Verkehrte Welt

8 07 2017

Ich habe NDR laufen, meinen Heimatsender. Ich sehe wie eine Stadt in Schutt und Asche gelegt wird. Menschen in schwarz, schwarz wie der Tod – wie der Tod der Demokratie, des Friedens, des Zusammenlebens in Eintracht, des Respekts vor dem Leben – rufen zu kriminellen Taten auf, zu schwerer Körperverletzung und gehen mit Vorsatz und Waffen gegen andere vor – Polizisten, Rettungsdienst, Anwohner – was für mich eigentlich schon einem Aufruf zum gemeinschaftlichen Mord gleichkommt. Ich finde darin keine politische Botschaft mehr. Vor allem sollten wir froh sein, dass Politiker noch miteinander reden. Reden statt zu Isolieren und Waffen sprechen zu lassen. Wo Diplomatie aufhört fängt in der Regel der Krieg an. Also sollten wir froh sein, dass man miteinander redet. Schön wäre, wenn was bei rauskommen würde, aber seien wir froh, man spricht noch miteinander trotz all dem was die letzten Monate in der Welt passiert ist…
Vor allem, was sind das für sinnfreie Proteste gegen den Gipfel? Willkommen in der Hölle – das ist doch schon klar im Titel wo das Hauptziel ist und ich persönlich glaube nicht, dass friedlicher Protest gemeint war. Wo ist die Kreativtät? Mir haben die Yogaleute gefallen auf der Brücke, oder die Sambatrommler, aber warum gibt es nicht mehr davon? Oder hört man einfach nichts mehr, weil die Gewalt so laut ist und die Berichterstattung dominiert? Ich dachte an Luftballons mit Friedenstauben, zu tausenden oder Millionen, Lichterketten durch ganz Deutschland, Friedensbrunch auf allen Bundesstraßen zur gleichen Zeit, Dinge wo Familien mitmachen können. Aber diese Demos? Sie dienen doch nur als Vorwand, damit sich einige dann in Gewaltorgien ergehen können. Und was mich ärgert: all diejenigen, die gestern mitgelaufen sind, haben „denen“ ein Plattform gegeben. All diejenigen, die sich an den Protesten beteiligen und nicht klar von Gewalt distanzieren, machen sich genauso schuldig, als hätten sie selbst Steine geworfen. Gleiches gilt für alle diejenigen, die am Ramd stehen mit Handy und Bierdose in der Hand.
Ich kann es nicht verstehen, da wird offen zum Mord an Menschen aufgerufen, wo sind wir angekommen? Diese Polizisten sind Menschen!!! Familienväter, Ehemänner, Ehefrauen, Söhne und Töchter. Hat mal irgendwer daran gedacht, wenn einer von ihnen tödlich verletzt wird, dass dann Kinder vergeblich zuhause warten, das Papa kommt, dass sie nicht mehr mit ihm spielen können, dass sie abends nicht mehr mit ihm am Tisch sitzen und vom Kindergarten erzählen können? Diese Menschen sind angetreten, um uns zu schützen vor irgendwelchen Leuten, die mit LKWs in Menschengruppen fahren, sie ziehen Leute aus verunfallten Autos, wollen Betrügern und Einbrechern das Handwerk legen, Raser davon abhalten, unschuldige tot zu fahren. Haben diese Gewaltbereiten mal darüber nachgedacht, dass es auch mal sie und ihre Familie treffen kann? Dass ihre Oma überfallen wird, bei ihren Eltern eingebrochen, sie selbst mal im Straßengraben landen? Dann ist es plötzlich alles ganz anders? Macht sich irgendeiner der schwarz angezogenen oder der Gaffer mal einen einzigen Gedanken darüber? Wie tief sind wir gesunken, wenn Gaffer mit Bier in der Hand daneben stehen, wenn auf Menschen mit stahlkugeln geschossen wird, Läden geplündert, Anwohnern die Brände löschen wollten Steine an den Kopf geworfen werden, und diese Sensationstouristen nichts besseres leisten als Handyvideos zu machen? Ach und morgen früh erstmal nen Smoothie beim Hochladen auf YouTube und nen Coffee to Go zum runterspülen und wegen des gesellschaftlichen Engagements noch bei Twitter nen Tweet für irgendeinen Regierungschef abgesetzt, damit man vielleicht auch mal Konzerttickets gewinnt… Ich begreif die Welt nicht mehr. Als ich Student war, habe ich auch demonstriert gegen Kürzungen an der Uni, für ein besseres Gesundheitssystem, friedlich im Kittel wie die anderen Medizinstudenten, niemand von uns wäre auf die Idee gekommen, was anderes zu tun als Poster hochzuhalten oder sich auf eine Kreuzung zu stellen.

Ich hatte leider das Pech damals zum G8 Gipfel beruflich nach Rostock zu müssen. Ich saß in einer Straßenbahn, die in eine Straße fuhr, wo eine spontane Demo von schwarz angezogenen Gegnern war. Die Bahn ließ man nicht durch, man holte Steine und aus einem Laden Bierflaschen und warf sie auf die Bahn in der Unbeteiligte Menschen saßen. Wir saßen in der Falle, der Fahrer machte die Türen ewig nicht auf. Irgendwann machte er doch die Türen auf, mit der Tasche auf dem Kopf in geduckter Haltung rannten wir durch den Steine und Flaschenhagel. Ich hatte Angst um mein Leben. Ich habe es nicht vergessen. Später als die Polizei kam, rannten die Typen uns Flüchtenden hinterher, zogen sich die schwarzen Klamotten aus, stopften sie vor unseren Augen in ihre Rucksäcke und sahen aus wie normale junge Leute. Ich fuhr im Bus später weiter, diese Menschen saßen mit drin und taten wie die Unschuld vom Land. Ich konnte es nicht fassen. Da saßen die Leute neben mir, die Minuten vorher noch mit allem möglichen Zeugs auf mich und andere warfen obwohl wir mit dem ganzen nichts zu tun hatten.
Jahre später war ich Hmaburg zur Fortbildung. Abends erlebte ich live vor dem Hotel über Stunden! Wie sich Leute in schwarz und die Polizei ein Katz und Maus spiel lieferten, der Heli kreiste oben die ganze Nacht. Ein Krankenhaus mittendrin. Ich war so froh, dass das Auto in der Tiefgarage stand. Es war irgendein Fest gewesen wo man wohl auch zur Gewalt aufgerufen hatte, meinten die Hotelmitarbeiter. Ich kann die Hamburger Einwohner gut verstehen, die erleben wie ihr Viertel in Schutt und Asche gelegt wird, ihr Eigentum zustört, die Angst um sich und ihre Lieben haben. Das hat nichts mehr mit Protest gegen die Weltpolitik zu tun. Was ändern denn die Krawalle an Meinungen und Ansichten? Nichts. Sie vertreten ja nicht mal die Meinung des Volkes, denn das will so was nicht – Menschen verletzen, Autos anzünden, Läden plündern, alles zerstören.

Ich kann nur jedem raten, sich zu überlegen, wo er aus Protest hingeht, um diesen gewaltbereiten Menschen keine Plattform zu geben. So wird eure Meinung dann nicht gehört, sie geht in der Gewalt unter.

Und ich bin ehrlich gesagt nicht glücklich darüber, dass mit unseren Kassenbeiträgen die medizinische Versorgung der gewalttätigen Straftäter mitbezahlt wird, die jetzt in Hamburger Notaufnahmen kommen. Das ist sehr ungerecht, dass diejenigen, die gegen Gewalt sind oder vielleicht sogar noch Opfer davon, den Gewalttätern schön über Aok-Karte alles Mitbezahlen. Aber so ist das, dafür ist der Rest der Menschen in diesem Land dann für sie wieder gut genug.

Ich hoffe auf ein friedlicheres Wochenende für die Hamburger.

And all we are saying is give Peace a Chance…

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