Hölzerne Nüsse im August

19 08 2019

Die hölzernen Nüsse sind wieder da… offenbar mein Lieblingsthema geworden in diesem Blog. Da ich kaum Zeit habe zu schreiben, muss mich derzeit ein Thema ziemlich reizen, dass ich die Minuten abknapse…

Die Hölzernen Nüsse im August gehen an die Agentur Spotlight UK, die den Weihnachtswerbespot für Milka drehen sollen.

https://www.rtl.de/cms/no-red-hair-milka-will-keine-rothaarigen-oder-dicken-kinder-fuer-werbung-4387112.html

Beispielhaft der Link zum RTL Beitrag, alternative auch diverse Zeitungen wie Focus etc. Öffentlich erstmal hingewiesen auf diese absurde Casting-Ausschreibung hatte die Schauspielerin Helen Raw und damit bereits Twitternutzer aufgerüttelt. Kritikpunkt sind die Formulierungen, mit denen die Kriterien für das Casting festgemacht werden.

Spotlight UK schrieben ein Casting aus für Kinder, genauer gesagt, Mädchen unter 11 Jahren. Mit dem Satz „auf keinen Fall in der Pubertät“ kann ich nicht so recht was anfangen… woran machen die das denn fest?! Medizinisch an Dingen wie Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale wie Schambehaarung oder das durchlaufen der Tanner-Stadien der weiblichen Brustentwicklung. Seit wann werden solche Körperstellen in Weihnachstwerbespots für Schokoladenprodukte hauptamtlich gefilmt?! Was soll das für ein Spot werden?!

Weitere Forderungen:
„süß, warmherzig, freundlich“ und „klein aber anmutig, zerbrechlich aber elegant“ und „sie muss sehr erfahren sein, eine brilliante Schauspielerin“ – da fragt man sich wirklich, ob die Kind oder erwachsene Frau suchen und was jemanden dazu treibt, sowas in einen Text für ein Kindercasting zu schreiben…

Außerdem darf das Mädchen nicht rothaarig sein. Und das in einem Land, in dem die Einheimischen stolz auf die keltischen Wurzel sind und sich zudem ein gewisser Teil auch mit Wikinger-Genen durch die Lande bewegt. Beide Völker weisen überdurchschnittlich viele Rothaarige auf. Wieso soll Schokolade schlechter schmecken, wenn sie von einem rothaarigen Mädchen mit Sommersprossen angepriesen wird?! Kommen da die künstlichem Vanillearomen aus der Milka so durch, oder was?!

Ach so, und weil es ein Castung für Schokoladenwerbung ist, darf das Kind auch nicht dick sein… mal ehrlich, seit wann macht Schokolade schlank?! Hab ich da was verpasst?! Glaubt ihr echt, mir schmeckt Schokolade besser, wenn so ein kleines dürres Mädchen mit latenter Essstörung oder aber gesundheitlichen Hintergründen, die zur Entwicklungsverzögerung oder Gedeihstörungen führen, im Dezember ne Tafel Milka in die Kamera hält?!

Echt mal… mir gefällt auch der dicke Weihnachtsmann oder ein kleiner kräftiger rothaariger Lausejunge mit Schalk im Nacken, der mir überzeugend klar macht, dass er auf schoko steht…

Also wenn’s denn ein kleines, zartes, anmutiges, dürres, nicht rothaariges vorpubertäres Mädchen sein soll, dann gibt es südlich von Europa einen ganzen riesigen Kontinent, auf dem hunderttausende kleine sehr dürre, zerbrechliche, nicht rothaarige Mädchen zwischen 9 und 11 Jahren wohnen, die mit Sicherheit überwiegend süß, warmherzig und freundlich sind. Und statt als Milkaproduzent diesen britischen diskriminierenden und sexistischen Volldeppen Geld in den Rachen zu schleudern, solltet ihr für das ganze Geld zum Herstellungspreis Milka Schokolade kaufen und den Firmenflieger vollpacken und als Weihnachtsspot ein simples Handyvideo zeigen, wie ihr in Kinderheimen und Schulen des ärmsten Kontinents an kleine dürre, unterernährte, nicht rothaarige Mädchen in Mosambik, Angola, Swaziland, Südafrika, Kongo (oder in Euren Zulieferländern, wo es heißt Arbeit statt Schule…) usw. zu Weihnachten eure Milka verteilt und mal ein paar Kalorien auf die Hüften und ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das wäre überzeugender als eine essgestörte britische Elfjährige, die sich aus Angst vor Pubertät mit beginnenden weiblichen Rundungen (und das heißt nicht fett zu sein, Mädels!) kaputthungert und mit halonierten Augen eine Tafel Milka in die Kamera hält, die sie aus Angst davor, ein Gramm zuzunehmen nie essen würde…

Hölzerne Nüsse für Spotlight UK und ein Vorschlag an Milka, wie man mit dem Werbeetat tatsächlich was Echtes schaffen könnte: ein ehrliches Lächeln bei den gefilmten Kindern und beim Zuschauer bzw. Käufer.

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Testopedia vs. Frauen in der Wissenschaft – oder Die hölzernen Nüsse zum zweiten

5 10 2018

Nachdem viele aussichtsreiche Kandidaten um die Hölzernen Nüsse* gekämpft haben, habe ich mich als Jurymitglied entschieden, sie diese Woche an die Moderatoren von Wikipedia zu verleihen.

Wie derzeit überall berichtet wird, ist der Frauenanteil bei den Moderatoren recht klein. Das ist der erste Punkt. Der zweite: Die vorhandenen überwiegend männlichen Moderatoren erwarteten von Frauen, die einen Eintrag bekommen sollen, geradezu übermenschliche Dinge. Aktuell muss man ja mindestens den Nobelpreis für Physik bekommen, als dritte Frau überhaupt, um einen Eintrag zu erhalten. Das ist Frau Donna Strickland gelungen. Die Wertigkeit für Frauen kurz erklärt: krieg erstmal einen Nobelpreis (oder werde Kanzlerin), dann bekommst du einen Eintrag bei Wikipedia. Für einen Mann liegen die Kriterien nicht so hoch. (Für den dritten Punkt im Rahmen der Prämierung würde es reichen, sollte sich herausstellen, dass der Beitrag im Frühjahr 2018 für Donna Strickland von einer Frau eingereicht wurde… aber zwei Punkte sind mehr als ausreichend, bin mir nicht sicher ob das bis drei zählen… ach lassen wir das…)

Ich möchte an dieser Stelle Spiegel Online zitieren:
„Am 23. Mai 2018 lehnte der Moderator einen Entwurf über Strickland für die englischsprachige Wikipedia-Seite ab. In der Begründung heißt es, die „genannten Referenzen zeigen nicht, dass sie sich für einen Eintrag qualifiziert“. Es sei nicht erkennbar, dass über Strickland schon mal in vertrauenswürdigen, sekundären Quellen berichtet wurde.“
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/donna-strickland-wikipedia-verweigerte-nobelpreistraegerin-eintrag-a-1231494.html

Ein Herr Daniel Küblböck hatte es sehr wohl in die deutsche Wikipedia geschafft, genauso wie ein Herr Zladko Trpkovski. Die beiden Herren brauchten dafür nicht den Nobelpreis erringen. Als Referenzen reichten offensichtlich die Klatschpresse für Z-Promis mehr als aus. Und RTL2 kann sich wohl als vertrauenswürdige sekundäre Quelle geadelt fühlen, wie mir scheint.

Aus den genannten Gründen verleihe ich hiermit wenig feierlich die Hölzernen Nüsse an Wikipedias Moderatoren.

Zudem taufe ich unser subjektiv beeinflussbares Online-Lexikon in Testopedia um, da Testosteron offensichtlich eine entscheidende Rolle spielte und spielt. Das nehme ich erst zurück, wenn die Quote der Moderatorinnen bei 50% angekommen ist und eine gezielte Förderung der Gleichstellung auch in der Darstellung von Personen der Zeitgeschichte erfolgt. Für jeden Beitrag über einen Mann auch einen für eine Frau dazu. Bis dahin wäre ich auch nicht bereit einen Cent zu spenden für Testopedia, wieso sollte ich als Frau diesen Moderatoren finanzielle Unterstützung zukommen lassen? Die Emma werden sie sich kaum davon kaufen…

Mädels, wenn wir wollen, dass diese Welt in kleinen Schritten gerechter und wertschätzender für uns und unsere Arbeit wird und wir nicht nur das schmückende Beiwerk sind, das manche Männer brauchen, um endlich mal gut auszusehen zu können, dann schreibt bei Testopedia mit, jede mit ihren Stärken. Schwarmintelligenz ist ein weibliches Substantiv, oder?! 🙂

Wie wäre es mit #notestopedia ? … nur so als Vorschlag für alle, deren Internetliebe weiter reicht als bei mir und die es lieber über die Kanäle Facebook und Twitter kommentieren würden.

*was es mit den Hölzernen Nüssen auf sich hat siehe Beitrag von 2016





Die hölzernen Nüsse des Monats für den Macho des Monats

9 08 2016

… Gehen an den ARD-Sportkommentator Carsten Sostmeier.

Was sind die Hölzernen Nüsse? – Ein neuer Wanderpokal, den Assistenzarzt ins Leben ruft, den besonders hervorstechende Machos erhalten, die sich durch besondere Leistungen wie frauenfeindliche Äußerungen, antiquierte Lebensansichten und ähnliches auszeichnen, verliehen bekommen.

Wer darf sie verleihen? – Nun ja, als erstes Assistenzarzt selbst, in der Folge jeder (Frau, Mann oder andere Geschlechter), der einen würdigen Preisträger gefunden hat, muss aber in seinem Blog eine Erklärung der erbrachten Leistung des Preisträgers bringen, um es für alle nachvollziehbar zu machen.

Der erste Preisträger ist oben genannter Kommentator. Ich gönnte mir gestern Abend ein wenig Olympia auf ARD und dachte, ich höre nicht recht als eine junge Vielseitigkeitsreiterin gezeigt wurde. Der Kommentator vergriff sich in einer Tour in seinen Worten, ließ es an abschätzigen, beleidigenden und anzüglichen Bemerkungen förmlich regnen. Hätte ich an seinen Kommentatorenplatz springen können, ich hätte es getan. So hoffe ich, dass die gute Alice Schwarzer, so umstritten sie auch sein mag, ihm mal in einer Talkshow öffentlich die Leviten lesen kann.

Für Aussagen wie: „Dann wollen wir mal hören, was die Blondine dazu zu sagen hat.“ Oder „Angsthase“ oder „braunen Strich in der Hose“ und diversen anderen äußerst dämlichen, beleidigenden, diskriminierenden und frauenfeindlichen Äußerungen bei seinem Kommentar zu den deutschen Vielseitigkeitsreitern erhält Herr Carsten Sostmeier von mir die Hölzernen Nüsse verliehen.

Sehr positiv werte ich die Reaktion des Olympiateams der Reiter, die sich öffentlich kritisch äußerten und sich hinter die Reiterin Julia Krajewski stellten. Konsequenz für die ARD sollte wohl nur eines sein: Die Frage zu klären, ob man unseren Preisträger nicht einfach dalassen kann in Brasilien…