Der Strom

27 09 2015

Der Strom, er reißt nicht ab. 2/3 sind junge Männer, der Rest Frauen und Kinder. Geflohen vor Krieg, Gewalt, Armut. Ins gelobte Land oder auf dem Weg dorthin. Hierher oder nach Skandinavien. Geboren irgendwie alle am 1.1., was seltsam ist. Und viele ohne Papiere. Wieviele Syrer dabei sind, keine Ahnung.
Ich würde auch nicht im Krieg leben wollen oder überleben müssen. Ich würde meinen Kindern auch ein Leben in Sicherheit, Frieden und mit Chancen auf Ausbildung geben wollen.
Doch ich frage mich, wie wir als Gesellschaft diese Aufgabe bewältigen werden. Diese Aufgabe sind viele Aufgaben. Und jede von ihnen ist eine Herausforderung.

Was das medizinische angeht… Sind die großen Herausforderungen bereits da. Ein unterbesetzter öffentlicher Gesundheitsdienst soll Zehntausende Antragsteller erstuntersuchen, in Aufnahmelagern sind Tausende unregistriert, die diese erstuntersuchung noch nicht hatten, etwa 3 Wochen darauf warten müssen. Werden sie bis dahin krank, was geschieht mit Ihnen? Derzeit haben große Kliniken wie etwa Unikliniken eilig zusammengestellte Teams in die Lager geschickt, damit kranke Erwachsene und Kinder vor Ort behandelt werden können und der Ausbruch von Epidemien verhindert wird. Notaufnahmen in allen Städten haben vermehrt registrierte und unregistrierte Asylsuchende oder Durchreisende. Niemand weiß, wer bei den unregistrierten die Kosten trägt und doch halten alle zusammen und man merkt die Anteilnahme im Personal und Hilfsbereitschaft in kleinen Gesten. Es sind Schwangere dabei, die einfach nur wissen wollen, ob ihr Kind noch lebt, das bringt auch viele von uns zum schlucken bevor man weitermachen muss. Und es sind so viele junge Frauen dabei, die wissen wollen, ob sie schwanger sind. Man möchte nicht wissen, was ihnen möglicherweise widerfahren ist und wElchen Preis sie für ihre Flucht möglicherweise bezahlt haben.
Wir werden zudem jetzt Zehntausende haben, die Impfungen brauchen und präventive Medizin, Screenings auf TBC und Diabetes, Diagnostik von posttraumatischen belastungsstörungen und Depressionen und dann auch die Therapie.

Ach ja, und wir müssen den vielen freiwilligen Helfern sagen, dass sie gucken, ob sie alle Impfungen haben. Ich fürchte, es wird viele geben, die Jahre ihren impfausweis nicht kontrolliert haben. Wichtig sind Tetanus, Diphterie, pertussis, Polio und Masern-Impfung (jeder sollte 2 Impfungen erhalten haben) und Hepatitis A und B, gerade wer eventuell auch mal Ersthelfer ist. Abwehrgeschwächte sollten große Menschenmassen wie Unterkünfte meiden und ihre helfenden Aktivitäten auf andere Bereiche orientieren. Wenn ihr spenden wollt, dann denkt auch an so Dinge wie Desinfektionsmittel für die Hände, gerade bei Massenunterkünften ist das sinnvoll. Es gibt noch viele weitere Dinge, aber das würde hier den Rahmen sprengen…

Es sind anstrengende Zeiten, die auf uns zukommen werden. Ich hoffe, wir haben die Kraft sie zu meistern und ich hoffe, die Politik ist intelligent genug, Probleme vernünftig und im humanistischen Sinn zu lösen ohne die Bevölkerung zu spalten.

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