Parken

22 06 2015

Es gibt Kliniken in Deutschland, da nahm der Herr (des Hauses) einen Stein und teilte ihn so oft, bis ganz viele kleine Pflastersteine draus wurden, auf denen Autos stehen können. Diese Kliniken, liebe Gemeinde, die haben Parkplätze an ihrem Haus so riesig wie Fußballfelder und es dürfen Besucher und Mitarbeiter parken so oft und so lange sie wollen. Und sie bezahlen keinen Cent dazu. Und es gibt Kliniken, ja liebe Gemeinde, es gibt Kliniken in Deutschland, da sind die Händler und Kaufleute zuhause, die haben auch Parkplätze an ihrem Haus, da dürfen die Besucher und Mitarbeiter parken so oft und so lange sie wollen, aber sie müssen bezahlen. Ja, ihr hört recht, auch die Mitarbeiter müssen bezahlen. Sie bezahlen schon täglich an die Klinik, denn sie arbeiten über ihre vertragliche Stundenzahl hinaus viele, viele Stunden in der Woche, im Monat… und sie bekommen keinen Cent dafür. Sie schenken der Klinik ihre Arbeitskraft und diese nimmt sie dankbar an. Und zum Dank sagten die Herren dieser Häuser: Ihr, die ihr so doof seid und Überstunden macht, aber sie nicht bezahlt bekommt, müsst für Eure Doofheit bezahlen, und zwar in Euro pro Tag für Eure Autos, mit denen Ihr zu uns kommt und mit denen Ihr nach erbrachter Arbeit, Mehrarbeit und unbezahlten Überstunden, wieder von unserem Hof fahrt. Seid ehrlich, so ist das Leben…
Und liebe Gemeinde, wie urteilen wir über solche Menschen? Früher, ja früher hätten wir sie vereint aus der Stadt gejagt vor die Stadttore, wo die Pestfriedhöfe waren. Heute gibt es kaum noch Stadttore, keine Pestfriedhöfe… wo soll man sie da hinjagen… also lasst uns beten, dass der Herr dort oben, alles sieht. Alles. Und wenn diese Herren irgendwann vor Petrus stehen und Einlass begehren, dann werden die guten Taten gegen die bösen aufgerechnet und wenn noch was auf der Haben-Seite steht, geht’s ins Himmelstor, bei einem Minusbetrag ins Fegefeuer. Tja, und dann gibt’s für jedes Lob für einen Mitarbeiter 1 Punkt, für ausreichende Besetzung der Stationen 100 Punkte und für jeden Euro Parkgebühr einen Minuspunkt. Nun ja, über’s frieren brauchen die sich dann keine Sorgen mehr zu machen…

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6 responses

23 06 2015
gnaddrig

Ich finde ja, die dankbaren Mitarbeiter könnten freiwillig und auf eigene Kosten die Pflege der großzügig gegen geringe Gebühr bereitgestellten Parkplätze übernehmen, als kleine Anerkennung der Fürsorglichkeit des Arbeitgebers…

23 06 2015
ichich

ja … in der Klinik in der ich mein Tagwerk verrichten darf, darf ich seit April diesen Jahres auch blechen …. die Begründung ist ja, weil wenn man einen Parkplatz unendgeltlich zur Verfügung gestellt bekommt, ist das ein geltwerter Vorteil und muss demnetsprechend bei der Steuer angegeben werden. Demnach würden alle Menschen die mit dem Auto zur Arbeit fahren und dort unentgeltlich parken können die Steuer besch…. toll oder?

24 06 2015
Felix

Und was hat das damit zu tun, dass Sie im Gesundheitswesen arbeiten?
Es mag eine Überraschung sein: Auch in anderen Branchen wird hart gearbeitet, werden Überstunden gemacht und nicht bezahlt. Und vielfach gibt es gar keine Parkplätze für Mitarbeiter. Entweder findet man einen irgendwo am Straßenrand, oder man nutzt öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder die eigenen Beine.

27 06 2015
stellinchen

Sie werden sich doch nicht erdreisten zu behaupten, dass es deutschlandweit AUSBEUTUNG gibt!? 😮

24 06 2015
Assistenzarzt

Lieber Felix,
Nein, es ist für mich keine Überraschung, dass Mitarbeiter anderer Branchen für Ihre Parkplätze selbst sorgen müssen oder sie bezahlen. Ich bin weder blond noch blöd, gewinne aber aus Ihren Worten den Eindruck, dass Sie mich in diese Ecke schieben möchten. Es ist an manchen Kliniken so, dass Mitarbeiter mit Anwohnern um Parkplätze konkurrieren, weil es weder Klinikparkplatz noch Parkhaus gibt. Ist nicht besonders gut. Wenn aber eine Klinik einen eigenen Parkplatz hat auf ihrem Gelände und den selbst bewirtschaftet, dann hat sie die Wahl – kassieren oder nicht. Ich kenne beides. An meiner Klinik ist man stolz darauf, das man mit den Parkplatzgebühren pro Jahr eine hohe Summe erwirtschaftet. Also nicht alleine die Kosten deckt sondern Gewinn reinholt. Mit dem Geld unter anderem der Mitarbeiter, die andererseits keine Überstunden aufschreiben dürfen, wie nach einer neuesten Umfrage wohl 44% der Deutschen (was ich absolut arbeitnehmerverachtend finde). Und die Mitarbeiter wiederum müssen sich die Anfeindungen der Patienten und Besucher für die recht hohen Gebühren anhören, denn die sind der Ansicht, dass wir nichts bezahlen und glauben es nicht einmal, wenn wir erklären, dass wir auch bezahlen müssen. Das in wiederholter Weise gab den Anlass für dieses Posting.
In jeder anderen Branche hätte ich es genauso verurteilt, aber ich bin nun leider nur Ärztin und nichts anderes, deshalb kann ich nur darüber bloggen, wie es in meiner persönlichen Umgebung läuft. Bloggen Sie doch über Ihren Alltag, machen Sie öffentlich, was Sie denken und was Sie bewegt, aber ich würde Sie darum bitten, mir nicht zu unterstellen, dass ich zu doof bin, um über meinen Tellerrand hinaus zu gucken und nicht weiß, dass es anderen genauso geht. Sollte ich das deswegen nicht posten, weil es woanders auch so ist? Da ist es doch genauso falsch. Was glauben Sie, was ich manchmal aus anderen Branchen an menschenverachtenden Arbeitszeiten erfahre oder wo es systematisches Mobbing gibt. Ich weiß sehr wohl wie es bei Paketdiensten, Schulen, Kindergärten, Pflegeheimen, Speditionen, Callcentern, Einzelhandel, Hotellerie, Seefahrt, Polizei, Rettungsdienst,… zugeht und habe mehr als einen „kaputtgespielten“ Patienten gesehen. Und muss ich hier immer was posten, was nur rein mit Gesundheitswesen zu tun hat? Darf Ihrer Meinung nach nichts von den Postings Schnittstellen mit dem Alltag haben? Ich bin frei in meiner Entscheidung.
Mit Fahrrad und ÖPNV ist es in einem Flächenland wie MV im Übrigen zuweilen schwierig, wir haben leider nicht die Infrastruktur wie NRW wo man 50 km Weg mal locker mit ÖPNV hinbekommt in angemessener Zeit. Ich brauche mit ÖPNV für knapp 10 km etwa 1 h und 15 min. Mit Fahrrad würde ich tagtäglich mein Leben riskieren und das ist es mir dann nicht wert, nachdem bereits eine Mitarbeitern fast totgefahren wurde. Ein Auto hat wenigstens Knautschzone um einen herum.

27 06 2015
stellinchen

Solange ihr keinen Ärger macht, ist doch alles gar nicht so schlimm.. Oder so.

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