Die erste von uns

13 11 2015

Dorothea Christiane Erxleben war die erste promovierte deutsche Ärztin. Heute jährt sich ihr Geburtstag zum 300. Mal. Selbst Google war es ein Bildchen im Logo wert. Sehr aufmerksam.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Christiane_Erxleben

Liebe Kolleginnen, egal wie lange es dauert – und ich spreche aus persönlicher Erfahrung… – lasst es euch nicht nehmen, wenn ihr promovieren wollt, das auch zu tun und niemals aufzugeben. Und wenn ihr es macht, wenn die Kinder etwas größer sind oder aus dem Haus. Sollte es euer Wunsch sein, dann verfolgt ihn und lasst euch von euren Oberärzten und Chefs nicht einreden, dass es sowieso unmöglich ist, neben Beruf und Familie auch noch sowas zu tun oder das Frauen sich doch lieber den Kindern widmen sollten und sie nicht vernachlässigen, statt höhere Positionen in deutschen Kliniken oder akademische Qualifikationen anzustreben, die sie vielleicht noch berechtigen, langfristig an Unis zu bleiben oder später zu habilitieren. Zieht es durch, Mädels, ihr schafft es auch gegen Widerstände und wenn ihr promovieren wollt, lasst euch euren persönlichen Wunsch von niemandem nehmen.

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Das Kreuz mit der Diss

7 08 2012

Neulich las ich einen Beitrag, wie man das System der medizinischen Doktorarbeiten verändern könnte. Klar, der Vorschlag dass man automatisch mit dem Staatsexamen so einen Titel wie MD erhält und wenn man einen wissenschaftliche Arbeit schreibt, dann eben einen nächsthöheren Titel, ist gut und wird von vielen Ärzten begrüßt.
Patienten: Für die sind wir alle Frau oder Herr Doktor. Wenn sie sehen, dass man keinen Titel vor dem Namen hat, dann kommt immer die Frage „Ja, wie soll ich Sie denn nun nennen?“ – Hmmm, was antwortet man denn da? Herr Arzt? Frau Ärztin? Frau Nachname, Herr Nachname? Dann kommt gleich „Ja sind Sie denn ein richtiger Arzt?“ …. Man muss viel erklären… und ich bin nicht sicher, ob das auch alle verstehen, dass man nicht gleich mit dem Staatsexamen Doktor ist, aber trotzdem ein echter Arzt.

Ärzte: Der Wert medizinischer Doktorarbeiten wird meiner Ansicht nach zurecht in Frage gestellt. Die Qualität ist sehr  breit gestreut. Man kann sie auch nicht wirklich mit anderen Fachgebieten vergleichen. Aber was soll man auch machen, wenn man eine 40-h-Stelle hat, 70 h arbeitet, seine Facharztausbildung macht und dann die Diss noch nebenbei laufen hat? Da akzeptiert das System eben, dass es so ist, und alle machen mit.

Wissenschaft: Vieles könnte besser sein, beklagt man, aber keiner ist bereit, wirklich und ernsthaft nach den Ursachen zu suchen. Wenn man die Trennung MD und wiss. Titel macht, wer beackert dann die vielen kleinen Themen, was sonst die Doktoranden gemacht haben? Außerdem ist dann ein Druckmittel auf Mitarbeiter weg… klingt böse, ist aber völlig normal. Wenn man eine Doktorarbeit laufen hat, ist man kompromissbereiter für vieles. Genau wie während der Facharztausbildung. Naja, das werden viele aus anderen Branchen auch kennen.

Was könnte man unabhängig von der Änderung der Titelfrage denn jetzt schon verbessern?

Eine Menge.

Zum Beispiel könnte man das Promotionsbüro einer medizinischen Fakultät auch dazu benutzen, dass jeder Doktorand namentlich mit Thema gemeldet werden muss vom Doktorvater und dass sich jeder Doktorand offiziell anmelden muss. Das macht Arbeit? Sicher! Aber aus meiner Sicht zwingend notwendig. Warum? Doktorväter neigen manchmal dazu unendlich viele Doktoranden anzunehmen. Einige scheinen das Motto zu haben: Je mehr Läufer am Start, desto mehr kommen ins Ziel. Problem ist dabei nur, dass sich manche überfüllen und die Betreuung der ganzen Doktoranden gar nicht gesichert ist. Die Doktoranden dümpeln ziellos oder hilflos vor sich hin, werden einfach nicht fertig. Wer behauptet, der Durchschnitt für medizinische Doktorarbeiten liegt bei 2 Jahren Dauer, dem kann ich nicht glauben. Keiner meiner Kollegen hat das geschafft. Im Gegenteil, es gibt viele, die 7 – 10 Jahre brauchen. Da würde bei regelmäßiger Überprüfung der Listen auffallen, wenn jemand lange dran ist und eine Nachfrage erfolgen. Wenn es dann heißt: Man hat keine Zeit für mich, das Thema ist zu daneben, kein Betreuer oder es ist schon der vierte Betreuer, die gehen immer weg, … dann gibts ne Nachfrage und die kann auch mal Schlamassel zutage fördern, würde den Doktoranden aber helfen, weil dann ja die Konsequenz für die vergebende Person droht, dass es heißt, man komme dem Lehrauftrag nicht nach, in dem auch Forschung enthalten ist. Letztlich wird mehr Druck auf die Doktorväter ausgeübt, die Doktoranden anständig zu betreuen, sie durchzukriegen und nicht allein zu sagen: Ja, ich hab 12 Stück, wir sind sooooo aktiv…. dass 10 schon über 5 Jahre dabei sind, das weiß ja keiner… Manchmal wird ein Thema zweimal vergeben, das kommt vor. Das würde dann auffallen bei einer Anmeldung, da eine Prüfung des vergebenen Themas erfolgen muss (eben ob es schon vergeben ist). Ansonsten hat der Kollege das Pech, dass die Promotionskommission sagt: Nö. Der Doktorvater wird gezwungen, ein Thema zu formulieren. Viele Doktorarbeiten scheitern daran, dass es heißt, ja sammeln sie mal und wir gucken nachher wie wir das nennen (ein klares Don’t do für Doktoranden).

Mit einer derartigen Erfassung kann man auch ein Doppelspiel der Doktoranden vermeiden. Manche sagen zweimal zu und gucken dann, welches Thema besser läuft und lassen die Daten des anderen Themas dann brach liegen. Auch da geht viel Potential verloren, denn wer kann als Student oder Anfänger schon einschätzen, was wissenschaftlich „wertvoller“ oder nutzbringender ist oder was vielleicht schon 200 mal publiziert wurde. Da blockiert dann einer zwei Themen, eine Klinik wird nicht fertig mit einem Projekt und andere stehen ewig auf der Warteliste und warten auf ein Thema und können nicht anfangen. Ja, es gibt Wartelisten für Doktoranden. Manche Kliniken passen auf, dass sie nur soviel Leute nehmen, wie sie betreuen können. Lobenswert. Aber nicht so häufig.

Und es fällt zum BEispiel auch auf, wnen ein Professor oder PD keine Themen vergibt. Oder eben wie geschrieben, wenn Doktoranden ewig nicht fertig werden.

Das wäre eine kleine Systemoptimierung, die wohl mehr die Doktoranden und Unis profitieren lässt, weniger die Doktorväter. Aber die sind meiner Ansicht nach ohnehin im Vorteil, denn man kann sie als DOktorand kaum zwingen, an der Betreuung was zu verbessern oder endlich Manuskripte zu lesen oder nicht einfach Daten zu publizieren oder oder oder… Oder hat jemand schonmal seinen Doktorvater verklagt, weil er sich nicht gekümmert hat? Und die Unis wissen eigentlich gar nicht, was da alles so vor sich geht oder eben auch nicht. Erst wenn die Arbeit eingereicht wird, dann wird sich die Promotionsstelle dessen bewusst, dass da was existiert. Und ein ehrlicher aufrichtiger Doktorvater, der sich ohnehin kümmert, den wird so eine „Meldepflicht“ an das Promotionsbüro nicht schrecken, er hat ja kein schlechtes Gewissen, die Email kann die Sekretärin schicken. Und wenns vergessen wird, kommt ohnehin die Rückmeldung vom Promotionsbüro, dass sich dort ein Doktorand gemeldet hat… Also eine win win win – Situation und die Chance, dass etliche Doktoranden vorwärts kommen, weil von den Unis Druck ausgeübt wird, den ein einzelner Doktorand niemals aufbauen kann. Da sehe ich die Unis einfach in der Pflicht.

Gut, wovon träumen wir sonst noch…?!





Warum Wissenschaft einen schaffen kann

26 11 2010

Je länger ich in der Medizin bin, um so mehr bekomme ich mit. Das würde ich normal nennen. Früher… also als ich noch jung und voller Illusionen war (heute bin ich jung, aber das mit den Illusionen…), da hab ich den Leuten geglaubt, die an der Uni in den Vorlesungen immer geschwärmt haben, wie toll das wissenschaftliche Arbeiten ist und dass man nur ein guter Arzt ist, wenn man auch gleichzeitig Publikationen schreibt und forscht, Studien macht und eigentlich die Medizin lebt. Ich habe in mich aufgesogen, dass man seinen beruflichen Wert am Impact-Factor ablesen kann, dass alle die das nicht glauben, Verlierer sind weil sie es nie gepackt haben in guten Journals zu landen, dass man nur an „kleineren“ Krankenhäusern (Definition in deren Sprache =alles was nicht Uni ist) arbeitet, wenn man nicht das Zeug dazu hat an einer Uni zu arbeiten und forschen und dass das dort sowieso alles Deppen sind und wirklich wissenschaftlich und leitliniengerecht nur an der Uni gearbeitet wird. Ja, und ein richtiger Arzt lebt die Medizin und tut all das und handelt nach diesen Grundsätzen.

Ich wollte das auch.

…Ich war so doof. Nein, mehr naiv und unwissend.

So wie die meisten Studenten und Anfänger. Ich habe das wirklich geglaubt. Heute denke ich, dass ich aufgrund meiner Naivität als Student und Anfänger ein leichtes Zielobjekt für derartige Sprüche war, die eigentlich nur dazu dienen sollten, Laborsklaven und billige Doktoranden anzuwerben. Ich denke außerdem, dass Leute, die derartige Ansichten äußern – in Vorlesungen oder in Abteilungen in Studentenpraktika oder gegenüber Famulanten und PJlern – bestraft werden müssten.  Klar, wir haben Meinungsfreiheit. Doch wenn ich mich an meine Zeit an einer Universitätsklinik erinnere, dann hieß es egal in welcher Fachrichtung oder Klinik man war „Ach, der war ja da und da… kein Wunder, die haben ja sowieso keine Ahnung dort. Was für ein Glück, dass der Patient bei uns ist.“ So oder so ähnlich, davon gibts abertausende Variationen. Wenn du Famulant oder PJ bist, dann glaubst du das oftmals.

Inzwischen habe ich verschiedene Kliniken gesehen. Darunter waren welche, wo ich sage, ein wenig mehr Handeln nach Leitlinien wäre nicht schlecht. Etwas mehr Fortbildungen auch nicht. Und bestimmte Therapien sind schon seit 20 Jahren out. Es sind aber auch Kliniken darunter, wo ich erlebt habe, dass bessere Medizin als an einer Uni gemacht wird und wo man ganz klar mitbekommt / bekam, welche Fehltritte man sich an Unis leistet oder dass z.B. manche Dinge an einer Uni noch nicht gemacht werden, die eigentlich schon etabliert sind. Die kochen auch nur mit Wasser. Ich habe ganz klar gemerkt, dass die oben beschriebene Haltung, die ich als Student an der Uni eingetrichtert bekam, schlicht falsch ist. Ich habe auch gesehen, dass PJler, die ihre Tertiale nicht an den Unis machen, derartig engstirnige Haltungen nicht eingetrichtert bekommen haben.

Tja, und dann ist da ja noch diese Nummer mit den Publikationen, den Impact-Faktoren und den Doktorarbeiten. Über Doktorarbeiten habe ich ja schon geschrieben in diesem Blog. Ein leidiges Thema und ein nie enden wollendes dazu. Leugnen lässt sich nicht, dass Medizinstudenten, die schon ihre Dissertation beginnen, in der Regel nur als billige Laborknechte oder kostenlose Datenproduzenten ausgenutzt werden. Sie sammeln Daten aus Akten oder pipettieren Monate im Labor. Bei prospektiven Studien organisieren sie vieles, untersuchen Patienten oder haben das Pech, dabei auf völlig überarbeitete und genervte Ärzte auf den Stationen angewiesen zu sein, deren letztes Interesse es ist, noch mehr Arbeit und Papierkram zu haben und einen Patienten in irgendeine Studie einzuschließen. Und sie werden übers Ohr gehauen. Die ganze Arbeit wird meist nicht vergütet. Sie sind oftmals von etlichen Leuten abhängig, die entweder kein Interesse daran haben oder völlig überarbeitet sind. Dann quälen sie sich meist ohne richtige Anleitung durch die Datenerfassung oder die Laborzeit, versuchen dann ohne wirkliche Praxiserfahrung über fachliche Themen zu schreiben und irgendwie herauszubekommen, welche Publikation man zitieren kann und sollte oder welche nicht. Am Ende steht ein Manuskript und dann folgt der nächste Abschnitt, der oftmals nicht von sonderlich viel Glück beschieden ist. Derjenige, der das Manuskript lesen soll, hat entweder keine Zeit, keine Lust oder keine Ahnung. Nach oft quälenden Jahren und der Entwicklung von tiefsitzendem Hass, auf alles was mit Dokt… anfängt, gelingt es irgendwie das Projekt doch noch zu beenden. Es kommt zur Publikation in einem Journal. Und dann staunt der Doktorand nochmals Bauklötze: Wer da so außer ihm plötzlich noch alles in der Autorenliste steht… da muss dann auch noch Herr Müller-Schulze rein, weil der braucht noch eine Publikation und Frau Süßholz-Raspel hat auch noch das Bedürfnis mit draufzustehen, schließlich hat sie mal einen der Patienten auf Station gesehen, im Vorbeigehen und sogar gegrüßt. Und am Ende kann der Doktorand froh sein, wenn er in der Publikation, die er meist auch noch ganz allein geschrieben hat in mehreren durchgearbeiteten Wochenenden oder Nächten, auch noch tatsächlich mit drin steht. Das ist dann echtes wissenschaftliches Arbeiten. Die Phrase kommt aus dem indianischen glaube ich und heißt in der Übersetzung: Einer macht und alle anderen schreiben ihre Namen auf die Publikation.

Natürlich lauern an allen Abschnitten des erstmaligen wissenschaftlichen Arbeitens Fallen. Fallen, die man als naives Dummchen mit Studentenausweis überhaupt nicht kennt, außer man hat Freunde, die schon Ärzte sind und die Branche tagtäglich erleben. Zum Beispiel sehr beliebt ist, dass nur kleine Fallzahlen von Patienten vorhanden sind, das Thema aber publikationsfähig (wenn auch nur gerade so). Dann wird dem Doktoranden gesagt:  „…das macht nichts, das ist so und das sind locker ausreichende Patientenzahlen.“ Oder aber: „Ist bloß einmal anrufen und nachuntersuchen, also total easy.“ Was nicht gesagt wird, ist dass meist nichtmal die Fahrtkosten für die Patienten rückerstattet gibt oder aber die meisten irgendwo weit draußen wohnen, wo sich Fuchs und Has… Oder aber die Patienten wollen gar nicht, weil sie z.B. mit dem OP-Ergebnis, das man mit der Doktorarbeit als supertoll belegen soll, überhaupt nicht zufrieden sind. Da kann eine stattliche Zahl von Kandidaten plötzlich nur noch eine Hand voll sein. Auch das so leicht anmutende Akten auswerten birgt eine Menge Fallen. Meist sind die benötigten Akten sowieso nicht da. Dann will man Daten rausziehen und es steht einfach nichts dazu drin. Da hat der Patient die passende Krankheit oder Therapie und nichts ist dokumentiert. Oder es fehlt die Hälfte der Werte, die man braucht. Sowas kann die auswertbare Zahl auf ein Minimum reduzieren. An der Stelle frage ich ernsthaft mal, wie manche retrospektive Untersuchungen ihre Daten so perfekt hinbekommen haben. Ich denke, sowas geht praktisch gar nicht wirklich.  Die Laborratten unter den Doktoranden sind auch nicht besser dran. Sie arbeiten andere Dinge oft umsonst mit oder haben das Pech, nicht an die benötigten Geräte ranzukommen. Oder es fehlt die Einweisung…  oder das Material (wenns z.B. OP-Präparate sind) wie auch immer… Beliebt ist auch die Methode, einen Doktoranden auf eine Studie anzusetzen, wo frische Präparate gebraucht werden, die nicht immer verfügbar sind. Da für solche Aktionen, die durchaus gerne spontan nach Patientenverfügbarkeit am Wochenende oder in der Nacht passieren können, setzen die Chefs ungern ihre eigenen Leute auf sowas an. Dafür gibts Doktoranden.

Später im richtigen Arztleben wirds auch nicht besser. „…dass man nur ein guter Arzt ist, wenn man auch gleichzeitig Publikationen schreibt und forscht, Studien macht…“ hab ich oben geschrieben. Es gibt keine guten Ärzte, die auch gleichzeitig perfekte Forscher sind und Hammer-Publikationen schreiben. Entweder ist man ein guter Kliniker oder aber man kann gut forschen. Beides geht nicht, das ist die Quadratur des Kreises. Man kann nur ein Gebiet toll können, weil für das andere keine Zeit mehr bleibt. Wer immer mit Patienten zu tun hat und als Arzt auf einer Station arbeitet und sein Handwerk versteht, der ist kein Forschertyp. Und Forscher, die ab und an mal aus dem Labor rauskommen, weil sie mal für den Facharzt auf Station arbeiten müssen, sind eine Strafe für alle anderen – Kollegen und Patienten, denn sie haben kein praktisches Können am Patienten und oftmals fehlt ihnen Empathie und die „emotionale Intelligenz“ im Umgang mit kranken Menschen. Es ist eine Lüge,  dieser  Satz von oben. Aber wenn mans erkennt, ist man meist schon im Job.

Diese Sache mit den Publikationen… was soll ich sagen… nach mehreren Jahren im Job weiß ich soviel, dass ich es Geldverschwendung finden sollte, eine Fachzeitschrift zu abonnieren. Ich weiß auch nicht mehr so recht, was ich glauben soll. Das hab ich in anderen Postings ja schon gesagt. Tja, was ist denn wissenschaftlich an der gängigen Praxis, dass ein oder zwei Leute sich den Allerwertesten aufreißen und Daten zusammentragen (ob nun Akten, prospektive Patientenstudie oder Labor) und dann auch noch die Publikation für die Fachzeitschrift schreiben  und dann von den Chefs gesagt bekommen, wer auf dem Paper noch alles mit draufstehen soll. Ach der noch und der müsste auch noch, weil… Leute, die nie was damit zu tun hatten oder allenfalls marginal.

Manchmal stehen fachfremde drauf, einfach weil jemand jemanden kannte, der im Editor board eines Journals sitzt und wenn der erscheint, dann gehts bei den anderen Editoren leichter durch. Man mag sich halt und geht samstags auch mal golfen…

Diese Editor boards… ist mal jemandem aufgefallen, dass zwar die Autoren angeben müssen, ob sie in irgendeiner Form Beziehungen zur Pharmalandschaft haben, aber nie irgendwo steht, wer im Editor board sitzt und ob die nicht auch Beziehungen dazu haben? Ich finde, als Leser habe ich ein Recht darauf zu wissen, wer diesen Beitrag angenommen hat und ob er vielleicht von der Firma XY, um deren Medikament es geht (oder um ein Konkurrenzprodukt) auch eine Studie finanziert kriegt. So wie strappato es in seinem Blog gezeigt hat mit den Leitlinienkommissionen… es ist beispielhaft, wie vergesslich manche Leute sind.

Diese Editor boards haben eine unglaubliche Macht in der Medizin. Sie entscheiden, was in Journals erscheint und was nicht und damit auch, welche Richtung die wissenschaftliche Entwicklung nimmt und welche Beiträge Leitlinien zitieren können. Ja, das ist fast grenzenlose Macht. Doch oftmals ist es schwierig rauszukriegen, wer dort drin sitzt, weil damit keiner hausieren geht, denn dann könnte ja jeder anrufen, um mal drüber zu reden…. Ich habe auf den Internetseiten deutscher Fachzeitschriften gesucht und nichts gefunden, vielleicht war ich auch zu blöd. Für Links wäre ich dankbar.  Und es macht es leichter, wenn man dort jemanden kennt aus so einem Editor board bzw. schwerer, wenns nicht so ist. Hat sich mal jemand gefragt, ob die Leute, die extrem viel in Publikationen erscheinen, auch in Editor boards sitzen und wer in den Editor boards sitzt, die diese ganzen Arbeiten haben durchgehen lassen?

Es gibt da zum Beispiel die Geschichte, wer als erster den Erreger der HIV-Infektion entdeckt hat. Da ist mal rausgekommen, wie es für gewöhnlich läuft. Wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, dann schätze ich, dass bestimmt viele gute Publikationen oder welche zu spannenden und neuen Themen abgelehnt werden und dann später plötzlich in einem gut dotierten Journal etwas dazu erscheint und jemand anderes irgendwo in dieser Welt jault auf und sagt „Das hab ich doch schon vor 2 Jahren eingereicht, aber keiner wollts haben“.  Das habe ich in meiner Umgebung schon erlebt. Da stellt man sich schon Fragen, wie die Welt und diese Publikationsmaschinerie eigentlich funktioniert. Ich halte sowas nicht für Schicksal oder Pech, aber ich glaube zuweilen auch an Verschwörungstheorien.

Tja, ich denke gerade darüber nach, wie manche Leute zu ihren Impact-Faktoren kommen…  Und ich muss ganz klar dem wiedersprechen, was auch ständig in Unis erzählt wird, nämlich dass man die Qualität eines Arztes an seinem Impact-Faktor ablesen kann. Humbug. Manchmal hab ich fast das Gefühl, es wäre genau umgekehrt. Wie gesagt, es gibt Kliniker und Forscher. Und es gibt eine Menge verdammt guter Ärzte, von denen ich mich behandeln lassen würde, die nie publiziert haben, aber dafür wissen, was sie tun müssen, um Leben zu retten, Gesundheit zu erhalten oder wieder herzustellen, die goldene Hände haben oder einen sagenhaften Grips zum nachdenken und die anpacken können und deren Qualität nicht an Impact-Faktoren zu messen ist.

Schafft diese Art von Wissenschaft tatsächlich Wissen?

Ich würde mir wünschen, dass die Editor boards ganz offen im Internet für jeden frei einsehbar sind. Wer für ein Journal eingehende Beiträge durchsieht, bewertet und entscheidet, was erscheint, der kann auch dazu stehen, wer er ist, was er macht, warum er befähigt ist für diese Aufgabe und warum er einen Beitrag abgelehnt hat oder einen anderen angenommen hat. Und ich finde, für den gelten die gleichen Richtlinien wie für Autoren: Offenlegung ob und in welcher Form Beziehungen zur Pharmaindustrie bestehen. Und ich wünsche mir, dass bei jedem Beitrag erscheint, welche Editoren ihn ausgewählt haben und im Internet auf der Seite des Journals bei der jeweiligen Ausgabe als freetext 3 Sätze stehen, warum sie finden, dass diese Arbeit eine Publikation in dem Journal wert ist.

Und einen weiteren Wunsch habe ich: Eine Art WikiMedicalPublishing oder so, wo jeder approbierte Arzt seine Arbeit kostenfrei hinschicken kann, 3 Editoren aus der Fachrichtung unabhängig voneinander bewerten nach wissenschaftlichen Kriterien (z.B. ob randomisiert, retrospektiv, prospektiv, Fallzahl, etc.), was sie davon halten und die Arbeit garantiert online erscheint (wenn sie Kriterien erfüllt wie Angabe der Autoren, Klinik bzw. Praxis, Finanzierung, etc. )  in der Datenbank abrufbar ist, die Editoren und ihre Einschätzungen erscheinen und jeder registrierte Arzt das Recht hat, seine Meinung dazu zu schreiben, wenn er sie fachlich ausreichend begründen kann und zwar unter seinem richtigen Namen (Nicknames verleiten oft zur Verunglimpfung und Quatschpostings). Natürlich brauchts eine eindeutige Identifizierung der Autoren, um Scharlatane rauszuhalten (also definitiv mit Anmeldung) und Moderatoren, die doch eine gewisse Zensur ausüben, um Probleme zu vermeiden, quasi als Qualitätssicherung. Ich wäre gespannt, welche Arbeiten da zutage treten, die heute nicht in die Journals gelangen, aber überaus interessant und inspirierend sind und wie dann wohl das Verhältnis der Namen bei den Publikationen wäre…  Aber das ist Utopie. Wer soll sowas machen und unterhalten… ?

All das, was ich früher zu diesen Themen in der Uni gehört habe (s.o.), was uns als das richtige verkauft wurde und als das Nonplusultra dargestellt… nach all den Jahren hab ich ein wenig an Naivität verloren und etwas an Erkenntnissen gewonnen. Es ist teilweise ernüchternd, manchmal erhellend, aber auch manchmal erschreckend und desillusionierend, was man so mitbekommt, aber es ist bestimmt nicht alles, eher nur die Spitze eines Eisbergs  und die Wahrheit liegt irgendwo da draußen in den endlosen Weiten des Landes Dunkelmedizin, in dem die Krieger des Lichts durch die Nacht reiten und nach dem Licht der Dämmerung suchen, die Erleuchtung verspricht…





Mit den Thesen nix gewesen

5 04 2008

An alle Dr. med.s und anderen Dr. -Titel-Träger da draußen in den Weiten des WWW: Wie bitte schreibt man für seine Dr.-Arbeit Thesen? Was kommt da rein? Wie muss das ungefähr aussehen?

Und wo wir grad beim wissenschaftlichen Denken sind: Wie muss der Lebenslauf aussehen, der in eine Doktorarbeit kommt? Also die Anregungen aus „Paper, Poster und Projekte“ von K.-L.Krämer in allen Ehren, aber soll ich da als approbierter Arzt allen Ernstes reinschreiben, wann ich in der Grundschule war? Und wie meine Eltern heißen und was sie machen? Ich bezweifle grad die Relevanz der genannten Informationen…

Genanntes Buch erklärt zwar, was eine These ist, aber wenn man dieses Blatt mit den Thesen fertig machen soll, sowas steht da nicht drin… Dafür ist erklärt wie man ein PC-Schreibprogramm bedient… naja.

Also falls Ihr hier reinschaut, gebt mir ein Zeichen. Oder auch zwei…





Assistenzarzt und die Doktorarbeit

8 01 2008

Liebe Gemeinde,

wir haben uns heute hier versammelt um den Bund zweier Dinge – zwischen Assistenzarzt und der Doktorarbeit – zu erneuern. Nachdem Assistenzarzt 5 Monate keinen Buchstaben an der Doktorarbeit getan hat und fremdgegangen ist, fanden die beiden heute durch die Wege des Herren wieder zueinander. Ein Engel der Motivation wurde auf die Erde zu Assistenzarzt gesandt und, liebe Gemeinde, es geschah ein Wunder. Assistenzarzt tippte wieder einige Buchstaben und noch mehr und noch mehr. Am Ende hatte Assistenzarzt gar 3 Kapitel überarbeitet und zeigt noch immer den Willen, auch in schwierigen Zeiten und bei komplizierten Passagen zur Doktorarbeit zu halten. Willst Du, Assistenzarzt, die noch ausstehenden Fragen und Überarbeitungen an der Doktorarbeit vornehmen, so antworte mit Ja. – Ja, ich will. – Und willst Du, Doktorarbeit, Assistenzarzt nach Kräften unterstützen, motivieren und auch in schlechten Zeiten für einen Sonnenstrahl sorgen, so antworte mit Ja. – Ja, ich will auch, damit ich endlich mal fertig werde.

*Tosender Applaus der Gemeinde*

So lasst uns beten, dass die beiden auch die nächsten Monate wieder enger zusammenrücken, sich vielleicht nicht lieben, aber dennoch eine Gemeinschaft bilden und irgendwann auch der Nachwuchs in Form des Titels Dr.med. zu ihnen kommt. Amen.





Meine Dissertation – eine Bestandsaufnahme

19 07 2007

Nach … (top secret) … einiger Zeit… habe ich mal wieder Ambitionen mich dem Thema Doktorarbeit zu widmen. Auch genannt Dissertation, das böse D-Wort,… meine emotionale Distanz zu dem Thema sollte mir eigentlich rational denkendes Arbeiten ermöglichen. Sollte man meinen. Oder aber ich habe eben doch nicht die emotionale Distanz, die ich bräuchte. Eine Hassliebe verbindet uns beide.  Über Jahre sind wir miteinander verbandelt. Die längste Beziehung, die ich bisher hatte. Erst mochten wir uns, dann gingen wir uns auf den Geist, doch nach so langer Zeit möchte man sich einfach nicht scheiden lassen und doch alles zu einem guten Ende bringen. Das Ende liegt so nahe und doch so fern. Je länger man wartet, desto mehr Aktualisierungen sind nötig. Bald kann ich auch im Kapitel Geschichte der Medizin schreiben. Meine aktuelle Motivation: fertig werden, damit es vom Tisch ist und ich Seelenfrieden habe.

Die Bestandsaufnahnme:

Doktorand: arbeitender Arzt, jung, dynamisch, ausgebrannt.

Arbeit: Komplex, beim 5. Manuskript angekommen, Papier ist geduldig

Recherchen: schwierig, wenn man sich nicht mehr dran erinnert, was man vor… (top secret) … einiger Zeit… daran gemacht hat, weil man so blöd war und es sich nicht aufgeschrieben hat.

An alle, die ihre Diss begraben haben: Man lebt auch ohne gut.

An alle, die wie ich noch einen Funken Hoffnung nähren: Wir werden alle steinalt sein, wenn wir fertig sind, unsere Kinder werden ihr Abi haben und es wird die 333. Novelle der WBO geben.

An alle, die noch schreiben wollen: Viel Spaß, ihr werdet euren Humor gebrauchen können. 🙂