffen und das über Jahre oder Jahrzehnte. Scheiß auf Gesetzgeber, Tarifverträge und ausreichend Ärzte in den Kliniken wir haben ja Vitamin C, und Zink und den Kram. Dann klappts auch mit dem Rücken.

Nachtrag: Editiert am 12.06.14. Es blühen immer noch Hämatome auf meinem Körper, selbst auf meinem Bauch, teils 5 x 5 cm. Von Osteopathie bin ich kuriert fürs Erste. Und ich ärgere mich immer noch, dass ich jetzt privat aus eigener Tasche eine Therapie bezahle, die 1. gesichert ist, 2. für die eine Indikation vorliegt, 3. gute Erfolgsaussichten bestehen dass eine Beschwerdefreiheit eintritt und die 4. Kassenleistung ist, nur weil jemand sein Budget nicht belasten will und mir ungefragt und ungebeten oben genannte nicht gesicherte Alternativmedizin vorschlägt, nach deren Durchführung er entscheiden will, ob er mir noch die indizierte Physiotherapie verschreibt. Darauf noch eine Vitamintablette und etwas Zink vom Rossmann…
Nachtrag 2 eine weitere Woche später: noch immer habe ich Hämatome an den „untersuchten“ Stellen, die lila-grünlich leuchten. Waren wohl doch etwas mehr Gewebeschichten… Aber ich kann inzwischen wieder drauf liegen. Ich habe mich etwas abreagiert. Am Anfang wollte ich dem Kollegen eine kurze Fotodokumentation zwecks Ergebnismitteilung zumailen. Mit etwas abgekühltem Gemüt habe ich darauf verzichtet, um nicht der Herd für eine Provokation zu sein. Derzeit reicht mir der Gedanke, dass ich es könnte völlig aus. Trotz allem möchte ich derzeit niemanden an mich heran lassen, der auf irgendetwas draufdrücken will… Es ist glaube ich ziemlich ungünstig mit so einer Erfahrung in eine osteopathische Behandlung zu starten, denn ich glaube, momentan wäre ich doch sehr verkrampft und könnte mich nur erschwert darauf einlassen… Es gehört auch etwas Vertrauen in den Therapeuten. Und einen aus Angst erhöhten Muskeltonus durchbrechen zu wollen, weil der Pat. völlig angespannt ist, macht wohl wenig Sinn. Ich will der ganzen Osteopathie nichts absprechen, aber ich habe zur Zeit noch deutliche Berührungsängste.

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11 responses

10 06 2014
-thh

Was mich wundert: wer sich zu Osteopathen, Homöopathen oder anderen Alternativmedizinern – ob nebenbei auch Arzt oder nicht – begibt, sollte doch wissen, worauf er sich einlässt, und keine wissenschaftliche fundierte, schulmedizinische (und IMO auch keine sinnvolle) Behandlung erwarten.

Insofern verlief der Besuch doch eher erwartungsgemäß …

12 06 2014
Assistenzarzt

Ich ging zum Orthopäden mit einer gezielten Überweisung. Da dieser der einzige war, wo wir schnell einen Termin bekamen, fiel die Wahl auf den Kollegen. Er hat auch noch eine Osteopathie-Ausbildung. Das war aber nicht die Leistung die angefordert und erfragt wurde. Ein kleiner Vergleich sei mir gestattet: Wenn ich in die Werkstatt fahre und sage: Einmal Reifen wechseln, dann erwarte ich, dass nicht auch gleich noch ein Ölwechsel gemacht wird ohne mich zu fragen.

10 06 2014
-thh

Unabhängig davon: gute Besserung!

(Und einen guten Haus- oder Facharzt. Daran hängt vieles. Auch, wenn man selbst Arzt – oder auch nur anderweitig medizinisch verbildet – ist.)

10 06 2014
alltagsheldin87

Ein toller Artikel, zeigt mal wieder wie authentisch du bist! Man darf auch ruhig mal über „Kollegen“ meckern vor allem bei solch einer Behandlung

11 06 2014
Kampfkatze

Ohje echt mies wenn es Ärzten auch nicht besser geht als „normalen“ Patienten.

Ich bin mal Samstags in KH aufgetaucht nach dem mir bei der Arbeit ein 18 kg Karton auf die Hand geflogen ist.
Der Orthopäde (Handchirurg) war nicht fähig einen simplen Daumenausenbandriss festzustellen.
Aber eine OP ohne richtige Diagnose wollte er schon machen…. Da bin ich wieder gegangen mit Gibshand warum die Hand ein gegibst wurde weiß ich nicht, weil Bruch gabs keinen. Und auf den Arztbericht stand nur was von Prellung und Stauchung.

Gruss Kampfkatze

12 06 2014
Denis Jörger

Ich weis ja nicht wie das bei euch so ist, aber hier in BW kann auch ein Hausarzt Physio verordnen und macht das in der Regel auch wenn man ihn einfach nur darum bittet. Die meisten sind sogar froh wenn die Leute von selbst merken das Tabletten und Spritzen das Problem nicht auf Dauer beheben.

Ansonsten hatte ich das Glück bisher immer an recht behutsam untersuchende Ärzte geraten zu sein. Nur einmal mußte ich auf wiederholtes drücken auf eine „sehr“ schmerzende Stelle ein „wenn sie ein Beispiel wollen „wie“ schmerzhaft das ist, dann drücken sie ruhig nochmal drauf“ von mir geben, das hat er dann verstanden. 😉

12 06 2014
Assistenzarzt

Problem ist, wenn man in der zweiten Quartalshälfte kommt, gucken die Hausärzte hier schon als hätten sie auf eine Zitrone gebissen, wenn man an das Physiotherapie-Budget ran will. Und mein Hausarzt hatte aufgrund bestimmter Konstellationen ein Sicherheitsdenken und bestand darauf, dass sich das erst ein Orthopäde ansieht, der mir dann was verordnen sollte. Kann ich verstehen. Ich hätte nie gedacht, wie schwierig es sein kann, an Krankengymnastik für die Wirbelsäule zu kommen. Ich will ja keine Massage oder Wellness. Nachdenklich stimmt mich nur die Tatsache, dass ich als Arzt so abgebügelt werde, und ich mich frage, wie es manchen Patienten gehen mag, die nicht vorher lesen, mal jemanden fragen können, und die nicht den Mut haben, einem Arzt zu widersprechen. Und dann wundern wir uns, wieso diejenigen dann Jahre später die Praxen der Schmerztherapeuten belagern, frustiert sind, demotiviert, sich nicht ernst genommen fühlen und das Vertrauen in „uns“ Ärzte verloren haben und beim Anamnesegespräch sofort in einer Verteidigungshaltung sind. Es ist Zeit für Veränderungen, auf allen Ebenen. Aber ohne ärztliche Kollegen, die bereit sind, diese Veränderungen anzustoßen, wird das nichts werden.

16 06 2014
Physiotante

Tach Assistenzarzt,

kann Deinen Ärger verstehen. Die Verordnung von Physiotherapie wird für viele Niedergelassene zum Regressmonster gemacht. Verstehen tu ich das nicht. Ein OP kann gern mal einige tausend Euronen kosten – Physiotherapie über ein paar Wochen einige Hundert.
Scheinbar gibt es keine ausreichende Wertschätzung unserer Arbeit.

Ich habe auch eine Osteopathieausbildung, aber ob die Anwendung sinnvoll ist, muss ich vom Patienten abhängig machen. Wenn Physiotherapie reicht, dann mache ich das auch.
Bitte scher jetzt nicht alle Osteopathen über einen Kamm – es gibt auch sehr nette und fähige, die nicht in erster Linie nach dem Geld schielen…;-)

Ich wünsche Dir gute Besserung und vor allem weniger Stress!

16 06 2014
Amj

Es tut mir leid, dass Sie so schlchte Erfahrungen gemacht haben. aber bitte setzen Sie die Unfähigkeit eines einzelnen Therapeuten nicht gleich mit der Aussage, Osteopathie könne nichts, das wäre ungerecht. Der Kollege hat nicht im geringsten im Sinne der Osteopathie behandelt. Dies bedeutet eine Anamnse, körperliche Untersuchung und Behandlung, die meist 45-60min dauert. Zusätzlich haben Osteopathen ein mindeestens 4jähriges Studium in Anatomie, Embryologie, Physiologie, Biomechanik, Thrusttechniken, osteopathische Techniken, Ethik, Philosophie uvm hinter sich.

12 08 2014
Seelenklempnerei

Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz bzw. den Knochenbrechern. Leider kommen da ja viele verschiedene Aufreger hinzu. Warten, Ungerechtigkeit im Gesundheitssystem, eigener Anspruch bzw. der Gedanke nicht besser als die Kassenpatienten als Arzt behandelt werden zu wollen. Das führt sicher dazu, dass das Kreuz noch weiter angespannt ist. Dann mit einem Ruck eine Änderung erreichen zu wollen ist ambitioniert aber dämlich. Zumindest dann, wenn die Ursache eben nicht eine einmalige Blockade ist (was ich eh selten nachvollziehen kann)

29 10 2014
adelhaid

und wenn der orthopäde/osteopath jetzt festgestellt hat, dass ‚ansich nix schlimmes‘ ist, dann könnte doch der hausarzt die physio verschreiben?
mir erscheint hier wirklich eine verkettung blöder umstände gewesen zu sein.

ich stimme völlig zu, dass man sich fragen muss, wie mit patienten umgegangen wird, die sich wirklich überhaupt nicht auskennen.

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